Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, eine der bekanntesten Kinderhörspielreihen, "Bibi & Tina", aus varietätenlinguistischer Perspektive zu analysieren, um so herauszustellen, inwiefern dort schichtspezifische Sprache vermittelt wird. Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in die Thematik, die sich der Darstellung der Varietätenlinguistik widmet. Daran anschließend erfolgt eine Erläuterung der theoretischen Hintergründe zum Kinderhörspiel sowie eine Vorstellung der zugrundeliegenden Hörspielreihe "Bibi & Tina". Im weiteren Verlauf soll ersichtlich werden, warum diesbezüglich ein diastratischer Schwerpunkt gesetzt wurde. Das darauffolgende Kapitel greift die tatsächliche Analyse auf, indem Sprachanteile der zwei ausgewählten Figuren anhand der Lexik, der Phonetik und der Syntax beleuchtet werden.
Sprache besitzt nicht nur die eine funktionale Seite; sie ist ebenso Ausdrucksform von wahrscheinlichen Merkmalen und Ankerpunkt für bestimmte Interpretationsanlässe. Sofern sich der Sprachstil einer Person ändert, wirft dies in der Regel die Wahrnehmung durcheinander. Aus diesem Grund erfährt der sensible Umgang mit Unterschiedlichkeiten in der Sprache immer mehr Bedeutung, sodass das Desiderat nach einer höheren Wertschätzung standardabweichender Prägungen einer Sprache in den letzten Jahrzehnten vor allem im Bereich schulischer Unterweisung sukzessive an Bedeutung gewonnen hat. Die sogenannten Varietäten einer Sprache sind mittlerweile als metasprachliche Kompetenz in den Konzepten der Inneren Mehrsprachigkeit und Language awareness verankert und sowohl im muttersprachlichen Diskurs als auch in der Fremdsprachendidaktik fest implementiert.
Um solche Varietäten bewusst wahrnehmen und ihre Intention hinterfragen zu können, ist eine Konfrontation mit jenen unerlässlich. Im frühkindlichen Kontext spielen Hörspiele dabei eine tragende Rolle, denn diese üben wie alle Medien einen bildenden und großen Einfluss auf die kindlichen Lerner aus. Aus diesem Grund fordert Kruse eine konzeptionelle Etablierung kinderliterarischer Medienverbunde im Literaturunterricht der Grundschule und der frühen Sekundarstufe I, da jene literarästhetische Handlungsmöglichkeiten eröffnen und Lernchancen erweitern können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Varietätenlinguistik am Beispiel der Architektur der Sprache nach Eugenio Coseriu
3. Hörspielanalyse
3.1. Das Medium Hörspiel – Eine kurze Einführung
3.2 „Das sind Bibi & Tina auf Amadeus und Sabrina…“ – Eine beliebte Hörspielreihe im Fokus
4. Die Methodik der Analyse
4.1 Eingrenzung des Forschungsgebiets
4.2 Vorgehensweise
5. Analyse
5.1 Lexik
5.2 Phonetik und Syntax
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die populäre Kinderhörspielreihe „Bibi & Tina“ unter varietätenlinguistischen Gesichtspunkten, um die Vermittlung schichtspezifischer Sprachmerkmale durch distinkte Figuren zu analysieren und deren Bedeutung für die Sprachentwicklung kindlicher Hörer zu reflektieren.
- Varietätenlinguistische Grundlagen nach Eugenio Coseriu
- Strukturanalyse des Hörspielmediums
- Diastratische (schichtspezifische) Analyse ausgewählter Figuren
- Untersuchung von Lexik, Phonetik und Syntax
- Didaktische Relevanz von Sprachvariation in Kindermedien
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Medium Hörspiel – Eine kurze Einführung
Dass vor allem Kinder Hörspiele brauchen, ist aus rezeptionslinguistischer Sicht ein triviales Postulat: Hörspiele fördern das Zuhören und erfordern Konzentration und Ruhe. In einem Zeit-alter, in welchem das Aufwachsen durch Präsenz von audiovisuellen Medien dominiert wird, bettet sich „das ‚kleine‘ und ‚unauffällige‘ [Hörspiel]“ (Treumann et al. 1996: 9) in große Beliebtheit. Die Beständigkeit des Hörspiels offenbart sich im Rahmen einer Betrachtung der Folgenindizes der zeitgenössischen Klassiker. Die erste Folge von „Benjamin Blümchen“ erschien im Jahre 1977; seitdem folgen jährlich drei bis vier neue Abendteuer des sprechenden Elefanten. Eine noch längere Historie können „Die drei ???“ aufweisen, die seit ihrem Start in Deutschland 1968 jedes Jahr millionenfach abgesetzt werden (vgl. Kiani-Kreß / Steinkirchner 2013). Kaum eine Fernsehserie zeigt sich dieser Langlebigkeit gewachsen. Demgemäß sind viele Kinder mit zahlreichen Figuren aus dem mannigfaltigen Hörspieluniversum großgeworden und fühlen sich von ihnen bis weit ins Erwachsenenalter immer noch angesprochen.
Blickt man über das isolierte Hörspiel hinaus und berücksichtigt man die zahlreichen Adaptionen (Zeichentrickserie, Hörbücher, Kinofilme, (Computer-)Spiele, Lieder) sowie allerlei Zusatzmaterialien (v.a. Merchandise), wird die immer noch wachsende Größe und damit einhergehend soziokulturelle Relevanz der beliebten Klassiker („Bibi Blocksberg“, „Benjamin Blümchen“, „TKKG“, „Die drei ???“) deutlich.
