Die Autoren widmen sich in dieser Seminararbeit dem Bereich der Personalentwicklung aus dem Blickwinkel des institutionalistischen Ansatzes der Organisationstheorie. Der institutionalistische Ansatz setzt sich im Wesentlichen mit der Frage auseinander, inwieweit organisationale Strukturen und Handlungsweisen de facto auf eine kulturell und sozial konstruierte Wahrnehmung der Realität zurück zu führen sind und somit auf Rationalitätsmythen beruhen. Des Weiteren ist von Interesse, welche Rolle das Streben nach Legitimität im entsprechenden Umfeld spielt. In diesem Zusammenhang wird auch auf das Phänomen des Isomorphismus eingegangen. In Hinblick auf die Personalentwicklung soll sowohl mit Hilfe des makro- als auch des mikroinstitutionalistischen Ansatzes versucht werden, eine Reihe von Personalentwicklungstools und -methoden zu beleuchten beziehungsweise zu erklären. Damit kann dem Leser ein Eindruck über das Erklärungspotenzial des institutionalistischen Ansatzes für scheinbar rational getroffene Entscheidungen bezüglich bestimmter Personalentwicklungs-Tools gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Institutionalistische Ansätze
2.1. Makroinstitutionalistischer Ansatz
2.2. Mikroinstitutionalistischer Ansatz
3. Personalentwicklung in Hinblick auf den institutionalistischen Ansatz
4. Beleuchtung von Personalentwicklungs-Tools hinsichtlich Institutionalisierung
4.1. Assessment Center
4.2. Kanäle der Personalbeschaffung
4.3. Qualitätszirkel
4.4. Traineeprogramme
5. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Personalentwicklungsmaßnahmen durch die Brille des institutionalistischen Ansatzes der Organisationstheorie, um zu hinterfragen, inwiefern solche Instrumente tatsächlich auf rationaler Effizienz basieren oder primär der Erlangung von Legitimität dienen.
- Analyse des Institutionalismus als organisationstheoretisches Erklärungsmodell
- Unterscheidung zwischen makro- und mikroinstitutionalistischen Perspektiven
- Erklärung von Personalmanagement-Tools durch Konzepte wie Isomorphismus und soziale Legitimität
- Kritische Reflexion über "rationale" Entscheidungen in der Personalentwicklung
Auszug aus dem Buch
4.1. Assessment Center
Das Assessment Center eignet sich besonders für eine Analyse aus dem Blickwinkel des Institutionalismus, da es auf eine rasante weltweite Verbreitung zurückblicken kann. In einer von Krause et al. in Deutschland durchgeführten Studie zeigt sich, dass das Assessment Center quer durch alle Branchen und in Betrieben von nahezu jeder Größe angewandt wird. Eine weitere Studie von Jeserich und Gruber zeigte, dass 87% aller deutschen Großunternehmen angeben, Assessement Centers durchzuführen.
Von Beginn an scheint Isomorphismus durch mimetische Prozesse in der Verbreitung von Assessment Centers eine nicht unbedeutende Rolle gespielt zu haben, denn ihren Ursprung hat dieses Evaluierungsverfahren in der deutschen Armee in der Zeit des ersten Weltkrieges, und innerhalb kurzer Zeit wurde das Verfahren von den USA imitiert und bei der Auswahl ihrer Agenten eingesetzt. Weiters haben Ryan et al. festgestellt, dass erhebliche nationale Unterschiede in Bezug auf den Einsatz bestimmter Assessment Center-Verfahren bestehen.
