Im Folgenden soll die Historienserie Die Tudors genauer in den Blick genommen werden. Hierbei soll zunächst das Medium Historienserie definiert werden. Eigenheiten, Gesetze sowie Chancen und Risiken einer Historienserie werden dargelegt. Anschließend werden einige Rahmendaten zu Die Tudors genannt, um daran anknüpfend die Machart und den Umgang der Serie mit den zugrundeliegenden historischen Fakten zu analysieren. In einem nächsten Punkt werden im Rahmen einer Sachanalyse die historischen Ereignisse rund um The King’s Great Matter dargelegt, um gleichzeitig zu prüfen, inwiefern die historischen Fakten Eingang in die Serie gefunden haben. Zuletzt wird eine exemplarische Analyse einer Folge von Die Tudors angestellt. Hier wird sowohl auf inhaltliche Aspekte als auch auf die filmische Machart eingegangen.
Die voranschreitende Digitalisierung und die damit einhergehende wachsende Bedeutung sowie Nutzung des Internets führt einerseits zur großflächigeren Verbreitung von audiovisuellen Inhalten, andererseits zu einer Veränderung der Abrufmöglichkeiten dieser Inhalte. Serien und Filme können nicht mehr nur ‚live‘ im Fernsehen konsumiert werden, sondern stehen in Mediatheken oder auf Streaming-Plattformen jederzeit und überall zum Abruf bereit.
Durch den immensen Zuspruch, den Onlineanbieter wie Netflix, Amazon Prime oder Disney+ bekommen, entstehen gänzlich neue Formen der Serienrezeption. Fernsehgeräte mit Internetzugang und die Verfügbarkeit zahlreicher audiovisueller Inhalte auf verschiedenen Zugangswegen, verbinden Fernsehen mit den neuen Möglichkeiten des Internets.
Diese Entwicklungstendenz zeigt sich auch in Zahlen. Laut der 2021 veröffentlichten Onlinestudie der ARD und des ZDF nutzen 42% der Deutschen über 14 Jahre Video-Streaming-Dienste täglich oder wöchentlich. 2020 waren es hingegen nur 36% der Befragten. In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen gaben 2021 neun von zehn Personen an, Streaming-Dienste zu nutzen. Besonders in der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen steigt der Konsum. So gaben im Jahr 2020 noch 64% an, regelmäßig Streaming-Plattformen zu nutzen, während dies im Jahr 2021 schon 76% von sich behaupteten.
Besonderer Beliebtheit erfreuen sich unter anderem Serien, die in ein historisches Setting eingebettet sind und häufig von bekannten historischen Persönlichkeiten erzählen, sogenannte Historienserien. Prominente Beispiele hierfür sind die Serien Rom, Vikings, Die Tudors, Peaky Blinders, Outlander oder Bridgerton.
Inhaltsverzeichnis
I. Der Boom des Mediums Serie
II. Hauptuntersuchung
1. Das Medium Historienserie
1.1 Definition und Abgrenzung der Historienserie vom Historienfilm
1.2 Regeln, Chancen und Risiken des Mediums Historienserie
2. Die Historienserie Die Tudors
2.1 Inhalt und Machart der Serie
2.2 The King’s Great Matter in Die Tudors: Eine Sachanalyse
2.3 Analyse der Folge Destiny and Fortune (Staffel 2 Folge 10)
III. Schlussbetrachtung
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Hauptseminararbeit untersucht die historische Historienserie "Die Tudors" im Hinblick auf ihr Verhältnis von historischer Akkuratesse und fiktionaler Gestaltung. Ziel ist es zu analysieren, wie die Serie historische Ereignisse der Regierungszeit Heinrichs VIII. – insbesondere die Annullierung seiner Ehe mit Katharina von Aragon und die Beziehung zu Anna Boleyn – dramatisiert und inwiefern diese Inszenierung den Anspruch an historische Wahrheit beeinflusst.
