Das 1978 vom amerikanischen PanAm-Piloten Kim Lundgren in Oregon (USA) gegründete Unternehmen „Air Berlin Inc“. galt zum Anfang der Jahrtausendwende, nach dem Mitbewerber „Deutsche Lufthansa AG“, als die erfolgreichste Fluggesellschaft Deutschlands. Ein Jahr nach Eintragung startet der erste Flug mit einer Boeing 707 vom Flughafen Berlin-Tegel nach Palma de Mallorca. 1991 kauft der deutsche Unternehmer Joachim Hunold 82,5 Prozent der Geschäftsanteile und gründet so die Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG.
Das neue Unternehmen läuft mit zwei Flugzeugen, 150 Mitarbeiten und bis zu 15 Flügen pro Tag an. Die Fluggesellschaft wächst rasant; kauft 2004 rund 25 Prozent der österreichischen Airline Niki, geht nach Änderung der Unternehmensform von einer GmbH & Co. KG in eine Limited & Co. KG mit britischem
Recht (PLC) 2006 an die Börse, übernimmt die Fluggesellschaft dba, kauft 2007 für interkantonale Verbindungen die Fluggesellschaft LTU und bildet 2011 eine strategische Partnerschaft mit der arabischen Fluggesellschaft Etihad Airways. Die Flotte beinhaltet zu diesem Zeitpunkt 170 Flugzeuge, welche zusammen rund 800 Flüge pro Tag absolvieren.
Nur wenige Jahre nach diesem Höhenflug, fängt das Unternehmen an seine Flotte zu reduzieren und streicht infolge erste Strecken. Anhaltende Verluste zwingen Air Berlin letztendlich am 15. August 2017, das Insolvenzverfahren einzuleiten. Doch wie kam es zu dem Negativ-Trend und zu welchem Zeitpunkt hätte Air Berlin die drohende Insolvenz erkennen müssen?
Inhaltsverzeichnis
1 Air Berlin – Der Flug in die Insolvenz
2 Arten betriebswirtschaftlicher Kennzahlen
2.1 Statische Finanzkennzahlen
2.1.1 Vertikale Bilanzstruktur
2.1.2 Horizontale Bilanzstruktur
2.2 Stromgrößenorientierte Kennzahlen
3 Fazit zur Theorie betriebswirtschaftlicher Kennzahlen
4 Bilanzanalyse der Air Berlin
4.1 Kennzahlen 2008 bis 2010
4.2 Kennzahlen 2011 bis 2013
4.3 Kennzahlen 2014 bis 2016
5 Fazit
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer Bilanzanalyse der Konzernabschlüsse von 2008 bis 2016, zu welchem Zeitpunkt die Fluggesellschaft Air Berlin Anzeichen einer drohenden Insolvenz anhand ihrer Unternehmenskennzahlen hätte erkennen müssen.
- Theoretische Grundlagen statischer Finanzkennzahlen
- Methodik stromgrößenorientierter Kennzahlen zur Erfolgsanalyse
- Umfassende Bilanzanalyse der Air Berlin über einen Zeitraum von acht Jahren
- Bewertung von Liquidität und Rentabilität als Frühwarnindikatoren
- Kritische Aufarbeitung der Unternehmensentwicklung bis zum Insolvenzeintritt
Auszug aus dem Buch
4.1 Kennzahlen 2008 bis 2010
Wir blicken zehn Jahre zurück in das Jahr 2008, 30 Jahre nach der Gründung von Air Berlin Inc.. Die Fluggesellschaft ist seit zwei Jahren an der Börse und verzeichnet seit jeher einen stärker werdenden Kursrückgang der Aktie. Der Chairman oft the Board bleibt optimistisch: „In einem der schwierigsten Jahre für die internationale Luftfahrtindustrie hat sich die Air Berlin Crew trotz Ölpreisschock und weltwirtschaftlicher Talfahrt operativ in den schwarzen Zahlen gehalten.“
Das Ergebnis der Umsatzrentabilität deutet allerdings eine sehr schwache Produktivität. Der Konzern generiert im Jahr 2008 mit jedem umgesetzten Euro einen Gewinn, in diesem Fall als EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) gemessen, von 0,42 Cent. Der EBIT verdoppelt sich im Folgejahr, dennoch verbleibt die Umsatzrentabilität auf einem sehr schwachen Niveau – 2010 erwirtschaftet Air Berlin bereits erste Verluste.
