Gerade noch rechtzeitig bevor der Deutsche Fußball Bund (DFB) doch
endlich in der Lage scheint, sich der eigenen NS-Vergangenheit zu stellen – eine diesbezüglich in Auftrag gegebene Studie der Historiker Prof. Klaus Hildebrand (Universität Bonn) und Nils Havemann (Mainz) soll Ende 2004 fertig sein – sind während der letzten Jahre einige Werke entstanden, die sich mit der Geschichte des Deutschen Fußballs und des DFB während der Zeit des Nationalsozialismus befassen. Vielfach wird in diesen
Büchern – insbesondere von Bitzer/Wilting, Schwarz-Pich und
Fischer/Lindner – die bereitwillige Mitarbeit der Fubballfunktionäre im NS-Staat und die Instrumentalisierung des Fußballs sowie des Sports im allgemeinen durch die Nationalsozialisten dargestellt und zumindest teilweise kontrovers diskutiert1. Die Frage jedoch, inwieweit die
Sportpresse Anteil an einer solchen Instrumentalisierung hatte, ist bis heute nur in sehr geringem Maße behandelt worden. Lediglich als Quellen für besagte Werke tauchen Zeitungsberichte das öfteren auf.
Mit dieser Arbeit verfolge ich im wesentlichen zwei Ziele. Erstens möchte ich einen allgemeinen Überblick über die Hamburger Sportpresse während des Nationalsozialismus schaffen, zweitens speziell die Frage beantworten, ob und wenn ja in welcher Weise Sportberichterstattung als NS-Propagandamittel eingesetzt wurde.
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Inhaltsverzeichnis
1. Worüber berichtet wurde – ein kurzer Einblick in das Hamburger Fußballgeschehen der 1930er und 1940er Jahre
1.1 Vor dem 30. Januar 1933 – „bürgerlicher“ und Arbeiterfußball
1.2 Die Umstrukturierung des Fußballsports im Sinne des Nationalsozialismus
1.3 Sportliche Entwicklungen bis Kriegsbeginn
1.4 „Kriegsmeisterschaften“
2. Der Fußball in der Hamburger Presse
2.1 Das Ende des Hamburger Echos und des Arbeiterfußballs
2.2 Kritik im Nationalsozialismus? – Die Hanseatische Sportzeitung
2.3 Der Hamburger Anzeiger
2.4 „Lest das Mittagsblatt, lest das Tageblatt – alles Lüge, alles Dreck!“
2.5 Konzentration der letzten Kräfte – Die Hamburger Zeitung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen Überblick über die Hamburger Sportpresse während des Nationalsozialismus zu geben und zu untersuchen, inwieweit die Sportberichterstattung als Instrument der NS-Propaganda instrumentalisiert wurde.
- Analyse des Hamburger Fußballgeschehens zwischen 1930 und 1945
- Vergleich der Berichterstattung verschiedener Hamburger Zeitungen
- Rolle des Arbeiterfußballs und dessen Verbot
- Untersuchung von Militärsprache und politischer Beeinflussung in Sportberichten
- Bewertung der Hanseatischen Sportzeitung hinsichtlich ihrer kritischen Haltung
Auszug aus dem Buch
2.2 Kritik im Nationalsozialismus? – Die Hanseatische Sportzeitung
Von 1932 bis 1934 gab C. Schönfeldts Buchdruckerei die Hanseatische Sportzeitung (HSZ) mit dem Untertitel „Das kritische Fachblatt für Fußball und Boxen“ heraus. Über dieses wöchentlich erscheinende Sportblatt schreibt Matthias Müller in seiner Magisterarbeit, die Nationalsozialisten hätten es schließlich 1934 verboten, da darin „erstaunlich NS-feindliche Artikel“ veröffentlicht worden seien. Leider führt Müller für diese Aussage keine Belege an, so daß eine Überprüfung angebracht scheint.
