Das Portfolio möchte untersuchen, inwiefern die Sprachdiagnostik zur Inklusion von Schülerinnen und Schülern der Grundschule beitragen und welche Impulse sie für die Inklusionsarbeit leisten kann. Hierfür erfolgt in einer Fallstudie die sprachdiagnostische Einstufung eines Kindes der zweiten Klasse. Anhand der Niveaubeschreibung DaZ wird der Sprachstand des Kindes erfasst, seine sprachlichen Stärken und Schwächen untersucht und mögliche Maßnahmen der Sprachförderung vorgeschlagen.
Die Sprache als komplexes System der menschlichen Kommunikation nimmt eine Schlüsselrolle im Bildungs- und Lernprozess der Schülerinnen und Schüler (SuS) ein. Sprachliche Kompetenzen sind die Basis des menschlichen Selbst- und Weltverständnisses und Voraussetzung für seine soziale, ökonomische und politische Teilhabe in der Gesellschaft. Die plurale, heterogene Gesellschaft weist eine enorme sprachliche Vielfalt auf. Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Milieus sehen sich nach wie vor im deutschen Schulsystem bezüglich der sprachlichen Anforderungen benachteiligt. Diese Benachteiligung betrifft insbesondere multilinguale Lernende aus migrantischen Familien, Heranwachsende mit kognitiven Einschränkungen, Lernbehinderungen, anderen Erkrankungen, etc. Laut Steinig und Betzel (2018) nimmt die Sprachkompetenz von Kindern der Primarstufe seit den 1970er Jahren ab.
Als Lösungsansätze gelten die inklusive Bildung und der sprachsensible Fachunterricht. Laut Marlis Giesau und Till Woerfel (2018) beschreibt der Begriff "sprachsensibler Unterricht" Lehrkonzepte, welche die Sprache bewusst als Mittel des Denkens und Kommunizierens“ einsetzen, um „fachliches und sprachliches Lernen zu verknüpfen. Ein wesentliches Element ist die in den Unterricht integrierte, gezielte sprachliche Unterstützung der Schülerinnen und Schüler. Voraussetzung für die individuelle sprachliche Förderung der Kinder ist die Erfassung deren Sprachstandes über sprachdiagnostische Verfahren. Als Beispiel hierfür gilt die Niveaubeschreibung DaZ in der Primarstufe.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundbegriffe
2.1 Sprache als soziale und kulturelle Praxis
2.2 Bildungssprache als Zielkompetenz
2.3 Mehrsprachigkeit in der Schule
2.4 Sprachsensibler Unterricht
2.5 Inklusive Bildung
3 Sprachdiagnostik in der Grundschule
3.1 Funktionen der Sprachdiagnostik
3.2 Arten und Methoden der Sprachdiagnostik
3.3 Qualitätsmerkmale der Sprachdiagnostik
3.4 Niveaubeschreibung DaZ für die Primarstufe
4 Fallstudie
4.1 Forschungsziel
4.2 Fallbeschreibung
4.3 Fallanalyse & Interpretation der Ergebnisse
5 Beitrag der Sprachdiagnostik zur inklusiven Bildung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Portfolio untersucht die Bedeutung der Sprachdiagnostik für die Inklusion von Grundschulkindern sowie deren praktischen Nutzen im Kontext der Inklusionsbegleitung. Anhand einer Fallstudie wird der Sprachstand eines Schülers analysiert, um gezielte Förderimpulse abzuleiten und den Zusammenhang zwischen Sprachstandserhebung und Bildungsgerechtigkeit zu verdeutlichen.
- Grundlagen der sprachlichen Bildung und Mehrsprachigkeit
- Methodik der Sprachdiagnostik (insb. Niveaubeschreibung DaZ)
- Fallbasierte Diagnose von Sprachkompetenzen bei Förderbedarf
- Förderansätze zur Stärkung von Lese- und Schreibkompetenzen
- Sprachdiagnostik als Instrument für inklusive Teilhabe
Auszug aus dem Buch
4.2 Fallbeschreibung
Nun erfolgt eine Beschreibung des vorliegenden Einzelfalls. Wie bereits erläutert, ist der Proband Schüler in der Primarstufe. X wurden eine „Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung” (ADHS) sowie ein „Fetales Alkoholsyndrom” diagnostiziert. Aufgrund der damit einhergehenden Einschränkungen wurde Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung festgestellt. Gemäß der Empfehlung der Kultusministerkonferenz (2000) benötigen Schülerinnen und Schüler, die „Beeinträchtigungen der emotionalen und sozialen Entwicklung, des Erlebens und der Selbststeuerung” aufweisen, sonderpädagogische Förderung,“ [...] wenn sie in ihren Bildungs-, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten so eingeschränkt sind, dass sie im Unterricht der allgemeinen Schule auch mit Hilfe anderer Dienste nicht hinreichend gefördert werden können.” (vgl. KMK 2000, S. 10). Seit fünf Monaten begleite ich X in seinem schulischen Alltag als Inklusionsbegleitung. Die Förderung richtet sich insbesondere auf die „Weiterentwicklung der Fähigkeiten zu emotionalem Erleben und sozialem Handeln.” (vgl. ebd., S. 3). Ziel ist außerdem, die „Wahrnehmung für [das] eigene sowie fremde Empfinden [zu] stärken, [die] Selbststeuerungskräfte [zu] aktivieren und dadurch die Motivation für dauerhafte Veränderungen [zu] unterstützen.” (vgl. ebd.).
