„Singin’ in the Rain“ – so lautet der Titel des wohl besten Hollywood-Filmmusicals überhaupt, das 1952 als Werk der Regisseure Gene Kelly und Stanley Donen in die Kinos kam. 1982 kürte die Zeitschrift „Sight and Sound’s“ es sogar zum viertbesten Film aller Zeiten. Das Filmmusical spielt in der turbulenten Übergangszeit vom Stumm- zum Tonfilm in den Hollywood-Filmstudios der späten 20er Jahre und gibt in humorvoller, selbstironischer Art die damit verbundenen Umstellungsprobleme wieder. Der romantische Plotteil basiert auf einer sich entwickelnden Liebesgeschichte zwischen dem berühmten Schauspieler Don Lockwood und dem Tanzgirl Kathy Selden, wobei deren Beziehung bis zum Happy End ständig durch echte und befürchtete Trennungen gefährdet ist.
Die Musik zum Film lieferten die Songschreiber Freed und Brown, allerding wurden lediglich zwei Lieder speziell für diesen komponiert; den Rest übernahm man aus früheren Musicals.
Eines dieser Lieder ist die Solonummer „Make `Em Laugh“ des Darstellers O’Connor alias Cosmo. Seine akrobatische Höchstleistung in dieser Sequenz, die er mit clownesker Mimik und Gestik paart, bleibt wohl jedem Zuschauer im Gedächtnis und bringt ihn zudem ordentlich zum Lachen. Mit welchen filmischen Mitteln gelingt es dem Film O’Connor in dieser Sequenz in Szene zu setzen? Nach Klärung theoretischer Grundlagen zum Genre „Musical“, wird die folgende Sequenzanalyse zu „Make `Em Laugh“ zunächst untersuchen, auf welche Art und Weise die dramatische Integration dieser Showeinlage in die Filmhandlung gelingt. Danach erfolgt die Analyse einiger ausgewählter filmischer Gestaltungsmittel, deren Einsatz es gilt, mithilfe einer „Genre-Motivation“ zu begründen. Inspiration zu dieser Sequenzanalyse lieferte im Übrigen die Analyse zum Titellied des Films, „Singin’ in the Rain“, von Peter Wollen in dessen gleichnamigen Buch.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. „Singin’ in the Rain“ – Das wohl beste Filmmusical Hollywoods aller Zeiten
2.1 Anfänge und allgemeine Merkmale des Filmmusicals
2.2 Das Filmmusical der 50er Jahre
2.3 Das Showmusical nach Altman
3. Sequenzanalyse zu „Make `Em Laugh“
3.1 Wie gelingt die „dramatische Integration“ der Sequenz in die Rahmenhandlung des Films?
3.2 Beschreibung der filmischen Handlung
3.3 Ton
3.3.1 Musik
3.3.2 Dialog / Gesang
3.3.3 Geräusche
3.4 Mise-en-scène
3.4.1 Ort / Kulisse / Ausstattung
3.4.2 Einstellungsgrößen
3.4.3 Kameraperspektive
3.4.4 Kamerabewegung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmischen Gestaltungsmittel und die dramatische Integration der Musicalnummer „Make `Em Laugh“ aus dem Filmklassiker „Singin’ in the Rain“. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine Kombination von akustischen und visuellen Elementen eine Showeinlage organisch in die Rahmenhandlung eingebettet wird.
- Analyse der "dramatischen Integration" von Gesangs- und Tanzeinlagen
- Untersuchung der filmischen Gestaltungsmittel (Ton, Mise-en-scène, Kameratechnik)
- Rolle der Genre-Konventionen im Hollywood-Filmmusical
- Zirkus- und Vaudeville-Einflüsse auf die Darstellung von Komik und Artistik
- Bedeutung der filmischen Inszenierung für den "Show"-Charakter des Musicals
Auszug aus dem Buch
3.2 Beschreibung der filmischen Handlung
Die etwa vier Minuten (00:37-00:41) lange Sequenz besteht aus zwölf Einstellungen: Die Beschreibung der filmischen Handlung bis zu Beginn der dritten Einstellung wurde bereits im vorhergehenden Gliederungspunkt 3.2 vorgenommen. An dieser soll nun angeknüpft werden: In dem Moment also, wo Cosmo vom Klavier herunter springt und auf dem Boden aufkommt, setzt die Musik, kurz darauf Cosmos Gesang ein. Cosmo schreitet tänzerisch vor Dons Nase hin und her, geht auf die Knie, springt in die Luft u. ä., wobei er seine Aktivitäten stets durch rhythmische Armbewegungen untermalt. Außerdem setzt er seinen Hut als Gestaltungsmittel ein, indem er ihn ständig abnimmt und wieder aufsetzt und Don auf spaßige Art um die Ohren haut. Wie es sich für einen richtigen Clown gehört, nutzt Cosmo eine übertriebene Mimik, um Don mit lustigen Grimassen zum Lachen zu bringen.
