Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem Vergleich zweier Fälle und dem Umgang mit Sterbehilfe in zwei Rechtssystemen innerhalb der Europäischen Union. Zu Beginn wird die Bedeutung der Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes (GG) in Deutschland erläutert, da diese für die Problematik in Hinblick auf Sterbehilfe eine zentrale Rolle spielen. An diese Vorstellung schließt sich das Kemptener-Urteil an, da in diesem ein Prüfungskatalog entwickelt wurde, der die Handhabe mit der Sterbehilfe in Deutschland reguliert. Um einen Vergleich mit den Niederlanden herzustellen, wird der Postma-van Boven-Fall vorgestellt, der als Umbruch bzw. Katalysator im Umgang mit Sterbehilfe in den Niederlanden gilt. Andererseits wird in dieser Arbeit die Gesetzesänderung in den Niederlanden von 2001 in den Fokus gerückt. Den Abschluss bildet eine Miniumfrage, die ein allgemeines Meinungsbild aufzeigt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Artikel 2 II 1 GG
Dilemma
2. Art. 1 GG
3. Art. 2 I GG
4. Das Kemptener-Urteil
5. Postma-van Boven-Fall
6. Das niederländische Gesetz zur Kontrolle der Lebensbeendigung auf Verlangen und der Hilfe bei der Selbsttötung
7. Resümee
8. Umfrage
a) Fragebogen
b) Antworten der Fragen Nr. 2 und Nr. 4
c) Gegenüberstellung der Antworten aus Frage Nr. 2 und Frage Nr. 4
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Ansätze zum Umgang mit Sterbehilfe in Deutschland und den Niederlanden, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen dem Selbstbestimmungsrecht des Patienten und dem staatlichen Schutz des Lebens liegt.
- Vergleich der rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und den Niederlanden
- Analyse der Bedeutung von Art. 1 und Art. 2 des Grundgesetzes für die Sterbehilfe
- Untersuchung des Kemptener-Urteils und dessen Prüfungskatalog
- Evaluation des niederländischen Gesetzes von 2001 zur Lebensbeendigung
- Empirische Untersuchung mittels einer Miniumfrage zum Patientenwillen
Auszug aus dem Buch
Dilemma
Besonders nach der nationalsozialistischen Diktatur wurde der Gesetzgeber dazu veranlasst, den Schutz des Lebens den Rang eines vorrangigen Verfassungsguts zuzusprechen (Jarass 2011: 40). Artikel 2 II GG sichert das Recht eines Jeden auf Leben. Jedoch widersprechen sich die Teilsätze des Art 2 II 1 GG geringfügig. Einerseits garantiert die erste Hälfte das Selbstbestimmungsrecht des Patienten, aber andererseits wird in der anderen Hälfte das Recht auf körperliche Unversehrtheit zugesprochen. Wie kann also sichergestellt werden, dass bei einer aktiven Sterbehilfe das Selbstbestimmungsrecht berücksichtigt wird und nicht im Widerspruch zur körperlichen Unversehrtheit steht?
Dies führt zu einem Dilemma bei Ärzten und Pflegern, da diese dazu verpflichtet sind den Patienten zu helfen und ihnen durch eine medizinische Versorgung eine Behandlung zukommen zu lassen. Dies könnte jedoch dem persönlichen Selbstbestimmungsrecht des Patienten entgegenstehen. Nach diesem muss der Wille des Patienten vorrangig berücksichtig werden und steht somit über der Verpflichtung den Patienten ärztlich zu versorgen (Großkopf 2004: 20ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen für die unterschiedliche Handhabung der Sterbehilfe in Deutschland und den Niederlanden vor.
1. Artikel 2 II 1 GG: Dieses Kapitel erläutert das Grundrecht auf Leben und das damit verbundene Dilemma im Kontext der Sterbehilfe.
2. Art. 1 GG: Es wird die Bedeutung der Menschenwürde als oberster Wert des Grundgesetzes für den Schutz des Individuums dargelegt.
3. Art. 2 I GG: Fokus liegt hier auf der Patientenverfügung und der Rolle von Betreuern bei lebensverlängernden Maßnahmen.
4. Das Kemptener-Urteil: Vorstellung eines wegweisenden Gerichtsurteils, das Kriterien für einen Behandlungsabbruch bei entscheidungsunfähigen Patienten etablierte.
5. Postma-van Boven-Fall: Analyse eines historischen Falles, der als Katalysator für die Liberalisierung des niederländischen Rechts galt.
6. Das niederländische Gesetz zur Kontrolle der Lebensbeendigung auf Verlangen und der Hilfe bei der Selbsttötung: Erörterung der Gesetzesänderung im Jahr 2001 und der damit verbundenen Sorgfaltsanforderungen.
7. Resümee: Zusammenfassung der Ergebnisse und Feststellung, dass trotz der niederländischen Vorreiterrolle keine einheitliche Harmonisierung in den Nachbarländern existiert.
8. Umfrage: Auswertung einer Befragung von 40 Teilnehmern zur persönlichen Einstellung gegenüber der Abschaltung lebenserhaltender Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Grundgesetz, Patientenverfügung, Lebensbeendigung, Menschenwürde, Kemptener-Urteil, Selbstbestimmungsrecht, Sterbehilfe-Gesetz, Niederländisches Recht, Behandlungsabbruch, Ethik, Medizinrecht, Patientenwille, Strafrecht, Euthanasie
Häufig gestellte Fragen
Was ist das übergeordnete Thema dieses Buches?
Die Arbeit befasst sich mit der rechtlichen und ethischen Problematik der Sterbehilfe im direkten Vergleich zwischen Deutschland und den Niederlanden.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind der Schutz des Lebens durch das Grundgesetz, die Rolle der Patientenverfügung und die Entwicklung der Gesetzgebung zur aktiven Sterbehilfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, warum der Umgang mit Sterbehilfe trotz der geografischen Nähe dieser beiden Länder so unterschiedliche Ausprägungen erfahren hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin/der Autor nutzt einen rechtsvergleichenden Ansatz sowie die Analyse von Fallbeispielen und ergänzt diese durch eine primärstatistische Miniumfrage.
Welcher Inhalt wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine juristische Analyse der Artikel 1 und 2 GG, eine Darstellung der Fälle Kemptener-Urteil und Postma-van Boven sowie die Auswertung des niederländischen Gesetzes.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Fachbegriffe sind hierbei das Selbstbestimmungsrecht des Patienten, die Menschenwürde, die aktive Sterbehilfe und die Sorgfaltskriterien für Ärzte.
Warum spielt das Kemptener-Urteil eine so große Rolle?
Es entwickelte einen Prüfungskatalog für den Behandlungsabbruch bei unheilbar Kranken, der auch ohne eine explizite Patientenverfügung eine Handhabe ermöglicht.
Welche Rolle spielt die im Buch durchgeführte Umfrage?
Die Umfrage dient der Meinungsfeststellung in der Bevölkerung und verdeutlicht die Diskrepanz zwischen Entscheidungssicherheit in der Theorie (Wissen) und der emotionalen Belastung in der Praxis (Glauben).
- Quote paper
- Axel Hohlfeld (Author), 2014, Der Umgang mit Sterbehilfe in zwei Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1253186