„Die Psychologie der Lehrerpersönlichkeit“ - ein Titel der zunächst einmal die Aufgabe hat Interesse zu wecken und zur Lektüre zu motivieren - ein Titel der aber gleichzeitig auch implizit zu erster alltagssprachlicher Interpretation verführt.
Läßt man dies zu, steht „Psychologie“ meist synonym für „Menschenkenntnis“, oder „Psychoanalyse“, der Psychologe wird dabei meist gleichgesetzt mit dem „Psychotherapeuten“. Man empfindet Scheu vor „der Psychologie“, verhilft sie doch möglicherweise dazu andere Menschen zu „durchschauen“ oder gar zu „manipulieren“.
Das Wort Lehrer steht ebenfalls nicht allein, andere, unsere Denkweise potentiell unterschiedlich beeinflussende, Vokabeln währen „Ausbilder“, „Erzieher“, „Lehrkraft“, „Lehrmeister“, „Magister“, „Mentor“ und „Pädagoge“.
Unter dem Wort „Persönlichkeit“ versteht man meist den „Charakter“, eine „Respektperson“, oder es steht synonym für „Eigenart“, „Veranlagung“ und „Wesensart“.
Im folgenden Aufsatz sollen die alltagssprachlichen Reflektionen ins wissenschaftliche Licht „gerückt“ und folgende Themenkomplexe betrachtet werden:
1. Wie versteht sich die moderne Psychologie als Wissenschaft?
2. Wie stellt sich Persönlichkeitsforschung als psychologische Wissenschaft dar und was ist Persönlichkeitspsychologie?
3. Pädagogische Psychologie als Grenzdisziplin zwischen Psychologie und Pädagogik.
4. Die psychologisch- / pädagogische Forschung zur Lehrerpersönlichkeit.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Hauptteil
1. Wie versteht sich die moderne Psychologie als Wissenschaft?
2. Wie stellt sich Persönlichkeitsforschung als psychologische Wissenschaft dar und was ist Persönlichkeitspsychologie?
2.1. Typologien und Eigenschaftstheorien
2.2. Dynamische Persönlichkeitstheorien
2.3. Humanistische Theorien
2.4. Lerntheorien.
2.5. Kognitive Theorien
3. Pädagogische Psychologie als Grenzdisziplin zwischen Psychologie und Pädagogik.
4. Die Psychologisch / Pädagogische Forschung zur Lehrerpersönlichkeit.
C. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Feld der Lehrerpersönlichkeit vor dem Hintergrund der psychologischen Forschung. Das primäre Ziel besteht darin, wissenschaftliche Erkenntnisse über Persönlichkeitstheorien auf den schulischen Kontext anzuwenden und die Frage zu klären, ob es eine wissenschaftlich belegbare „Lehrerpersönlichkeit“ gibt, die maßgeblichen Einfluss auf den Unterrichtserfolg hat.
- Grundlagen der modernen Psychologie als Wissenschaft.
- Differenzierung der wichtigsten psychologischen Persönlichkeitstheorien (Typologien, Dynamik, Humanismus, Lernen, Kognition).
- Pädagogische Psychologie als Grenzdisziplin zwischen Erziehung und psychologischer Forschung.
- Kritische Analyse der historischen und empirischen Forschung zur Lehrerpersönlichkeit.
Auszug aus dem Buch
Die Psychologisch / Pädagogische Forschung zur Lehrerpersönlichkeit.
Am Beginn dieser Betrachtung soll ein Artikel stehen, entnommen der Stuttgarter Zeitung vom 04.08 2000 und geschrieben vom früheren Ersten Bürgermeisters Stuttgarts, Rolf Thieringer. Dieser Artikel weist im Rahmen einer politischen Diskussion auf einen originellen lokalen Pädagogen hin:
„...währen doch unsere parlamentarischen Ohrfeigen-Verbieter beim Mathematiker und Oberstudienrat Rudolf Lambert in die Schule gegangen, so hätten sie nicht nur Ohrfeigen verboten, sondern eine ermutigende Alternative erlaubt.
Was hätte der gute Rudolf Lambert zur BGB-Ohrfeigen-Reform gesagt? Er, der ein gymnasiales Original erster Klasse war, der sprachenkundig, philosophisch gebildete Mathematiklehrer am Stuttgarter Karlsgymnasium vor achtzig, siebzig sechzig oder fünfzig Jahren? Diese ungemein gescheite, gutherzige, beliebte und wortschöpferische Lehrerpersönlichkeit?
Lambert war dem Quartaner ebenso ein respektierter und sympathischer Begriff wie dem Oberprimaner, dem mathematisch begabten ebenso wie dem auf Fünfer oder Sechser abonnierten Schüler, und in der Erinnerung ganzer Schülergenerationen ist er unvergessen. Rudolf Lambert war Hugenotte. Ein fröhlicher. Er spielte Tennis und trug den Regenschirm waagerecht wie eine Lanze um den Ellenbogen gehakt Tag für Tag ins Karlsgymnasium. Zu seiner wuscheligen Frisur, die eigentlich gar keine war, passte seine von breit-intelligenten Falten durchzogene Stirn, und noch charakteristischer waren Tonfall und Stimme: im Ton immer etwas nasal, melodramatisch und von sprechender Geste untermalt.
