„Die Pluralbildung im Deutschen ist nicht chaotisch, aber komplex.
Unabhängig davon, ob man für die Pluralbildung Regeln, Schemata oder die Wortstruktur als Erklärungsmodell benutzt, bleibt die Tatsache einer beachtlichen Zahl miteinander konkurrierender Formen zu erklären.“ (WEGENER 1999: 1)
Das deutsche Pluralsystem ist nach morphologischen und silbenphonologischen Beschränkungen aufgebaut. Somit lässt es sich an Hand eines Systems beschreiben, das Optimalitätstheorie genannt wird. Die Optimalitätstheorie nimmt an, dass Wortformen universalen Beschränkungen unterliegen, welche prinzipiell verletzbar und untereinander hierarchisiert sind. Ziel dieser Arbeit soll es sein, diese Beschränkungen zu erläutern und auf eventuelle Erklärungslücken der Optimalitätstheorie hinsichtlich der deutschen Pluralformen hinzuweisen. So kann man mit dieser Theorie zwar beispielsweise zwischen n-Plural und Umlaut problemlos unterscheiden, allerdings ergeben sich Schwierigkeiten bei der Wahl des für die deutsche Sprache relativ jungen s-Plurals, worauf ich ab Kapitel 3.3 näher eingehen werde.
Zunächst erläutere ich jedoch allgemeintheoretisch die Pluralbildung des Deutschen. Im Anschluss daran definiere ich im dritten Kapitel die Optimalitätstheorie sowie die für die Pluralbildung relevanten Beschränkungen, um mit diesem Wissen das Zusammenwirken an einigen Beispielen zeigen zu können. Als Grundlage dazu dient das 1999 veröffentlichte Manuskript "German Noun Plural Reconsidered" von DIETER WUNDERLICH. Schließlich versuche ich, vorhandene Zweideutigkeiten bei der Pluralwahl mit Hilfe einer neuen Hierarchisierung der Beschränkungen einzudämmen. Eine kritische Bewertung dieser Theorie wird den Abschluss der Arbeit bilden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Plural im Deutschen
2.1 Bildung Allgemein (DUDEN)
2.2 Systematisierung nach WEGENER
2.3 Zwischenfazit
3. Die Optimalitätstheorie
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Ein nicht-linguistisches Beispiel
3.3 A constraint-based analysis von DIETER WUNDERLICH
3.3.1 Die einzelnen Beschränkungen
3.3.2 Hierarchie für die deutsche Pluralbildung
3.3.3 Anwendung der Optimalitätstheorie von WUNDERLICH
3.3.4 Versuch, durch neues Ranking Probleme zu lösen
3.4 Zwischenfazit: Kritik an WUNDERLICHS constraint-based analysis
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das deutsche Pluralsystem unter Anwendung der Optimalitätstheorie (OT), um die komplexen Regeln und konkurrierenden Formen der Pluralbildung formal zu beschreiben und auf ihre Anwendbarkeit und Konsistenz zu prüfen.
- Grundlagen der deutschen Pluralbildung nach Duden und Wegener
- Einführung in die Prinzipien der Optimalitätstheorie
- Analyse der Pluralbildung auf Basis des Modells von Dieter Wunderlich
- Überprüfung der Beschränkungshierarchien an Beispielen wie Feminina und Maskulina
- Kritische Diskussion der theoretischen Validität und verbleibender Erklärungslücken
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsdefinition
Die in den 90er Jahren erstmals in der Literatur aufgetauchte Optimalitätstheorie (Optimality Theory, OT) ist laut PROF.DR.KARL HEINZ WAGNER von der Universität Bremen eine „formale Theorie über sprachliche Universalien und somit der Universalgrammatik.“ Seit dem bereits 1993 verfassten, jedoch bis heute unveröffentlichtem, Manuskript von ALAN PRINCE und PAUL SMOLENSKY mit dem Titel Optimality Theory: Constraint Interaction in Generative Grammar, hat sich die Forschung zur OT rasant entwickelt und beherrscht zunehmend den wissenschaftlichen Diskurs auf Tagungen und Seminaren. Sie wird in manchen Kreisen auch als die Sprachtheorie des vergangenen Jahrzehnts betrachtet.
