Die Rahmenbedingungen der Versicherungswirtschaft haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch verändert. Die Veränderung relevanter ökonomischer Faktoren führt dazu, dass Versicherungen ihre Wertschöpfung optimieren müssen, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Traditionell erfolgt diese mit einer hohen Fertigungstiefe. Die Fertigungstiefe drückt aus, in welchem Ausmaß die Versicherung am gesamten Fertigungsprozess für die angebotene Leistung beteiligt ist. Eine Studie der Unternehmensberatung accenture aus dem Jahr 2003 hat ergeben, dass 59%der befragten Unternehmen verschiedene Tätigkeiten auslagern. Diese hohe Prozentzahl relativiert sich allerdings wieder, wenn betrachtet wird, dass der Gesamtanteil der Auslagerungen nur 12% ausmacht und somit immer noch 88% im Unternehmen verbleiben. Damit ist die Fertigungstiefe deutlich
höher als bei anderen Branchen, beispielsweise der Automobilindustrie mit ca. 25-30%.
Die veränderten Rahmenbedingungen und die Zunahme des
Wettbewerbs führen daher zu Überlegungen die Fertigungstiefe zu verringern indem bspw. Wertschöpfungsaktivitäten mit relativ hohen Kosten und geringer Wertschöpfung ausgelagert werden. Neben den klassischen Optionen ‚Make and Buy’ spielen bei diesen Überlegungen auch Kooperationen eine große Rolle.
Im Folgenden sollen nun die Kooperationspotenziale der Versicherungsunternehmen systematisch dargestellt werden.
Kapitel 2 umreißt kurz welche Faktoren eigentlich für die veränderten Rahmenbedingungenund die höhere Wettbewerbsintensität verantwortlich sind.In Kapitel 3 wird dann eine mögliche Wertschöpfungskette eines Versicherungsunternehmens dargestellt und auf den Kernkompetenzansatz als Analyseinstrument für die Beurteilung von Kooperationen eingegangen. Kooperationspotenziale
auf den einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette werden in Kapitel 4 erläutert. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein abschließendesFazit erfolgt in Kapitel 5.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ökonomische Rahmenbedingungen in der Versicherungswirtschaft
3. Wertschöpfung einer Versicherung
3.1 Wertschöpfungskette der Versicherungen
3.2 Kernkompetenzen und die effiziente Firmengrenze
4. Kooperationspotenziale entlang der Wertschöpfungskette
4.1 Produktentwicklung
4.2 Underwriting
4.3 Risikotragung/-transformation
4.4 Asset-Management
4.5 Schadenmanagement
4.6 Marketing
4.7 Vertrieb/Beratung/Kundenbetreuung
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, wie Versicherungsunternehmen ihre Wertschöpfung optimieren können, indem sie Kooperationspotenziale systematisch identifizieren und nutzen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Wertschöpfungsstufen als Kernkompetenzen im Unternehmen verbleiben sollten und wo eine Auslagerung an spezialisierte Partner einen strategischen Wettbewerbsvorteil bietet.
- Analyse der ökonomischen Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf die Wettbewerbsintensität.
- Anwendung des Kernkompetenzansatzes zur Bestimmung der effizienten Firmengrenze.
- Systematische Untersuchung der Wertschöpfungskette eines Erstversicherers.
- Identifikation von Kooperationspotenzialen in Bereichen wie Produktentwicklung, Underwriting und Schadenmanagement.
Auszug aus dem Buch
4.2 Underwriting
Beim Underwriting - oder auch Vertragsabwicklung - werden Anträge der Kunden an die Versicherung überprüft und die Policierung durchgeführt. Die Komponenten dieser Wertschöpfungsstufe können die Antragsbearbeitung, standardisierte/komplexe Underwriting-Prozesse und Provisionierung sein.18
Wiederum ist die Frage zu beantworten, ob der Prozess des Underwriting dem Kunden einen signifikanten Nutzen stiftet. In diesem Prozess beschäftigt sich das Versicherungsunternehmen erstmals mit den individuellen Risikoparametern des Antragsstellers. Dabei ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Versicherungsunternehmen und dem Versicherungsnehmer unerlässlich. Die Qualität der Antragsbearbeitung und Policierung führt offensichtlich zu einem signifikanten Nutzen beim Kunden und kann somit als Kernfähigkeit identifiziert werden.
