In der Arbeit werden Einträge des Staates Aserbaidschan und der süddeutschen Region Allgäu auf den verschiedenen Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO thematisiert.
Aserbaidschan, als Land in einer Gegend, in der sich Europa und Asien, Christentum und Islam, und noch vieles mehr kreuzen, treffen und vermischen, sich manchmal aber doch auch voneinander abheben, soll als Beispiel für die Ferne dienen. Die zweite Region, das Allgäu, eine mehr oder weniger klar umrissene Kulturlandschaft im Südwesten des deutschen Bundeslandes Bayern, mit Ausläufern nach Baden-Württemberg, könnte sich auf den ersten Blick kaum stärker von der ehemaligen Sowjet-Republik am Schwarzen Meer unterscheiden. Da es im Zuge des Seminars aber erwünscht war, sich der eigenen Heimat zuzuwenden, und da der Verfasser der vorliegenden Arbeit aus dem Landkreis Ostallgäu stammt, lag die Wahl auf der Hand. Im Folgenden sollen ausgewählte Beiträge beider Regionen genauer vorgestellt und mit anderen kulturellen Praktiken verglichen werden, die sich ebenfalls auf einer der Listen der UNESCO befinden.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung
2. Die Beiträge Aserbaidschans
2.1 Traditionelle musikalische Praktiken: Mugham
2.2 Traditioneller Instrumentenbau: Kamantsche
2.3 Die aserbaidschanischen Beiträge im internationalen Vergleich
3. Einträge und Aspiranten aus dem Allgäu
3.1 Hochalpine Allgäuer Alpwirtschaftskultur in Bad Hindelang
3.2 Das Tänzelfest in Kaufbeuren
3.3 Die Beiträge aus dem Allgäu im Bayerischen Vergleich
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kulturelle Praktiken aus zwei geographisch und kulturell unterschiedlichen Regionen – Aserbaidschan und das Allgäu – im Hinblick auf ihre Anerkennung als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO, wobei ein besonderer Fokus auf musikalische Traditionen sowie deren Erhalt und Fortführung gelegt wird.
- Analyse aserbaidschanischer Musiktraditionen (Mugham) und Instrumentenbaukunst (Kamantsche).
- Untersuchung allgäuer Bräuche wie die Alpwirtschaftskultur und das Tänzelfest in Kaufbeuren.
- Vergleich der gewählten Traditionen mit ähnlichen internationalen oder regionalen Kulturerbe-Beiträgen.
- Reflektion über die Bedeutung der UNESCO-Listen für den Erhalt und die Weitergabe lebendiger Traditionen.
- Untersuchung von Gemeinsamkeiten in der kulturellen Identität trotz unterschiedlicher historischer Ausgangslagen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Traditionelle musikalische Praktiken: Mugham
„Mugham and its cognate repertoires are all regionally specific but represent what is at root a common musical language. Azerbaijani mugham shares broad features of musical form and structure with the Central Asian art song suites known as shash maqâm (six maqâms) but is closest in performance style, instrumentation, and modal organization to the Persian classical repertory, dastgâh.“
Die Entstehung des Mugham reicht zurück bis in die vorislamische Zeit und wird häufig mit dem Zoroastrismus in Verbindung gebracht. Nicht nur die Islamisierung im Mittelalter, sondern auch die Musik des Zarenreichs hatten prägenden Einfluss auf das Genre, sodass es nur für ungeübte Ohren persisch, arabisch oder türkisch klingt.
„But the one who knows it unmistakably recognizes the classical music of Azerbaijan, music that brings to listeners the sweet and dense aroma of early spring in […] Baku, the rolling undertones of the Caspian Sea, the whistly of a salty wind and the image of the Caucasus mountains covered with fiery poppies.“
Dem Mugham liegt ein modaler Melodietypus zugrunde, der ursprünglich nicht notiert, sondern von Generation zu Generation mündlich überliefert wurde. Wichtige Merkmale sind neben einem hohen Maß an Improvisation die Einbeziehung von Mikrotönen, die taktfreie Wiedergabe der Melodien und eine sehr hohe Dichte an Verzierungen. „Koloraturen, Glissandi und Triller sind derart häufig und allgegenwärtig in allen Mughams, dass sie ein wesentlicher Bestandteil der Musik zu sein scheinen.“
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbemerkung: Einführung in die Zielsetzung des Seminars, das zur Arbeit führte, sowie die Motivation für die Auswahl der untersuchten Regionen Aserbaidschan und Allgäu.
Die Beiträge Aserbaidschans: Untersuchung der bei der UNESCO gelisteten aserbaidschanischen Musiktraditionen, mit tiefgehender Analyse des Mugham und der Kamantsche.
Einträge und Aspiranten aus dem Allgäu: Analyse lokaler traditioneller Praktiken wie der Alpwirtschaft in Bad Hindelang und des Tänzelfests in Kaufbeuren sowie deren regionale Einordnung.
Zusammenfassung und Ausblick: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über die verbindende Funktion der UNESCO-Listen zwischen den unterschiedlichen kulturellen Räumen.
Schlüsselwörter
UNESCO, immaterielles Kulturerbe, Aserbaidschan, Allgäu, Mugham, Kamantsche, Alpwirtschaft, Bad Hindelang, Tänzelfest, Kaufbeuren, Kulturgeschichte, Traditionspflege, Musiktradition, Kulturelle Identität, Grenzübergreifend.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung ausgewählter kultureller Praktiken aus Aserbaidschan und dem Allgäu, die als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt wurden oder diesen Status anstreben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Bewahrung von Traditionen durch die UNESCO, die Spezifik aserbaidschanischer Musikformen sowie die Bedeutung regionaler Bräuche für die Identität im Allgäu.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ausgewählte Beiträge beider Regionen vorzustellen und im Kontext der UNESCO-Listen zu vergleichen sowie die Bedeutung der Weitergabe von Wissen an nachfolgende Generationen zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und vergleichenden Analyse fachwissenschaftlicher Literatur sowie offizieller UNESCO-Dokumente und Projektberichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die aserbaidschanischen Praktiken Mugham und Kamantsche sowie die allgäuer Traditionen Viehscheid und Tänzelfest, inklusive ihrer geschichtlichen Hintergründe und aktuellen gesellschaftlichen Bedeutung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kulturerbe, Tradition, Musikologie, Identität und regionale Kulturpraxis charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Motivation der Traditionspflege zwischen Aserbaidschan und dem Allgäu?
Während die Allgäuer Beiträge stark auf die Wahrung erlebbarer Geschichte und den sozialen Zusammenhalt in einem friedlichen Kontext setzen, sind die aserbaidschanischen Praktiken stärker mit der komplexen Identität eines Landes im Transformations- und Konfliktkontext verbunden.
Welche Bedeutung kommt der „Wolff-Affäre“ im Kontext des Tänzelfests zu?
Die „Wolff-Affäre“ von 1853 verdeutlicht die historischen Spannungen zwischen konfessionellen Gruppen in Kaufbeuren und zeigt den erfolgreichen Widerstand der Bevölkerung gegen Versuche, eine identitätsstiftende Tradition abzuschaffen.
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- Jörg Holzmann (Author), 2020, Das immaterielle Kulturerbe der UNESCO. Aserbaidschan und das Allgäu auf der Repräsentativen Liste, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1257238