Die OT geht davon aus, dass die grammatische Oberflächenform einer Sprache aus Entscheidungsprozessen von unterschiedlichen strukturellen Bedingungen hervorgeht. Die Grammatiken aller Einzelsprachen haben eine Menge von Beschränkungen gemeinsam, die sogenannten Constraints, die als universell angenommenen werden. Diese Beschränkungen sind zwar universell gültig, aber verletzbar. Sie sind hinreichend einfach und generell, so dass sie in vielen Kontexten in Konflikt geraten: sie können nicht gleichzeitig erfüllt werden. Die jeweilige Grammatik einer Einzelsprache löst diese Konflikte, indem sie die Beschränkungen in einer gewichteten Hierarchie ordnet und zwar in der Art, dass höherrangige Beschränkungen absolute Priorität gegenüber niedrig gestellten haben. Eine Output-Form ist dann „optimal“, wenn sie die am wenigsten gravierenden Beschränkungsverletzungen aufweist. Die Typologie aller möglichen Sprachen ist das Resultat aller möglichen Rangordnungen der universellen Beschränkungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel fest, die komplexe deutsche Pluralbildung mittels der Optimalitätstheorie zu analysieren und Schwachstellen in den existierenden Erklärungsmodellen aufzuzeigen.
2. Der Plural im Deutschen: Dieses Kapitel erläutert die traditionelle Systematisierung der Pluralbildung gemäß Duden und Wegener, wobei die Schwierigkeiten und Ausnahmen des Systems verdeutlicht werden.
3. Die Optimalitätstheorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen der OT, das Konzept der Constraints sowie die spezifische constraint-based analysis von Dieter Wunderlich für das Deutsche detailliert dargestellt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Anwendbarkeit des theoretischen Modells sowie den Bedarf für weitere Verbesserungen zur vollständigen Erfassung des deutschen Pluralsystems.
Schlüsselwörter
Optimalitätstheorie, Pluralbildung, constraints, Deutsch, Linguistik, Markiertheit, Treuebeschränkungen, Dieter Wunderlich, Flexionsklassen, Sprachwissenschaft, Grammatik, Morphologie, s-Plural, n-Plural, Umlaut.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Struktur und Komplexität der deutschen Pluralbildung anhand des theoretischen Modells der Optimalitätstheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die morphologischen Regeln des Deutschen, die universellen Beschränkungen (Constraints) der Optimalitätstheorie und deren Anwendung auf reale Sprachdaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Pluralbildung als ein hierarchisches System von Beschränkungen zu erklären und zu prüfen, ob dieses Modell in der Lage ist, die korrekten Pluralformen konsistent vorherzusagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der Optimalitätstheorie (OT) verwendet, bei der ein System von gewichteten, verletzbaren Beschränkungen auf verschiedene Input-Kandidaten angewendet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition der OT, der Erläuterung der spezifischen Beschränkungen nach Wunderlich und der praktischen Anwendung des Modells auf Feminina, Maskulina und Neutra.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Optimalitätstheorie, Pluralbildung, Constraints, Markiertheit und morphologische Analyse.
Warum spielt der s-Plural eine besondere Rolle in der Argumentation?
Der s-Plural gilt als historisch untypisch und jung, weshalb er bei der Modellierung oft zu Problemen führt und die Grenzen der bestehenden Beschränkungshierarchien aufzeigt.
Wie geht die Optimalitätstheorie mit Ausnahmen um?
Ausnahmen werden durch eine spezifische Hierarchisierung der Beschränkungen gelöst, wobei der Kandidat als optimal gilt, der gegen die am niedrigsten gerankten Regeln verstößt.
- Arbeit zitieren
- Ellen Thießen (Autor:in), 2008, Die Pluralbildung im Deutschen: Eine Untersuchung an Hand der Optimalitätstheorie , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/135874