Obwohl es bereits seit dem Altertum gewisse Kenntnisse über die
tumorreduzierende Wirkung von Pflanzen und Mineralien gab, konnte erstmals
der Breslauer Neurologe Heinrich Lissauer im Jahr 1865 in einer
wissenschaftlichen Arbeit über positive Effekte einer Chemotherapie bei
chronischer myeloischer Leukämie (CML) berichten.1 Zwei Patienten mit CML
zeigten Zeichen einer Teilremission, nachdem sie mit Kaliumarsenit (Fowler'sche
Lösung) behandelt worden waren, ein Effekt, der 1931 durch C. E. Forkner
wiederentdeckt wurde.2 1892 berichtete William B. Coley über antineoplastische
Effekte von Bakteriengiften (ein Bakterientoxin–Cocktail namens "Coley's Toxin")
auf verschiedene Tumoren, entdeckt als eine Nebenwirkung von postoperativen
Wundinfekten bei Sarkompatienten.
Mit der Entwicklung von Salvarsan (1909) gilt Paul Ehrlich als Begründer der
modernen Chemotherapie, obgleich diese Substanz weniger antineoplastische als
vielmehr antibakterielle Wirkung hatte.3,4 Einen mehr biologischen Weg wählte
sein Freund und zugleich Konkurrent Emil von Behring, der bereits zwanzig
Jahre zuvor mit der Serumtherapie den Grundstein der heutigen Immuntherapie
gelegt hatte.5
Die Entwicklung von Senfgas (Lost) durch Alfred Gilman im 1. Weltkrieg richtete
das Augenmerk auf eine Substanz, die neben der Wirkung als Reiz– und
Kampfgas auch starke myelosuppressive Effekte aufwies (u.a. reduzierte
Lymphozytenzahl). Um die Giftigkeit zu reduzieren, wurden Schwefel– und später
Stickstofflostverbindungen hergestellt, die allerdings immer noch sehr toxisch
waren. Die ersten klinischen Arbeiten über die Anwendung von Stickstofflost bei
Lymphomen und soliden Tumoren wurden erst nach dem 2. Weltkrieg
veröffentlicht.6 [...]
1. Lissauer H. Zwei Fälle von Leucaemie. Berl Klin Wochenschr. 1865;2:403-405
2. Forkner C, Scott, TF. Arsenic as a therapeutic agent in chronic myeloid leukemia.
JAMA. 1931;97:3
3. Die Behandlung der Syphilis mit dem Ehrlichschen Präparat 606. 82. Versammlung
Deutscher Naturforscher und Aerzte. Königsberg; 1910:1889-1924
4. Ehrlich P, Hata, S. Die experimentelle Chemotherapie der Spirillosen. Berlin: Julius
Springer; 1910
5. Behring E. Über das Zustandekommen der Diphtherie-Immunität und der Tetanus-
Immunität bei Thieren. DMW. 1890;16:1113-1114
6. Goodman L, Wintrobe, MM, Dameshek, W, Goodman, MJ, Gilman, A, and McLennan,
MT. Nitrogen Mustard Therapy. Journal of the American Medical Association. 1946:126-
132
Inhaltsverzeichnis
Erstes Kapitel. Einführung und Fragestellung.
1.1. Geschichte der Chemotherapie.
1.2. Fragestellung.
1.3. Herstellung monoklonaler Antikörper.
1.4. Herstellung chimärer Antikörper (am Beispiel von Rituximab).
1.5. Eigenschaften des CD20-Antigens.
1.6. Apoptose.
Zweites Kapitel. Material und Methoden.
2.1. Reagenzien.
2.2. Zytostatika.
2.3. Antikörper.
2.4. Caspase–Inhibitoren.
2.5. Zelllinien.
2.6. Arbeitsmaterialien.
2.7. Software.
2.8. Rezepte der Gebrauchslösungen.
2.9. Zellkultur.
2.10. Zellseparation mit Ficoll-Hypaque.
2.11. Zellzählung.
2.12. Das Durchflusszytometer (FACS).
2.13. Apoptosemessung mit 7–AAD, JC–1 und Annexin.
2.14. Auswertung der Apoptosemessungen.
2.15. Messung der CD20–Bindungskapazität.
2.16. Western Blotting.
Drittes Kapitel. Ergebnisse.
3.1. Dosisfindung von Rituximab und Untersuchung der Apoptose.
3.2. Untersuchung der komplementabhängigen Zytotoxizität (CDC).
3.3. Kombinationen von Rituximab mit Zytostatika.
3.4. Untersuchung der Caspasen mittels Western Blots (DOHH2).
Viertes Kapitel. Diskussion.
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit des monoklonalen Antikörpers Rituximab in der Behandlung von niedrig- und hochmalignen B-Zell-Lymphomen. Das primäre Ziel besteht darin, den synergistischen Effekt von Rituximab in Kombination mit verschiedenen Zytostatika zu analysieren, den Einfluss der Rezeptorsättigung zu evaluieren und die intrazellulären apoptotischen Signalwege, insbesondere die Rolle der Caspasen, zu klären.
