Zu Beginn möchte ich die Fragen aufwerfen: Handeln wir denn ethisch sinnvoll, wenn wir uns das Ziel setzen, maximalen Gewinn erreichen zu wollen oder unseren Profit zu maximieren versuchen, falls wir in der Kapitalistischen Marktwirtschaft überleben wollen? Kann der ehrliche Umgang miteinander zu Offenheit und Vertrauen zwischen den Partnern führen? Kann so eine positive Atmosphäre entstehen, die mehr Raum für Innovationen schafft. “Wird die neue Finanzkrise uns die Augen öffnen und uns zu mehr ethischem Handeln nötigen“, von dem bisher nicht einmal die Rede war? Werden Änderungen in Gesetzen oder aber in der Politik ausreichen, um zu erreichen, dass die bis jetzt in den Köpfen der Menschen weitverbreiteten Wurzeln des Kapitalismus sich zurückentwickeln? Wie erwirbt man ethisches Können nicht nur im Sinne von Wissen, sondern von ethisch reflektiertem unternehmerischem Handeln? In dieser Hinsicht konzentrieren wir uns auf die Fragen, was praktisch funktioniert und was nicht – insbesondere in einer Zeit der wirtschaftlichen Umstellung von einer Industrie- zu einerunternehmerischen „Wissensgesellschaft“; gemeint ist eine in der Theorie konstruierte Wirklichkeit; denn ohne Einsicht und Instrumentarium der Theorie hängt..
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Märkte in ethischer Perspektive
3. Theorie des Marktes
3.1 Gewinnprinzip, Ökonomie und Ethik
4. Marktwirtschaftliche Ansätze
4.1 Unternehmensethik
4.2 Handlungsorientierte funktionalistischer Wirtschaftsethik
5. Aufgabenverteilung und Richtlinien der Ethik
5.1 Unternehmensethik in der Praxis
5.2 Verwirklichung von Ethischen Aspekten
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Gewinnmaximierung und moralisch-ethischem Handeln in der modernen Marktwirtschaft, mit dem Ziel zu erörtern, unter welchen Bedingungen verantwortungsvolles Unternehmertum möglich und dauerhaft umsetzbar ist.
- Grundlagen der Unternehmensethik im Kontext der Marktwirtschaft
- Analyse funktionalistischer und integrativer Ethik-Ansätze
- Die Rolle von NGOs und externem Druck bei der Verhaltensänderung von Unternehmen
- Verantwortungsübernahme und Richtlinien zur Implementierung ethischer Standards
- Wirkungsweise von Anreizsystemen und staatlicher Regulierung
Auszug aus dem Buch
4.2 Handlungsorientierte funktionalistischer Wirtschaftsethik
Im Hinblick auf den funktionalistischen Ansatz der Unternehmensethik spielen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) eine wichtige Rolle: Organisationen, wie ,,Greenpeace“ und ,,Amnesty International“ verfügen über die nötigen organisatorischen und finanziellen Strukturen, vor allem aber über das richtige Medienecho, um Missstände aufzuzeigen und Protestaktionen Nachdruck zu verleihen. So nutzen beispielsweise Aktivisten die Rufschädigung von Konzernen als regelmäßige Waffe. Der typische Verlauf einer Protestaktion – vom Medienrummel bis zum Verbraucherboykott – ist der Anfang einer Vielzahl von Folgen, die bei Unternehmen Angst auslösen: Nachlassendes Engagement der Mitarbeiter, die sich von ihrem Arbeitgeber distanzieren, vielversprechende Nachwuchskandidaten können nicht mehr für ein Unternehmen geworben werden, Politiker werden misstrauisch, Gerichtsprozesse kommen in Gang und lösen eine Lawine von Kosten und ausbleibenden Einnahmen aus, die selbst mächtige Konzerne stark belasten können, usw.
Wenn Unternehmungen durch zweifelhaftes Handeln ihren guten Ruf gefährden, dann kündigen sowohl Kunden als auch Mitarbeiter innerlich oder äußerlich. Manager haben eben diese Konfliktsituationen erkannt und versuchen, strategisch gegenzusteuern. Ethisches Wirtschaften oder zumindest der Ruf dessen wird zur Gewinnerzielungsstrategie, deren Erfolg direkt in Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen gemessen werden kann. Moral kommt einer Investition in die langfristige Sicherung der Marktposition einer Firma gleich.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die grundsätzliche Frage, ob ethisches Handeln in einer gewinnorientierten kapitalistischen Marktwirtschaft überhaupt möglich ist.
2. Märkte in ethischer Perspektive: Dieses Kapitel erläutert die Verbindung von Moral und Ethik und diskutiert den Zielkonflikt zwischen ökonomischem Gewinnstreben und moralischer Verantwortung.
3. Theorie des Marktes: Es wird analysiert, wie das ökonomische Modell des vollkommenen Marktes auf Unternehmen wirkt und warum strategische Entscheidungen über rein automatisierte Prozesse hinausgehen.
4. Marktwirtschaftliche Ansätze: Das Kapitel differenziert zwischen verschiedenen Ansätzen der Unternehmensethik, insbesondere dem funktionalistischen Ansatz, der Moral als Instrument begreift.
5. Aufgabenverteilung und Richtlinien der Ethik: Hier wird untersucht, wie Unternehmen durch interne Kodizes und Verantwortungsstrukturen ethische Standards etablieren und diese in der Praxis umsetzen können.
6. Fazit: Das Fazit schlussfolgert, dass eine echte Verankerung von Ethik im Unternehmen notwendig ist, um über kurzfristige strategische "Scheinethik" hinauszugehen.
Schlüsselwörter
Unternehmensethik, Marktwirtschaft, Gewinnmaximierung, Wirtschaftsordnung, Verantwortung, Moral, instrumentalistische Ethik, Compliance, Stakeholder, externe Effekte, Ethikkodizes, Nachhaltigkeit, unternehmerisches Handeln, Wettbewerb, Unternehmensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die theoretische und praktische Vereinbarkeit von ethischem Anspruch und ökonomischem Gewinnstreben in kapitalistischen Strukturen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den verschiedenen Ausprägungen der Unternehmensethik, dem Umgang mit externen Effekten sowie der Rolle von Unternehmensrichtlinien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Unternehmen den Konflikt zwischen Profitmaximierung und moralischer Verantwortung lösen können, ohne ihre Marktposition zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methodik findet Anwendung?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auseinandersetzung mit ökonomischer Fachliteratur und der Auswertung bestehender wirtschaftsethischer Ansätze basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Differenzierung von Unternehmensethik-Ansätzen, der Bedeutung von NGOs als Kontrollinstanzen und der Implementierung von ethischen Standards in internen Unternehmensstrukturen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Unternehmensethik, gesellschaftliche Verantwortung, Gewinnprinzip und marktgesteuerte Ethik charakterisieren.
Wie unterscheidet der Autor zwischen echter Ethik und rein strategischem Handeln?
Der Autor unterscheidet zwischen der "instrumentalistischen Scheinethik", die nur auf ökonomische Vorteile abzielt, und einem integrativen Verständnis, das moralische Werte unabhängig vom kurzfristigen Nutzen verfolgt.
Welche Bedeutung haben externe Akteure wie NGOs für die Moral von Unternehmen?
NGOs fungieren laut der Arbeit als wichtige Korrektive, die durch Medienecho und öffentliches Bewusstsein den Druck auf Unternehmen erhöhen, ihr Handeln ethisch zu reflektieren.
- Quote paper
- Kutman Cagkan Ceseroglu (Author), 2009, Moral und Ethik der Marktwirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/125113