In den westlichen Industrienationen wird zunehmend die Tendenz hin zu mehr
Individualismus verbunden mit einem vermeintlichen Verlust von Werten beklagt.
Auf dieser Kritik basierend, bildete sich Ende der 80er Jahre in den USA die
kommunitaristische Bewegung. Sie hat das Ziel, eine gesellschaftsweite
Diskussion über das Verhältnis von Rechten und Pflichten jedes Einzelnen zu
fördern.
Der amerikanische Soziologe Amitai Etzioni gilt als Anführer dieser Bewegung. Die
von ihm vertretene sozialphilosophische Denkschule des Kommunitarismus und
das darauf basierende Modell einer "Verantwortungsgesellschaft" wendet sich
gegen die Tendenzen zum übertriebenen Individualismus und will durch eine
Erneuerung gemeinsamer Werte wieder ein Fundament für eine gerechte
politische Ordnung schaffen.
In dieser Hausarbeit soll der Versuch unternommen werden, die Grundzüge der
kommunitaristischen Anschauung darzustellen.
Der Kommunitarismus will eine Veränderung auf allen Ebenen der Gesellschaft
erreichen - sozial, politisch und wirtschaftlich. Da er diese Veränderung vor allem
durch Erziehung und Bildung erreichen will, wird die kommunitaristische
Familienpolitik näher betrachtet.
Durch den begrenzten Umfang einer Hausarbeit kann das Thema nicht
erschöpfend erläutert werden, vielmehr soll eine Diskussionsgrundlagen
geschaffen werden, um das von Etzioni entworfene Bild einer "neuen
Verantwortungsgesellschaft" kritisch zu hinterfragen.
Die Begriffe Kommunitarist und Kommunitarier werden in dieser Hausarbeit
synonym verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Worterklärung
3. Die Entwicklung des Kommunitarismus
4. Überzogener Individualismus
5. Gesellschaftsbezug
6. Moralische Stimme
7. Literaturangaben
Zielsetzung der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Theorie des Kommunitarismus auseinander, wie sie insbesondere von Amitai Etzioni geprägt wurde. Ziel ist es, die Grundzüge dieser sozialphilosophischen Bewegung darzustellen, ihr Modell der „Verantwortungsgesellschaft“ zu beleuchten und den Einfluss des „überzogenen Individualismus“ auf die heutige Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu hinterfragen.
- Kritik am überzogenen Individualismus in modernen Gesellschaften.
- Bedeutung von gemeinsamen Werten für den demokratischen Zusammenhalt.
- Unterscheidung zwischen verschiedenen Menschentypen (utilitaristisch vs. expressiv).
- Auswirkungen von Mobilität, Autonomie und Wertewandel auf die Gemeinschaft.
Auszug aus dem Buch
Überzogener Individualismus
Beim Blick auf die Einkaufstrassen der westlichen Welt oder auf Großstädte bei Nacht, wird ganz schnell klar, was mit „überzogenem Individualismus“ gemeint ist. Hier sieht man ein Problem der Demokratie: Jeder ist nur mit sich selbst beschäftigt. Dies ist der Individualismus des gehobenen Mittelstandes. Die Menschen werden von Streben nach Karriere und dauerndem Lebensgenuss beherrscht. Es ist kaum Platz für soziale Verantwortung und Gemeinwohl.
Diesen Stand, den heute die Manager, Psychotherapeuten und reichen Ästheten, bei denen der überzogene Individualismus extrem ausgeprägt ist, einnehmen, bildeten im Wilhelminischen Zeitalter die preußischen Offiziere und die Sozialdemokraten, im viktorianischen England die Privatschuldirektoren, die Forscher und die Ingenieure. Sie alle haben / hatten die individuelle Unabhängigkeit und somit die Illusion der Selbstbestimmung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Wertewandels und des wachsenden Individualismus in westlichen Industrienationen ein und stellt den Kommunitarismus als Gegenbewegung vor.
2. Worterklärung: In diesem Kapitel werden grundlegende Begrifflichkeiten geklärt und das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft aus Sicht der Kommunitaristen definiert.
3. Die Entwicklung des Kommunitarismus: Hier wird der historische Wandel und die Verlagerung der Kernfragestellung des Kommunitarismus von den USA nach Europa thematisiert.
4. Überzogener Individualismus: Dieses Kapitel analysiert das Phänomen der Selbstzentrierung und stellt zwei spezifische Menschentypen im modernen Individualismus einander gegenüber.
5. Gesellschaftsbezug: Das Kapitel beleuchtet, wie gesellschaftliche Dynamik, Mobilität und ein zunehmender Liberalismus den Zusammenhalt und das „Netzwerk der sozialen Umwelten“ beeinflussen.
6. Moralische Stimme: Der kurze Abschnitt betont die Notwendigkeit von Erziehung und Überzeugung bei der Vermittlung von moralischen Werten.
7. Literaturangaben: Eine Auflistung der in der Hausarbeit verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Kommunitarismus, Amitai Etzioni, Individualismus, Gesellschaft, Demokratie, Gemeinschaftssinn, Wertewandel, Verantwortung, Sozialphilosophie, Moral, Lebenssinn, Pluralismus, Selbstverwirklichung, Gemeinwohl, Liberale Demokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die sozialphilosophische Denkschule des Kommunitarismus, die als Reaktion auf die zunehmende Individualisierung in westlichen Gesellschaften entstand.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Themenfelder umfassen die Spannung zwischen individuellem Freiheitsstreben und sozialer Verantwortung, die Bedeutung von Gemeinschaftswerten sowie den gesellschaftlichen Wertewandel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Grundzüge der kommunitaristischen Philosophie und das von Amitai Etzioni entworfene Modell einer „Verantwortungsgesellschaft“ darzustellen und kritisch zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer Literaturanalyse und der Auseinandersetzung mit soziologischen sowie sozialphilosophischen Konzepten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsgeschichte des Kommunitarismus, definiert die Problematik des überzogenen Individualismus und untersucht die Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kommunitarismus, Gemeinschaftssinn, Verantwortung, Individualismus und gesellschaftliche Bindungen.
Welche zwei Menschentypen werden im Kontext des Individualismus unterschieden?
Der Autor unterscheidet den utilitaristischen Menschentyp, der auf Karriere und Nutzenmaximierung ausgerichtet ist, und den expressiven Menschentyp, der primär nach Vergnügen und Steigerung der eigenen Lust strebt.
Warum wird laut der Arbeit das „Experiment demokratischer Selbstverwaltung“ gefährdet?
Es wird argumentiert, dass eine zu starke Fokussierung auf das Individuum bei gleichzeitigem Verlust des Gemeinschaftssinns das „Netzwerk der sozialen Umwelten“ schwächt, welches für das Funktionieren einer Demokratie essenziell ist.
- Arbeit zitieren
- Nadine Zasinski (Autor:in), 2003, Kommunitarismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/13362