„Der Boden unter dem Brandenburger Tor ist ein Stück ungarischer Boden“. Mit diesen
Worten würdigte Helmut Kohl am 3. Oktober 1990, dem Tag der deutschen Einheit, die
Ereignisse in Ungarn der Jahre 1988/89. Er will damit ausdrücken, dass die Geschehnisse in
Ungarn den Verfall des „Realsozialismus“ auf deutschem Boden in einer Weise
beschleunigten, die niemand zuvor für möglich gehalten hätte.
Wir wollen in unserer Hausarbeit zeigen, dass Helmut Kohl recht hatte, wenn er Ungarn als
einen wichtigen Faktor für die Hinwendung zur Demokratie in der DDR bezeichnete.
Aber wir wollen auch deutlich machen, dass neben Ungarn vor allem Polen eine wichtige
Rolle für den Umbruch in der DDR spielte.
Unsere zentrale Fragestellung bei der Bearbeitung des Themas war, herauszufinden inwieweit
sich die gesellschaftlichen Veränderungen in Polen und Ungarn auf den Kurs der DDR
auswirkten.
Dabei richten wir unser Hauptaugenmerk auf die Geschehnisse in Polen, da hier die
Quellenlage besonders günstig ist. Wir gehen hierbei besonders auf die Rolle der freien
Gewerkschaft Solidarnosc für den Wandlungsprozess ein.
Im darauffolgenden Teil werden wir die Geschichte der Demokratisierung Ungarns in
zweigeteilter Form darlegen. Als erstes wird aufgezeigt, dass Ungarn nach dem Aufstand von
1956 ein Land war, das unter dem Regierungschef Janos Kadar zu einem reformwilligen Land
innerhalb des Ostblocks wurde. Im zweiten Teil wird dargelegt, warum es trotzdem zu
Problemen auf wirtschaftlicher und politischer Ebene kam, und wie sie gelöst wurden.
Am Schluss unserer Arbeit befassen wir uns mit den Folgen die sich daraus für die DDR
ergaben. Wir wollen dabei die Geschichte bis zum 9. November 1989, dem Fall der Mauer,
rekonstruieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Polen: Von der Volksrepublik zur Republik
2.1. Vom Beginn der Unruhen bis zur Gründung der „Solidarnosc“
2.2. Die „Solidarnosc“ als Vorbereiter der Demokratie
3. Ungarn: Der lange Weg zur Demokratie
3.1. Kadarismus
3.2. Von den Krisenerscheinungen zur Demokratie
4. Die Folgen für die DDR
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss der gesellschaftlichen und politischen Umbrüche in Polen und Ungarn in den Jahren 1988/89 auf die politische Entwicklung und den Kurs der DDR zu analysieren. Die Arbeit untersucht dabei insbesondere die Rolle der Gewerkschaft Solidarnosc sowie die ungarischen Reformprozesse als Katalysatoren für den Zusammenbruch des SED-Regimes und die deutsche Wiedervereinigung.
- Die demokratische Transformation in Polen unter besonderer Berücksichtigung der Gewerkschaft Solidarnosc.
- Die Entwicklung des Kadarismus in Ungarn und der anschließende Übergang zur Demokratie.
- Die Auswirkungen der osteuropäischen Reformbewegungen auf den Kurs der DDR-Führung.
- Die Rolle der Grenzöffnung in Ungarn und der daraus resultierende Druck auf die DDR.
- Der Einfluss der Proteste und die Rolle der Opposition beim Zusammenbruch der SED-Herrschaft.
Auszug aus dem Buch
2.1. Vom Beginn der Unruhen bis zur Gründung der „Solidarnosc“
In der Geschichte des polnischen Kommunismus kam es von Beginn an zu Unruhen, die in fast regelmäßigen Abständen auftraten. Die Phase des Überganges vom sowjetisch geprägten Kommunismus hin zur parlamentarischen Demokratie verlief in Polen, im Gegensatz zu anderen osteuropäischen Ländern, über einen langen Zeitraum.
Bereits kurz nach dem Ausrufen der „Volksrepublik Polen“ durch kommunistische Kräfte im Jahre 1952, kam es zu ersten Unruhen. Durch Konfrontationen mit Lohnsenkungen, Arbeitsnormerhöhungen und Versorgungsmängeln, begannen am 22. Juni 1956 die Arbeiter des Zispo – Werkes in Posen zu streiken. Diesem Streik schlossen sich große Teile der Bevölkerung, darunter auch Teile der Intelligenz, an. Der Ruf nach politischer Freiheit wurde von der polnischen Armee mit dem Einsatz von Waffen niedergeschlagen. Dabei verloren 75 Menschen ihr Leben, 800 wurden zum Teil schwer verletzt.
