Die Zielsetzung dieser anwendungsorientierten Studie ist es, den derzeitigen Stand des Wissensmanagements im Bereich der IEBBw als organisationale Realität empirisch zu erheben und somit einerseits Schwächen und Versäumnisse offenzulegen, andererseits Möglichkeiten und Chancen zur Verbesserung auf dem Weg zu einer lernenden Organisation dieses kleinen Teilbereiches der Einsatzorganisation Bundeswehr aufzuzeigen. Ein besonderer Fokus soll auf der Möglichkeit einer digitalen Unterstützungsmöglichkeit des Wissensmanagements für IEBBw liegen. Hier soll herausgefunden werden, welche Anforderungen Einsatzkräfte an eine digitale Unterstützung durch ein Wissensmanagement-Tool stellen.
Die Bundeswehr operiert seit Beginn der 1990er Jahre in verschiedenen Auslandseinsätzen in einem fremden kulturellen Umfeld. Zur Unterstützung der Handlungsfähigkeit von militärischen Entscheidungsträgern in Auslandseinsätzen wurde die Interkulturelle Einsatzberatung der Bundeswehr (IEBBw) aufgebaut. Das Expertenwissen über ethnische, kulturelle, historische und politische Prägungen eines bestimmten Ein- satzgebietes ist seitdem unabdingbar, um deutsche Kontingentführer5 und ihre Stäbe zielgerichtet in einem fremdkulturellen Kontext beraten zu können. Ein effizientes Wissensmanagement, das militärische Entscheidungsträger bei der Erfüllung ihres Auftrages unterstützt, ist dagegen eine weitgehend ungelöste Herausforderung für Streitkräfte wie die Bundeswehr. Daher besteht die Notwendigkeit, dem Thema Wissensmanagement in Auslandseinsätzen eine größere wissenschaftliche und praktische Aufmerksamkeit zu schenken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Problemstellung
1.3 Zielsetzung
1.4 Aufbau
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Forschungsstand
2.2 Wissenskategorien
2.3 Wissensmanagement und Auslandseinsätze
2.4 Instrumente des Wissensmanagements in Streitkräften
2.5 Prolog: Interkulturelle Einsatzberatung der Bundeswehr
3. Forschungsmethodik
3.1 Datenerhebung: Beobachtungs- und Archivdaten
3.2 Datenerhebung: Onlineumfrage
3.2.1 Pretest
3.2.2 Stichprobe
3.2.3 Qualitative Inhaltsanalyse
4. Darstellung der Ergebnisse
4.1 Soziodemografische Daten
4.2 Einsatzerfahrung
4.3 Aufgabenspezifische Wahrnehmung
4.4 Relevanz von Wissensmanagement
4.5 Zufriedenheit mit dem Wissenstransfer
4.6 Wissensbewahrung
4.7 Unterstützung durch Digitalisierung
5. Diskussion
5.1. Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Einschränkungen und Übertragbarkeit
5.3 Beitrag zur Forschung und weiterer Forschungsbedarf
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Stand des Wissensmanagements innerhalb der Interkulturellen Einsatzberatung der Bundeswehr (IEBBw) als organisationale Realität. Ziel ist es, Schwächen und Versäumnisse bei der Wissensbewahrung und dem Wissenstransfer aufzuzeigen sowie Anforderungen an eine digitale Unterstützung durch ein Wissensmanagement-Tool zu eruieren, um die IEBBw auf dem Weg zur lernenden Organisation zu unterstützen.
- Bedeutung von Wissensmanagement für militärische Auslandseinsätze
- Qualifikationsanforderungen an interkulturelle Einsatzberater (IEB)
- Herausforderungen des Wissenstransfers bei Kontingentwechseln
- Analyse der digitalen Unterstützungsmöglichkeiten und Tools
- Implementierung von IT-basiertem Wissensmanagement in volatilen Umfeldern
Auszug aus dem Buch
1.1 Ausgangssituation
Das Forschungsfeld Wissen hat aufgrund schneller struktureller Veränderungen in der Ökonomie, der fortschreitenden Digitalisierung und Technisierung sowie der zunehmenden Komplexität aktuelle Relevanz für Unternehmen und Organisationen (Burger 2011: 13). Zunehmend auch Institutionen aus dem öffentlichen Sektor und Non-Profit-Organisationen beschäftigen sich mit der Thematik des Managements von Wissen (North 2016: 7). Trotz des Bewusstseins über die Bedeutung des personellen Wissens werden schätzungsweise nur etwa 30 % des real vorhandenen Wissens einer Organisation effektiv genutzt (Lehner 2014: 6). In mehreren wissenschaftlichen Studien wurde aufgezeigt, dass insbesondere mit dem Ausscheiden von Personal aus einer Organisation die Gefahr eines Wissensverlustes droht (Singh & Gupta 2021; Müller et al. 2021).
Die Flüchtigkeit von Wissen wird damit zum zentralen Problem der organisatorischen Wissensbasis und der adäquate Umgang mit Wissen ist eine wesentliche Quelle für die Einsatzfähigkeit einer Organisation. Nichtsdestoweniger stellen Probst und Romhardt (1997: 130) fest, dass zwar ein breiter Konsens über die Bedeutung von Wissen für den Erfolg von Unternehmen in der Wissensgesellschaft besteht, aber die Ressource Wissen so schlecht gemanagt wird.
