Die Arbeit untersucht, inwiefern die Guerillakämpfer der malaysischen Emergency aus neutraler Sicht Hobsbawms Sozialrebellen entsprechen. Dazu wird zunächst die Theorie des britischen Historikers näher erläutert, wobei vor allem die maßgeblichen Wesenszüge des Sozialbanditentums herausgearbeitet werden.
Es folgt eine Betrachtung der historischen Realität in Malaysia während der Emergency. Beschrieben wird die Zeit von kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Aufhebung des Notstandes 1960. Um eine bessere Übersicht über diese doch recht lange Zeitspanne zu gewährleisten, ist dieses Kapitel in fünf Unterpunkte gegliedert, in welchen jeweils zwei bis drei Jahre beschrieben werden. Anschließend werden die bisher gewonnen Erkenntnisse in der Subsumption miteinander verglichen.
Der Arbeit zugrunde liegt das Buch "Primitive Rebels" des britischen Autorn Eric Hobsbawm. Das ursprünglich im Jahre 1959 veröffentliche Buch behandelt, wie der deutsche Titel „Sozialrebellen - Archaische Sozialbewegungen im 19. und 20. Jahrhundert“ bereits vermuten lässt, eine Sonderform des Banditentums. Diese besondere Art des Rebellentums existiert am Rande der Gesellschaft und kämpft für die gerechte Verteilung von Gütern, rächt begangenes Unrecht und widersetzt sich dem Staat im Allgemeinen zum Wohle der Unterdrückten.
Mit diesem Blickwinkel wollte der marxistische Autor weg von jener Sicht auf die Geschichte, welche ausschließlich von den Gewinnern geschrieben wird. Deswegen wendet er sich in seinen Büchern "Bandits und Social Bandits" den Besiegten zu, die für ihn tragische Helden waren. Hobsbawm sah sich selbst mehr als "Guerilla-Historiker", der den historischen Mainstream seitlich mit anderen Denkansätzen angreift. Mit seinem Buch "Sozialbanditen" wollte er neue Perspektiven auf ein bereits erforschtes Thema eröffnen.
Inhaltsübersicht
2. EINLEITUNG
3. DIE GUERILLAKÄMPFER DER MALAYSISCHE EMERGENCY VON 1948 BIS 1960 ALS SOZIALREBELLEN NACH ERIC J. HOBSBAWM
3.1 DER „SOZIALREBELL“ NACH ERIC J. HOBSBAWM
3.2 DIE MALAYSISCHE EMERGENCY VON 1948 BIS 1960
3.2.1 DIE MCP VOR DER AUSRUFUNG DES NOTSTANDES
3.2.2 DIE AUSRUFUNG DES NOTSTANDES 1948
3.2.3 DIE AUSFÜHRUNG DES BRIGGS PLANS 1950
3.2.4 WEITERE MASSNAHMEN ZUR BEKÄMPFUNG DER MCP UNTER GENERAL SIR GERALD TEMPLER 1952
3.2.5 DIE BEKÄMPFUNG DER KOMMUNISTEN DURCH DEN JUNGEN UNABHÄNGIGEN MALAYSISCHEN STAAT
3.3 SUBSUMPTION: DIE MALAYSISCHEN GUERILLAS ALS SOZIALBANDITEN?
4. RESÜMEE
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die kommunistischen Guerillas während der malaysischen Emergency (1948–1960) aus der wissenschaftlichen Perspektive von Eric J. Hobsbawms Theorie der Sozialrebellen betrachtet und klassifiziert werden können.
- Analyse der Theorie des Sozialbanditentums nach Eric J. Hobsbawm als theoretisches Fundament.
- Historische Aufarbeitung des Verlaufs der malaysischen Emergency unter Berücksichtigung der britischen Gegenmaßnahmen.
- Gegenüberstellung der Merkmale von Sozialrebellen mit der realen Vorgehensweise der malaysischen Guerillas.
- Kritische Bewertung der Eignung des Konzepts "Sozialbandit" für eine hochpolitische, kommunistische Untergrundorganisation.
Auszug aus dem Buch
3.1 DER „SOZIALREBELL“ NACH ERIC J. HOBSBAWM
Hobsbawm sieht für einen starken Mann, welcher mit seiner Situation in der unterdrückten Unterschicht unzufrieden ist, zwei Möglichkeiten seine Lage zu bessern. Zum einen durch seinen Anschluss an die Herrenklasse oder durch sein Aufbegehren gegen eben jene (Hobsbawm 1962, p. 28). Doch auch im Widerstand lassen sich zwei große Gruppen herausarbeiten: die des Reformisten, der versucht die bestehenden Institutionen zu verbessern, und die des Revolutionär, der totale Neuordnung anstrebt (Hobsbawm 1962, p. 25). Im Folgenden soll der Typ des Revolutionierenden näher beleuchtet werden.
Hobsbawm sieht den Konflikt zwischen Staat und Rebellen als soziologische Erscheinung an, welche uns erlaubt, die Konfliktlinien der betroffenen Gesellschaften zu erkennen (Hobsbawm 1962, p. 29). Zeitgleich wird der Rebell als „vorpolitisches Phänomen“ (Hobsbawm 1962, p. 41) beschrieben, dessen Kraft mit zunehmenden Sozialismus bzw. Kommunismus abnimmt (Hobsbawm 1962, p. 41).
