Diese Arbeit gibt einen kurzen Einblick in Konzept und Thesen des Emergentismus sowie über die diversen Auffassungsweisen von Emergenz. Im Hintergrund sind die Spannungen und Ähnlichkeiten zu anderen Welterklärungsmodellen und erwähnt. Zur Illustrierung wird auf zahlreiche mögliche Beispiele für Emergenz hingewiesen; manche davon aus dem Alltagsbereich, manche begegnen in speziellen Bereichen der Wissenschaft. So wird ein anschaulicher Überblick über das Thema Emergenz und Emergentismus gegeben.
Im Kern wird sich damit befasst, wie Objekte, Verhaltensweisen und dergleichen im Bezug auf ihrer Bestandteile zu betrachten sind; des weiteren wie ihre Entstehung zu begreifen ist und schließlich welches Aufbauprinzip das Universums aufweist. Es wird ein philosophisches Welterklärungsmodell vorgestellt und diskutiert, dessen Leitmotiv die "Emergenz" ist und daher "Emergentismus" genannt wird. Der Emergentismus stellt eine bedeutende Position dar, jedoch ist die Form seiner
Thesen teilweise nicht vollständig geklärt und löst Kritik wie auch prinzipielle Ablehnung aus.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Allgemeines
2. Verhältnis zu anderen philosophischen Positionen
3. Emergenzthese
3.1 Bedingungen und Merkmale von Emergenz
3.2 Emergente Einheiten und ihre Bestandteile
3.3 Abwärtskausalität und Supervenienz
3.4 Ontologische/starke und epistemologische/schwache Emergenz
3.4.1 Ontologische/starke Emergenz
3.4.2 Epistemologische/schwache Emergenz
3.4.2.1 Konzeptuelle Emergenz
4. Auffassungsweisen von Emergenz
4.1 Transformationelle Emergenz und Fusionsemergenz
4.2 Naturphilosophische Emergenz
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der zentralen Frage, wie Objekte und Verhaltensweisen in Bezug auf ihre Bestandteile zu betrachten sind. Ziel ist es, ein philosophisches Welterklärungsmodell zu präsentieren, dessen Leitmotiv die Emergenz ist, um das Verständnis für nicht-reduktionistische Prinzipien innerhalb des Universums zu schärfen.
- Grundlagen des Emergenzbegriffs und historische Verortung
- Differenzierung zwischen starker (ontologischer) und schwacher (epistemologischer) Emergenz
- Analyse der Abwärtskausalität und Supervenienz-Beziehungen
- Vorstellung verschiedener Auffassungsweisen wie Transformationelle Emergenz und Fusionsemergenz
Auszug aus dem Buch
3.1 Bedingungen und Merkmale von Emergenz
Das Emergenzkonzept ist wesentlich geprägt von einer Existenzstufenhierarchie, deren fundamentale Ebenen die materielle, die biologische und die mentale sind. So herrscht eine Sichtweise, in der die Welt in Ebenen eingeteilt ist und Eigenschaften auf den höheren Ebenen aus Eigenschaften auf den niederen entstehen.
Es gibt zwar keine übereinstimmende Festlegung, was eine emergente Einheit ausmacht, aber einige Merkmale sind in den verschiedenen Diskussionen über Emergenz meistens angeführt. Emergente Erscheinungen gelten als irreduzibel, neuartig, theoretisch unvorhersagbar, unerklärlich, holistisch, erfordern konzeptuelle Neuheit, besitzen neuartige kausale Kräfte und müssen aus etwas hervorgekommen sein. Des Weiteren gilt, dass etwas emergentes ontologisch neu sein muss, wie das erstmalige Auftreten eines Lebewesens auf der Erde, falls es tatsächlich emergieren sollte. Allgemein gilt für viele Konzepte zu Emergenz, dass emergente Erscheinungen aus der Komplexität von Systemen heraus emergieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die philosophische Relevanz der Frage thematisiert, ob die Welt lediglich die Summe ihrer Einzelteile oder mehr als diese ist, wobei das Modell der Emergenz als Antwortansatz eingeführt wird.
1. Allgemeines: Dieses Kapitel liefert eine historische Einordnung des Begriffs der Emergenz von der Antike über den britischen Emergentismus des 19. Jahrhunderts bis hin zu modernen wissenschaftlichen Diskussionen.
2. Verhältnis zu anderen philosophischen Positionen: Hier wird der Emergentismus zwischen Naturalismus, Reduktionismus und Dualismus positioniert, um seine einzigartige philosophische Stellung zu verdeutlichen.
3. Emergenzthese: Es werden grundlegende Definitionen und die strukturelle Aufteilung in Ebenen sowie spezifische Merkmale wie Irreduzibilität und Holismus ausführlich dargelegt.
