Unter der Fragestellung, inwiefern Homosexualität Thema interreligiösen Religionsunterrichts (IRU) sein kann und welche Ziele damit verfolgt werden können, wird die vorliegende Arbeit zunächst einen Überblick über unterschiedliche Positionen zum Thema Homosexualität in Christentum und Islam geben. Dabei wird vor allem auf die Aussagen der jeweiligen Heiligen Schrift – sprich: Koran und Bibel – geschaut werden, um gezielt den Umgang mit Aussagen aus den Heiligen Schriften der beiden Religionen zu betrachten. Daran anschließend, wird die Frage diskutiert werden, ob Homosexualität überhaupt ein Thema für den Religionsunterricht sein kann bzw. sollte, ob dies im IRU möglich ist und auf welche Probleme man stoßen kann. Letztlich wird untersucht werden, welche Ziele und Chancen mit einer Thematisierung verfolgt werden können. Auch hier wird ein besonderes Augenmerk auf den Umgang mit den Aussagen der Heiligen Schriften innerhalb des Unterrichts gelegt. Der Einfachheit halber wird sich diese Arbeit vorzugsweise mit der christlichen, sowie der islamischen Religion in Bezug auf IRU auseinandersetzen, dennoch wird versucht davon ausgehend einen möglichst allgemeinen Blick auf die Thematisierung von Homosexualität im IRU zu werfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Homosexualität in Christentum und Islam
2.1 Christentum
2.1.1 Exegetische Analyse
2.1.1.1 Altes Testament
2.1.1.2 Neues Testament
2.1.2 Konkret: Römisch-katholische Kirche
2.2 Islam: Homosexualität im Koran?
3. Homosexualität im interreligiösen Religionsunterricht
3.1 Homosexualität – ein Thema für den Religionsunterricht?
3.2 Homosexualität im IRU
3.2.1 In Auseinandersetzung mit den Heiligen Schriften
3.2.2 Fünf Grundkompetenzen anhand von Homosexualität im IRU
3.3 Problematisierung und Bewertung
3.3.1 Mögliche Problemfelder
3.3.2 Abschließende Erwägung
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Homosexualität ein geeignetes und relevantes Thema für den interreligiösen Religionsunterricht (IRU) sein kann. Dabei steht die diskursive Auseinandersetzung mit biblischen und koranischen Texten unter Berücksichtigung gegenwärtiger moraltheologischer und didaktischer Perspektiven im Fokus, um Chancen und Herausforderungen für eine pädagogische Behandlung aufzuzeigen.
- Analyse der biblischen und koranischen Aussagen zu Homosexualität
- Konfessionelle Positionierungen sowie islamische Rechtsverständnisse
- Didaktische Einbettung in den interreligiösen Unterricht
- Reflexion über Vorurteilsabbau und moraltheologische Bildung
- Bedeutung der Kompetenzorientierung im interreligiösen Dialog
Auszug aus dem Buch
2.1.1.1 Altes Testament
Zu Beginn soll festgehalten werden, dass sowohl das Alte, wie auch das Neue Testament nur in einem sehr kleinen Umfang Analysepotential bieten, da sich nur wenige Schriftstellen mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzen. Nichtsdestotrotz führten und führen gerade diese wenigen Stellen zu einer Entfaltung innerhalb der jeweiligen Sexualmoral der verschiedenen christlichen Glaubensgemeinschaften, wie bpw. der katholischen Kirche.(Vgl. KKK 2357-2359)⁹ Allerdings ist fraglich, wie und ob eine Eins-zu-Eins-Übertragung des Wortlautes möglich ist, insbesondere wenn man im katholischen Milieu auf die Konstitution Dei Verbum rekurriert, wonach man auch und insbesondere den historischen Kontext, sowie die hinter der wörtlichen Ebene liegende Intention des Geschriebenen berücksichtigen muss (vgl. DV 12).
