Einleitung
Die Frage aufzuwerfen, ob Karl der Große ein „Kaiser wider Willen“ war, ist durchaus berechtigt, wenn man die beinahe schon nebelhafte Quellenlage betrachtet, die über jenen geschichtsträchtigen Moment der Kaiserkrönung berichtet. Die vier Hauptquellen (der Liber Pontificalis, die Annales regni Francorum, die Karoli Magni Einhards und die Annales Laureshamenses) kommen mit wenigen Worten aus, was einige Historiker dazu gereizt hat, jenen Vorgang teilweise reichlicher auszuschmücken, als es denn eigentlich nötig ist.
Um einen genaueren Einblick in das damalige Geschehen zu erhalten, möchte ich zunächst Einhards Worte und die Reichsannalen erläutern. Weiterführend ist es unumgänglich, verschiedene Interpretationen darzulegen, die oft gerade deswegen so differenziert sind, da sie schon das Vorfeld der Ereignisse unterschiedlich aufnehmen und analysieren. Daher gilt mein Blick nicht nur der kaiserlichen Krönung selbst, sondern auch den damit verknüpften Zusammenhängen, welche über Aachen, Rom bis hin nach Byzanz reichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zeitgenössische Quellen
2.1.Einhards Vita Karoli Magni
2.2.Annales regni Francorum
3. P. E. Schramm und seine „Kaiser wider Willen“-These
4. Differenzierte Interpretionen
4.1.Die Kaiserkrönung als Schachzug im Kräftemessen mit Byzanz
4.2.Die Idee der Überrumpelung
4.3.Art und Weise der Krönung wider Karls Willen
5. Zusammenfassung
6. Bibliographie
6.1.Quellen
6.2.Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Fragestellung, ob Karl der Große tatsächlich ein „Kaiser wider Willen“ war, indem sie die widersprüchlichen und lückenhaften zeitgenössischen Quellen analysiert. Ziel ist es, durch den Vergleich verschiedener historischer Interpretationen und die Untersuchung der machtpolitischen Zusammenhänge mit Rom und Byzanz Licht in das Dunkel des Krönungsaktes von 800 zu bringen.
- Analyse der zeitgenössischen Quellen (Einhard und Reichsannalen)
- Untersuchung der „Kaiser wider Willen“-These von P. E. Schramm
- Interpretation der Kaiserkrönung im Kontext der Machtspiele mit Byzanz
- Erörterung der Indignationstheorie und der Rolle der Überrumpelung
- Reflektion über die symbolische Bedeutung der Krönungszeremonie
Auszug aus dem Buch
2.2.Annales regni Francorum
Die Reichsannalen schildern zunächst das Attentat auf Leo III., bei welchem der Papst gefangen wurde, um ihn zu blenden und ihm die Zunge herauszuschneiden. Leo konnte jedoch entkommen und wurde später von Karl „mit großer Ehre“ in Paderborn empfangen. Im Jahre 800 ordnete Karl einen Italienzug an. Als Karl nach Rom kam, sei ihm Leo schon zwölf Meilen entgegengekommen und empfing den König „mit höchster Demut und größten Ehren“. Als Karl vor der Peterskirche eintraf, waren schon „Scharen von Fremden und Bürgern“ versammelt, „die dem Ankommenden Lob singen sollten“.
Weiterhin erfährt der Leser, daß Karl die Anschuldigungen gegen Leo untersuchte. Dieses Verfahren nahm durch den Reinigungseid des Papstes sein Ende.
Am Weihnachtstag des Jahres 800 setzte Leo Karl die Krone auf und das Volk rief : „dem erhabenen Karl, dem von Gott gekrönten großen und friedenbringenden Kaiser der Römer Leben und Sieg !“ Leo ehrte Karl durch einen Kniefall und die Kaiserkrönung war somit abgeschlossen. Nur kurze Zeit später verbannte Karl die Attentäter Leos und brachte dann „die öffentlichen, kirchlichen und Privatangelegenheiten der Stadt Rom, des Papstes und ganz Italiens in Ordnung“.
Diese Quelle berichtet Genaueres, erwähnt aber – ungleich zu Einhard – keine Unstimmigkeiten während oder nach der Krönung. Alles scheint seinen normalen Verlauf genommen zu haben, Karl verließ als souveräner Kaiser die Stadt Rom und widmete sich weiteren Aufgaben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage hinsichtlich des zweifelhaften Freiwilligkeitsaspekts bei Karls Kaiserkrönung angesichts einer diffusen Quellenlage.
2. Zeitgenössische Quellen: Untersuchung von Einhards Vita und den Reichsannalen als primäre, jedoch teils widersprüchliche Berichte über das Ereignis im Jahr 800.
3. P. E. Schramm und seine „Kaiser wider Willen“-These: Darstellung der Interpretation, dass Karl aufgrund seines Rechtsbewusstseins eine formelle Krönung durch den Papst als unzureichende Legitimation empfand.
4. Differenzierte Interpretionen: Analyse verschiedener Historikermeinungen, die den Fokus auf machtpolitische Strategien gegenüber Byzanz und die Möglichkeit einer päpstlichen Überrumpelung Karls legen.
5. Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse, die darauf hindeutet, dass Karl die Krönung zwar plante, die Art und Weise der Durchführung jedoch als fremdbestimmt ablehnte.
6. Bibliographie: Auflistung der im Proseminar verwendeten Quellentexte und wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Kaiserkrönung, Einhard, Annales regni Francorum, P. E. Schramm, Kaiser wider Willen, Papst Leo III., Byzanz, Paderborner Epos, Legitimation, Mittelalterliche Geschichte, Rom, Machtpolitik, Zeremoniell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Hypothese, ob Karl der Große tatsächlich gegen seinen Willen zum Kaiser gekrönt wurde oder ob dies eine bewusste politische Inszenierung war.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Quellenkritik, das Verhältnis zwischen dem fränkischen Herrscher und dem Papsttum sowie die außenpolitische Spannung zum Byzantinischen Reich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung der „Kaiser wider Willen“-These unter Berücksichtigung der zeitgenössischen schriftlichen Überlieferung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenbasierte Analyse und Literaturrecherche, bei der Aussagen der Primärquellen mit historischen Interpretationen verschiedener Forscher abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Quellen, die Behandlung von Schramms These sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Interpretationsansätzen zur Krönung.
Welche Schlüsselwörter prägen den Inhalt?
Zentral sind Begriffe wie Kaiserkrönung, Legitimation, Machtpolitik, Einhard, Byzanz und Paderborner Epos.
Wie bewerten die Quellen die Rolle von Papst Leo III.?
Während Einhard den Papst kritisch beäugt und Karls Distanz betont, stellen die Reichsannalen den Papst als legitimen Akteur dar, der den Krönungsakt vollzieht.
Welche Bedeutung kommt dem Aachener Kaisergedanken zu?
Dieser Gedanke beschreibt Karls Bestrebungen, eine neue kaiserliche Ordnung zu schaffen, die stärker durch Aachen und das Frankenvolk legitimiert ist als durch die rein römische Tradition.
- Quote paper
- Jane Vetter (Author), 2003, Karl der Große - Kaiser wider Willen ?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/13025