Die zeitgenössischen kommerziellen Hörspiele haben in der Regel eine Lauflänge von 40 bis 70 Minuten. Im Gegenzug zu vielen Hörspielproduktionen, die traditionell regelmäßig im Rundfunk vorgespielt werden, verfügen die prominenten Marken, die im Handel erworben werden können, pro Folge über eine abgeschlossene Handlung (inklusive der Lösung eines Problems bzw. der Widerherrichtung üblicher Strukturen). „Der Wiedererkennungswert und die gemeinsame Basis der einzelnen Episoden werden durch Kontinuitäten im Figurenpersonal und den Handlungsorten geschaffen.“ (Schenker 2017). Weitere Merkmale eines Hörspiels fasst Hengst (1982: 220) wie folgt zusammen:
„Er [der Stoff] wird von mehreren Sprechern in Dialogen dargeboten. Hinzu kommt oft ein Erzähler, der ein- und überleitet, außerdem eine Reihe von Zusatzinformationen gibt. Szenenwechsel werden meistens durch musikalischen Blenden markiert, die verschiedenen Schauplätze durch naturalistischen Geräusche kenntlich gemacht.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der sprachlichen Varietäten ein und erläutert anhand eines Gedankenexperiments die Relevanz der diastratischen Sprachanalyse in Hörspielen.
2. Varietätenlinguistik am Beispiel der Architektur der Sprache nach Eugenio Coseriu: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Varietätenlinguistik und definiert die Konzepte der historischen Sprache sowie die diastratischen Besonderheiten nach Eugenio Coseriu.
3. Hörspielanalyse: Hier wird der mediale Rahmen betrachtet, wobei das Hörspiel als Medium sowie die spezifische Hörspielreihe „Bibi & Tina“ als Untersuchungsgegenstand vorgestellt werden.
4. Die Methodik der Analyse: In diesem Teil werden die Kriterien zur Eingrenzung des Forschungsgebiets festgelegt und das Vorgehen zur messbaren Untersuchung der Sprachmerkmale definiert.
5. Analyse: Dieses Kernkapitel führt die praktische Untersuchung durch, indem Äußerungen ausgewählter Figuren hinsichtlich Lexik, Phonetik und Syntax analysiert und gegenübergestellt werden.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Ergebnisse, die bestätigt, dass schichtspezifische Sprachmerkmale in Bibi & Tina bewusst eingesetzt werden, um Rollenbilder zu stützen.
Schlüsselwörter
Varietätenlinguistik, Diastratik, Eugenio Coseriu, Bibi und Tina, Kinderhörspiel, Mündlichkeit, Soziolekte, Lexik, Phonetik, Syntax, Sprachentwicklung, Medienverbund, Schichtspezifische Sprache, Sprachvariation, Zuhörkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der sprachlichen Gestaltung der Hörspielreihe „Bibi & Tina“ unter dem Fokus der Varietätenlinguistik, speziell mit der Frage, wie durch unterschiedliche Sprechweisen soziale Schichten repräsentiert werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören die Architektur der Sprache nach Eugenio Coseriu, die mediale Eigenart des Hörspiels sowie die Untersuchung konkreter sprachlicher Abweichungen zwischen unterschiedlichen Charakteren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszustellen, inwiefern die Hörspielreihe schichtspezifische Sprache einsetzt und welche Bedeutung dies für die kindliche Wahrnehmung und die Vorstellungsbildung hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung nutzt eine variationslinguistische Analyse, bei der ausgewählte Textpassagen von Charakteren basierend auf lexikalischen, phonetischen und syntaktischen Kriterien untersucht und kontrastiert werden.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Varietätenlinguistik, eine Analyse des Mediums Hörspiel sowie die detaillierte Auswertung von Transkripten, die den sprachlichen Unterschied zwischen dem Grafen von Falkenstein und dem Mühlenhofbauern aufzeigen.
Wie lässt sich die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern charakterisieren?
Die Arbeit charakterisiert sich durch Begriffe wie Varietätenlinguistik, Diastratik, Soziolekte, Kinderhörspiel und Sprachentwicklung.
Welche besonderen Figuren wurden für die Analyse ausgewählt?
Zur Darstellung soziokultureller Unterschiede wurden der wohlhabende und eloquent sprechende Graf Falko von Falkenstein sowie der mürrische Mühlenhofbauer ausgewählt, da sie ein deutliches sprachliches Spannungsfeld innerhalb der Hörspielwelt bilden.
Warum wird im Fazit von „fiktiver Mündlichkeit“ gesprochen?
Der Verfasser betont, dass Hörspiele keine authentisch gesprochene Sprache darstellen, sondern auf schriftlich konzipierten Drehbüchern basieren, um bestimmte Rollenbilder beim kindlichen Publikum gezielt zu evozieren.
- Arbeit zitieren
- Alexander Bernhagen (Autor:in), 2018, "Bibi & Tina" zwischen Sprachstandard und Sprachvielfalt. Eine variationslinguistische Analyse des Hörspielklassikers im Fokus der diastratischen Dimension nach Coseriu, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1289865