Das Wort Gnosis kommt vom griechischen Sprachgebrauch her und heisst so viel wie „Erkenntnis“. Im Laufe der Zeit wurden zwei andere Begriffe gebräuchlich; der Gnostizismus und die Gnostik. Diese beiden Begriffe sind lediglich die latinisierte Form des griechischen Wortes. Der Einfachheit zuliebe werde ich mich bei meiner Arbeit auf den Überbegriff Gnosis beschränken.
Im heutigen Zeitalter wird Gnosis verstanden als eine esoterische Philosophie, eine Weltanschauung oder sogar, wenn auch nur noch sehr selten, als eine Religion. Ferner wird die Gnosis als ein Geheimwissen angesehen, diejenigen (die Gnostiker), die dieses Wissen besitzen werden dadurch von der übrigen Menschheit abgehoben. Die Griechen verstanden unter Gnosis die Erkenntnis überhaupt.
Wer die Erkenntnis hat ist erleuchtet, alle Fragen werden beantwortet. Das Erlangen der „Einsicht“ ist kein Prozess sondern die Erleuchtung kommt im Nu. Wer diese Stufe der „Gottesnähe“ erreicht, wird es merken ohne jeden Zweifel! Der Gnostiker glaubt nicht sondern er weiss. Die Gnosis ist die Antwort an und für sich.
‘Gnosis weiss nach einer von Klemens von Alexandrien überlieferten Verheissung, wer wir waren und was wir geworden sind. Woher wir stammen und wohin wir geraten sind. Wohin wir gehen und wovon wir befreit sind. Was es mit unserer Geburt und was es mit unserer Wiedergeburt auf sich hat.‘
Aus verschiedenen Quellen, wie zum Beispiel der Fund von Nag Hammadi, oder aus alten Überlieferungen von Kirchenvätern, (auf die in dem Kapitel „Quellen der Gnosis“ noch eingegangen wird), lässt sich zum heutigen Zeitpunkt mehr über die Gnosis sagen. Es bleibt jedoch unbestritten, dass es noch Geheimnisse der Gnosis gibt und noch nicht alles vollständig durchleuchtet ist. Das Thema lässt viel Spielraum um zu interpretieren und zu philosophieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gnosis allgemein
2.1 Was ist Gnosis?
2.2 Quellen der Gnosis
Die mandäischen Quellen
Der Fund von Nag Hammadi
Kirchenväter als gnostische Quellen
2.3 Geschichte der Gnosis
2.4 Gnosis in der heutigen Zeit
The Da Vinci Code
Matrix
3. Gnosis und Bibel
3.1 Zwei Welten prallen aufeinander
3.2 Das Evangelium des Johannes als Beispiel des gnostischen Gedankengutes in der Bibel
Über das Evangelium und Johannes
Interpretation über Joh 1, 1-18
3.3 Fragen an XX über das Thema Gnosis innerhalb der Bibel
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Aktualität der Gnosis in der heutigen Zeit sowie deren inhaltliche Zusammenhänge mit der Bibel. Das Ziel besteht darin, durch die Analyse gnostischen Gedankenguts in ausgewählten biblischen Textstellen und modernen Medien zu verstehen, wie sich gnostische Anschauungsbilder interpretieren lassen und welchen Stellenwert sie im religiösen Kontext einnehmen.
- Historische Grundlagen und Wesen der Gnosis
- Gnostische Einflüsse in den Evangelien, insbesondere beim Johannesevangelium
- Die Rezeption der Gnosis in modernen Medien (Film und Literatur)
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Frauenbild in gnostischen Schriften
- Differenzierungsprozesse zwischen Gnostizismus und christlichem Glauben
Auszug aus dem Buch
3.1 Zwei Welten prallen aufeinander
Wie schon in der Einleitung erwähnt, gestaltet sich dieser Teil der Arbeit über die Gnosis im Zusammenhang mit der Bibel. Aber was hat nun eigentlich die Bibel mit der Gnosis zu tun? Nun, um diese Frage zu beantworten müssen wir in der Geschichte ungefähr 2000 Jahre zurückgehen.
Die Bibel ist einher mit der Entwicklung des Christentums entstanden. Jedoch war zu dieser Zeit nicht nur das Christentum eine „aktive“ Glaubensrichtung. Auch die Gnosis gewann immer mehr an Bedeutung. Durch verschiedenste Kirchenväter, (genaueres zu ihnen, siehe Quellen der Gnosis, Kap. 2.2), die über die Gnosis schrieben und vielleicht sogar auch Gnostiker waren, machte die Gnosis in dieser Zeit publik. Als es darum ging, welche Evangelien in der Bibel, genauer gesagt im neuen Testament, aufgenommen werden sollen (im 2. Jh.), gab es heisse Diskussionen rund um die Evangelien. Die Kirche wollte damals verhindern, das die Gnosis einen Einfluss hat auf die Bibel und wollte nur die „wahre“ Lehre des Jesu im neuen Testament haben, da einige, die gnostischen Evangelien, ein anderes Bild von Jesus verbreiteten. Und so wurden nicht alle Evangelien in den Kanon aufgenommen. (Siehe auch Teil A, der Fund von Nag Hammadi). Diese Tatsache allein zeigt uns schon, dass die Gnosis schon einmal mit der Bibel in „Berührung“ kam.
