Zu Beginn dieser Hausarbeit wird die Gattung des Erzählens definiert und vorgestellt, um im Anschluss genauer auf ihre Rolle im schulischen Alltag einzugehen. Um analysieren zu können, warum die Implementierung des Erzählens in den Morgenkreis für viele so wichtig ist, werden auch sprachdidaktische Ziele zusammengefasst. Darauf folgt eine Darstellung der Rolle des Erzählkreises im schulischen Alltag und wie er dafür sorgt, dass Kinder einen reibungslosen Übergang von zu Hause hin zum Unterrichtsgeschehen erleben. Außerdem wird die Bedeutung dieser Unterrichtsform herausgestellt, da sie den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gibt längere Äußerungen zu tätigen. Die darauffolgende kritische Analyse dient dazu dem Leser einen abschließenden Überblick zu geben, inwiefern sich der Morgenkreis als Mittel zur Förderung der Erzählkompetenz eignet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Erörterung des Ziels der Hausarbeit
2. Erzählen als sprachliche Gattung
2.1 Die Gattung Erzählen im schulischen Kontext
2.2 Ein sprachdidaktischer Blick auf das Erzählen im Morgenkreis
3. Implementierung in den Morgenkreis einer Grundschule
3.1 Warum Erzählen so wichtig für Kinder in der Grundschule ist
3.2 Kritische Analyse der Entwicklung der Erzählkompetenz im Rahmen des Morgenkreises
3.3 Vorstellung einer Möglichkeit zur Förderung der Fähigkeit des Erzählens
4. Abschließender Gedanke zur Rolle der kommunikativen Fähigkeit des Erzählens (Fazit)
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Erzählens als sprachliche Gattung im Grundschulkontext und analysiert, wie diese durch die Implementierung in den Morgenkreis gezielt gefördert werden kann. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie der Morgenkreis als sinnvoller Raum für die Entwicklung der Erzählkompetenz genutzt werden kann, ohne dabei durch institutionelle Anforderungen oder Zwangskommunikation das natürliche Bedürfnis der Kinder zum Mitteilen einzuschränken.
- Definition und Voraussetzungen des Erzählens als sprachliche Gattung
- Anforderungen an eine natürliche Erzählsituation im schulischen Alltag
- Die Rolle der Lehrkraft als Zuhörer und Impulsgeber
- Kritische Analyse des Morgenkreises als Ort der Kompetenzförderung
- Methodische Ansätze zur Förderung der Erzählfähigkeit, wie der Erzählbaukasten
Auszug aus dem Buch
2. Erzählen als sprachliche Gattung
„Das Erzählen ist, folgt man Uta Quasthoff, an „gewisse Minimalbedingungen von Ungewöhnlichkeit“ geknüpft“ (Kern 2012, 1). Dieses Zitat greift eine der wichtigsten Kernvoraussetzungen auf, die eine mündliche Äußerung zu einer Erzählung macht. Die beschriebene „Ungewöhnlichkeit“, die eine Erzählung u.a. ausmacht, kann man als ein Ereignis auffassen, das den Rahmen des Alltäglichen sprengt und daher vom Erzähler als erzählwürdig angesehen wird. Allerdings ist die Entscheidung, ob ein Ereignis diese Voraussetzung erfüllt oder nicht eine subjektive und ist somit vom Erzähler abhängig. Diese unterschiedliche Auffassung von Erzählwürdigkeit lässt sich sowohl innerhalb einer Klasse, also unter den Schülern, als auch zwischen Kindern und Erwachsenen ausmachen, speziell bei Letzteren variieren die Unterschiede stärker.
Becker bezeichnet Erzählen als „kommunikative Basiskategorie“ (Becker 2019, 78), da grundsätzlich festgehalten werden kann, dass jedes Individuum das Bedürfnis hat sich mitzuteilen. Besonders in Grundschulklassen wird dies deutlich, da die Schülerinnen und Schüler immer wieder vom Unterrichtsgespräch abweichen und von Ereignissen erzählen wollen, die sie meist außerhalb der Schule erlebt haben, um ihre Mitschüler am Erlebten teilhaben zu lassen. Prinzipiell lässt sich sagen, dass der Wert des Erzählten vom Erzähler anders wahrgenommen werden kann als vom Zuhörer. Dies lässt sich auf unterschiedliche Interessen und Definitionen von der bereits angesprochenen Erzählwürdigkeit zurückführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Erörterung des Ziels der Hausarbeit: Die Einleitung legt den Fokus auf die Förderung der Erzählkompetenz im Grundschulunterricht und definiert das Ziel, die Implementierung des Erzählens im Morgenkreis kritisch zu beleuchten.
2. Erzählen als sprachliche Gattung: Dieses Kapitel definiert Erzählen als kommunikative Basiskategorie, analysiert die Voraussetzungen für Erzählwürdigkeit und beschreibt den strukturellen Aufbau einer Erzählung nach Rehbein.
