"Lehrer sein ist eine Berufung". Was verbirgt sich hinter dieser Aussage und wie erleben Menschen ihren Arbeitsalltag, die ihre Berufung zum Beruf gemacht haben? Vor dem Hintergrund dieses Leitgedankens kommt es in der vorliegenden Arbeit zur Auswertung einer Umfrage, die im universitären Rahmen mit deutschen LehrerInnen zum Thema der aktuellen Herausforderungen des schulischen Alltags aus Sicht praktizierender Lehrkräfte durchgeführt wurde und von der sich Antworten auf die folgende Fragestellung erhofft werden: Inwiefern existiert bei Lehrkräften ein Zusammenhang zwischen der Arbeitsorientierung Calling und der von ihnen empfundenen Arbeitszufriedenheit und wie wirkt sich ihre Haltung auf die verschiedenen Facetten ihrer Berufszufriedenheit aus?
Zunächst sollen für die Untersuchung relevante Begrifflichkeiten und Konstrukte theoretisch fundiert, sowie ein kurzer Einblick in den jeweiligen Forschungsstand gegeben werden, unter dessen Berücksichtigung anschließend relevante Hypothesen abgeleitet werden sollen. Im Methodenteil wird ein Überblick über die Zusammensetzung der Stichprobe und die Durchführung der Umfrage gegeben, gefolgt von der Auswertung der für die Hypothesen relevanten Befragungsergebnisse. In der abschließenden Diskussion kommt es zur Deutung und Interpretation der ermittelten Resultate und zur Beantwortung der Forschungsfrage.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Arbeitsorientierung und Arbeitszufriedenheit
2.1. Arbeitsorientierung - Zur Ausprägung der Berufseinstellung
2.2. Arbeitszufriedenheit und Zufriedenheitsfacetten
2.3. Hypothesenbildung
3. Methodenteil
3.1. Stichprobe
3.2. Untersuchungsinstrument und Durchführung
4. Ergebnisteil
4.1. Deskriptive Ergebnisse
4.2. Analytische Ergebnisse
5. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Arbeitsorientierung "Calling" und der empfundenen Arbeitszufriedenheit deutscher Lehrkräfte, um aufzuklären, inwieweit eine berufliche Ausrichtung auf eine Berufung ("Calling") mit einer höheren Zufriedenheit in verschiedenen Arbeitsbereichen einhergeht.
- Berufliche Orientierung und ihre Ausprägungen (Job, Career, Calling)
- Facetten der Arbeitszufriedenheit im Lehrberuf
- Statistische Analyse von Zusammenhängen mittels Online-Fragebogen
- Einfluss der Berufsidentität auf die Zufriedenheitswahrnehmung
Auszug aus dem Buch
2.1. Arbeitsorientierung - Zur Ausprägung der Berufseinstellung
Unter dem Begriff der Arbeitsorientierung verstehen Wrzesniewski et al. (1997) die Beziehung, in der eine Person zu ihrer Arbeit steht. Hierbei wird zwischen den Arbeitsorientierungen Job, Career und Calling unterschieden, wobei jede dieser Ausprägungen spezifische Charakteristika aufweist. Die Verteilung dieser Haltungen hängt nicht von der ausgeübten Beschäftigung ab, was mit der Tatsache begründet werden kann, dass man in allen Berufszweigen Arbeitnehmer findet, die die drei unterschiedlichen Arbeitsorientierungen aufweisen (Wrzesniewski et al., 1997). Da insbesondere die Calling-Orientierung für diese Arbeit relevant ist, wird diese im Folgenden separat von den Haltungen Job und Career betrachtet.