Das Banditentum ist nach Hobsbawm eine ziemlich rohe Art des strukturierten Widerstandes. Es spiegelt das (auf einen Ort begrenzte) Aufbegehren der unteren Klasse gegen Knechtschaft und Mittellosigkeit wider (Hobsbawm 1962, p. 18). Diese Rebellion tritt vor allem dann in Erscheinung, wenn sich die bisher gewohnte Gesellschaft durch Krieg oder Modernisierung wandelt – also insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert (Hobsbawm 1962, pp. 41-42). Allerdings kann sich das Banditentum nicht an neoterische gesellschaftliche Strömungen angleichen und wird deswegen, wenn es nicht von der Obrigkeit unterstützt wird, fruchtlos bleiben (Hobsbawm 1962, p. 18).
Zusammenfassung der Kapitel
2. EINLEITUNG: Einführung in die Theorie Hobsbawms und Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Anwendbarkeit auf die malaysische Emergency.
3. DIE GUERILLAKÄMPFER DER MALAYSISCHE EMERGENCY VON 1948 BIS 1960 ALS SOZIALREBELLEN NACH ERIC J. HOBSBAWM: Zentrale Analyse des theoretischen Rahmens sowie der historischen Ereignisse in Malaysia.
3.1 DER „SOZIALREBELL“ NACH ERIC J. HOBSBAWM: Detaillierte Darlegung der Wesenszüge des Sozialrebellen und dessen soziologische Einordnung laut Hobsbawm.
3.2 DIE MALAYSISCHE EMERGENCY VON 1948 BIS 1960: Historische Chronologie des Konflikts, unterteilt in die verschiedenen Phasen der britischen Strategien und der Aktivitäten der MCP.
3.2.1 DIE MCP VOR DER AUSRUFUNG DES NOTSTANDES: Untersuchung der Machtverhältnisse direkt nach dem Abzug der Japaner und der Entwicklung der MCP.
3.2.2 DIE AUSRUFUNG DES NOTSTANDES 1948: Analyse der unmittelbaren Reaktionen der Kolonialbehörden auf die zunehmende Gewalt durch kommunistische Kräfte.
3.2.3 DIE AUSFÜHRUNG DES BRIGGS PLANS 1950: Überprüfung der Wirksamkeit der britischen Umsiedlungspolitik (New Villages) und der Unterbrechung der Versorgungslinien.
3.2.4 WEITERE MASSNAHMEN ZUR BEKÄMPFUNG DER MCP UNTER GENERAL SIR GERALD TEMPLER 1952: Darstellung der psychologischen Kriegsführung und der politischen Reformen zur Gewinnung der loyalen Bevölkerung.
3.2.5 DIE BEKÄMPFUNG DER KOMMUNISTEN DURCH DEN JUNGEN UNABHÄNGIGEN MALAYSISCHEN STAAT: Erläuterung der gescheiterten Friedensgespräche und des Endes des Notstands im Zuge der Unabhängigkeit.
3.3 SUBSUMPTION: DIE MALAYSISCHEN GUERILLAS ALS SOZIALBANDITEN?: Synthese der vorangegangenen Kapitel und Vergleich der malaysischen Historie mit Hobsbawms Kriterien.
4. RESÜMEE: Abschließende Beantwortung der Forschungsfrage und Feststellung der moralischen und ideologischen Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis.
Schlüsselwörter
Sozialrebellen, Eric J. Hobsbawm, Malaysia, Emergency, MCP, Guerilla, Briggs Plan, Sozialbanditentum, Kommunismus, Dekolonialisierung, MRLA, Historie, revolutionärer Traditionalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die malaysische Emergency (1948–1960) unter Anwendung des politikwissenschaftlichen Konzepts der „Sozialrebellen“, wie es von Eric J. Hobsbawm definiert wurde.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Betrachtung?
Behandelt werden die Theorie des Sozialbanditentums, der Verlauf der malaysischen Emergency, der Widerstand der kommunistischen Partei (MCP) und die britische Gegenstrategie.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob sich die malaysischen Guerillakämpfer historisch und ideologisch korrekt in die Kategorie der „Sozialrebellen“ nach Hobsbawm einordnen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine historische und theoriegeleitete Analyse angewandt, die primäre und sekundäre Quellen nutzt, um die historische Realität mit der theoretischen Definition zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Hobsbawms Modell, einen historischen Abriss der Emergency und eine kritische Gegenüberstellung beider Sachverhalte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialrebell, Kommunismus, Emergency, Briggs-Plan, MCP und die Rolle von Chin Peng.
Warum ist das Konzept des „Sozialrebellen“ laut der Autorin nur begrenzt auf die malaysische Situation anwendbar?
Weil die malaysischen Guerillas im Gegensatz zu Hobsbawms „vorpolitischen“ Banditen eine hochgradig organisierte kommunistische Ideologie verfolgten und nicht ausschließlich lokal begrenzt agierten.
Welche Rolle spielten die sogenannten „New Villages“ im Konfliktverlauf?
Die „New Villages“ waren das Kernstück des Briggs-Plans, mit dem die Briten die Guerillas von der Unterstützung durch die lokale ländliche Bevölkerung abschnitten.
Welche Bedeutung hatten die „Baling Talks“ für den Ausgang des Konflikts?
Die „Baling Talks“ von 1955 zeigten die Unvereinbarkeit zwischen dem Wunsch der MCP nach politischer Legalität und der Weigerung des malaysischen Staates, eine kommunistische Regierung zu akzeptieren.
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- Thalita Müller (Author), 2020, Die Guerillakämpfer der malaysischen Emergency von 1948 bis 1960 als Sozialrebellen nach Eric J. Hobsbawm, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1316012