Besonders personalstarke Organisationen verbunden mit einer hohen Personalfluktuation, z. B. die Bundeswehr mit rund 183 131 Soldatinnen und Soldaten sowie 80 572 zivilen Mitarbeitenden (Stand Juni 2021), sind bestrebt, die eigene organisatorische Wissensbasis durch die Implementierung von Maßnahmen des Wissensmanagements stetig zu verbessern und den Wissensverlust zu minimieren. Als eine High-Reliability-Organization (HRO) ist die Bundeswehr durch komplizierte eigene Strukturen und ein komplexes, unsicheres und stetig wechselndes Umfeld gekennzeichnet. Sie gliedert sich in verschiedene Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche sowie in zivile und militärische Strukturen und muss in multinationalen Missionen in einem fremden kulturellen Umfeld gemäß den eigenen politischen und rechtlichen Vorgaben erfolgreich operieren können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erörtert die Ausgangssituation, das Problem des Wissensverlusts in der Bundeswehr, die Zielsetzung der Studie sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel fundiert die Arbeit durch eine Literaturanalyse zum aktuellen Forschungsstand, definiert Wissenskategorien und beleuchtet das Wissensmanagement in Streitkräften.
3. Forschungsmethodik: Das Kapitel erläutert das methodische Vorgehen der Studie, welches sich in die Auswertung von Archivdaten sowie die Durchführung einer Onlineumfrage gliedert.
4. Darstellung der Ergebnisse: Hier werden die Ergebnisse der empirischen Datenerhebung deskriptiv dargelegt und strukturiert entlang der sieben Frageblöcke der Umfrage präsentiert.
5. Diskussion: Das Kapitel führt die Ergebnisse zusammen, beleuchtet die Grenzen der vorliegenden Arbeit und leitet konkrete Handlungsempfehlungen für die Bundeswehr ab.
6. Fazit: Das Fazit zieht ein abschließendes Resümee über die Ergebnisse und spiegelt diese an der zentralen Forschungsfrage wider.
Schlüsselwörter
Wissensmanagement, Interkulturelle Einsatzberatung, Bundeswehr, Auslandseinsätze, Wissenstransfer, Wissensbewahrung, Digitalisierung, IEB, Wissensmanagement-Tools, Organisationslernen, Militär, IT-Unterstützung, Wissensverlust, Personalfluktuation, Einsatzwissen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, Wissen in militärischen Auslandseinsätzen der Bundeswehr effektiv zu managen und zu bewahren, speziell im Kontext der spezialisierten Interkulturellen Einsatzberatung (IEB).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen das Wissensmanagement in High-Reliability-Organizations (HRO), die Herausforderungen durch Personalrotation, die Art der Wissenskategorien bei der IEB sowie die Anforderungen an digitale Wissensmanagement-Tools.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den aktuellen Stand des Wissensmanagements bei der IEBBw empirisch zu erfassen, Schwachstellen zu identifizieren und Potenziale für eine digitale Unterstützung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein Mixed-Methods-Ansatz verfolgt: Einerseits erfolgt eine Analyse öffentlich zugänglicher Dokumente (Archivdaten), andererseits eine quantitative Onlineumfrage von aktiven und ehemaligen IEBs, ergänzt durch eine qualitative Inhaltsanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, Methodik und die Ergebniskapitel, in denen soziodemografische Daten, Einsatzerfahrung, Relevanz von Wissensmanagement, Wissenstransfer, Bewahrung und Anforderungen an Digitalisierung erläutert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wissensmanagement, Interkulturelle Einsatzberatung, Wissenstransfer, Wissensbewahrung, Digitalisierung und Einsatzwissen.
Welches Problem identifiziert der Autor bei der Übergabe von Dienstposten?
Der Autor stellt fest, dass Wissen oft nur fragmentarisch oder mündlich weitergegeben wird, eine Standardisierung fehlt und die hohen Personalfluktuationen den Aufbau von langfristigem Erfahrungswissen erheblich erschweren.
Welchen Stellenwert nimmt die Benutzerfreundlichkeit bei Wissensmanagement-Tools ein?
Die Benutzerfreundlichkeit wurde von den Befragten als wichtigstes funktionales Kriterium für ein Wissensmanagement-Tool genannt, da die IEBs eine intuitive und strukturierte Unterstützung für ihre Arbeit im Einsatz fordern.
Ist ein spezielles Wissensmanagement-Tool für die IEB laut den Befragten zielführend?
Die Meinungen sind zwiespältig: Zwar besteht ein großer Wunsch nach Standardisierung und Synchronisierung, doch betonen Experten auch, dass der Erfolg einer IEB primär von individuellen Fähigkeiten abhängt und keine Softwarekomplettlösung ersetzen kann.
- Arbeit zitieren
- Philipp Starz (Autor:in), 2021, Wissensmanagement in Auslandseinsätzen am Beispiel der Interkulturellen Einsatzberatung der Bundeswehr unter der besonderen Berücksichtigung digitaler Unterstützungsmöglichkeiten durch ein Wissensmanagement-Tool, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1271621