In dieser Arbeit soll die Berichterstattung in den Medien, bezogen auf die Flüchtlingssituation 2015 und 2016 in Deutschland, erläutert werden. Hierfür wird zunächst die Situation rund um die geflüchteten Menschen 2015 und 2016 in Deutschland näher beleuchtet. Daran anschließend soll ein Überblick darüber gegeben werden, wie die Printmedien die Thematik aufgegriffen und verarbeitet haben. Daraufhin soll konkret untersucht werden, welche Narrative in deutschen Medien 2015 rund um Geflüchtete von Bedeutung waren und inwiefern islamfeindliche Narrative bedient wurden. Schließlich soll ein Überblick darüber gegeben werden, wie Medien und die Berichterstattung islamfeindliche Einstellungen begünstigen und entsprechende Narrative verstärken können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Flüchtlingssituation 2015 und 2016 in Deutschland
3 Narrative in der Berichterstattung in Bezug auf geflüchtete Menschen
3.1 Narrativ der Willkommenskultur (Frühjahr 2015)
3.2 Narrativ der „Lügenpresse“ (Sommer 2015)
3.3 Narrativ der Überforderung (Herbst 2015)
3.4 Narrativ des kriminellen Flüchtlings (Silvester 2015/2016)
3.5 Wie Medien zu islamfeindlichen Narrativen beitragen können
4 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die mediale Berichterstattung in Deutschland während der Flüchtlingssituation 2015 und 2016. Das primäre Ziel ist es, die vorherrschenden Narrative zu identifizieren und zu analysieren, inwiefern diese zur Verstärkung islamfeindlicher Denkmuster in der Gesellschaft beigetragen haben.
- Analyse der zeitlichen Entwicklung medialer Narrative (von der Willkommenskultur bis zum Narrativ des kriminellen Flüchtlings).
- Untersuchung des Einflusses von Printmedien auf die öffentliche Meinungsbildung.
- Darstellung von Mechanismen der Islamfeindlichkeit und des "Othering" in der Nachrichtenberichterstattung.
- Beleuchtung der Rolle von Agenda Setting und Stereotypisierung beim Umgang mit Flucht und Migration.
- Kritische Reflexion der Verantwortung von Journalismus und Medienethik.
Auszug aus dem Buch
Narrativ der Willkommenskultur (Frühjahr 2015)
Spätestens im April 2015 sind in den Medien mehrere Beiträge zur sogenannten „Flüchtlingskrise“ vorhanden. Im Fernsehen und in der Zeitung sieht man Bilder von Flüchtlingsbooten und überfüllten Aufnahmelagern in Griechenland (Herbert & Schönhagen, 2020, o.S.). Die Deutschen reagieren überwiegend betroffen und wollen helfen (Haller, 2018, S. 190). Der Begriff „Willkommenskultur“ wird geprägt. Er meint „das positive Verhalten der Gesellschaft gegenüber Menschen, die in unser Land einwandern “ (Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, 2020). Dies kann beispielsweise die Vermittlung von Arbeitsangeboten, Unterstützung bei der Wohnungssuche oder Bereitstellung von Fachkräften wie Polizist*innen mit interkulturellen Kompetenzen bedeuten (Siegert & Buscher, 2013, S. 72). Zu dieser Zeit äußern sich auch Wirtschaftssektoren vermehrt zu der Flüchtlingssituation und plädieren darauf, nicht alle Geflüchtete auszuweisen, sondern sie als Arbeitskräfte einzusetzen (Herrmann, 2016, S. 15; Jenter, 2018, S. 242).
Haller (2018) untersucht anhand von 18.000 Texten, die zwischen Januar 2015 und März 2016 veröffentlicht werden, das Narrativ „Willkommenskultur“ in der deutschen Berichterstattung (Haller, 2018, S. 184, 185). In Bezug auf die Lokal- und Regionalpresse stellt er heraus, dass nur bis zu 6,3 Prozent der Beiträge von 2015 die Betroffenen zu Wort kommen lassen. Nicht sie selbst, sondern Politiker*innen und Wirtschaftsvertreter*innen äußern sich zu dem Thema (Ebd., S. 186). Der Autor fasst zusammen, dass die Berichterstattung über „Willkommenskultur“ sich im Laufe des Jahres 2015 von einer positiven Sicht, etwa mit Hinblick auf die Arbeitswelt, zu einer negativen in Bezug auf eine Überforderung der Behörden wandelt (Ebd., S. 191). Er kritisiert, dass gegensätzliche Positionen in der medialen Berichterstattung „praktisch nicht zu Wort“ kommen (Ebd., S. 191-192). Allgemein steht das Narrativ für eine offene Haltung gegenüber den Geflüchteten und dem humanitären Willen, ihnen zu helfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz der Flüchtlingssituation 2015/2016 und definiert den Fokus der Arbeit auf die mediale Berichterstattung in Printmedien.
