Die dieser Arbeit zugrunde liegende Fragestellung ist die nach der Gestaltung eines menschenwürdigen polizeilichen Umgangs gegenüber der sozialen Randgruppe der Obdachlosen.
Aufbauend auf dieser Fragestellung befasst sich der erste Abschnitt der Arbeit mit der begrifflichen Abgrenzung von Wohnungslosen gegenüber Obdachlosen und gibt in diesem Zusammenhang einen groben Überblick über die Zahlen. Außerdem werden die Begriffe der Menschenwürde und Cop Culture kurz erläutert. Der folgende Teil der Arbeit stellt zuerst dar, wie der polizeiliche Umgang mit Obdachlosen aussehen sollte und hinterfragt im Folgenden kritisch, ob es Elemente in typischen polizeilichen Denk- und Handlungsmustern gibt, die dem widersprechen. Im handlungsorientierten Teil der Arbeit werden Hindernisse im polizeilichen Alltag, die dem menschenwürdigen Umgang mit Obdachlosen entgegenstehen aufgegriffen und herausgearbeitet, wer in der Verantwortung ist, diesem Problem entgegenzuwirken. Abschließend werden im Fazit alle wichtigen Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst.
Inhaltsübersicht
1 EINLEITUNG
2 BEGRIFFSERLÄUTERUNGEN
2.1 Wohnungslose und Obdachlose
2.2 Menschenwürde
2.3 Cop Culture
3 IDEALVORSTELLUNG VS. REALITÄT
3.1 Wie sollte polizeilicher Umgang mit Obdachlosen aussehen?
3.2 Kritische Hinterfragung
4 HINDERNISSE FÜR DIE PRAXIS
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen eines menschenwürdigen polizeilichen Umgangs mit Obdachlosen unter Berücksichtigung etablierter Denkmuster und institutioneller Strukturen, mit dem Ziel, Ansätze für ein respektvolleres polizeiliches Handeln gegenüber dieser vulnerablen Personengruppe aufzuzeigen.
- Analyse der Begrifflichkeiten von Obdachlosigkeit und Menschenwürde im Polizeikontext
- Untersuchung des Phänomens der Cop Culture und deren Einfluss auf polizeiliche Handlungsmuster
- Gegenüberstellung von ethischen Idealvorstellungen und der polizeilichen Einsatzrealität
- Identifikation und kritische Hinterfragung systemischer Hindernisse in der polizeilichen Praxis
- Entwicklung von Perspektiven für einen reflektierten, diskriminierungsfreien Umgang mit der Randgruppe
Auszug aus dem Buch
2.3 Cop Culture
In der Institution Polizei spielt das Zugehörigkeitsgefühl zu der Behörde eine entscheidende Rolle und wurde bereits in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten untersucht. Unterschieden wird zwischen der Polizeikultur und der Cop Culture, auch Polizistenkultur. Rafael Behr beschreibt in seinem Buch „Cop Culture. Der Alltag des Gewaltmonopols. Männlichkeit, Handlungsmuster und Kultur der Polizei“ die Polizeikultur als das idealisierte Bild der Polizei von sich selbst nach außen. Sie wird geprägt durch offizielle Leitbilder, die rechtliche Regelungen, sowie politische Erwartungen wiederspiegeln und ethisch und pädagogisch reflektiert sind (2000: 233). Die Cop Culture beschreibt Behr als „das „Konzentrat“ polizeilichen Alltagswissens“ (2006: 39), welche sich an den Erfahrungen orientiert, die die Beamt:innen mit dem polizeilichen Gegenüber machen und den daraus entstehenden Handlungsmustern. Sie beschreibt vielmehr die Intuition eines/einer Polizist:in, die er/sie im Laufe seines/ihres Berufslebens erlangt und weniger die theoretischen Denk- und Handlungsmuster (Behr 2000: 238).
