Ende des 3. Jahrhunderts v.Chr. wurde der Denar, eine weitere Silbermünze, in das römische Münzsystem eingeführt. Von Beginn an war auf dem Avers der Kopf der Roma mit Helm zu sehen. Dieses Bild wurde für eine lange Zeit beibehalten und unterlag lediglich stilistischen Änderungen. Auf dem Revers des Denars waren zu Beginn der Denarprägung die zwei reitenden Dioskuren dargestellt. Anfang des 2. Jahrhunderts v.Chr. erschienen daneben noch die wagenfahrenden Gottheiten auf den Aversen. Der Bildtypus der wagenfahrenden Gottheit war in Rom nichts völlig Neues; er wurde bereits in den Jahren zwischen 225 und 212 auf Didrachmen – den so genannten Quadrigati-Prägungen – dargestellt. Bei den Quadrigati-Prägungen erscheint Jupiter auf einer Pferdequadriga, die von Victoria gelenkt wird.
Ab dem Jahr 194 v.Chr. erscheint als erste wagenfahrende Gottheit Luna auf dem Revers eines Denars. 157 v.Chr. wird zum ersten Mal Victoria in einer Biga dargestellt und nach der Jahrhundertmitte taucht eine wahre Fülle an den unterschiedlichsten wagenfahrenden Gottheiten auf.
Nicht nur die abgebildeten Gottheiten ändern sich, sondern auch die Zugtiere, neben Pferden werden nun Hirsche, Kentauren oder Ziegen verwendet.
137 v.Chr. werden dann neben den Dioskuren und den wagenfahrenden Gottheiten weitere Bildtypen auf den Denarreversen eingeführt; mit dieser Zeit endet auch die vorliegende Darstellung.
Diese Arbeit soll sich nun vor allem der Frage nach der Bedeutung dieser Darstellungen der wagenfahrenden Gottheiten widmen. Hierbei soll auf unterschiedliche Lösungsansätze eingegangen werden – Vorbilder für die Darstellungen, typologische Aspekte und schließlich die Bedeutung der wagenfahrenden Gottheiten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das Münzbild
III. Die Vorbilder der Darstellungen
IV. Victoria als Schlüsselmotiv
V. Die ganzheitlichen Deutungen
VI. Der typologische Aspekt
VII. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ikonographische Bedeutung und die historischen Vorbilder der wagenfahrenden Gottheiten auf den Denaren der Römischen Republik zwischen 200 und 137 v. Chr. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Darstellungen in den römischen Kontext integriert wurden und ob sie lediglich triumphale Züge tragen oder tiefergehende religiöse sowie typologische Funktionen erfüllen.
- Ikonographische Analyse der wagenfahrenden Gottheiten
- Rezeption griechischer Vorbilder in der römischen Münzprägung
- Victoria als zentrales Motiv für Sieg und Triumph
- Religiöse Bedeutung der Luna als landwirtschaftliches Symbol
- Typologische Kontinuität und künstlerische Variation auf Denaren
Auszug aus dem Buch
III. Die Vorbilder der Darstellungen
Das Bild der wagenfahrenden Gottheit besitzt Vorbilder in Großgriechenland, vor allem in der Münzprägung des unteritalischen und sizilischen Raums, wie bereits Thomsen nachweisen konnte.
Luna in der Biga taucht als Reverstyp bereits auf einem Biunx von Calatia und auf einem Biunx von Capua auf; beide Münzen stammen aus der Zeit nach 268 v.Chr., wahrscheinlich wurden sie zwischen 216 und 211 v.Chr. geprägt. Die Averse der Münzen zeigen den Kopf des Jupiter nach rechts. Vergleicht man diese Luna-Darstellung mit der auf den Denaren der römischen Republik, so sieht man deutliche Gemeinsamkeiten, vor allem in der Darstellung der Pferde. Unterschiede bei der Darstellung der Luna lassen sich bei der Kleidung feststellen, außerdem erhält Luna in der römischen Darstellung noch einen Treibstock in ihre rechte Hand. Ihre Haltung und auch ihr Attribut, der Halbmond auf der Stirn, sind jedoch bei beiden Münzen sehr ähnlich.
