Diese Arbeit stellt sich die Frage, wie die zukünftige Weiterentwicklung des Operationstechnischen Assistenten (OTA) aussehen kann. Welche Möglichkeiten eröffnen sich im Bereich von Weiterbildungen und Studiengängen? Wird eine Professionalisierung angestrebt und sind bereits Ansätze diesbezüglich erkennbar? Und welchen Einfluss hat die staatliche Anerkennung auf die Entwicklung einer professionellen Verantwortlichkeit?
Zum 01 Januar 2022 sind das ATA-OTA-Gesetz (ATA-OTA-G) und die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die ATA- und OTA-Ausbildung (ATA-OTA-APrV) in Kraft getreten. Danach werden OTA-Auszubildende zu staatlich anerkannten OTAs ausgebildet. Selbst bereits 2014 noch ohne staatliche Anerkennung zur OTA ausgebildet, besteht auch im Rahmen meines Berufspädagogikstudiums und meiner Tätigkeit als Lehrkraft an einer OTA-Schule ein besonderes Interesse an der zurückliegenden wie zukünftigen Entwicklung des OTA-Berufs. Im OTA-Lehrbuch, welches sich inhaltlich an dem vom Deutschen OTA Schulträger-Verband e.V. empfohlenen Curriculum anlehnt, ist die Auseinandersetzung der Auszubildenden mit der Entstehung des OTA-Berufs im Kapitel „Berufsbild OTA“ bereits vorgesehen. Dieses Themenfeld soll sich auch im aktuell neu zu entwickelnden Curriculum wiederfinden und dazu beitragen, angehende OTAs zu befähigen, die Weiterentwicklung des Berufsbildes gemeinsam voranzutreiben und mitzugestalten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserklärung OP-Pflege
2.1 Fachpflege für den Operationsdienst
2.2 OTA
3 OTA - vom ersten Ausbildungsgang bis zur staatlichen Anerkennung
4 Weiterbildungsmöglichkeiten für OTAs
4.1 Weiterbildungsmöglichkeiten nach DKG-Empfehlungen
4.2 Weiterbildungsmöglichkeiten nach landesrechtlichen Regelungen
4.3 Studiengänge für OTAs
4.3.1 Berufspädagogik
4.3.2 Medizintechnische Wissenschaften
5 Professionalisierung der OTA
5.1 Berufliche Professionalisierung
5.2 Akademische Professionalisierung
6 Fazit und Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den aktuellen Stand des Berufsbildes der Operationstechnischen Assistenz (OTA) in Deutschland unter Berücksichtigung der neuen staatlichen Anerkennung. Das Ziel der Untersuchung ist es, aufzuzeigen, wie durch die Etablierung fachspezifischer Weiterbildungen und akademischer Studiengänge das Berufsbild professionalisiert und von einer „Sackgassenausbildung“ hin zu einer eigenständigen Profession weiterentwickelt wurde.
- Historische Entwicklung des OTA-Berufsstandes
- Analyse aktueller Weiterbildungsmöglichkeiten und Zertifizierungen
- Untersuchung akademischer Qualifizierungswege für OTA-Absolventen
- Diskussion der beruflichen und akademischen Professionalisierung
- Vergleichende Betrachtung mit der klassischen OP-Fachpflege
Auszug aus dem Buch
3 OTA - vom ersten Ausbildungsgang bis zur staatlichen Anerkennung
Aus historischer Sicht kann der Beginn der institutionellen Ausbildung nichtärztlicher OP-Assistenz in Deutschland bereits im 18. Jahrhundert in Berlin verortet werden. Dort wurde 1723 eine der ersten Schulen gegründet, in der die zweijährige Ausbildung von Chirurgiegehilfen erfolgte und kurz darauf der erste in einem Krankenhaus befindliche OP-Saal an der Charité eingerichtet.
Zur Entlastung der Chirurgen im Preußischen Militär wurden ab 1832 im Rahmen einer dreijährigen praktischen, nicht weiter geregelten Unterweisung Lazarett- oder Chirurgengehilfen ausgebildet, die niedere chirurgische Tätigkeiten übernahmen. So ging das Preußische Heer gegen den Mangel an nichtärztlichem Sanitätspersonal vor (Büttner & Pfütsch, 2020, S. 66f.). Die nichtärztliche OP-Assistenz wurde jedoch sukzessiv in die sich entwickelnde Pflege integriert, was sich im erstmals 1907 erlassenen Krankenpflegegesetz in den dort aufgeführten Unterrichtsinhalten widerspiegelte (Schmitz, 2020, S. 136) und schließlich zur Ablösung der Berufsgruppe der Chirurgiegehilfen führte (Büttner & Pfütsch, 2020, S. 66).