Als alttestamentliches Beispiel können zwei Verse aus dem Heiligkeitsgesetz im Buch Levitikus herangezogen werden. Der erste der beiden Verse enthält scheinbar eine direkte Absage an homosexuelle Orientierung, indem er das Liegen eines Mannes bei einem Mann als „Greuel“ bezeichnet (Lev 18,22; BHS¹⁰). Die noch härtere Ausführung kommt zwei Kapitel später und scheint nach der gängigen Übersetzung die Todesstrafe zu nennen für homosexuelle Praktiken, indem gesagt wird, dass einer, der „mit einem Mann [schläft; MP] […] den Tod verdient“ (Lev 20,13) habe. Zieht man jedoch den hebräischen Urtext zu Rate, dann lässt sich schnell feststellen, dass zwar ausgesagt ist, dass der Tod über jemanden kommen soll, jedoch kein*e handelnde*r Akteur*in, ebenso wenig eine verdiente Strafe ausgesprochen ist. Hier, wie in vielen anderen Fällen auch im Alten Testament, befindet sich im hebräischen Text ein sogenannter „mot-yumat-Satz“, abgeleitet vom hebräischen מוֹת יוּמַת, was im vorliegenden Vers in der Pluralform vorkommt. Zu übersetzen ist diese Redewendung keineswegs mit der Formulierung aus der Einheitsübersetzung „den Tod verdient“, sondern vielmehr in der unten vorgeschlagenen Weise: „der Tod soll/ wird über sie kommen“¹¹.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die aktuelle gesellschaftliche Debatte um Homosexualität ein und begründet die Relevanz einer Auseinandersetzung mit diesem Thema im schulischen Kontext.
2. Homosexualität in Christentum und Islam: Dieses Kapitel analysiert exegetisch die Aussagen der Heiligen Schriften beider Religionen und betrachtet die lehramtlichen bzw. traditionellen Positionen zu Homosexualität.
3. Homosexualität im interreligiösen Religionsunterricht: Hier wird die didaktische Einordnung diskutiert, wobei fünf Grundkompetenzen auf ihre Anwendbarkeit bei der Thematisierung von Homosexualität geprüft werden.
4. Zusammenfassung und Fazit: Die Ergebnisse werden gebündelt und die Chancen sowie Schwierigkeiten einer unterrichtlichen Behandlung des Themas zusammenfassend bewertet.
Schlüsselwörter
Homosexualität, Religionsunterricht, Interreligiöses Lernen, Exegese, Sexualmoral, Bibel, Koran, Dei Verbum, Kompetenzorientierung, Römisch-katholische Kirche, Vorurteilsabbau, Moraltheologie, Diskriminierung, Heilige Schriften, Didaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung und Thematisierung von Homosexualität im interreligiösen Religionsunterricht (IRU).
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse biblischer und koranischer Texte, den lehramtlichen Positionen sowie den Möglichkeiten einer kompetenzorientierten didaktischen Umsetzung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist zu eruieren, ob und wie Homosexualität als Thema im IRU behandelt werden kann, ohne dabei in Vorurteilsstrukturen zu verfallen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär genutzt?
Es wird eine exegetische Analyse der einschlägigen Schriften sowie eine methodisch-didaktische Reflexion auf Basis theologischer Grundlagen vorgenommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine exegetische Bestandsaufnahme der Schriften und eine detaillierte Erörterung didaktischer Kompetenzmodelle im Rahmen des IRU.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Homosexualität, Religionsunterricht, Interreligiöses Lernen, Exegese und Moraltheologie bestimmt.
Wie bewerten die Weltreligionen nach Ansicht der Arbeit das Thema?
Die Arbeit stellt dar, dass sowohl im Christentum als auch im Islam keine einheitliche Beurteilung vorliegt und die Texte oft historisch-kritisch neu betrachtet werden müssen.
Welche Rolle spielt die "Dei Verbum" in der Argumentation des Autors?
Sie dient als Referenz für die katholische Sichtweise, wonach biblische Texte nicht rein wörtlich, sondern immer im historischen Kontext und mit Blick auf die Intention auszulegen sind.
Warum stellt das Thema für Lehrer eine besondere Herausforderung dar?
Es erfordert hohe Sensibilität im Sprachgebrauch, fundiertes theologisches Wissen über verschiedene Traditionen und die Fähigkeit, mit komplexen, emotional besetzten Gruppendynamiken umzugehen.
Welcher Ausblick wird hinsichtlich der schulischen Praxis gegeben?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass trotz hoher Anforderungen eine gut vorbereitete Thematisierung einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Toleranz und Wissen über Religionen leisten kann.
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- Anonym (Author), 2020, Homosexualität im interreligiösen Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1298638