Nachdem dies nicht auf unterschiedliche Validität in Abhängigkeit von der jeweiligen Nation zurückgeführt werden kann, legt Ryan die Vermutung nahe, dass weniger Validitätsüberlegungen als das Verhalten der unmittelbaren Mitbewerber von Relevanz ist. Hervorzuheben ist auch, dass die Entscheidung wer in eine Organisation aufgenommen wird erhebliche Symbolkraft für interne wie externe Stakeholder aufweist. Die Bedeutung dieser unternehmenskulturellen Zeremonie manifestiert sich beispielsweise in den ausgefeilten mehrstufigen Bewertungsverfahren von Unternehmensberatungen. Für eben diese Adaption der Personalselektion an die Erwartungen interner und externer Umwelten bietet der institutionalistische Ansatz beträchtliches Erklärungspotenzial. Es scheint, dass Unternehmen auch deswegen Assessment Centers durchführen, um sich gegenüber anderen Firmen aber auch am Arbeitsmarkt einen modernen, dynamischen Rufe zu verschaffen, oder in anderen Worten: Sie trachten nach Legitimität! Besonders relevant sind hierzu eine Studie von Krause et al., wonach für 55% der Unternehmer Mundpropaganda der Grund war das erste Assessment Center durchzuführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie organisationale Strukturen und Personalmaßnahmen als Ausdruck kulturell und sozial konstruierter Wahrnehmungen und Rationalitätsmythen verstanden werden können.
2. Institutionalistische Ansätze: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, insbesondere wie Organisationen durch den Druck aus ihrer Umwelt und das Streben nach Legitimität zu strukturellen Angleichungen (Isomorphismus) bewegt werden.
3. Personalentwicklung in Hinblick auf den institutionalistischen Ansatz: Der Fokus liegt auf der Kritik am rein betriebswirtschaftlichen Verständnis der Personalentwicklung und der Frage, ob Maßnahmen eher der Legitimation als der tatsächlichen Humankapitalentwicklung dienen.
4. Beleuchtung von Personalentwicklungs-Tools hinsichtlich Institutionalisierung: Hier wird anhand von Praxisbeispielen untersucht, inwiefern die Nutzung von Instrumenten wie Assessment Centern, Rekrutierungskanälen, Qualitätszirkeln und Traineeprogrammen durch institutionellen Druck erklärt werden kann.
5. Conclusio: Die Conclusio fasst zusammen, dass der institutionalistische Ansatz eine bereichernde Perspektive auf "rationale" Managemententscheidungen bietet, indem er vermeintliche Selbstverständlichkeiten hinterfragt.
Schlüsselwörter
Institutionalismus, Personalentwicklung, Isomorphismus, Legitimität, Organisationstheorie, Rationalitätsmythen, Assessment Center, Personalbeschaffung, Qualitätszirkel, Traineeprogramme, Humankapital, Organisationsstruktur, soziale Konstruktion, Prozesskontrolle, Wettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht personalwirtschaftliche Maßnahmen aus der Perspektive des institutionalistischen Ansatzes der Organisationstheorie und hinterfragt, ob diese der Effizienz oder der sozialen Legitimation dienen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Organisationstheorie, den Mechanismen der Institutionalisierung, dem Phänomen des Isomorphismus und der kritischen Analyse gängiger Personalentwicklungs-Instrumente.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass viele Personalentwicklungsentscheidungen nicht rein rational-effizient getroffen werden, sondern durch den Wunsch der Unternehmen geprägt sind, nach außen hin modern und legitim zu wirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der existierende Forschungsergebnisse und organisationstheoretische Konzepte auf konkrete Personalinstrumente angewendet werden.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifisch Assessment Center, Kanäle der Personalbeschaffung, Qualitätszirkel und Traineeprogramme unter dem Aspekt, ob deren Anwendung durch institutionelle Anpassungsprozesse motiviert ist.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Institutionalismus, Legitimität, Isomorphismus, rationale Mythen und die organisationale Anpassung an die Umwelt.
Warum wird Assessment Center als institutionalisiertes Tool betrachtet?
Da sich das Assessment Center weltweit verbreitet hat und oft unabhängig von spezifischen Validitätsgründen aus mimetischen Prozessen – also der Nachahmung anderer erfolgreicher Unternehmen – übernommen wird, um Legitimität am Arbeitsmarkt zu gewinnen.
Welche Rolle spielt die "Mundpropaganda" bei Personalentscheidungen?
Studien zeigen, dass die Verbreitung von Methoden oft durch den Austausch unter Unternehmern erfolgt, was den mimetischen Isomorphismus stützt, da Unternehmen den Praktiken anderer folgen, um nicht als rückständig zu gelten.
- Quote paper
- MMag. Robert Steiner (Author), Katharina Zweng (Author), Stefan Siroky (Author), 2005, Personalentwicklung in Hinblick auf den institutionalistischen Ansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/129737