Durch die erste im Jahr 1971 veröffentlichte DKG-Empfehlung zur pflegerischen Weiterbildung vollzog sich schließlich der Wandel von der bis dahin angelernten OP-Pflegekraft zur speziell ausgebildeten Fachpflegekraft für den Operationsdienst (Wulf, 2020, S. 147). Der erste OTA- Ausbildungsgang in Deutschland fand 1990 als Reaktion auf einen bundesweit zunehmenden Fachkräftemangel im OP, der durch die Fachweiterbildung aus quantitativer Sicht nicht mehr zu decken war, in Nordrhein-Westfalen (NRW) statt. Dort mussten im Evangelischen Krankenhaus in Mühlheim an der Ruhr aufgrund dieses Fachkräftemangels Operationen verschoben werden (Neiheiser & Richter, 2018, S. 526). Um diesem Problem aktiv zu begegnen, startete man hier ab Dezember mit 187 Teilnehmenden die erste OTA-Ausbildung in Deutschland (Grunow, Jochem & Schöfer, 2000, S. 23).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation zur Arbeit vor dem Hintergrund der staatlichen Anerkennung des OTA-Berufs sowie die Relevanz der Untersuchung für die zukünftige Berufsentwicklung.
2 Begriffserklärung OP-Pflege: In diesem Kapitel wird der Begriff OP-Pflege definiert und die Abgrenzung zwischen der Fachpflege für den Operationsdienst und der OTA-Ausbildung vorgenommen.
3 OTA - vom ersten Ausbildungsgang bis zur staatlichen Anerkennung: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick, der von den ersten Chirurgiegehilfen bis zur gesetzlichen Etablierung des OTA-Berufsbildes 2022 reicht.
4 Weiterbildungsmöglichkeiten für OTAs: Es wird der aktuelle Stand an Weiterbildungen und akademischen Studiengängen aufgezeigt, die den OTAs erweiterte berufliche Perspektiven eröffnen.
5 Professionalisierung der OTA: Das Kapitel erläutert die Kriterien einer Profession und vergleicht diese mit dem aktuellen Entwicklungsstand des OTA-Berufsbildes.
6 Fazit und Handlungsempfehlungen: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und Empfehlungen für den weiteren Bedarf an Professionalisierung und wissenschaftlicher Evidenz ausgesprochen.
Schlüsselwörter
Operationstechnische Assistenz, OTA, Professionalisierung, Fachkräftemangel, Ausbildung, Weiterbildung, Studiengänge, OP-Pflege, ATA-OTA-Gesetz, Berufsbild, Akademisierung, staatliche Anerkennung, Gesundheitsberufe, Berufspolitik, Praxisanleitung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des OTA-Berufsbildes von den historischen Anfängen bis hin zur staatlichen Anerkennung und untersucht Perspektiven der beruflichen und akademischen Professionalisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die historischen Wurzeln der nichtärztlichen OP-Assistenz, die gesetzliche Neuregelung der Ausbildung, aktuelle Weiterbildungsangebote sowie die Möglichkeiten der akademischen Weiterentwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Ziel ist es zu erarbeiten, wie sich die Weiterbildungssituation und Studiengänge für OTAs darstellen und ob das Berufsbild die Kriterien einer eigenständigen Profession erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie die Auswertung von Dokumenten (Gesetze, Richtlinien, Curricula) und führt zusätzlich ein Experteninterview mit einem Vorstandsmitglied des Berufsverbandes ATA/OTA durch.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine detaillierte Aufstellung der Weiterbildungswege (DKG und landesrechtlich) sowie eine theoretische Einordnung der OTA-Ausbildung in den Kontext der Professionalisierungssoziologie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen OTA, Professionalisierung, Berufsbild, akademische Qualifizierung, Gesetzgebung und Fachkräfteentwicklung im Operationsdienst.
Wie bewertet der ATA|OTA-Verband die aktuelle Professionalisierung?
Das Interview mit Benny Neukamm verdeutlicht, dass die staatliche Anerkennung als erster Schritt gewertet wird, jedoch ein Bedarf an mehr wissenschaftlicher Evidenz und Forschung zur Formulierung von Vorbehaltsaufgaben besteht.
Ist der OTA-Beruf nach der Arbeit noch als „Sackgasse“ zu bezeichnen?
Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass von einer Sackgassenausbildung keinesfalls mehr die Rede sein kann, da sich durch neue Studiengänge und Weiterbildungen vielfältige vertikale und horizontale Karrierewege eröffnet haben.
- Arbeit zitieren
- Stephanie Petry (Autor:in), 2022, Der Beruf Operationstechnische Assistenz (OTA). Analyse, Ausblick und Weiterbildungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1329810