Die totalitären Regime Stalins und Hitlers, welche im Mittelpunkt von Hannah Arendts Totalitarismus-Betrachtung stehen, konnten nur durch eine Mobilisierung der Massen ermöglicht und aufrecht erhalten werden. Diese Mobilisierung wiederum basierte auf einem Konglomerat, bestehend aus der geschickten Manipulation der Wahrnehmung geschichtlicher, politischer und sozialer Verhältnisse.
Es muss in Rechnung gestellt werden, dass jegliche Form von Herrschaft auf Gedeih und Verderb an ihre Wahrnehmung durch die Masse gekoppelt zu sein scheint und dass diese Wahrnehmung sich jederzeit ändern kann. Das Politische beeinflusst diese Wahrnehmung wesentlich und ist somit zwangsläufig im positiven wie negativen Sinne für die Genese, den Erhalt und den Fall von Herrschaft jeglicher Art mit verantwortlich.
Die, gemäß Hannah Arendt, jederzeit mögliche Etablierung totaler Herrschaft muss demzufolge verknüpft mit der Darstellung und der Wahrnehmung des Politischen gedacht werden. Da Arendt sich in ihren nachfolgenden Werken, oftmals unter Bezugnahme auf ihre Totalitarismus Erkenntnisse, ausführlich dem Politischen widmete, stellt sich die Frage in welcher Beziehung beide Begriffe, bei Arendt, zueinander stehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zentrale Begriffe
2.1 Totalitarismus
2.2 Politik
3. Hannah Arendt
3.1 Kritik des Totalitarismus
3.2 Der Begriff des Politischen
4. Fazit: Die Beziehung zwischen beiden Begriffen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Zusammenhänge zwischen Hannah Arendts Totalitarismuskritik und ihrem Verständnis des Politischen, um aufzuzeigen, wie totale Herrschaft die Grundlagen für menschliches Handeln und Freiheit zerstört.
- Analyse der begrifflichen Grundlagen von Totalitarismus und Politik.
- Untersuchung der Entstehung von Totalitarismus bei Hannah Arendt (Antisemitismus, Imperialismus).
- Darstellung der Rolle von Terror, Ideologie und Propaganda in totalitären Systemen.
- Erarbeitung von Arendts Verständnis des Politischen als Handlungsraum.
- Synthese der Beziehung zwischen Totalitarismus und dem Verlust des Politischen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Kritik des Totalitarismus
In ihrem Werk, „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ setzt sich Hannah Arendt mit dem Phänomen des Totalitarismus auseinander. Die Reaktionen auf Hannah Arendts Werk fielen höchst unterschiedlich aus. Der Hauptvorwurf entzündete sich an der, dem Werk unterstellten, mangelnden wissenschaftlichen Objektivität. So wurde es unter anderem als Ergebnis eines emotionalen Schocks bezeichnet, das nicht zur Verallgemeinerung geeignet sei (vgl. Barley, 1990, S. 27 ff.). Dem entgegen spricht Arendts langjähriger Freund Karl Jaspers von einem Buch, das wegen seiner Großartigkeit keiner weiteren Empfehlung bedarf. (vgl. Arendt, 2008, S. 11). Hannah Arendt erwiderte einem ihrer Kritiker, dass sie von Fakten und Ereignissen anstatt von intellektuellen Affinitäten und Einflüssen ausgehe (vgl. Barley, 1990, S. 28). Diese Erwiderung verdeutlicht einen Charakterzug, der sie Zeit ihres Lebens kennzeichnete; sie praktizierte ein radikal unabhängiges, von jeglicher Schubladen- und Schulzuordnung freies Denken (vgl. Arendt, 2006, S. 9).
Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Antisemitismus. Dieser, so Arendt, sei weder Ausdruck einer kontinuierlichen, seit dem Mittelalter andauernden Judenverfolgung noch Ergebnis einer Verschwörungstheorie, die eine die Weltherrschaft anstrebende jüdische Geheimgesellschaft zum Gegenstand hat. Die Autorin geht von einem prinzipiellen Unterschied zwischen Judenhass, den es immer gab, und einem politisch und ideologisch motivierten Antisemitismus, der erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Form von Antisemitismus-Parteien aufkam, aus. Sie thematisiert als Ursache für den Antisemitismus das Verhältnis von Juden und Nichtjuden unter den Bedingungen der Diaspora.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Bedeutung der Wahrnehmung des Politischen und führt in die Fragestellung nach dem Zusammenhang zwischen totaler Herrschaft und Arendts Politikbegriff ein.
2. Zentrale Begriffe: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen, wobei der Totalitarismus als Form der Herrschaft und Politik als Menge von Vorgängen in einem freien Raum beleuchtet werden.
3. Hannah Arendt: Dieser Hauptteil analysiert Arendts Werk, indem er sowohl ihre Totalitarismuskritik hinsichtlich Antisemitismus und Imperialismus als auch ihr Verständnis des Politischen in der Vita activa erarbeitet.
4. Fazit: Die Beziehung zwischen beiden Begriffen: Das Fazit fasst zusammen, dass totale Herrschaft als äußerste Form der Denaturierung des Politischen betrachtet werden muss, da sie die Bedingungen für Freiheit und Handeln zerstört.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Totalitarismus, Politik, Handeln, Freiheit, Massenbewegung, Antisemitismus, Imperialismus, Terror, Ideologie, Propaganda, Indoktrination, Vita activa, Pluralität, Öffentlicher Raum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Denken Hannah Arendts mit Fokus auf den Zusammenhang zwischen ihrem Verständnis totaler Herrschaft und ihrem spezifischen Begriff des Politischen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Merkmale totalitärer Regime, die Bedeutung von Propaganda und Terror sowie auf Arendts Differenzierung zwischen Arbeiten, Herstellen und Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch totalitäre Strukturen die Bedingungen für politisches Handeln – namentlich Freiheit und Pluralität – gezielt vernichtet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Literaturanalyse, die auf Arendts Hauptwerken sowie relevanter Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Voraussetzungen des Totalitarismus (Antisemitismus/Imperialismus) sowie Arendts triadische Unterscheidung der menschlichen Tätigkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Totalitarismus, Handeln, Freiheit, Pluralität, Ideologie, Terror und der öffentliche Raum.
Warum betrachtet Arendt den Terror als Wesen der totalen Herrschaft?
Weil Terror nach Arendts Auffassung nicht nur Mittel zur Machtausübung ist, sondern die Wirklichkeit der Freiheit und die menschliche Spontanität vollständig auflöst.
Inwiefern ist das Handeln für Arendt das eigentliche Politische?
Das Handeln ermöglicht im öffentlichen Raum durch Sprache und Gemeinschaft erst die Entstehung von Macht und Freiheit, im Gegensatz zur Notwendigkeit des Arbeitens oder der Zweck-Mittel-Relation des Herstellens.
- Arbeit zitieren
- Thomas Frank (Autor:in), 2009, Philosophie Reflexion von Staat und Politik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/126796