Im Zuge dieser Arbeit sollen die Schattenseiten des Strebens nach dereguliertem Freihandel aufgezeigt und alternativ das mittlerweile international handlungsleitende Konzept nachhaltiger Entwicklung vorgestellt werden. Im Anschluss daran soll diskutiert werden, inwieweit das Freihandelsparadigma dem Paradigma der nachhaltigen Entwicklung gewichen ist.
Zunächst wird in Kapitel 2 die Kritik am Freihandel aufgegriffen. In Kapitel 3 wird das Konzept nachhaltiger Entwicklung vorgestellt und die Überführung des Konzeptes in Standards zur Handlungsausrichtung erörtert. Abschließend wird noch ein Blick auf den derzeitigen Status des Freihandels geworfen. Nach dieser
Bestandsaufnahme wird im Kapitel 4 anhand der dargestellten derzeitigen Situation die Diskussion zu der Frage geführt, ob das dem GATT und der WTO zugrunde liegende Leitbild des Freihandels abgelöst hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Freihandel in der Kritik
3 Der Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft
3.1 Nachhaltigkeit – Das „neue“ Leitbild
3.2 Transformation der Forderungen in anwendbare Standards
3.3 Ein Blick den Freihandel
4 Hat das Leitbild Nachhaltigkeit die Freihandelsideologie abgelöst?
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Spannung zwischen dem Paradigma des deregulierten Freihandels, repräsentiert durch GATT und WTO, und dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung. Ziel ist es zu analysieren, ob sich das Leitbild der Nachhaltigkeit bereits gegenüber der Freihandelsideologie durchgesetzt hat oder ob weiterhin konkurrierende Logiken existieren.
- Kritische Analyse der Auswirkungen von dereguliertem Freihandel auf soziale und ökologische Standards.
- Erläuterung des Konzepts nachhaltiger Entwicklung und seiner historischen Herleitung durch den Brundtland-Bericht.
- Darstellung von Mechanismen zur Standardetablierung (von freiwilligen Standards bis zu globalen Abkommen).
- Diskussion über die Rolle der WTO und das Spannungsfeld zwischen Handelsliberalisierung und globalen Nachhaltigkeitszielen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Transformation der Forderungen in anwendbare Standards
„What needs to be launched to reach an agreement on standards is a common effort to identify and name the externalities of unsustainable practices and unfair trade, and to work on practical steps to include them in the price of the food.“ (Lorenzen 2007, S. 18).
Die Formulierung einheitlicher Ansprüche an eine nachhaltige Gesellschaft ist in Anbetracht der Komplexität und Reichweite des Nachhaltigkeit-Konzeptes jedoch höchst schwierig. Aber erst wenn man sich über dass Ziel einig ist, kann man es auch verfolgen. Auf der „Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung“ 1992 ist mit der Erarbeitung der Grundsätze nachhaltiger Entwicklung dafür der Grundstein gelegt worden (vgl. Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992b, S. 1ff.). Auf diesem Fundament baut auch die Entwicklung nachhaltiger Standards auf.
Eine Initiative privater Akteure ist laut Lorenzen die erste von vier Stufen der Standard-Etablierung. Diese bottom-up voluntary standards überlassen dem Kunden die Wahl und bilden die Basis eines Gesellschaftsvertrages. Auf regionaler, nationaler wie auf internationaler Ebene gibt es bereits erfolgreich etablierte Modelle, die auf diesen Standards basieren. Sie vollziehen fairen Handel auf Freiwilligenbasis, indem sie good-practice-Anforderungen an die unter ihrem Schirm vertriebenen Produkte stellen, welche eine nachhaltige Entwicklung fördern. Die für die Produkte geltenden zusätzlichen Umwelt- oder Sozialauflagen – durch eine unabhängige Organisation kontrolliert und für den Kunden gekennzeichnet – werden zumeist durch einen höheren Endpreis an den Kunden weitergegeben, wobei dieser sich bewusst für den Kauf entscheidet und somit die Legitimität der Standards anerkennt und bereitwillig zu unterstützen Willens ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Entwicklung des Welthandelssystems seit Bretton Woods und legt die zentrale Forschungsfrage zur Ablösung des Freihandelsparadigmas durch das Konzept der Nachhaltigkeit dar.
2 Freihandel in der Kritik: Dieses Kapitel thematisiert die negativen Folgen des deregulierten Freihandels, insbesondere das „race to the bottom“ bei sozialen und ökologischen Standards sowie die Zunahme von Umwelt- und Sozialdumping.
3 Der Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft: Es werden die begrifflichen Grundlagen der Nachhaltigkeit erläutert, die vier Stufen der Standard-Etablierung beschrieben und ein aktueller Blick auf die Situation des Welthandels geworfen.
4 Hat das Leitbild Nachhaltigkeit die Freihandelsideologie abgelöst?: Hier findet die Synthese statt, in der diskutiert wird, warum die WTO Schwierigkeiten mit der Integration von Nachhaltigkeitsstandards hat und ob das Freihandelsdogma in der Praxis noch immer überwiegt.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass zwar ein Umdenken stattgefunden hat, jedoch ein weitreichend einvernehmliches globales Regelwerk zur Durchsetzung nachhaltiger Standards weiterhin fehlt.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Freihandel, Welthandel, WTO, GATT, soziale Standards, ökologische Standards, Wohlstandsverbesserung, Deregulierung, Handelsliberalisierung, Brundtland-Bericht, Transformationsprozess, Umweltschutz, Agrarsubventionen, internationale Abkommen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung das bisher vorherrschende Paradigma des deregulierten Freihandels im globalen Welthandel abgelöst hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Welthandelsorganisationen (GATT/WTO), die Kritik am uneingeschränkten Freihandel und die praktische Implementierung von Nachhaltigkeitsstandards.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu erörtern, inwieweit die Politik und das Welthandelssystem den Übergang von einer rein ökonomisch getriebenen Handelsideologie hin zu einer nachhaltig orientierten Wirtschaftsstrategie vollzogen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literatur- und systemanalytische Untersuchung, die aktuelle Diskussionen über Handelsbarrieren, Standards und politische Zielvorgaben zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Kritikpunkte am Freihandel dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Nachhaltigkeitskonzepte und deren Operationalisierung in verschiedenen Stufen (privat, national, global).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nachhaltigkeit, Welthandel, WTO, Deregulierung, soziale Standards und intergenerative Gerechtigkeit definiert.
Welche Rolle spielen die Industrienationen im untersuchten Kontext?
Die Industrienationen werden als Akteure beschrieben, die einerseits Nachhaltigkeit fordern, aber andererseits durch protektionistische Agrarpolitik im Rahmen der WTO-Verhandlungen widersprüchliche Signale senden.
Warum gestaltet sich die Etablierung nachhaltiger Standards als schwierig?
Die größte Hürde ist das Fehlen globaler, einvernehmlicher Institutionen und verbindlicher Regeln, die eine Sanktionierung von Nichteinhaltung nachhaltiger Praktiken auf internationaler Ebene ermöglichen würden.
- Quote paper
- Jan Kietzmann (Author), 2009, Der Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/127981