Ähnlich verlief für diesen Zeitraum die Entwicklung des Return on Investments (RiO).
Der Aufschwung 2009 wird durch die Kapitalerhöhungen, in Form von neu platzierten Aktien, vorangetrieben. Durch die Ausgabe der neuen Stammaktien wurde ein Nettozufluss von 67,8 Mio. Euro realisiert. Weitere 65,3 Mio. Euro sind durch die Ausgabe neuer und dem Rückkauf anstehender Wandelanleihen zugeflossen. Das Eigenkapital und somit auch das Gesamtkapital konnte so, zumindest kurzfristig, erhöht werden.
Kapitelzusammenfassungen
1 Air Berlin – Der Flug in die Insolvenz: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss der Unternehmensentwicklung von der Gründung bis zum Insolvenzantrag im August 2017.
2 Arten betriebswirtschaftlicher Kennzahlen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Kennzahlenanalyse, unterteilt in statische und stromgrößenorientierte Ansätze, erläutert.
3 Fazit zur Theorie betriebswirtschaftlicher Kennzahlen: Dieses Kapitel bewertet die Aussagekraft der zuvor vorgestellten Kennzahlen für die finanzielle Beurteilung eines Unternehmens.
4 Bilanzanalyse der Air Berlin: In diesem Hauptteil findet die praktische Anwendung der Finanzanalyse auf die Konzernabschlüsse der Jahre 2008 bis 2016 statt.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass kritische Kennzahlen bereits Jahre vor der tatsächlichen Insolvenz auf die prekäre Lage hingewiesen haben.
6 Literaturverzeichnis: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Monographien, Berichte und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Air Berlin, Insolvenz, Bilanzanalyse, Kennzahlen, Eigenkapitalquote, Umsatzrentabilität, Return on Investment, Liquidität, Finanzstruktur, Kapitalstruktur, Unternehmenskennzahlen, Rentabilitätsanalyse, Fremdkapital, Konzernabschluss, Unternehmenskrise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die finanzielle Entwicklung der Air Berlin PLC und prüft, ab welchem Zeitpunkt mittels bilanzanalytischer Kennzahlen eine drohende Insolvenz erkennbar gewesen wäre.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die theoretische Definition und Anwendung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen zur Finanz- und Erfolgsanalyse sowie deren konkrete Anwendung auf die historische Unternehmensbilanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation von Zeitpunkten und Indikatoren, an denen das Management oder externe Beobachter anhand der Kennzahlen hätten erkennen müssen, dass die finanzielle Stabilität der Air Berlin nicht nachhaltig gewährleistet war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine quantitative Bilanzanalyse durch, bei der er Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote, Umsatzrentabilität, den Return on Investment sowie verschiedene Liquiditätsgrade aus den Geschäftsberichten ableitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Kennzahlen sowie eine chronologische Auswertung der Air Berlin Kennzahlen in drei Zeitabschnitten zwischen 2008 und 2016.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben der Air Berlin Insolvenz sind Begriffe wie Eigenkapitalquote, Umsatzrentabilität, Kennzahlenanalyse und Liquiditätsrisiko prägend für die Arbeit.
Welche Rolle spielt der Leverage-Effekt in der Analyse?
Der Leverage-Effekt wird als theoretisches Instrument eingeführt, um zu verdeutlichen, dass eine isolierte Betrachtung der Eigenkapitalrentabilität ohne Berücksichtigung der Eigenkapitalquote zu einer Unterschätzung des Risikos führen kann.
Warum konnte das Unternehmen trotz sinkender Kennzahlen jahrelang weiter existieren?
Die Analyse deutet darauf hin, dass die Fluggesellschaft durch Kapitalmaßnahmen und die Unterstützung durch Großaktionäre wie Etihad Airways, trotz operativer Verluste und negativer Kennzahlen, zeitweise über Wasser gehalten wurde.
Zu welchem Ergebnis kommt der Autor für das Jahr 2013?
Der Autor argumentiert, dass angesichts des nicht mehr vorhandenen Eigenkapitals und der massiven Konzernverluste bereits im Jahr 2013 eine aussichtslose Lage bestand, die ein Nachdenken über einen Insolvenzantrag erfordert hätte.
- Quote paper
- Lucas Saretzki (Author), 2019, Zu welchem Zeitpunkt hätte Air Berlin anhand der Unternehmenskennzahlen eine drohende Insolvenz erkennen müssen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1324386