In der vorliegenden Hausarbeit soll zum einen geprüft werden, ob die brasilianische evangelikale Gemeinde namens Assembleia de Deus – Vitoria em Cristo den evangelikalen Gemeinden zugerechnet werden kann. Hierzu wird das Bebbington Quadrilateral als Maßstab herangezogen, nebst einigen Auszügen aus der Bibel. Damit soll geklärt werden, ob die historischen und biblischen Maßstäbe, die an Gemeinden gesetzt werden. Weiterhin soll der Einfluss des Vorsitzenden anhand der Frame Analyse von Benford und Snow analysiert werden und inwieweit dieser von seiner Gemeinde profitiert. Dazu werden im zweiten Kapitel die entsprechenden theoretischen Ansätze, das Bebbington Quadrilateral und die Frame Analyse beschrieben und erklärt. Das dritte Kapitel widmet sich einer kurzen Beschreibung der Gemeinde und legt einen Fokus auf den öffentlichen Auftritt des Vorsitzenden, Silas Malafaia. Das vierte Kapitel prüft den evangelikalen Status der Gemeinde anhand des theoretischen Rahmens durch Bebbingtons Quadrilateral und das fünfte Kapitel untersucht den gesellschaftlichen Einfluss des Vorsitzenden anhand der Frame Analyse. Im Fazit wird der Fokus ebenfalls auf dem gesellschaftlichen Einfluss durch den Gemeindevorsitzenden Silas Malafaia unter Zuhilfenahme der Gemeinde liegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen: Bebbington Quadrat und Framing Ansatz
2.1 Bebbington Quadrilateral
2.2 Framing Ansatz
3 Assembleia de Deus und Assembleia de Deus Vitoria em Cristo
3.1 Vorsitzender Silas Malafaia
4 Prüfung Gemeinde
5 Gesellschaftlicher Einfluss
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die brasilianische Gemeinde "Assembleia de Deus – Vitoria em Cristo" als evangelikal klassifiziert werden kann und inwiefern ihr Vorsitzender Silas Malafaia durch gezielte Framing-Strategien das Weltbild der Gemeindemitglieder formt und politisch beeinflusst.
- Analyse des evangelikalen Status anhand des Bebbington Quadrilaterals (Konversionismus, Aktivismus, Biblizismus, Kreuzeszentrismus).
- Untersuchung der Rolle von Silas Malafaia als einflussreicher Akteur im brasilianischen religiös-politischen Raum.
- Anwendung des Framing-Ansatzes zur Erforschung der Mobilisierungs- und Einflussmechanismen innerhalb der Gemeinde.
- Kritische Reflexion der Verquickung von religiöser Lehre und konservativer politischer Agenda.
- Betrachtung der Auswirkungen auf die politische Meinungsbildung innerhalb und außerhalb der Kirche.
Auszug aus dem Buch
2.1 Bebbington Quadrilateral
Der Historiker D.W. Bebbington untersuchte die Merkmale des evangelikalen Glauben und veröffentlichte die Erkenntnisse in seinem Buch Evangelicalism in Modern Britain. Dessen Erkenntnisse, welche sich vor allem auf Gemeinsamkeiten von den vielen, verschieden geprägten evangelikalen Gemeinden bezogen, werden weithin akzeptiert und von vielen wissenschaftlichen Texten für weitere Untersuchungen bezüglich des Evangelikalismus genutzt. Diese Gemeinsamkeiten umfassen vier Punkte, welche als Bebbington Quadrilateral bekannt sind. Diese Punkte des Quadrilateral umfassen die Begriffe conversionism, activism, biblicism und crucicentrism, diese Punkte können als Konversionismus, Aktivismus, Biblizismus und Kreuzeszentrismus übersetzt werden und werden im Folgenden weiter ausgeführt (vgl. Harris (2008): 202).
Konversion lässt sich grundsätzlich als Bekehrung oder als Religionswechsel bezeichnen. Bebbington bezeichnet jedoch die reuige Abkehr von Sünde und die Zuwendung zum Glauben und zu Jesus als Konversionismus. Der klassische Ablauf einer solchen Konversion wird als „Wrestling mit Gott, bis dieser Gnade“ walten ließe beschrieben, bis sich „die Wolken öffneten und (ich) Jesus am Kreuz sah“ und dieser Worte direkt in das Herz des Konvertierenden richtete, dass die Sünden vergeben seien, sodass der Konvertit ein freies Herz, keine Schuld mehr vorhanden und die Seele mit Frieden gefüllt sei. Doch nicht nur Herz, Schuld und Seele sind nach der Konversion gereinigt, Evangelikale meinten, dass ein konvertierter Charakter härter arbeiten, Geld sparen und seinen Nachbarn helfen würde (vgl. Bebbington (1989): 5). Doch um die Konversion interessant zu machen, müssen die potenziellen Mitglieder sich um ihr Seelenheil sorgen, die Hölle als Wirklichkeit anerkennen und verstehen, dass Erlösung nur erhalten, nicht erreicht werden kann und dafür Jesus Christus als Retter angenommen werden muss (ebd.: 5f.). Die Konversion ist eine spirituelle Erfahrung, die durchlaufen wird und nach welcher man ein wahrer Evangelikaler ist. Diese Erfahrungen sind transzendent und nicht unbedingt greifbar, verändern den Charakter zum Besseren, befreien von Sünde und erkennen Jesus Christus als Erretter in ihrem Leben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die wachsende Bedeutung evangelikaler Kirchen in Politik und Gesellschaft ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Gemeinde "Assembleia de Deus – Vitoria em Cristo" zu analysieren.