Die wagenlenkende Victoria geht ebenso auf griechische Darstellungen der wagenlenkenden Siegesgöttin Nike zurück. Bereits im 5. Jh. v.Chr. prägten die sizilischen Städte Agragas, Gela und Selinunt die wagenlenkende Nike auf den Reversen ihrer Münzen und brachten somit ein Vorbild für die Victoria in der Biga hervor. Auch im 3. Jh. v.Chr. blieb dies eine beliebte Darstellung auf Münzen vieler sizilischer und unteritalischer Städte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Einordnung des Denars ab dem späten 3. Jahrhundert v. Chr. ein und stellt die Fragestellung nach der Bedeutung der wagenfahrenden Gottheiten vor.
II. Das Münzbild: Dieses Kapitel beschreibt die visuelle Gestaltung von Avers und Revers, insbesondere die Variationen bei den Gottheiten und deren Attributen.
III. Die Vorbilder der Darstellungen: Hier wird die Herkunft der Motive aus der griechischen und insbesondere unteritalischen Kunst sowie der Vasenmalerei aufgezeigt.
IV. Victoria als Schlüsselmotiv: Das Kapitel analysiert die Rolle von Victoria als Repräsentantin für Sieg und Triumph in der römischen Vorstellungswelt.
V. Die ganzheitlichen Deutungen: Es werden verschiedene Ansätze diskutiert, die das Wagenfahren als triumphalen Akt oder Zirkus-Darstellung interpretieren.
VI. Der typologische Aspekt: Dieses Kapitel beleuchtet die Kontinuität der Münztypen als Mittel zur Identifikation und römischen Repräsentation.
VII. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Verbindung von griechischer Ikonographie und römischer religiöser Bedeutung.
Schlüsselwörter
Römische Republik, Denar, Münzprägung, Wagenfahrende Gottheit, Victoria, Luna, Ikonographie, Griechische Vorbilder, Unteritalien, Typologie, Triumph, Münzmeister, Roma, Numismatik, Römische Religion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Darstellung wagenfahrender Gottheiten auf den Rückseiten (Reversen) römischer Denare in der Zeit zwischen 200 und 137 v. Chr.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die ikonographische Herkunft der Motive, der Einfluss griechischer Kunst auf die römische Münzprägung sowie die religiöse und politische Symbolik hinter den Darstellungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum diese spezifischen Motive gewählt wurden, welche Vorbilder ihnen zugrunde liegen und wie sie in den Kontext der römischen Werte wie Triumph und Kontinuität passen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine kunsthistorische und numismatische Analyse, indem sie die Münzbilder mit zeitgenössischen griechischen Münzprägungen und Vasenmalereien vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Münzbilder, die Herleitung der Vorbilder, die Interpretation durch das Schlüsselmotiv Victoria und die Betrachtung typologischer Kontinuitäten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Numismatik, Römische Republik, Ikonographie, Victoria, Luna und antike Münzprägung charakterisieren.
Warum spielt die Göttin Luna eine besondere Rolle in dieser Arbeit?
Luna wird als früheste wagenfahrende Gottheit auf den Denaren behandelt, die aufgrund ihrer Bedeutung für den landwirtschaftlichen Kreislauf als zentrales religiöses Symbol der Römer identifiziert wird.
Wie bewertet die Autorin die Zirkus-Theorie zur Deutung der Münzbilder?
Die Autorin führt die Theorie an, dass es sich um Zirkusgottheiten handeln könnte, merkt jedoch an, dass die neuere Forschung diese Deutung als zu einseitig weitgehend ablehnt.
Inwiefern beeinflussten griechische Vorbilder die römische Prägung?
Die Analyse zeigt, dass die Römer nicht nur das Schema des Wagenfahrens, sondern ganz konkrete Darstellungen aus der unteritalischen und sizilischen Kunst übernahmen.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Leisentritt (Autor:in), 2009, Welche Bedeutung hat die Darstellung wagenfahrender Gottheiten auf den Denaren der Römischen Republik?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/126915