Er wirkte fahrig, war aber stets hellwach und konzentriert. Namen seiner Schüler waren ihm selten präsent, er fand andere, anschaulichere Lösungen, um seine pädagogischen Adressen zu treffen. Bleistifte waren ihm optimistische Aufhänger, um ein ganzes Schülernest zu beschreiben und anzusprechen; so gab es den Gelbbleistiftler, den Vorder-, Neben-, Hinter-Gelbbleistiftler.“
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Lehrerpersönlichkeit ein und beleuchtet die Diskrepanz zwischen alltagssprachlichen Erwartungen und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung.
B. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung psychologischer Grundlagen, eine Analyse verschiedener Persönlichkeitstheorien, die Rolle der Pädagogischen Psychologie als Grenzdisziplin und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Forschung zur Lehrerpersönlichkeit.
1. Wie versteht sich die moderne Psychologie als Wissenschaft?: Dieses Kapitel definiert Psychologie als empirische Wissenschaft vom Verhalten und Erleben, die eine intersubjektive Kontrolle der untersuchten Sachverhalte erfordert.
2. Wie stellt sich Persönlichkeitsforschung als psychologische Wissenschaft dar und was ist Persönlichkeitspsychologie?: Das Kapitel erläutert die Gliederung der Psychologie in Einzeldisziplinen und definiert Persönlichkeitspsychologie als Wissenschaft von der Einzigartigkeit und Konsistenz individuellen Verhaltens.
2.1. Typologien und Eigenschaftstheorien: Hier werden Ansätze diskutiert, die den Menschen in Typen einordnen oder anhand konstanter Eigenschaften (Traits) beschreiben, wobei kritisch auf deren Vorhersagewert eingegangen wird.
2.2. Dynamische Persönlichkeitstheorien: Dieser Abschnitt behandelt die Theorie Sigmund Freuds, welche Persönlichkeitsentwicklung durch unbewusste Triebe und psychische Energie erklärt.
2.3. Humanistische Theorien: Im Zentrum steht hier das Streben nach Selbstverwirklichung und die ganzheitliche Sichtweise auf den Menschen, wie sie beispielsweise von Rogers vertreten wird.
2.4. Lerntheorien.: Dieser Teil beschreibt die behavioristische Sichtweise, in der Persönlichkeit als Resultat von Reiz-Reaktions-Mustern und Lerngeschichte verstanden wird.
2.5. Kognitive Theorien: Das Kapitel erläutert, wie Menschen durch kognitive Prozesse und persönliche Konstrukte die Welt interpretieren und wie diese Prozesse Verhalten steuern.
3. Pädagogische Psychologie als Grenzdisziplin zwischen Psychologie und Pädagogik.: Das Kapitel definiert die Pädagogische Psychologie als eine Disziplin, die psychologische Theorien und Forschungsergebnisse auf die pädagogische Situation und Veränderungsprozesse anwendet.
4. Die Psychologisch / Pädagogische Forschung zur Lehrerpersönlichkeit.: Abschließend wird die empirische Forschung zur Wirksamkeit von Lehrern analysiert, wobei die Schwierigkeiten bei der Definition und Messung einer „erfolgreichen“ Lehrerpersönlichkeit kritisch hinterfragt werden.
C. Zusammenfassung: Diese Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Erkenntnisse der verschiedenen theoretischen Strömungen und die Herausforderungen bei der Identifikation allgemeingültiger Merkmale effektiven Lehrerverhaltens.
Schlüsselwörter
Lehrerpersönlichkeit, Pädagogische Psychologie, Persönlichkeitstheorie, Eigenschaftstheorie, Behaviorismus, Kognitive Psychologie, Lehrerverhalten, Unterrichtseffektivität, Erziehungswissenschaft, Modelllernen, Selbstwirksamkeit, Diagnostik, Konsistenz, Persönlichkeitsforschung, Verhaltensanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die psychologischen Konzepte der Persönlichkeit und deren Anwendung auf das Berufsbild und die Wirksamkeit von Lehrkräften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören Persönlichkeitstheorien, die wissenschaftliche Fundierung pädagogischen Handelns und die empirische Forschung zu Lehrereigenschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob wissenschaftliche Ansätze in der Lage sind, eine konsistente „Lehrerpersönlichkeit“ zu definieren, die den Erfolg von Unterricht vorhersagen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf Literaturanalyse, historischen Überblick und die Auswertung empirischer Studien aus der Psychologie und Pädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Übersicht der Persönlichkeitspsychologie, die Definition pädagogischer Psychologie und die kritische Analyse der Lehrerforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Lehrerpersönlichkeit, Pädagogische Psychologie, empirische Forschung, Eigenschaftstheorie und Verhalten im Unterricht.
Warum fällt es schwer, den „guten Lehrer“ rein über Eigenschaften zu definieren?
Die Forschung zeigt, dass situative Faktoren und die Interaktion mit verschiedenen Schülertypen die Wirkung der Persönlichkeit oft überlagern, weshalb keine einheitlichen, allgemeingültigen Merkmale gefunden wurden.
Welche Bedeutung kommt dem „Dabeisein“ im Unterricht zu?
Das Konzept beschreibt die Fähigkeit einer Lehrkraft, schnell und sicher auf das Geschehen im Klassenzimmer zu reagieren und Kontakt zu den Schülern zu halten, was sich empirisch als bedeutsam für die Unterrichtsführung erwiesen hat.
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- Dr. phil. Udo Schultheis (Author), 2001, Die Psychologie der Lehrerpersönlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/130261