Die Notengebung in der Schule steht immer wieder in der Diskussion, weil Noten nur bedingt etwas über die Stärken und Schwächen der Lernenden aussagen. Noten bilden am Ende einer Lerneinheit die Leistung ab, ohne den gesamten Lernprozess zu beleuchten. Um den Ansprüchen der Lernenden, den Lehrkräften und den Eltern gerechter zu werden, gibt es alternative Konzepte der Leistungsbeurteilung, die wiederum neue Konzepte der Leistungserhebung mit sich ziehen. Diese werden in der folgenden Hausarbeit vorgestellt. Sowohl die klassische Leistungsbewertung durch Noten als auch die alternativen Konzepte erfordern seitens der Lehrkräfte eine hohe diagnostische Kompetenz. Um aufzuzeigen, dass in der Leher*innenbildung diagnostische Kompetenzen geschult werden sollten, wird dies sowohl allgemein betrachtet als auch anhand eines Beispiels aufgezeigt. Deshalb wird am Ende ein Blick auf Leher*innenbildung an der Universität geworfen, um zu beurteilen, inwiefern pädagogisch-psychologische Diagnostik derzeit dort eine Rolle spielt. Am Ende wird zusammengefasst, wie Leistungsbeurteilung idealerweise sein sollte und was dafür in der Lehrer*innebildung geändert werden müsste.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitunng
2. Funktionen der Leistungsbewertung im Allgemeinen
2.1. Die gesellschaftliche Funktion
2.2. Die pädagogische Funktion
3. Anforderungen an Leistungsbeurteilungen
4. Das traditionelle Modell der Leistungsbewertung
5. Neue Methoden der Leistungserfassung
5.1. Portfolioarbeit
5.2. Lerntagebuch
6. Neue Methoden der Leistungsbewertung
6.1. Verbalbeurteilungen
6.2. Kompetenz- und Beurteilungsraster
7. Ausblick: Schulische Leistungsdiagnostik in der Lehrer*innenbildung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Problematik der traditionellen Notengebung in Schulen und evaluiert alternative Konzepte der Leistungsbewertung. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern Noten durch Methoden ersetzt werden können, die den individuellen Lernprozess ganzheitlich erfassen, und welche Bedeutung die diagnostische Kompetenz in der Lehrer*innenbildung hierbei einnimmt.
- Kritische Analyse traditioneller Leistungsbewertung (Notengebung)
- Vorstellung alternativer Evaluationsmethoden (Portfolio, Lerntagebuch)
- Methoden der Leistungsrückmeldung (Verbalbeurteilung, Kompetenzraster)
- Bedeutung pädagogisch-psychologischer Diagnostik in der Lehrerausbildung
- Beispielbetrachtung der universitären Lehrerbildung (Universität Kassel)
Auszug aus dem Buch
1. Einleitunng
In der Forschung wurde bereits in den 1970er Jahren die Effekte von Noten auf die Lern- und Leistungsentwicklung von Lernenden untersucht. Es wurde herausgefunden, dass Noten die Leistung von Lernenden teilweise positiv beeinflussen können, aber eben nur dann, wenn diese auch positiv ausfallen. Aus diagnostischer Sicht kann man nur auf Basis von Noten nämlich keine „Ableitung über geeignete Lernstrategien“ (Marx 2020, S.72) vornehmen.
Durch die Einführung der Bildungsstandards durch die KMK und des Kerncurriculums 2011 wurden bestimmte, fächerspezifische Kompetenzen festgelegt, die Lernenden in ihrer jeweiligen Jahrgangsstufe erwerben sollen. Das Kerncurriculum ist nicht nur fächerbedingt ausgelegt, sondern greift ebenfalls soziale Kompetenzen auf, die Lernende erwerben sollen (vgl. Hessisches Kerncurriuculum). Es stellt sich die Frage, wieso wir in Deutschland spätestens ab der dritten Klasse Leistungen in Form von Noten beurteilen.