Unter einem Job-orientierten Menschen wird ein Arbeitnehmer verstanden, der seinen Beruf ausschließlich für den materiellen Profit und zum Zwecke der Finanzierung seiner außerberuflichen Aktivitäten ausführt. Die persönlichen Ziele und Interessen des erwerbsorientierten Arbeiters spiegeln sich im Allgemeinen nicht in dem ihm ausgeübten Beruf wider (Wrzesniewski et al., 1997). Eine untergeordnete Bedeutung spielt der finanzielle Profit für einen Beschäftigten, der die Arbeitsorientierung Career aufweist, da dieser primär nach einem beruflichen Aufstieg strebt, welchen er durch umfangreichen Arbeitseinsatz zu erreichen versucht. Der aufstiegsorientierte Mensch erhofft sich mit diesem Karrierefortschritt Verbesserungen seinen sozialen Status und sein Beschäftigungsfeld betreffend und erlangt in diesem Zuge zudem eine gesteigerte Selbstachtung (Wrzesniewski et al., 1997).
Beschäftigte, die die Arbeitsorientierung Calling aufweisen, empfinden ihren Beruf als festen Bestandteil ihres Lebens und üben diesen weder aufgrund materieller Vorteile noch in Hoffnung auf einen beruflichen Aufstieg aus. Vielmehr erleben sie in der Ausübung ihrer Arbeit eine gewisse Erfüllung, wodurch ihre Tätigkeit als wertvoller sozialer Beitrag angesehen wird (Wrzesniewski et al., 1997).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Lehrberufs als "Berufung" ein und skizziert die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen dieser Haltung und der Arbeitszufriedenheit.
2. Arbeitsorientierung und Arbeitszufriedenheit: Das Kapitel bietet eine theoretische Fundierung zu den verschiedenen Arbeitsorientierungen (Job, Career, Calling) und den theoretischen Modellen der Arbeitszufriedenheit.
3. Methodenteil: Hier wird der Aufbau der Untersuchung, die Zusammensetzung der Stichprobe (N = 373) und das verwendete Online-Fragebogen-Instrument beschrieben.
4. Ergebnisteil: Dieses Kapitel präsentiert die deskriptiven Werte sowie die statistische Auswertung der Hypothesen mittels Korrelationsanalysen.
5. Diskussion: Abschließend werden die Ergebnisse interpretiert, in den wissenschaftlichen Kontext eingeordnet und Limitationen der Studie reflektiert.
Schlüsselwörter
Arbeitsorientierung, Calling, Arbeitszufriedenheit, Lehrkräfte, Berufseinstellung, berufliche Identität, Job-orientierung, Career-orientierung, Schulforschung, Korrelationsanalyse, Lehrberuf, Arbeitsmotivation, Bildungsforschung, Selbstverwirklichung, Arbeitsbedingungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der beruflichen Haltung von Lehrkräften und untersucht, wie diese Haltung mit der individuellen Zufriedenheit im Berufsalltag zusammenhängt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Typologien der Arbeitsorientierung nach Wrzesniewski sowie auf die verschiedenen Facetten der Arbeitszufriedenheit, speziell im Kontext von Schule und Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es zu belegen, dass eine ausgeprägte "Calling"-Orientierung (Berufung) bei Lehrkräften mit einer höhere Arbeitszufriedenheit korreliert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine quantitative empirische Erhebung mittels eines standardisierten Online-Fragebogens bei 373 Lehrkräften durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Konstrukte, die methodische Beschreibung der Datenerhebung und die anschließende statistische Auswertung der Daten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arbeitsorientierung, Calling, Arbeitszufriedenheit sowie die spezifische Differenzierung zwischen Tätigkeit und Kollegium.
Wie unterscheidet sich "Calling" von "Job" oder "Career"?
Während Job-orientierte Menschen primär für Geld arbeiten und Career-orientierte Aufstieg anstreben, erfahren Personen mit einer "Calling"-Orientierung ihre Arbeit als wertvollen sozialen Beitrag und festen Bestandteil ihres Lebenssinns.
Bestätigen die Ergebnisse die Hypothesen?
Ja, die Studie konnte statistisch signifikante positive Korrelationen zwischen der Calling-Orientierung und der allgemeinen Arbeitszufriedenheit sowie der Zufriedenheit mit der Tätigkeit nachweisen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Arbeitsorientierung und Berufszufriedenheit. Eine Analyse der beruflichen Orientierung und der damit verbundenen Zufriedenheit deutscher Lehrkräfte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1259036