1. Einleitung
Diese Arbeit widmet sich den triuwe-Begriffen und der Erprobung der triuwe in KONRADS VON WÜRZBURG Engelhard. Anhand der Formulierung wird hier bereits deutlich, dass es sich nicht um ein einheitliches Verständnis von triuwe handelt, sondern mehrere Ebenen zu unterscheiden sind, je nachdem, ob es sich um ein Treueverhältnis unter Freunden bzw. Liebenden handelt, ein Treueverhältnis zu ständisch Höhergestellten oder zu Gott.
Daher ist es nötig, vorab den Begriff der triuwe im Allgemeinen zu klären, um dann herauszuarbeiten, wie KONRAD diesen Terminus verstanden wissen will, denn bereits im Prolog, einem Loblied auf die triuwe, wird genannt, welche Dinge durch triuwe bewirkt werden können.
Anschließend soll gezeigt werden, welche Arten der triuwe im Engelhard abgehandelt werden und wodurch dies geschieht. Vorrangig wird in dieser Arbeit von zwei triuwe-Verhältnissen ausgegangen. Diese werden im folgenden Abschnitt näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Formen der triuwe und ihre Erprobungen
2.1. Zum Begriff der triuwe
2.2. Die Apfelprobe als Beweis gleicher triuwe
2.3. Engeltruts triuwe-Beweis
2.4.Formen der triuwe und der Gottesgerichtliche Zweikampf
2.5. Aussatz und Kinderopfer als triuwe-Proben
3. Schluss
4. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff und die verschiedenen Erscheinungsformen der „triuwe“ im Werk „Engelhard“ von Konrad von Würzburg. Ziel ist es, die Unterscheidung zwischen vertikalen, rechtlich-verpflichtenden Treueverhältnissen und horizontalen, innerlich motivierten Bindungen herauszuarbeiten und zu analysieren, wie diese im Handlungsverlauf erprobt und bewertet werden.
- Konzeptualisierung des mittelhochdeutschen Begriffs „triuwe“
- Analyse der vertikalen versus horizontalen Treueverhältnisse
- Die Funktion von Gottesurteilen und Zweikämpfen als Treueproben
- Die Bedeutung von Aussatz und Opferbereitschaft als Prüfung der „triuwe“
- Die Rolle der „triuwe“ als ethisches Prinzip im höfischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Apfelprobe als Beweis gleicher triuwe
Vom Vater mit drei Äpfeln versehen und dem Rat, seinen Begleiter auf der Reise nach Dänemark mit Bedacht und der Hilfe der drei Äpfel zu prüfen symbolisiert Engelharts Begegnung mit Dietrich eine Prüfung auf gleiche triuwe.. Nicht nur das identische Erscheinungsbild der beiden steht für die Gleichheit ihrer Charaktereigenschaften. Dies wird vielmehr durch die Apfelprobe bewiesen. Indem Dietrich den angebotenen Apfel nicht nur mit Engelhart teilt, sondern ihn auch schält, beweist er seine edle Gesinnung, die der Engelharts gleicht;
„ouch was ir leben tugentrîch
an der geschepfede ein und ein.
ouch flôz ein sprâche von in zwein
und was ouch ein gebærde an in.
gelîche stuont ir beider sin
ûf tugent unde ûf êre.
in was diu schande sêre
entfremdet unde entwildet.“
(V. 462-469)
Sie schwören sich nicht nur Freundschaft und Treue;
„mich dunket dîn vil reinez leben
in der sælekeite wol
daz ich dir gerne leisten sol
brüederlîche triuwe gar.“
(V. 538-541)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der verschiedenen Ebenen des triuwe-Begriffs bei Konrad von Würzburg ein und stellt die Forschungsfrage nach deren Erprobung im Werk.
2. Die Formen der triuwe und ihre Erprobungen: Dieses Hauptkapitel analysiert in fünf Unterabschnitten die verschiedenen Facetten der Treue, von begrifflichen Grundlagen über die Apfelprobe und den Gottesgerichtskampf bis hin zur extremen Prüfung durch Aussatz.
3. Schluss: Das Fazit resümiert, dass die horizontale, innerlich motivierte Treue als die vom Autor bevorzugte und moralisch wertvollere Form gegenüber der rein verpflichtenden vertikalen Treue dargestellt wird.
4. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet die für die Untersuchung herangezogene wissenschaftliche Literatur auf.
Schlüsselwörter
Konrad von Würzburg, Engelhard, triuwe, Mittelhochdeutsche Literatur, Treue, Gottesurteil, Zweikampf, Freundschaft, Minne, Ethik, höfische Kultur, horizontale Treue, vertikale Treue, Aussatz, Opferbereitschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des „triuwe“-Begriffs (Treue) in Konrad von Würzburgs „Engelhard“ und untersucht, wie verschiedene Treueverhältnisse im Roman dargestellt und erprobt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Unterscheidung zwischen vertikalen (feudal-rechtlichen) und horizontalen (freundschaftlich-persönlichen) Treueverhältnissen sowie deren ethische Bewertung im höfischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Konrad von Würzburg die „triuwe“ durch verschiedene Handlungsprüfungen, wie das Gottesurteil oder das Kinderopfer, charakterisiert und wertet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zu den Themen „triuwe“, „Gottesurteil“ und „Amicus und Amelius“-Versionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Begriff der „triuwe“ definiert, die Bedeutung der Apfelprobe analysiert, der Zweikampf Ritschiers gegen Dietrich untersucht und die Auswirkungen von Aussatz und Opferbereitschaft auf die Treuebeziehungen dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind „triuwe“, „horizontal/vertikal“, „Gottesurteil“, „höfische Ethik“, „Freundschaft“ und „Engelhard“.
Warum ist die Unterscheidung zwischen horizontaler und vertikaler Treue so wichtig?
Diese Unterscheidung verdeutlicht den Konflikt zwischen gesetzlicher Pflicht gegenüber einem Lehnsherrn und der moralisch-inneren Verpflichtung gegenüber einem Freund oder der Geliebten.
Welche Rolle spielt das Motiv des Aussatzes im Werk?
Der Aussatz dient als extreme Treueprobe, in der sich zeigt, wer aus wahrer, nicht verpflichtender „triuwe“ zum Freund steht, wenn gesellschaftliche Normen und soziale Bindungen wegfallen.
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- Katja Losensky (Author), 2007, Das Gottesurteil und die Formen der "triuwe" im "Engelhart" Konrad von Würzburgs, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/130194