Nun aber gibt es noch ein Phänomen das den Zusammenhang zwischen Gnosis und Bibel aufzeigt. Wenn man sich nämlich das neue Testament genauer ansieht und die Briefe und Evangelien durchliest fällt auf, dass man den einen oder anderen Text zur Gnosis rücken kann. Diese Erkenntnis hat schon die „Tübinger Schule“ im späten zweiten Jahrhundert gemacht und seither wird über die Bedeutung gewisser Evangelien gestritten. Wird nun über einen christlichen Glauben, einen christlich-gnostischen oder einen rein gnostischen Glauben geschrieben? Diese Frage stellt sich vor Allem im Johannes Evangelium (JohEv).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Faszination des Autors für die Gnosis, insbesondere nach dem Fund von Nag Hammadi, und formuliert das Ziel, die Gnosis allgemein zu definieren sowie Verbindungen zur Bibel kritisch zu untersuchen.
2. Gnosis allgemein: Dieses Kapitel erläutert den Ursprung und die Merkmale der Gnosis, wie den Dualismus zwischen Geist und Materie, und beleuchtet die wichtigsten Quellen sowie die Geschichte dieser Bewegung.
2.1 Was ist Gnosis?: Hier wird der Begriff Gnosis als Erkenntnis und Geheimwissen definiert, das den Menschen zur Erleuchtung führt und ihn von der materiellen Welt abhebt.
2.2 Quellen der Gnosis: Dieses Kapitel stellt die mandäischen Quellen, den Fund von Nag Hammadi und die Kirchenväter als wesentliche, wenn auch teils kritisch zu betrachtende Quellen der gnostischen Lehre vor.
2.3 Geschichte der Gnosis: Es werden bedeutende Persönlichkeiten wie Simon Magus und Kerinth behandelt, die als Ursprünge der gnostischen Lehre diskutiert werden.
2.4 Gnosis in der heutigen Zeit: Der Autor analysiert anhand der Beispiele "Da Vinci Code" und "Matrix", wie gnostisches Gedankengut in modernen Medien verarbeitet wird.
3. Gnosis und Bibel: Dieser Teil befasst sich mit der historischen Auseinandersetzung zwischen der frühen Kirche und gnostischen Strömungen bei der Entstehung des biblischen Kanons.
3.1 Zwei Welten prallen aufeinander: Es wird die Spannungsrelation zwischen christlichem und gnostischem Glauben bei der Auswahl der Evangelien für das Neue Testament beleuchtet.
3.2 Das Evangelium des Johannes als Beispiel des gnostischen Gedankengutes in der Bibel: Das Johannesevangelium wird als zentrales Beispiel untersucht, da es Elemente enthält, die sich stark mit gnostischen Vorstellungen überschneiden.
3.3 Fragen an XX über das Thema Gnosis innerhalb der Bibel: In Form eines Interviews mit einer Theologin wird die Verbindung von Bibel und Gnosis aus fachlicher Sicht reflektiert.
4. Fazit: Der Autor zieht ein Resümee, betont die bleibende Bedeutung des gnostischen Denkens und unterstreicht die persönliche Erkenntnis über die Verflechtung von Gnosis und christlichem Ursprung.
Schlüsselwörter
Gnosis, Erkenntnis, Bibel, Johannesevangelium, Nag Hammadi, Demiurg, Dualismus, Erleuchtung, Christentum, Gnostizismus, Spiritualität, Offenbarung, Interpretation, Erlösung, Apokryphe Schriften.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Gnosis, ihrem historischen Ursprung, ihrem Wesen und insbesondere ihrer Beziehung zur Bibel und zu modernen kulturellen Phänomenen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition der Gnosis, ihrer historischen Entwicklung, der Analyse des Johannesevangeliums unter gnostischen Gesichtspunkten und der Betrachtung gnostischer Motive in Filmen wie "Matrix".
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein fundiertes Verständnis der Gnosis zu erlangen und zu untersuchen, inwieweit sich biblische Texte und das gnostische Anschauungsbild gegenseitig beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf Literaturrecherche, die Analyse biblischer Texte, den Vergleich mit gnostischen Quellen sowie die Interpretation moderner Medien und ein Experteninterview.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Definition der Gnosis und deren Geschichte sowie einen vertieften Vergleich zwischen gnostischem Gedankengut und dem Johannesevangelium.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Gnosis, Erkenntnis, Dualismus, Johannesevangelium, Nag Hammadi und Erlösung.
Welche Rolle spielt das Johannesevangelium in der Arbeit?
Das Johannesevangelium dient als primäres Beispiel für biblische Texte, die gnostisches Gedankengut enthalten könnten, was den Autor zu einer detaillierten Analyse der Logos-Thematik führt.
Wie bewertet der Autor die Verbindung der Gnosis zur heutigen Zeit?
Der Autor sieht in der Gnosis ein aktuelles Thema, das durch das Bedürfnis der Menschen nach Mysterien und Antworten auf existenzielle Fragen, wie sie auch in modernen Filmen thematisiert werden, stetig an Bedeutung gewinnt.
- Arbeit zitieren
- Tobias Hoenger (Autor:in), 2007, Gnosis - Welche Bedeutung kann oder muss der Gnosis zugetragen werden, in Anbetracht der heutigen Zeit und im Zusammenhang mit der Bibel?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/129712