Die Einsendeaufgabe beinhaltet drei verschiedene Modelle. Das sind die ICIDH, die ICF und der Capability Approach. Alle Modelle gehen auf unterschiedliche Art und Weise auf Menschen mit Behinderungen sowie deren Ressourcen und Defizite ein. Die folgenden beiden Aufgaben erörtern zwei Klassifikationen einer Behinderung und werden differenziert voneinander dargestellt.
Menschen mit einer Behinderung sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben. Diese Beeinträchtigungen stehen in Wechselwirkung mit den einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe der Gesellschaft, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als 6 Monate andauern. Deshalb erhalten Menschen mit Behinderung nach dem § 1 des SGB IX Leistungen, um ihre Selbstbestimmung wiederzuerlangen und die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Modell des International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps
2. Die International Classification of Functioning Disability and Health
3. Der Capability Approach
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Entwicklung und dem theoretischen Gehalt verschiedener Klassifikationsmodelle im Kontext der Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen auseinander, um deren Bedeutung für ein selbstbestimmtes Leben zu evaluieren.
- Kritische Analyse des ICIDH-Modells und seiner medizinisch orientierten Sichtweise
- Einführung und Erläuterung der ICF als bio-psycho-soziales Wechselwirkungsmodell
- Untersuchung des Capability Approachs hinsichtlich Gerechtigkeit und Teilhabe
- Reflexion über Paternalismus und Partizipation in der sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
1. Das Modell des International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps
Im Folgenden wird das Modell des International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps beschrieben und erörtert.
Könnte der ICIDH eine allgemein anwendbare Norm für die Beschreibung und Klassifizierung von Behinderungen und Abweichungen sein?
Impairment bedeutet in das Deutsche übersetzt körperliche oder geistige Normabweichung. Diese führt zur disability, also zu einer Beeinträchtigung der persönlichen und sozialen Entwicklung. Diese beiden Abweichungen führen zu der Behinderung, dem Handicap eines Menschen (Horcher, o.J., S.23).
Im Jahr 1980 „definierte die WHO die „Behinderung“ im Modell der ICIDH in einem Dreiklang aus der Schädigung, Beeinträchtigung und der Behinderung. Dies kann als kausale Struktur gesehen werden“ (Horcher & Proufas, 2020).
Eine Schädigung des Körpers oder Geistes vermindert die soziale sowie persönliche Weiterentwicklung eines Menschen und führt somit, laut der ICIDH, zu einer Behinderung. Die persönliche Beeinträchtigung führt zu einer sozialen Beeinträchtigung, und somit zu einer Teilhabebeschränkung (Horcher & Proufas, 2020).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Modell des International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps: Dieses Kapitel analysiert das ursprüngliche medizinische Modell der WHO aus dem Jahr 1980 und beleuchtet dessen Fokus auf Schädigung sowie die damit einhergehende Defizitorientierung und gesellschaftliche Kritik.
2. Die International Classification of Functioning Disability and Health: Hier wird die ICF als moderne, bio-psycho-soziale Weiterentwicklung dargestellt, die Ressourcen und Umweltfaktoren einbezieht, um Teilhabe auf einer global einheitlichen Basis zu fördern.
3. Der Capability Approach: Dieser Abschnitt erläutert den Befähigungsansatz von Martha Nussbaum und Amartya Sen als normative Gerechtigkeitstheorie, die das würdevolle Leben und individuelle Verwirklichungschancen ins Zentrum rückt.
Schlüsselwörter
Rehabilitation, Teilhabe, ICF, ICIDH, Capability Approach, Behinderung, Menschenwürde, Partizipation, soziale Gerechtigkeit, Paternalismus, Empowerment, bio-psycho-soziales Modell, Lebensweltorientierung, Selbstbestimmung, Funktionsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtlichen und theoretischen Grundlagen der Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Kontext internationaler Klassifikationsmodelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf wissenschaftlichen Modellen der Behinderung, der ICF, dem Capability Approach sowie der kritischen Schnittstelle von Medizin und Sozialethik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung von Klassifikationssystemen zu verstehen und zu prüfen, inwieweit diese Ansätze ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben für Menschen mit Behinderungen ermöglichen oder fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Fachliteratur, offiziellen Klassifikationsmodellen der WHO und rechtlichen Rahmenbedingungen wie dem SGB IX basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das ICIDH-Modell, das bio-psycho-soziale Modell der ICF sowie der Capability Approach nach Nussbaum und Sen detailliert erörtert und kritisch diskutiert.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Rehabilitation, Teilhabe, ICF, Capability Approach, Partizipation, Behinderung, Menschenwürde und Soziale Arbeit.
Wie unterscheidet sich die ICF von der ICIDH?
Während die ICIDH primär defizitorientiert und rein medizinisch auf Schädigungen fokussiert, betrachtet die ICF den Menschen ganzheitlich im bio-psycho-sozialen Kontext, einschließlich Ressourcen und Umweltfaktoren.
Was ist die zentrale Kritik am Capability Approach in der Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die Kritik hinsichtlich einer mangelnden Kultursensibilität, die Sorge vor bevormundendem Paternalismus und die Herausforderung, "Gerechtigkeit" als subjektives Konstrukt allgemein definiert umzusetzen.
Welche Rolle spielt der Paternalismus?
Die Arbeit diskutiert den Paternalismus als Risiko bei der professionellen Unterstützung, wobei die Gefahr besteht, Entscheidungen über Menschen mit Behinderung statt mit ihnen zu treffen.
Warum ist das SGB IX für dieses Modul relevant?
Das SGB IX bildet den rechtlichen Rahmen in Deutschland, der die Grundsätze der Teilhabe und Selbstbestimmung gesetzlich verankert und einige Konzepte der internationalen Modelle aufgreift.
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- K. Schreib (Author), 2023, Der ICIDH im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1319021