2 Die Flüchtlingssituation 2015 und 2016 in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Hintergründe der Fluchtbewegungen und die anfängliche humanitäre Haltung gegenüber den Schutzsuchenden.
3 Narrative in der Berichterstattung in Bezug auf geflüchtete Menschen: Dieser Abschnitt analysiert detailliert die verschiedenen medialen Erzählmuster, die den Diskurs über Geflüchtete im Zeitverlauf geprägt haben.
3.1 Narrativ der Willkommenskultur (Frühjahr 2015): Beschreibung der frühen Phase, in der ein hilfsbereites und positives Gesellschaftsbild gegenüber Geflüchteten in den Medien dominierte.
3.2 Narrativ der „Lügenpresse“ (Sommer 2015): Untersuchung der wachsenden Skepsis gegenüber Medien und Politik, begleitet durch rechtspopulistische Bewegungen.
3.3 Narrativ der Überforderung (Herbst 2015): Darstellung, wie durch Naturmetaphern und Berichte über Kapazitätsgrenzen Ängste und Ohnmachtsgefühle in der Bevölkerung geschürt wurden.
3.4 Narrativ des kriminellen Flüchtlings (Silvester 2015/2016): Analyse des medialen Wendepunkts nach den Ereignissen in Köln und der verstärkten Kriminalisierung von Geflüchteten.
3.5 Wie Medien zu islamfeindlichen Narrativen beitragen können: Erläuterung der Mechanismen, durch die einseitige Berichterstattung und falsche Begriffsverwendungen antimuslimische Vorurteile verstärken.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und betont die Notwendigkeit respektvollerer Berichterstattung sowie interkultureller Kompetenz.
Schlüsselwörter
Flüchtlingskrise, Medienanalyse, Narrative, Islamfeindlichkeit, Willkommenskultur, Lügenpresse, Printmedien, Fremdenfeindlichkeit, Ethik, Diskursanalyse, Othering, Berichterstattung, Integration, Stereotypisierung, Silvesternacht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der deutschen Medien bei der Darstellung der Flüchtlingssituation 2015 und 2016 und untersucht, wie mediale Narrative die Wahrnehmung von Geflüchteten und den Islam beeinflusst haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung medialer Erzählmuster, die Entstehung von Islamfeindlichkeit, die Rolle von Vertrauen in Journalismus und die Verantwortung medialer Berichterstattung bei gesellschaftlichen Krisen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich Narrative von einer "Willkommenskultur" hin zu einer stigmatisierenden Darstellung von Geflüchteten entwickelten und wie Medien dabei islamfeindliche Denkmuster verstärken konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse des bestehenden Forschungsstandes zur Medienberichterstattung, ergänzt durch die Untersuchung von Fallbeispielen und Schlagzeilen führender Printmedien wie der Bild-Zeitung und FAZ.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Analyse verschiedener Narrative – von der Willkommenskultur über die Lügenpresse-Debatte bis hin zur Kriminalisierung von Geflüchteten nach der Silvesternacht 2015.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Flüchtlingskrise, Narrative, Medienethik, Islamfeindlichkeit und Diskursanalyse charakterisiert.
Welchen Einfluss hatten die Ereignisse der Silvesternacht 2015?
Die Vorfälle in Köln dienten als Wendepunkt, der das Narrativ des "kriminellen Flüchtlings" massiv beförderte und zur Entstehung von Vorurteilen sowie zur allgemeinen Stigmatisierung muslimischer Geflüchteter beitrug.
Warum wird verstärkt Bild-Zeitung und FAZ analysiert?
Diese Medien werden beispielhaft herangezogen, um zu verdeutlichen, wie unterschiedliche journalistische Ansätze – von Boulevardpresse bis Qualitätsjournalismus – die mediale Stimmung in verschiedenen Phasen des Jahres 2015 prägten.
Welche Rolle spielt das "Othering" in der Berichterstattung?
Das "Othering" dient als Mechanismus zur Abgrenzung, indem Menschen pauschal als "nichtweißdeutsch" oder "andersartig" dargestellt werden, was bestehende Vorurteile und eine "Wir gegen Die"-Dynamik verstärkt.
Welches Fazit zieht die Autorin für die Zukunft?
Es wird gefordert, interkulturelle Kompetenzen zu stärken, Geflüchtete und Muslime in Debatten stärker zu beteiligen und der medialen Tendenz zu einseitigen, stereotypisierenden Darstellungen entgegenzuwirken.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Narrative in der Flüchtlingsberichterstattung mit Blick auf Islamfeindlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1319587