Dies ist kritisch zu sehen, da Noten oft sehr objektiv wirken und nicht alle Erfolge, Misserfolge und Kompetenzen widerspiegeln können, die die Lernenden während eines Lernprozesses machen und erwerben. Oftmals sind diese, bei mangelnder Transparenz, nicht einmal nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass durch die Einteilung in bestimmte Schulzweige nach der vierten Klasse die erreichten Noten eine noch wichtigere Bedeutung bekommen (vgl. Herrmann 2010, S.23): Sie entscheiden maßgeblich über die zukünftige Schullaufbahn der Lernenden sowie deren voraussichtlichen Abschluss und können schon enormen Einfluss auf die Berufs- und Lebensperspektiven haben. Sie können die Versetzung und damit die Beziehung zu wichtigen sozialen Kontakten gefährden oder in hohem Maße daran beteiligt sein, in eine niedrigere Schulform verwiesen zu werden (vgl. ebd. 2010, S.23).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitunng: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Notengebung ein, beleuchtet historische Forschungsansätze und hinterfragt die Objektivität sowie die selektive Wirkung von Noten auf die Schullaufbahn.
2. Funktionen der Leistungsbewertung im Allgemeinen: Hier werden die gesellschaftlichen Selektions-, Sozialisations-, Legitimations- und Kontrollfunktionen von Noten sowie die pädagogischen Ziele der Leistungsbeurteilung analysiert.
3. Anforderungen an Leistungsbeurteilungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität, die an eine schulische Leistungsbeurteilung gestellt werden sollten.
4. Das traditionelle Modell der Leistungsbewertung: Es wird das lehrerzentrierte Modell der Leistungsfeststellung durch standardisierte Tests am Ende einer Lerneinheit kritisch untersucht.
5. Neue Methoden der Leistungserfassung: Vorstellung alternativer Ansätze wie der Portfolioarbeit und des Führens von Lerntagebüchern zur prozessorientierten Dokumentation.
6. Neue Methoden der Leistungsbewertung: Fokus auf Verbalbeurteilungen sowie Kompetenz- und Beurteilungsraster als Ansätze zur multidimensionalen Rückmeldung.
7. Ausblick: Schulische Leistungsdiagnostik in der Lehrer*innenbildung: Kritische Betrachtung der Verankerung pädagogisch-psychologischer Diagnostik in der aktuellen Lehrerausbildung am Beispiel der Universität Kassel.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Alternativen zur traditionellen Notengebung und Forderung nach einer verbesserten, diagnostisch orientierten Lehrerausbildung.
Schlüsselwörter
Leistungsbeurteilung, Schulnoten, Diagnostische Kompetenz, Lehrerbildung, Portfolioarbeit, Lerntagebuch, Verbalbeurteilung, Kompetenzraster, Lernprozess, Schulleistung, Bildungsstandards, Pädagogisch-psychologische Diagnostik, Leistungsbewertung, Schullaufbahn, Reformpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Kritik an der traditionellen schulischen Notengebung und den Möglichkeiten sowie Notwendigkeiten alternativer, prozessorientierter Leistungsbewertungskonzepte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Funktionen von Noten, die Gütekriterien der Leistungsbeurteilung, alternative Instrumente wie Portfolios und Lerntagebücher sowie die diagnostische Ausbildung angehender Lehrkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Noten allein den Lernprozess nicht adäquat abbilden, und die Bedeutung diagnostischer Kompetenzen in der Ausbildung zu unterstreichen, um faire Beurteilungen zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf Basis didaktisch-methodischer Literatur die aktuelle Praxis der Leistungsbewertung analysiert und durch ein Beispiel aus der Lehrerbildung an der Universität Kassel ergänzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Kritik des traditionellen Notensystems, die Vorstellung von Alternativen wie Portfolioarbeit und Lerntagebüchern sowie die Analyse neuerer Feedback-Methoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Leistungsbeurteilung, Notengebung, diagnostische Kompetenz, Portfolioarbeit, Lerntagebuch und Lehrerbildung.
Warum wird das Modell der Universität Kassel als Beispiel herangezogen?
Um an einem konkreten Beispiel zu prüfen, ob die in den Standards geforderte pädagogisch-psychologische Diagnostik tatsächlich verpflichtend und praxisnah in das Kernstudium für Gymnasiallehrämter integriert ist.
Gibt es einen Konsens über die Abschaffung von Noten?
Nein. Die Autorin stellt fest, dass Noten aufgrund ihrer Funktion als Berechtigungsnachweise für spätere Bildungs- und Berufswege in höheren Klassenstufen nicht vollständig ersetzbar sind, jedoch durch qualitative Rückmeldungen ergänzt werden müssen.
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- Hannah Berg (Author), 2021, Leistungserhebung und -beurteilung vs. traditionelle Leistungsbewertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1291034