2 Theoretischer Rahmen: Bebbington Quadrat und Framing Ansatz: In diesem Kapitel werden das Bebbington Quadrilateral zur Bestimmung des evangelikalen Status sowie der Framing-Ansatz nach Benford und Snow als Instrument zur Analyse gesellschaftlicher Einflussnahme erläutert.
3 Assembleia de Deus und Assembleia de Deus Vitoria em Cristo: Das Kapitel bietet einen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Gemeinde und beleuchtet detailliert den Werdegang und den öffentlichen Auftritt von Silas Malafaia.
4 Prüfung Gemeinde: Hier wird der evangelikale Status der Gemeinde anhand des theoretischen Rahmens von Bebbington einer empirischen Prüfung unterzogen.
5 Gesellschaftlicher Einfluss: Das Kapitel untersucht anhand des Framing-Ansatzes, wie Silas Malafaia seine Position nutzt, um politische Meinungsbildung zu betreiben und seine Anhänger zu mobilisieren.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die politische Dimension der religiösen Bewegung und reflektiert die damit verbundenen gesellschaftlichen Risiken.
Schlüsselwörter
Assembleia de Deus, Silas Malafaia, Evangelikalismus, Bebbington Quadrilateral, Framing-Ansatz, Brasilien, Politik, Religion, Konversionismus, Aktivismus, Biblizismus, Kreuzeszentrismus, Einflussnahme, Jair Bolsonaro, Mobilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die brasilianische evangelikale Großgemeinde "Assembleia de Deus – Vitoria em Cristo" und analysiert, inwieweit der Vorsitzende Silas Malafaia durch seine Rhetorik und Framing-Strategien das Weltbild seiner Anhänger politisch beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder dieser Studie?
Zentrale Felder sind die evangelikale Identität nach dem Bebbington-Modell, die Rolle von Medien und Fernsehpredigern, die Verflechtung von religiösen Institutionen und konservativer Politik in Brasilien sowie Mechanismen der kollektiven Mobilisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es soll geklärt werden, ob die untersuchte Gemeinde den klassischen evangelikalen Kriterien entspricht und wie der Vorsitzende durch das religiöse "Framing" eine politische Agenda vorantreibt, die insbesondere den Präsidenten Jair Bolsonaro unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt das "Bebbington Quadrilateral" zur theoretischen Einordnung der evangelikalen Glaubenspraxis und den "Framing-Ansatz" (bzw. Frame Alignment Process) nach Benford und Snow, um die Einflussnahme und Mobilisierungsstrategien des Gemeindevorsitzenden zu dekonstruieren.
Was wird primär im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Gemeinde und des Vorsitzenden, die Überprüfung des evangelikalen Status anhand biblischer und theoretischer Maßstäbe sowie die detaillierte Analyse, wie religiöse Diskurse genutzt werden, um politische Meinungen zu prägen und Wähler zu mobilisieren.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind religiöser Framing-Prozess, brasilianischer Evangelikalismus, politische Mobilisierung, religiös-gesellschaftliche Akteure und Machtstrukturen in Megakirchen.
Inwiefern beeinflusst Silas Malafaia explizit das Wahlverhalten seiner Anhänger?
Malafaia nutzt seine Medienpräsenz, um politische Gegner diskreditieren zu lassen und Bolsonaro als Vertreter christlicher Werte darzustellen. Er verknüpft dabei die Ablehnung von Abtreibung oder Homosexualität mit der Notwendigkeit einer spezifischen politischen Stimmabgabe, um die Gläubigen auf seine Linie zu bringen.
Warum wird im Rahmen der Analyse das "Bebbington Quadrilateral" verwendet?
Das Bebbington-Modell dient als objektiver Maßstab, um zu prüfen, ob die Gemeinde Vitoria em Cristo die klassischen Merkmale (Konversionismus, Aktivismus, Biblizismus, Kreuzeszentrismus) erfüllt, wodurch eine wissenschaftliche Klassifizierung ermöglicht wird, anstatt lediglich die Selbstdarstellung der Gemeinde zu reproduzieren.
Welche Rolle spielt die dezentrale Organisationsstruktur der Pfingstkirchen für die Arbeit?
Die dezentrale Struktur erschwert eine einheitliche Bewertung der gesamten Kirche. Dies macht es notwendig, sich auf die Untersuchung des expliziten Einflusses der Hauptfigur Silas Malafaia zu konzentrieren, da dieser die mediale und inhaltliche Ausrichtung seiner Teil-Gemeinde maßgeblich prägt.
Welche Gefahr sieht die Autorin in der Verbindung von Religion und Politik für die brasilianische Bevölkerung?
Die Autorin warnt davor, dass die Instrumentalisierung religiöser Frames zu einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung führt, in der politische Lager emotional aufgeladen werden und religiöse Begriffe genutzt werden, um repressive Politik gegenüber marginalisierten Gruppen zu rechtfertigen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Assembleia de Deus Vitoria em Cristo. Lässt sich die Gemeinde als Evangelikal bezeichnen und inwiefern formt der Vorsitzende das Weltbild der Gemeindemitglieder?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1252930