Nach einer Phase innerer Ruhe, bedingt durch eine Umbesetzung der führenden Positionen innerhalb der Partei, fand am 8. März 1968 eine Studentendemonstration in Warschau statt. Diese Demonstrationen war eine Reaktion auf den „Prager Frühling“ und den aufkommenden Antisemitismus in Polen. Sie wurde von den Sicherheitsorganen aufgelöst.
Aufgrund von Preiserhöhungen im Lebensmittelbereich, die sich auf Missernten in den beiden vorangegangen Jahren zurückführen lassen, sank der ohnehin geringe Lebensstandard weiter ab. Daraufhin gingen am 14. Dezember 1970 in mehreren Industriestädten, allen voran in Danzig, die Arbeiter auf die Strasse. Infolge der Erschießung einer Frau während der Demonstration eskalierte die Lage, es begannen Übergriffe auf Parteihäuser und Geschäfte wurden geplündert. Die Unruhen mussten schnell niedergeschlagen werden, da sonst eine Intervention durch Sowjettruppen- wie 2 Jahre zuvor in Prag- sehr wahrscheinlich gewesen wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Fragestellung vor, inwieweit die gesellschaftlichen Veränderungen in Polen und Ungarn den Kurs der DDR beeinflussten, und ordnet die Bedeutung der Ereignisse historisch ein.
2. Polen: Von der Volksrepublik zur Republik: Dieses Kapitel analysiert die Geschichte der polnischen Unruhen seit den 1950er Jahren und die zentrale Bedeutung der Gewerkschaft Solidarnosc im Transformationsprozess.
3. Ungarn: Der lange Weg zur Demokratie: Der Text beschreibt die Entstehung des Kadarismus sowie die stufenweise Umwandlung der Diktatur hin zu einer parlamentarischen Demokratie durch interne Reformen.
4. Die Folgen für die DDR: Hier wird der Reformunwille der DDR-Führung kontrastiert mit dem steigenden Veränderungsdruck durch die Fluchtbewegungen und die systemischen Krisen in Osteuropa.
5. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass die ungarische Grenzöffnung und die polnischen Reformen entscheidende Faktoren für das Ende des SED-Regimes und die deutsche Wiedervereinigung waren.
Schlüsselwörter
Polen, Ungarn, DDR, Kommunismus, Solidarnosc, Demokratisierung, Reformprozess, SED, Mauerfall, Wiedervereinigung, Gorbatschow, Wirtschaftsreformen, Regimekritik, Ostblock, Runder Tisch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Krise des Kommunismus in Ostmitteleuropa und deren direkte Auswirkungen auf den politischen Kurs der DDR zwischen 1988 und 1990.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf den Transformationsprozessen in Polen und Ungarn sowie deren Rolle als Katalysator für die friedliche Revolution in der DDR.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autoren gehen der Frage nach, inwieweit die gesellschaftlichen Umbrüche in Polen und Ungarn den Kurs der DDR-Führung beeinflussten und den Mauerfall mit herbeiführten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Fachliteratur und der Rekonstruktion historischer Ereignisse basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der polnischen Oppositionsgeschichte, der ungarischen Reformmodelle unter Kadar sowie der spezifischen politischen und wirtschaftlichen Situation der DDR.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Solidarnosc, Kadarismus, Systemtransformation, innerdeutsche Wiedervereinigung und der Zerfall des Ostblocks.
Welche Rolle spielte die katholische Kirche in den polnischen Ereignissen?
Die Kirche fungierte als wichtige Rückendeckung für die Streikbewegung und vermittelte in entscheidenden Verhandlungsphasen zwischen der Regierung und der Opposition.
Warum war die Öffnung der ungarischen Grenze im Jahr 1989 so entscheidend?
Die Öffnung des Eisernen Vorhangs gegenüber Österreich schuf für DDR-Bürger erstmals eine reale Fluchtmöglichkeit und löste eine Kettenreaktion aus, die den Reformunwillen der SED politisch unhaltbar machte.
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- Mathias Dittrich (Autor:in), Robert Küster (Autor:in), 2003, Die politischen Umbrüche in Polen und in Ungarn 1988/89 und deren Folgen für den Kurs der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/12526