Um im Bereich des Underwriting eine Kernkompetenz zu entwickeln bedarf es des Weiteren einer deutlichen Abhebung von der Konkurrenz. Ein erhebliches Potenzial zur Entwicklung von Kernkompetenzen steckt in der Bearbeitung standardisierter Underwriting-Prozesse. Bei standardisierten Produkten können diese weitgehend automatisiert werden, was zu Kostensenkungen und somit zu einem Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten auf dieser Wertschöpfungsstufe führen kann.19
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die veränderten Rahmenbedingungen in der Versicherungswirtschaft und stellt die Notwendigkeit dar, die Fertigungstiefe durch Kooperationen kritisch zu hinterfragen.
2. Ökonomische Rahmenbedingungen in der Versicherungswirtschaft: Dieses Kapitel analysiert Faktoren wie Deregulierung und verändertes Kundenverhalten, die zu einem erhöhten Kostendruck und Wettbewerbsintensität führen.
3. Wertschöpfung einer Versicherung: Hier wird die Wertschöpfungskette eines Erstversicherers erläutert und der Kernkompetenzansatz als Instrument für Make-or-Buy-Entscheidungen eingeführt.
4. Kooperationspotenziale entlang der Wertschöpfungskette: Dieser Hauptteil untersucht detailliert die verschiedenen Stufen der Wertschöpfung und leitet Empfehlungen für Kooperationen mit externen Partnern ab.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Versicherungswirtschaft vor einer Industrialisierung steht, in der die Konzentration auf Kernfähigkeiten bei gleichzeitiger Kooperation in anderen Bereichen erfolgsentscheidend ist.
Schlüsselwörter
Versicherungswirtschaft, Wertschöpfungskette, Kooperationspotenziale, Kernkompetenzen, Fertigungstiefe, Outsourcing, Strategische Unternehmenskooperation, Wettbewerbsvorteile, Underwriting, Schadenmanagement, Asset-Management, Transaktionskostenökonomik, Kundenbindung, Industrialisierung, Kernfähigkeiten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die industrielle Transformation von Versicherungsunternehmen und wie diese durch die systematische Nutzung von Kooperationen ihre Wettbewerbsposition verbessern können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Identifikation von Kernkompetenzen, die effiziente Gestaltung der Firmengrenze und die Optimierung der verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette durch externe Partnerschaften.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie Versicherer entscheiden können, welche Prozesse sie selbst beherrschen müssen und welche Bereiche durch Kooperationen mit Spezialisten effizienter gestaltet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den Kernkompetenzansatz nach Prahalad/Hamel, kombiniert mit der Transaktionskostentheorie, um die Wertschöpfungsaktivitäten einer Versicherung zu strukturieren und zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Stufen der Wertschöpfung von der Produktentwicklung über das Underwriting und Asset-Management bis hin zum Marketing und Vertrieb.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Wertschöpfungskette, Kernkompetenz, Kooperationspotenziale und Outsourcing im Versicherungskontext.
Warum ist das Underwriting laut Autor als Kernfähigkeit identifiziert worden?
Das Underwriting ist deshalb eine Kernfähigkeit, weil der Prozess der individuellen Risikoprüfung einen direkten und signifikanten Nutzen für den Kunden generiert und entscheidendes Vertrauen schafft.
Welche Rolle spielen "Service-Provider" im Schadenmanagement?
Service-Provider übernehmen spezialisierte Aufgaben wie die Prozessoptimierung, etwa durch Help-Points, die den Schadenaufwand senken und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit erhöhen.
- Quote paper
- Diplom-Volkswirt Benedikt Hüppe (Author), 2007, Kooperationen in der Versicherungswirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/125836