Zunächst seien jedoch einige Angaben zur Gestalt der Zeitung gemacht. Die HSZ erschien ab dem 6. Januar 1932 immer mittwochs zum moderaten Preis von 20 Pfennig. Auf 16 Seiten konnte man neben ausführlichen Spielvorschauen und –berichten, welche übrigens durchaus die Bezeichnung „kritisch“ verdienten, interessanterweise auch Kommentare zum aktuellen Fußballgeschehen außerhalb des Spielfeldes lesen.
Auf den ersten Seiten befasste sich der fast den gesamten Fußballteil der HSZ schreibende Paul Duysen mit Themen wie der Diskussion über die Einführung des Profistatus für Spitzenspieler oder den strukturellen Veränderungen nach der Machtübernahme der Nazis. Gelegentlich wurden auch Stellungnahmen von Vereinen oder Leserbriefe abgedruckt und ggf. kommentiert. Der Fußballsport nahm etwa zwei Drittel des Umfanges der HSZ ein, der restliche Platz war für Boxen sowie ab Mitte 1934 auch für Handball reserviert. Die letzte Ausgabe der HSZ erschien am 18. Dezember 1934.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Worüber berichtet wurde – ein kurzer Einblick in das Hamburger Fußballgeschehen der 1930er und 1940er Jahre: Dieses Kapitel skizziert die organisatorische Entwicklung des Fußballs in Hamburg, inklusive der Zerschlagung des Arbeitersports und der gleichschaltenden Umstrukturierungen durch die Nationalsozialisten.
2. Der Fußball in der Hamburger Presse: Dieser Hauptteil analysiert exemplarisch verschiedene Hamburger Zeitungen und deren spezifische Sportberichterstattung im Kontext der NS-Zeit, um propagandistische Tendenzen zu identifizieren.
Schlüsselwörter
Hamburger Sportpresse, Nationalsozialismus, Fußballberichterstattung, NS-Propaganda, Arbeitersport, Hanseatische Sportzeitung, Hamburger Anzeiger, Hamburger Mittagsblatt, Gleichschaltung, Sportjournalismus, Sportgaue, Fußballgeschichte, Hamburg 1930-1945, Militärsprache, Vereinsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Berichterstattung über den Fußball in Hamburger Zeitungen im Zeitraum zwischen 1930 und 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen der Einfluss des Nationalsozialismus auf Sportverbände und Vereine, die Rolle des Arbeitersports sowie die sprachliche und inhaltliche Ausgestaltung der Sportberichterstattung in verschiedenen Tages- und Sportzeitungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, einen Überblick über die Hamburger Sportpresse in der NS-Zeit zu geben und zu klären, ob Sportberichte bewusst als Propagandamittel eingesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor führt eine vergleichende Analyse verschiedener Hamburger Zeitungen durch, wobei der Fokus auf dem Sportjournalismus liegt, um Allgemeindarstellungen und Differenzen zwischen den Blättern aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der fußballsportlichen Entwicklungen in Hamburg sowie die detaillierte Analyse der Berichterstattung in Medien wie dem Hamburger Echo, der Hanseatischen Sportzeitung, dem Hamburger Anzeiger und dem Mittagsblatt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen NS-Propaganda, Gleichschaltung, Hamburger Sportpresse, Arbeiterfußball und Sportberichterstattung.
Wie bewertet der Autor die „Hanseatische Sportzeitung“ im Vergleich zu anderen Blättern?
Der Autor stellt fest, dass die HSZ zwar kritische Züge trug, aber dennoch dem NS-Regime weniger feindlich gegenüberstand, als die Forschung zuvor annahm; sie war eher ein fachlich besseres, aber letztlich angepasstes Sportblatt.
Welche Rolle spielte das „Mittagsblatt“ bei der Verbreitung von Propaganda?
Das Mittagsblatt transportierte durch eine militarisierte Sprache und die gezielte Parallele zwischen Kriegsverlauf und sportlichen Wettkämpfen unterschwellig Durchhalteparolen des Regimes.
- Arbeit zitieren
- Thorsten Schülke (Autor:in), 2003, Sportberichterstattung im nationalsozialistischen Hamburg: der Fußball in der Presse, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/126731