Plötzlich fällt er vornüber auf Don, hält sich an seinen Schultern fest , reißt sich wenig später wieder von ihm los um sich rückwärts laufend zu entfernen. Nach einem Schnitt ist Cosmo nun über einem schmalen Brett stehend zu sehen, welches kurz darauf von zwei Handwerkern samt Cosmo angehoben und fort getragen wird. Dieser, zunächst verblüfft, freundet sich schnell mit der neuen Situation an und fährt fort den Clown zu spielen. So vollführt er zunächst auf dem Brett sitzend Arm- und Beinbewegungen wie beim Laufen und dann vornüber liegend mit den Armen Brustschwimmbewegungen. Plötzlich werfen ihn die Handwerker vom Brett herunter; Cosmo landet unsanft auf dem Boden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema, Vorstellung des Films und der Forschungsabsicht.
2. „Singin’ in the Rain“ – Das wohl beste Filmmusical Hollywoods aller Zeiten: Theoretischer Abriss über das Genre Filmmusical, die Entwicklung der 50er Jahre und Altmans Showmusical-Theorie.
3. Sequenzanalyse zu „Make `Em Laugh“: Detaillierte Analyse der Integration der Nummer in die Handlung sowie Untersuchung von Ton, Mise-en-scène und Kameratechnik.
4 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung der professionellen Inszenierung als Erfolgsfaktor.
Schlüsselwörter
Singin' in the Rain, Make 'Em Laugh, Filmmusical, Sequenzanalyse, Hollywood, dramatische Integration, Mise-en-scène, Kameratechnik, Vaudeville, Showmusical, Cosmo, Filmgeschichte, Montage, Ton, Choreographie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der detaillierten Sequenzanalyse der berühmten Musicalnummer "Make 'Em Laugh" aus dem Film "Singin' in the Rain".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die filmische Integration von Showeinlagen, die Analyse von Inszenierungstechniken im Musical-Genre sowie die historische Einordnung des Filmmusicals.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung der Frage, mit welchen filmischen Mitteln eine scheinbar "unnatürliche" Showeinlage organisch und dramatisch in die Rahmenhandlung eines Films integriert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Sequenzanalyse angewendet, bei der filmische Gestaltungsmittel wie Montage, Ton, Kamerabewegung und Einstellungsgrößen systematisch untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Genres und eine detaillierte technische Analyse der Sequenz, unterteilt in Handlung, Ton und Mise-en-scène.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Filmmusical, Sequenzanalyse, dramatische Integration, Mise-en-scène und Hollywood-Klassiker.
Warum ist das "interne Publikum" für die Analyse relevant?
Das interne Publikum, wie es von Rick Altman für das Showmusical definiert wird, dient dazu, das Filmpublikum in die Welt des Films zu ziehen und den Voyeurismus hinter die Kulissen zu befriedigen.
Welche Bedeutung kommt dem Hut in der Sequenz zu?
Der Hut dient nicht nur als Accessoire, sondern als zentrales Gestaltungsmittel, Rhythmusinstrument und Requisite, die Cosmos clowneskes Spiel maßgeblich unterstützt.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den verschiedenen Geräuscharten?
Es wird unterschieden zwischen natürlich wirkenden, rhythmischen Geräuschen und künstlich verstärkten, unnatürlichen Klängen, welche den Zirkus- und Vaudeville-Charakter der Nummer unterstreichen.
- Arbeit zitieren
- Cornelia Steinigen (Autor:in), 2006, Sequenzanalyse der Musicalnummer "Make 'Em Laugh" aus dem Film "Singin' in the Rain", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/129869