Das Phänomen der Cop Culture betrifft vornehmlich Polizist:innen des operativen Dienstes. Zwar sind ihre Aufgaben gesetzlich festgelegt, wie sie diese aber im Einzelfall erfüllen, ist nicht organisiert. So kommt es in der Praxis häufig zu Situationen, die den Einsatz von Zwang oder Gewalt erfordern, in welchem Ausmaß dieser angewandt wird, muss jedoch individuell entschieden werden (Behr 2006: 42). Für die Bewältigung solcher Lagen ist es einerseits erforderlich, sich auf den/die Streifenpartner:in verlassen zu können, andererseits aber auch durch die Erzählungen diensterfahrener Kolleg:innen Möglichkeiten für Konfliktlösungen an die Hand zu bekommen. Dadurch entwickelt sich innerhalb einzelner Organisationseinheiten bzw. Dienstgruppen eine Subkultur mit eigenen Werten und Handlungsstrategien. Die Problematik ergibt sich also aus fehlenden Handlungsstrategien in den offiziellen Leitbildern der Polizeikultur und der damit verbundenen Notwendigkeit, sich auf die eigenen und von Kolleg:innen gemachten Erfahrungen und daraus entwickelten Handlungsmuster zu verlassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der Lebenssituation von Obdachlosen und die daraus resultierende Notwendigkeit eines reflektierten polizeilichen Umgangs.
2 BEGRIFFSERLÄUTERUNGEN: Definition der zentralen Begriffe Obdachlosigkeit, Menschenwürde und Cop Culture zur theoretischen Fundierung der Fragestellung.
3 IDEALVORSTELLUNG VS. REALITÄT: Diskussion darüber, wie polizeiliches Auftreten gegenüber Obdachlosen gestaltet sein sollte und wo sich diese Anforderungen im Alltag mit gelernten Mustern beißen.
4 HINDERNISSE FÜR DIE PRAXIS: Erörterung der strukturellen und psychologischen Hürden, die einen menschenwürdigen Umgang erschweren, sowie Überlegungen zur Ausbildung und Integration erfahrener Polizeikräfte.
5 FAZIT: Zusammenfassung der Erkenntnisse vor dem Hintergrund der Eigenverantwortung der einzelnen Beamten und der institutionellen Reflexion.
Schlüsselwörter
Polizei, Obdachlose, Menschenwürde, Cop Culture, Diskriminierung, Gefahrenabwehr, Polizeiphilosophie, Soziale Randgruppen, Stereotypisierung, Einsatzpraxis, Kommunikation, Menschenrechte, Polizeiausbildung, institutionsübergreifendes Handeln, berufliche Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die ethische und praktische Dimension des polizeilichen Umgangs mit Obdachlosen im Kontext von Menschenwürde und polizeilicher Subkultur.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Im Fokus stehen die Abgrenzung von Begrifflichkeiten, das Phänomen der „Cop Culture“, die Diskrepanz zwischen politischer Sicherheitspolitik und Einsatzalltag sowie Ansätze zur Stärkung der sozialen Kompetenz innerhalb der Polizei.
Was ist die zentrale Fragestellung?
Die Arbeit fragt danach, wie ein polizeilicher Umgang mit der Randgruppe der Obdachlosen konkret menschenwürdig gestaltet werden sollte und welche systemischen Hindernisse dies derzeit erschweren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literaturauswertung polizeiwissenschaftlicher Studien und relevanter Verfassungsprinzipien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, eine Analyse der Differenz zwischen polizeilichem Ideal und Realität sowie eine kritische Hinterfragung von Hindernissen in der Praxis.
Welche Keywords prägen die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Cop Culture, Menschenwürde, Stigmatisierung, polizeiliche Kommunikation und soziale Randgruppen.
Warum ist die „Cop Culture“ für Obdachlose problematisch?
In der „Cop Culture“ entwickeln sich oft unreflektierte Handlungsmuster und Vorurteile, die dazu führen, dass Obdachlose als generelle „Gefahrenquelle“ oder Bürger zweiter Klasse wahrgenommen werden, anstatt sie in ihrer Schutzbedürftigkeit ernst zu nehmen.
Welche Rolle spielt die Ausbildung?
Die Ausbildung ist entscheidend, um angehenden Beamten ein Bewusstsein für ihre eigene Rolle zu vermitteln, wobei der Autor auch Praktika in polizeifremden sozialen Einrichtungen anregt, um das Verständnis für die Lebensrealität betroffener Personen zu erhöhen.
- Quote paper
- Natalie Scholz (Author), 2021, Der polizeiliche Umgang mit Obdachlosen. Vorschläge für eine menschenwürdige Gestaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1256990