- Wirkung von Rituximab als Monotherapie und in Kombination mit Zytostatika
- Einfluss der Komplementaktivierung auf die Zytotoxizität von Rituximab
- Analyse der Apoptoseinduktion und beteiligter molekularer Mechanismen (Caspasen, p53, PARP)
- Etablierung optimaler Dosierungsschemata für die Chemosensibilisierung
Auszug aus dem Buch
1.1. Geschichte der Chemotherapie.
Obwohl es bereits seit dem Altertum gewisse Kenntnisse über die tumorreduzierende Wirkung von Pflanzen und Mineralien gab, konnte erstmals der Breslauer Neurologe Heinrich Lissauer im Jahr 1865 in einer wissenschaftlichen Arbeit über positive Effekte einer Chemotherapie bei chronischer myeloischer Leukämie (CML) berichten. Zwei Patienten mit CML zeigten Zeichen einer Teilremission, nachdem sie mit Kaliumarsenit (Fowler'sche Lösung) behandelt worden waren, ein Effekt, der 1931 durch C. E. Forkner wiederentdeckt wurde. 1892 berichtete William B. Coley über antineoplastische Effekte von Bakteriengiften (ein Bakterientoxin–Cocktail namens "Coley's Toxin") auf verschiedene Tumoren, entdeckt als eine Nebenwirkung von postoperativen Wundinfekten bei Sarkompatienten.
Mit der Entwicklung von Salvarsan (1909) gilt Paul Ehrlich als Begründer der modernen Chemotherapie, obgleich diese Substanz weniger antineoplastische als vielmehr antibakterielle Wirkung hatte. Einen mehr biologischen Weg wählte sein Freund und zugleich Konkurrent Emil von Behring, der bereits zwanzig Jahre zuvor mit der Serumtherapie den Grundstein der heutigen Immuntherapie gelegt hatte.
Die Entwicklung von Senfgas (Lost) durch Alfred Gilman im 1. Weltkrieg richtete das Augenmerk auf eine Substanz, die neben der Wirkung als Reiz– und Kampfgas auch starke myelosuppressive Effekte aufwies (u.a. reduzierte Lymphozytenzahl). Um die Giftigkeit zu reduzieren, wurden Schwefel– und später Stickstofflostverbindungen hergestellt, die allerdings immer noch sehr toxisch waren. Die ersten klinischen Arbeiten über die Anwendung von Stickstofflost bei Lymphomen und soliden Tumoren wurden erst nach dem 2. Weltkrieg veröffentlicht. Moderne Abkömmlinge des Stickstofflost sind das Cyclophosphamid (1958) und die Nitrosoharnstofe (1967).
Zusammenfassung der Kapitel
Erstes Kapitel. Einführung und Fragestellung.: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung der Chemotherapie und definiert die wissenschaftliche Fragestellung hinsichtlich der Wirkung von Rituximab bei Lymphomen.
Zweites Kapitel. Material und Methoden.: Hier werden die verwendeten Substanzen, Zelllinien sowie die angewandten experimentellen Methoden, darunter Durchflusszytometrie und Western Blot, detailliert beschrieben.
Drittes Kapitel. Ergebnisse.: Dieses Kapitel präsentiert die experimentellen Daten zur Dosis-Wirkungs-Beziehung, zur komplementabhängigen Zytotoxizität und zur synergistischen Kombination mit Zytostatika sowie die Caspasen-Untersuchungen.
Viertes Kapitel. Diskussion.: Die Ergebnisse werden im Kontext aktueller klinischer Studien und wissenschaftlicher Literatur interpretiert, insbesondere hinsichtlich des Wirkmechanismus von Rituximab.
Schlüsselwörter
Rituximab, Non-Hodgkin-Lymphom, Zytostatika, Apoptose, Caspasen, Chemosensibilisierung, CD20, Durchflusszytometrie, Western Blot, Komplement, Zytotoxizität, B-Zellen, p53, PARP, Synergismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht in-vitro die zytotoxische Wirkung von Rituximab auf Lymphomzellen sowie dessen Potenzial, die Sensitivität gegenüber klassischen Zytostatika zu erhöhen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Apoptoseinduktion, die komplementabhängige Zytotoxizität (CDC) und die molekularen Mechanismen der Caspasen-Aktivierung bei Lymphomzellen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu klären, ob Rituximab Lymphomzellen für eine Chemotherapie sensibilisiert und welche intrazellulären Signalwege (Caspasen) dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden zellbiologische Standardmethoden verwendet, primär Durchflusszytometrie (FACS) zur Apoptosemessung und Western Blotting zum Nachweis von Proteinaktivierungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden experimentelle Daten zur Dosisoptimierung, zu Kombinationsstudien mit vier verschiedenen Zytostatika und zur molekularen Signalkaskade der Apoptose (Caspasen 3, 7, 8, 9, PARP) dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Rituximab, Chemosensibilisierung, Apoptose, Caspasen, Zytostatika und CD20 beschreiben.
Inwiefern beeinflusst Komplement die Wirkung von Rituximab in dieser Studie?
Die Studie zeigt, dass der beobachtete Sensibilisierungseffekt von Rituximab gegenüber Zytostatika unabhängig von der Anwesenheit von Komplement ist, obwohl Komplement eine eigene lytische Wirkung (CDC) entfaltet.
Was ist die Rolle der Caspasen 7 und 8 in dieser Untersuchung?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Caspasen 7 und 8 die wesentlichen Exekutorencaspasen bei der durch Rituximab sensibilisierten Apoptose in den untersuchten DOHH2-Zellen sind.
- Quote paper
- Daniel Sommerlad (Author), 2003, In vitro-Studien zur Apoptose durch Rituximab, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/12758