- Definition und Charakteristika des Mediums Historienserie
- Analyse des Spannungsfelds zwischen Faktizität und Fiktionalität
- Sachanalyse zu "The King’s Great Matter" im historischen Kontext
- Filmanalytische Untersuchung der Folge "Destiny and Fortune"
- Reflexion über den Stellenwert von Unterhaltung im Geschichtsfernsehen
Auszug aus dem Buch
2.3 Analyse der Folge Destiny and Fortune (Staffel 2 Folge 10)
Anna befindet sich zu Beginn der Folge betend im Tower, nachdem sie verhaftet und verurteilt wurde. Ihr wird mitgeteilt, dass ihr der Tod auf dem Scheiterhaufen erspart bleibt und ihr der König den Tod durch einen der besten Scharfrichter aus Calais gewährt, wie es auch historisch belegt ist. Insgesamt macht Anna in dieser Folge einen sehr ruhigen und gefassten Eindruck. Es wirkt so, als hätte sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden und wäre bereit, in den Tod zu gehen. „Niemals hat jemand besseren Willen gezeigt, zum Tode zu gehen, als sie“, heißt es in einem überlieferten Brief des spanischen Botschafters Chapuys. Die Quelle bestätigt somit die Darstellung von Annas Gefühlslage in der Episode.
Zudem beteuert sie in Anwesenheit des Erzbischofs Cranmers ihre Unschuld: „Ich schwöre bei meinem Glauben und bei meiner unsterblichen Seele, dass ich meinem Fürsten und Ehemann niemals untreu gewesen bin, noch mich je mit Taten gegen ihn vergangen habe.“ Diese Aussage ist ebenfalls eng mit den Quellen abgestimmt. Derselbe Botschafter wie eben schreibt: „Die Dame, die sie bewachte, hat mir unter größter Verschwiegenheit sagen lassen, dass diese Konkubine vor und nach dem heiligen Sakrament ihr auf die Verdammnis ihrer Seele beteuert habe, sie sei dem König nicht untreu gewesen.“ Auch die Aufschiebung der Hinrichtung vom 18. auf den 19. Mai wird in der Serie dargelegt. Gegen Ende der Episode (Minute 36:40-43:25) folgt die Hinrichtungsszene, die im Folgenden näher analysiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Der Boom des Mediums Serie: Dieses Kapitel thematisiert die zunehmende Digitalisierung und den Einfluss von Streaming-Plattformen auf die moderne Serienrezeption.
II. Hauptuntersuchung: Hier werden Grundlagen zum Medium Historienserie definiert sowie die Serie "Die Tudors" inhaltlich analysiert, wobei der Fokus auf dem "King's Great Matter" und einer exemplarischen Folgenanalyse liegt.
III. Schlussbetrachtung: Das Kapitel reflektiert das Spannungsfeld zwischen faktengetreuer Geschichtsdarstellung und dramaturgischer Freiheit der Serie.
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten historischen Quellen sowie der filmografischen und wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Die Tudors, Historienfilm, Historienserie, Heinrich VIII., Anna Boleyn, Geschichte im Fernsehen, Authentizität, Faktizität, Fiktionalität, Streaming-Dienste, Geschichtskultur, The King's Great Matter, Film-Analyse, Mediale Darstellung, Geschichtsbewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von historischer Akkuratesse und fiktionaler Erzählweise in der Historienserie "Die Tudors" anhand der Regierungszeit Heinrichs VIII.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die filmische Definition der Historienserie, die dramaturgische Aufbereitung historischer Fakten und die Frage nach Authentizität im Fernsehen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Serie historische Ereignisse zwecks Unterhaltung modifiziert und welche Auswirkungen dies auf das Geschichtsbild des Zuschauers hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus historischer Sachanalyse und filmanalytischen Ansätzen, gestützt durch zeitgenössische Quellenvergleiche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine medienwissenschaftliche Definition, eine Sachanalyse zum "King's Great Matter" sowie eine detaillierte Filmanalyse einer Schlüsselfolge.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit kennzeichnen?
Die Arbeit umfasst Begriffe wie Authentizitätsfiktion, Historienserie, Faktizität, Fiktionalität, sowie spezifisch die historische Figur des Heinrich VIII. und das Medium "Die Tudors".
Welche spezifischen ahistorischen Elemente werden an der Serie kritisiert?
Die Arbeit weist auf Dramatisierungen hin, wie etwa das vorzeitige Sterben des unehelichen Sohnes oder den Selbstmord von Kardinal Wolsey, die historisch nicht belegt sind.
Wie bewertet der Autor das Staffelfinale der zweiten Staffel?
Das Staffelfinale wird als Beispiel für eine teils quellennahe Darstellung hervorgehoben, bei der zwar die historische Aussage gewahrt bleibt, jedoch dramaturgische Anpassungen stattfinden.
- Arbeit zitieren
- Marius Micheler (Autor:in), 2022, Die Historienserie "Die Tudors" im Licht der historischen Authentizität, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1349119