Nun erfolgt die präzise Einstufung der Sprachkompetenz des X anhand des Beobachtungsbogens der Niveaubeschreibung DaZ. (vgl. Döll / Reich 2010). Der ausgefüllte Bogen der Niveaubeschreibung DaZ findet sich im Anhang der Arbeit (siehe Anhang Nr. 1). Im ersten Schritt auf wird auf die „Weite der sprachlichen Handlungs- und Verstehensfähigkeit” des X eingegangen. Seine Sprachkompetenz bewegt sich in privaten Gesprächen, also „Konversationen, die der Schüler im Bereich seiner Freizeit führt” auf Niveaustufe IV. Er ist in der Lage, „Informationen und Darstellungen zu bislang unvertrauten Themen” zu verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema Sprache als Schlüsselkompetenz, Darstellung der Relevanz für Bildungserfolge und Skizzierung der Zielsetzung des Portfolios.
2 Theoretische Grundbegriffe: Erörterung der sprachwissenschaftlichen und pädagogischen Kernbegriffe wie Bildungssprache, Mehrsprachigkeit, inklusiver Bildung und sprachsensibler Unterricht.
3 Sprachdiagnostik in der Grundschule: Definition der Ziele und Methoden der Sprachstandsfeststellung sowie Einführung in die Niveaubeschreibung DaZ als spezifisches Diagnoseinstrument.
4 Fallstudie: Detaillierte Durchführung einer Sprachstandsanalyse bei einem 8-jährigen Schüler (X) unter Anwendung der Niveaubeschreibung DaZ und Interpretation der Ergebnisse.
5 Beitrag der Sprachdiagnostik zur inklusiven Bildung: Diskussion darüber, wie Sprachdiagnostik konkret zur pädagogischen Förderplanung innerhalb der Inklusionsbegleitung beitragen kann.
6 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Fragestellung und Reflexion über die Bedeutung der Sprachdiagnostik für Chancengleichheit und individuelle Fördermaßnahmen.
Schlüsselwörter
Sprachdiagnostik, Inklusion, Niveaubeschreibung DaZ, Grundschule, Mehrsprachigkeit, Sprachstandserhebung, Inklusionsbegleitung, Bildungssprache, Sprachförderung, Sprachsensibler Unterricht, Förderbedarf, Sprachkompetenz, ADHS, FASD
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Sprachdiagnostik in der Grundschule als Instrument genutzt werden kann, um Inklusion zu fördern und individuelle Lernbedürfnisse von Schülern besser zu adressieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind Sprachaneignung bei Kindern, die Herausforderungen durch Mehrsprachigkeit, Ansätze der Sprachförderung sowie die methodische Umsetzung der Sprachstandsfeststellung mittels Niveaubeschreibungen DaZ.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt das Ziel zu analysieren, welchen Beitrag die Sprachdiagnostik zur Inklusionsarbeit leisten kann und wie sie genutzt werden kann, um gezielte Impulse für die Sprachförderung eines spezifischen Kindes zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Fallstudie verwendet?
Die Fallstudie nutzt die informelle Methode der „Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache (DaZ) in der Primarstufe“, um ein systematisches Beobachtungsverfahren zur Sprachstandseinstufung des Schülers anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Sprachwissenschaft, Inklusion, etc.) dargelegt. Anschließend folgt eine konkrete Falldokumentation und Analyse der Sprachkompetenzen sowie der daraus resultierenden Fördermaßnahmen für einen Schüler mit ADHS und FASD.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe wie Sprachdiagnostik, Inklusion, Niveaubeschreibung DaZ und individuelle Sprachförderung fassen den inhaltlichen Fokus der Publikation am treffendsten zusammen.
Inwiefern beeinflussen ADHS und FASD die sprachliche Diagnose im Einzelfall?
Die Diagnose zeigt, dass diese Beeinträchtigungen die Konzentrationsfähigkeit und feinmotorische Leistungen mindern, was wiederum spezifische Defizite im Lesen und Schreiben verursacht, die bei der Sprachstandserhebung besonders berücksichtigt werden müssen.
Warum ist eine spielerische Herangehensweise bei der Förderung zentral?
Da der Schüler aufgrund seiner Defizite Schamgefühle entwickelt hat und eine geringe Frustrationstoleranz aufweist, soll durch spielerische und interessengeleitete Aufgaben die Motivation gesteigert und der Leistungsdruck abgebaut werden.
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- Stefanie Schary (Author), 2022, Sprachdiagnostik in der Grundschule. Welche Impulse bietet Sprachdiagnostik für die Inklusionsarbeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1253467