2.1 Die Gattung Erzählen im schulischen Kontext: Es wird die Schwierigkeit thematisiert, in einem lehrerdominierten Unterrichtsalltag trotz unterschiedlicher sprachlicher Entwicklungsniveaus der Kinder eine natürliche Erzählsituation zu schaffen.
2.2 Ein sprachdidaktischer Blick auf das Erzählen im Morgenkreis: Dieser Abschnitt beleuchtet die Rolle der Lehrkraft im Morgenkreis und warnt vor Zwangskommunikation, betont jedoch das Potenzial zur Förderung kommunikativer Kompetenzen.
3. Implementierung in den Morgenkreis einer Grundschule: Das Kapitel veranschaulicht den Morgenkreis als wichtigen Übergangsraum, in dem Schüler durch Interaktion Ängste abbauen und eigene Erfahrungen einbringen können.
3.1 Warum Erzählen so wichtig für Kinder in der Grundschule ist: Es wird die psychologische Bedeutung des Erzählens hervorgehoben, da Kinder durch das Verbalisieren von Erlebnissen seelische Entlastung finden und Gemeinschaft erfahren.
3.2 Kritische Analyse der Entwicklung der Erzählkompetenz im Rahmen des Morgenkreises: Eine Abwägung der Argumente von Kritikern und Befürwortern zeigt, dass der Morgenkreis trotz struktureller Zwänge positive Rahmenbedingungen für längere Beiträge bietet.
3.3 Vorstellung einer Möglichkeit zur Förderung der Fähigkeit des Erzählens: Hier wird der Erzählbaukasten nach Claussen als methodische Alternative vorgestellt, um die Sprechfreude durch gezielte Anreize zu stimulieren.
4. Abschließender Gedanke zur Rolle der kommunikativen Fähigkeit des Erzählens (Fazit): Das Fazit fasst zusammen, dass Schule als Gegengewicht zur außerschulischen Erzähllosigkeit fungieren muss und der Lehrer die Verantwortung trägt, geeignete Räume zur freien Entfaltung des Erzählens zu schaffen.
Schlüsselwörter
Erzählkompetenz, Morgenkreis, Grundschule, Sprachdidaktik, Erzählwürdigkeit, Kommunikation, Erzählbaukasten, Zwangskommunikation, Erzählkultur, Unterrichtsgestaltung, Spracherwerb, soziale Kompetenz, Lehrerrolle, Erzählkurs, sprachliche Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des Erzählens als sprachliche Gattung in der Grundschule und untersucht Möglichkeiten, diese Kompetenz durch den Alltag im Morgenkreis zu stärken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Kernbereichen gehören die Definition von Erzählkompetenz, die Rolle der Lehrkraft als Zuhörer, die Differenz zwischen Frontalunterricht und Erzählkreis sowie die Problematik von Zwangskommunikation im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, ob der Morgenkreis eine geeignete Unterrichtsform darstellt, um die Erzählkompetenz der Schüler gezielt und spielerisch zu fördern, und wie dies methodisch umgesetzt werden kann.
Welche wissenschaftlichen Ansätze oder Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf sprachdidaktische Theorien, wie die von Uta Quasthoff und Rehbein, sowie auf Studien zum Morgenkreis (u.a. von Heinzel), um die pädagogische Praxis kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Relevanz des Erzählens für die kindliche Entwicklung, die Herausforderungen bei der Umsetzung natürlicher Gesprächssituationen in einem institutionellen Rahmen sowie ergänzende Unterrichtsmittel wie den Erzählbaukasten.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit treffend?
Die zentralen Begriffe sind Erzählkompetenz, Morgenkreis, Grundschule, Kommunikationsdidaktik und die Förderung sprachlicher Ausdrucksfähigkeit.
Warum wird der Morgenkreis als „Übergangssituation“ bezeichnet?
Der Morgenkreis fungiert als Brücke zwischen der häuslichen Welt des Kindes und dem strukturierten Schulalltag, was den Einstieg in den Unterrichtsbetrieb erleichtert, indem persönliche Erlebnisse Raum finden.
Welche Rolle spielt der sogenannte „Planbruch“ beim Erzählen?
Der Planbruch beschreibt ein unerwartetes Ereignis innerhalb einer Erzählung, das den normalen Handlungsverlauf stört und dadurch erst die Erzählwürdigkeit des Berichts für den Zuhörer begründet.
Wie kann der Erzählbaukasten eingesetzt werden?
Der Erzählbaukasten bietet durch farblich markierte Stichwortzettel eine Motivationshilfe für schüchterne Kinder, um aus einer Struktur heraus Geschichten zu entwickeln und somit ihre Erzählfähigkeit schrittweise zu festigen.
- Arbeit zitieren
- Jan-Philipp Beckmann (Autor:in), 2020, Erzählen im Kontext einer Grundschule. Implementierung in den Morgenkreis, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1330621