In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, wie dieses Kapital (symbolisches Kapital im bourdieuschen Sinne) gestaltet ist und ob sich Negativpreise wie die Golden Raspberry mit den Merkmalen der Ehrdistribution, wie sie Ludgera Vogt in ihrer Arbeit „Zur Empirie der Ehre“ aufstellt, vereinen lassen. Letztendlich soll damit die Frage beantwortet werden, ob Antiauszeichnungen eine ähnlich wichtige Rolle für die Gesellschaft spielen, wie positive Ehrungen – etwa der Oscar oder das Bundesverdienstkreuz - mit ihrer steuernden und festigenden Funktion.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Merkmale von Negativpreisen
2.1 Golden Raspberry Award
2.2 Big Brother Award
2.3 Unwort des Jahres
2.4 Gemeinsamkeiten
3. Ehrungen als symbolisches Kapital
3.1 Symbolisches Kapital bei Pierre Bourdieu
3.2 Zweckrationalität
3.3 Wertrationalität
4. Negatives symbolisches Kapital
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Funktion von Antiauszeichnungen, indem sie diese mit den Merkmalen positiver Ehrungen nach Ludgera Vogt vergleicht und mit der Kapitalientheorie von Pierre Bourdieu analysiert. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob Negativpreise ebenfalls als Instrument zur Steuerung und Festigung gesellschaftlicher Werte fungieren.
- Analyse der Funktionsweise von Antiauszeichnungen wie dem Golden Raspberry Award, dem Big Brother Award und dem Unwort des Jahres
- Untersuchung der Bedeutung von Ehrungen als symbolisches Kapital im Sinne Bourdieus
- Vergleich der zweckrationalen und wertrationalen Dimensionen von Ehrungen
- Erörterung des Konzepts des "negativen symbolischen Kapitals"
- Bewertung der gesellschaftlichen Steuerungs- und Festigungsfunktion von Negativpreisen
Auszug aus dem Buch
3.1 Symbolisches Kapital bei Pierre Bourdieu
Die Struktur der Gesellschaft ist für Pierre Bourdieu gleichbedeutend mit der Struktur der Kapitalverteilung. Dabei zielt er nicht nur auf ökonomisches Kapital ab, sondern führt den „Begriff des Kapitals in all seinen Erscheinungsformen“ ein, um der vom Kapitalismus geprägten Reduktion von gesellschaftlichen Austauschprozessen auf ihre wirtschaftliche Komponente, also den Warenaustausch zum Zwecke der Nutzenmaximierung, ein breites System des sozialen Austauschs entgegenzusetzen. Neben dem ökonomischen Kapital identifiziert Bourdieu u.a. das kulturelle und soziale Kapital. Die „wahrgenommene und als legitim anerkannte Form“ dieser Kapitalarten, die über Transformationsarbeit untereinander konvertierbar sind, wird als symbolisches Kapital bezeichnet. Synonym werden Begriffe wie Prestige, Ruhm, Ansehen und Ehre verwendet.
An dieser Stelle lässt sich die Bedeutung der Ehrung als symbolischer Indikator des Vorhandenseins von Kapital im bourdieuschen Sinne festmachen. Im Zeremoniell mit präzise geregeltem Ablauf, dessen Höhepunkt gewöhnlich die Überreichung eines einzelnen Symbols, wie z.B. eines Pokals, darstellt, wird symbolisches Kapital auf die zu ehrende Person transferiert. Ein bedeutender Dirigent mag einen Orden als Zeichen für seine erfolgreiche Akkumulierung von kulturellem Kapital erhalten, eine Sportlerin eine Medaille für ihr angesammeltes und im Wettbewerb verteidigtes physisches Kapital.
Symbolisches Kapital wird im Rahmen der Ehrung sowohl aus zweck- als auch wertrationalen Beweggründen übertragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der gesellschaftlichen Relevanz und Funktion von Negativpreisen im Vergleich zu traditionellen Ehrungen vor.
2. Merkmale von Negativpreisen: Das Kapitel charakterisiert drei ausgewählte Negativpreise anhand ihrer Herkunft, ihrer Stifter und ihrer medialen Wirkung.
3. Ehrungen als symbolisches Kapital: Hier werden Ehrungen theoretisch fundiert und hinsichtlich ihrer zweck- sowie wertrationalen Dimensionen untersucht.
4. Negatives symbolisches Kapital: Der Autor führt das Konzept des negativen symbolischen Kapitals ein und analysiert dessen Einfluss auf Machtverhältnisse und gesellschaftliche Steuerung.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die steuernde und festigende Funktion von Negativpreisen trotz ihrer unterschiedlichen Ausgestaltung gegenüber positiven Ehrungen.
Schlüsselwörter
Antiauszeichnungen, Negativpreise, Pierre Bourdieu, symbolisches Kapital, Ludgera Vogt, Ehre, Ehrung, Gabentauschlogik, Zweckrationalität, Wertrationalität, gesellschaftliche Funktion, Medienwirkung, Golden Raspberry Award, Big Brother Award, Unwort des Jahres
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche Funktion von sogenannten Antiauszeichnungen, wie z.B. dem Golden Raspberry Award oder dem Unwort des Jahres, und vergleicht diese mit traditionellen, positiven Ehrungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Kapitalientheorie von Pierre Bourdieu, die Logik von Ehrungsritualen sowie die Unterscheidung von zweckrationalen und wertrationalen Dimensionen in der Ehrungspraxis.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Es soll beantwortet werden, ob Antiauszeichnungen eine ähnlich wichtige Rolle bei der Steuerung und Festigung gesellschaftlicher Werte spielen wie positive Ehrungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt einen phänomenologischen Ansatz zur Beschreibung der Preissysteme und wendet darauf die soziologische Kapitaltheorie von Pierre Bourdieu sowie die Ehrungstheorie von Ludgera Vogt an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Negativpreise, die theoretische Herleitung von symbolischem Kapital bei Ehrungen und die anschließende Übertragung dieser Konzepte auf die Analyse von Antiauszeichnungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie symbolisches Kapital, Antiauszeichnungen, Ehre, Zweckrationalität und gesellschaftliche Wertbildung beschreiben.
Warum wird der Golden Raspberry Award als "negatives symbolisches Kapital" bezeichnet?
Weil der Preis das Prestige des Empfängers schmälert anstatt es zu mehren, was im Gegensatz zur klassischen, auf Kapitalakkumulation ausgerichteten Ehrungslogik steht.
Welche Rolle spielt die Medialisierung für die Existenz von Antiauszeichnungen?
Die mediale Aufmerksamkeit dient als notwendige Kompensation für die fehlende staatliche Macht oder das geringe symbolische Kapital der privaten Stifter von Negativpreisen.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Heinrich (Autor:in), 2007, Antiauszeichnungen und ihre gesellschaftliche Funktion, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/133021