Diese Hausarbeit stellt den Vergleich zwischen den Diktaturkonzepten von Niccolò Machiavelli und Carl Schmitt an. Dabei wird zunächst ein Überblick über ihr gesamtes Werk im Bereich der politischen Philosophie gegeben, anschließend dann ihre Konzeptionen der Diktatur verglichen. Zudem wird untersucht, wie sich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser erklären lassen. Dazu wird ihre Anthropologie und ihre Einstellung zum Krieg untersucht.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
ÜBERSICHT ÜBER GESAMTWERK
VERGLEICH DER DIKTATURKONZEPTE
VERGLEICH AUSGEWÄHLTER PHILOSOPHISCHER ASPEKTE
ANTHROPOLOGIE
KRIEG UND GEWALT ALS MITTEL DER POLITIK
FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das politisch-philosophische Verständnis der Diktatur bei Niccolò Machiavelli und Carl Schmitt. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, warum beide Denker die Diktatur im Ausnahmezustand nicht als Bedrohung, sondern als notwendiges Instrument für den Erhalt des Staates betrachten.
- Analyse und Vergleich der Diktaturkonzepte von Machiavelli und Schmitt.
- Untersuchung des anthropologischen Menschenbildes beider Philosophen.
- Reflexion über die Rolle von Krieg und Gewalt als Mittel der Politik.
- Vergleichende Betrachtung der Ausnahmezustand-Theorie.
- Kritische Einordnung von Schmitts Denken während der Weimarer Republik.
Auszug aus dem Buch
Vergleich der Diktaturkonzepte
Zunächst ist es notwendig zu verstehen, wie die Diktatur bei den beiden Autoren zu verstehen ist. Wie kommt es zu einer solchen Alleinherrschaft und wie ist sie in der Praxis umzusetzen? Als Ausgangspunkt für eine Diktatur sehen sowohl Schmitt als auch Machiavelli den Ausnahmezustand. Für diesen braucht es dementsprechend eine Definition. Nach Voigt ist nicht jede Notstandsmaßnahme mit dem Ausnahmezustand gleich zu setzen. Viel mehr braucht es ein „prinzipiell unbegrenzte Befugnis“ welches „die Suspendierung der gesamten bestehenden Ordnung“ mit sich bringt (Voigt 2019: 96). Bedingt werden diese Befugnisse durch einen außergewöhnlichen Notstand, der das Bestehen des Staates als solchen gefährdet und der durch die im Normalfall verfügbaren Instrumente nicht zu bewältigen ist (Vgl. Voigt 2019: 96). Wie diese Instrumente nach den Autoren auszusehen haben, wird im Folgenden erläutert.
Carl Schmitts entwarf in seinem Werk „Die Diktatur“ von 1921 eine Unterscheidung der Diktatur in zwei Kategorien: Die souveräne Diktatur und die kommissarische Diktatur. Die kommissarische Diktatur hebt nach Schmitt „die Verfassung in Concreto auf, um dieselbe Verfassung in ihrem konkreten Bestand zu schützen“ (Schmitt 2006: 133). Namensgebend ist sie nur auf Kommission möglich, das heißt, sie ist zeitlich und in ihrem Aufgabenfeld an die akute Sachlage gebunden. Ihr Ziel muss immer sein, die Verfassung gegen Einflüsse zu verteidigen, die eben jene aufzuheben versuchen (Vgl. Schmitt 2006: 133f). Unter eben diese Subkategorie ließe sich auch Machiavellis Konzept aus der Discorsi einordnen. Er sieht einen Diktator nach römischem Vorbild für eine Republik als notwendig an. So geht er sogar davon aus, dass „[die] Republiken, die in dringender Gefahr nicht zur Diktatur oder zu einer ähnlichen Gewalt ihre Zuflucht nehmen, […] bei schweren Ereignissen stets zugrunde gehen [werden]“ (Disc. I, 36).
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Ausnahmezustands in Krisenzeiten und führt in die Fragestellung ein, warum Machiavelli und Schmitt die Diktatur als staatserhaltendes Instrument legitimieren.
ÜBERSICHT ÜBER GESAMTWERK: Dieses Kapitel gibt eine Einführung in die zentralen Werke beider Denker, wobei insbesondere Machiavellis "Il Principe" und "Discorsi" sowie Schmitts Verständnis des Politischen betrachtet werden.
VERGLEICH DER DIKTATURKONZEPTE: Hier werden die unterschiedlichen Ansätze zur Diktatur – von Machiavellis verfassungstreuer Ergänzung bis zu Schmitts souveräner/kommissarischer Unterscheidung – einander gegenübergestellt.
VERGLEICH AUSGEWÄHLTER PHILOSOPHISCHER ASPEKTE: Dieser Abschnitt analysiert die anthropologischen Grundlagen beider Philosophen sowie ihre Ansichten zur Instrumentalisierung von Krieg und Gewalt.
FAZIT: Das Fazit fasst die Rolle der Anthropologie und des Ausnahmezustands als zwei Hauptpfeiler der Diktaturtheorien zusammen und bewertet die Hypothese der Arbeit kritisch.
Schlüsselwörter
Diktatur, Ausnahmezustand, Niccolò Machiavelli, Carl Schmitt, Politische Philosophie, Souveränität, Anthropologie, Kommissarische Diktatur, Krieg, Gewalt, Staatserhalt, Freund-Feind-Unterscheidung, Weimarer Republik, Politische Theorie, Macht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht vergleichend die Konzepte der Diktatur bei Niccolò Machiavelli und Carl Schmitt, wobei der Fokus auf ihrer Rechtfertigung der Alleinherrschaft in Krisenzeiten liegt.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Definition des Ausnahmezustands, die Anthropologie bzw. das Menschenbild der Autoren sowie die Rolle von Krieg und Gewalt in der politischen Praxis.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Hauptleitfrage lautet, warum sowohl Schmitt als auch Machiavelli den Diktator im Ausnahmezustand nicht als Bedrohung, sondern als notwendiges Instrument für den Erhalt des Staates ansehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende textanalytische Untersuchung, die primäre Quellen der Autoren mit aktueller politikwissenschaftlicher Forschung und Sekundärliteratur in Bezug setzt.
Welche Aspekte werden im Hauptteil ausführlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Übersicht des Gesamtwerks, einen direkten Vergleich der Diktaturkonzepte sowie eine Analyse philosophischer Aspekte wie Anthropologie und der Rolle des Krieges.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Souveränität, Kommissarische Diktatur, Ausnahmezustand, Anthropologie, Machiavellismus und Schmitts "Begriff des Politischen" charakterisieren.
Wie unterscheidet Carl Schmitt die Diktatur in seinem Werk?
Schmitt differenziert zwischen der souveränen Diktatur, die auf einer neuen Ordnung basiert, und der kommissarischen Diktatur, die existierende Verfassungen schützen soll.
Warum spielt Machiavellis Menschenbild eine zentrale Rolle?
Sein pessimistisch-realistisches Menschenbild dient als Begründung dafür, dass in Krisenzeiten starke, ordnende Führung (der Diktator) notwendig ist, um den Zerfall der Republik zu verhindern.
- Arbeit zitieren
- Maximilian Breiherr (Autor:in), 2023, Die Diktatur bei Carl Schmitt und Niccolò Machiavelli im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1325000