3.1 Bedingungen und Merkmale von Emergenz: Dieser Abschnitt beschreibt die hierarchische Stufenordnung und die essenziellen Eigenschaften, die ein Phänomen erfüllen muss, um als emergent zu gelten.
3.2 Emergente Einheiten und ihre Bestandteile: Der Fokus liegt auf der Unterscheidung zwischen aggregierten und emergenten Einheiten.
3.3 Abwärtskausalität und Supervenienz: Es wird analysiert, wie emergente Merkmale ihrerseits kausal auf untere Ebenen einwirken können und in welchem Abhängigkeitsverhältnis sie zu ihren Bestandteilen stehen.
3.4 Ontologische/starke und epistemologische/schwache Emergenz: In diesem Teil erfolgt die Differenzierung zwischen starker Emergenz, die reale neue Kräfte annimmt, und schwacher Emergenz, die primär die Unvorhersagbarkeit betont.
3.4.1 Ontologische/starke Emergenz: Hier wird die Auffassung verteidigt, dass starke Emergenz objektive, neuartige Merkmale beschreibt, die über die bloße Beschreibung der Einzelteile hinausgehen.
3.4.2 Epistemologische/schwache Emergenz: Dieser Abschnitt konzentriert sich auf die erkenntnistheoretische Sichtweise, bei der die Emergenz aus der Unmöglichkeit der Vorhersagbarkeit resultiert.
3.4.2.1 Konzeptuelle Emergenz: Diese Unterkategorie erläutert, wie unterschiedliche Beschreibungsebenen und Theorien neue konzeptuelle Modelle erfordern.
4. Auffassungsweisen von Emergenz: Es werden spezifische, moderne Ansätze wie die Transformationelle Emergenz vorgestellt.
4.1 Transformationelle Emergenz und Fusionsemergenz: Die Ansätze von Paul Humphreys werden betrachtet, bei denen Bestandteile eines Systems durch Interaktion neue Identitäten annehmen oder verschmelzen.
4.2 Naturphilosophische Emergenz: Dieser Abschnitt reflektiert die Rolle der Naturphilosophie als Brücke zwischen Naturwissenschaft und Religion mittels des Emergenzbegriffs.
Schlusswort: Eine abschließende Synthese der Kernthesen zur Emergenz und ein Ausblick auf die Weiterentwicklung dieses philosophischen Modells.
Schlüsselwörter
Emergenz, Emergentismus, Reduktionismus, Abwärtskausalität, Supervenienz, Holismus, Irreduzibilität, Ontologie, Epistemologie, Komplexität, Naturphilosophie, Transformationelle Emergenz, Fusionsemergenz, Welterklärungsmodell, Existenzstufenhierarchie
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Ausarbeitung?
Die Arbeit behandelt das philosophische Konzept des Emergentismus und untersucht, wie man das Verhältnis zwischen einem Ganzen und dessen Teilen theoretisch erfassen kann.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Felder umfassen die Unterscheidung von schwacher und starker Emergenz, die Analyse kausaler Wirkungsmechanismen (Abwärtskausalität) und das Verhältnis des Emergentismus zum Reduktionismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Primäres Ziel ist die Darstellung und Diskussion eines holistischen Welterklärungsmodells, das erklärt, warum das Ganze oft "mehr als die Summe seiner Teile" ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Analyse- und Synthesemethode, indem sie existierende Theoriedebatten (z.B. von Paul Humphreys oder Mark Bedau) zusammenführt und strukturiert.
Welche Kernpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Emergenz, die Unterscheidung zwischen ontologischen und epistemischen Formen sowie eine Übersicht moderner Auffassungsweisen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Begriffe sind insbesondere Emergenz, Reduktionismus, Abwärtskausalität, Holismus und Supervenienz.
Was unterscheidet ontologische von epistemologischer Emergenz konkret?
Ontologische Emergenz postuliert das reale Entstehen neuer, objektiver kausaler Kräfte in der Welt, während epistemologische Emergenz die menschliche Unfähigkeit betont, emergente Phänomene aus den zugrunde liegenden Gesetzen vorherzusagen oder vollständig zu erklären.
Welche Bedeutung hat das "Exklusionsargument" in diesem Text?
Das Exklusionsargument dient als kritischer Einwand gegen die Theorie, dass emergente Phänomene eigenständige kausale Kräfte besitzen könnten, da physikalische Ereignisse bereits auf einer fundierenden Ebene kausal abgeschlossen seien.
Wie verhält sich die naturphilosophische Emergenz zu den anderen Ansätzen?
Die naturphilosophische Emergenz nutzt den Begriff, um einen respektvollen Dialog zwischen Naturwissenschaft und Religion zu fördern und gegen eine rein szientistische Polemik zu verteidigen.
- Arbeit zitieren
- Ingbert E. O. J. Jilg (Autor:in), 2016, Emergentismus und Emergenz. Konzept und Thesen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1340594