Die vorliegende Darstellung hat den Ostrakismos des Hyperbolos um 416 v. Chr. zum Gegenstand.
Mit Plutarch, als unsere Hauptquelle ist zwar eine vergleichsweise ausführliche Darlegung der Gründe, warum es zu einem Ostrakismos kam und unter welchen Umständen dieser ablief, gegeben, doch liegt seiner Darstellung das Problem verschiedener Versionen zugrunde. Neben Plutarch sind des vor allem die Komödiendichtungen (Aristophanes und Platon), die uns ein Bild von Hyperbolos geben. Thukydides’ Beitrag hierzu ist knapp, bietet aber für zusammenhängende Dinge aufschlussreiches.
Aufschlussreiche Informationen geben auch die gefundenen Scherben her. Dadurch lässt sich die breite Palette an beteiligten Personen herauslesen, was ferner Indizien für die Abschätzung der Größenordnung einer Stimmenmehrheit bereithält.
Die Arbeit will im wesentlichen vier Akzente setzen:
(1) Zunächst sind Ausführungen zu Hintergrund und Ablauf der Ostrakophorie des Hyperbolos unerlässlich.
(2) Im Weiteren erfolgt eine Einschätzung der potentiellen „Kandidaten“; die Kennzeichnung deren politische Motivierungen trägt mit dazu bei, die näheren Umstände zu erhellen und ursächliche Spuren aufzudecken, die zu Klärung der Fragen beitragen, weshalb es zu einem Ostrakismos kam, warum es Hyperbolos traf und im weiteren Sinne warum dies der vermeintlich letzte Ostrakismos gewesen war.
(3) Diesem Verständnis nach wird ein Licht geworfen auf die enge Verzahnung von Politik und Gesellschaft Athens in dieser Zeit. So wird die von Plutarch genannte Vereinigung der Anhängerschaften von Alkibiades und Nikias bzw. (nach der anderen Version von Plutarch) Phaiax auf ihre Bedeutung für den politischen Entscheidungsprozess bei der Ostrakisierung hin untersucht. Es ist dabei zu hinterfragen, wieweit von einer Beurteilung der Anhängerschaften als organisierte politische Gruppierungen die Rede sein kann, welche die Entscheidung bei der Ostrakophorie zu ihren Gunsten herbeiführen konnten, d.h. eine Stimmenakkumulation zu bewirken, die mehrheitlich gegen Hyperbolos gerichtet waren.
(4) Schließlich soll deutlich gemacht werden, dass der Ostrakismos als politische Institution bedeutungsrelevante Bezüge für das Selbstverständnis der athenischen Demokratie bereithält. Diese Bedeutungsmuster werden durch die Herausschälung der Ursachen, warum nach Hyperbolos niemand mehr ostrakisiert wurde – der Ostrakismos wurde formell nicht abgeschafft – offen gelegt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Ablauf und Hintergrund der Ostrakophorie des Hyperbolos
II. Die potentiellen „Kandidaten“
III. Die Kampagne gegen Hyperbolos
IV. Die letzten Scherben – Zur Bedeutung des Ostrakismos als politische Institution für die athenische Demokratie
Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den historischen Kontext, die Hintergründe sowie die politische Bedeutung des Ostrakismos des Hyperbolos um 416 v. Chr. im Kontext der athenischen Demokratie und untersucht dabei die Rolle von politischen Gruppierungen, die Problematik der Quellenlage sowie die Frage, warum dieses Ereignis als letzter durchgeführter Ostrakismos gilt.
- Historische Einordnung des Ostrakismos von Hyperbolos
- Analyse der Akteure (Alkibiades, Nikias, Phaiax, Hyperbolos)
- Untersuchung der politischen Organisiertheit (Hetairien)
- Funktionswandel und Bedeutung des Ostrakismos für die Demokratie
- Kritische Quellenbewertung (Plutarch, Thukydides, Ostraka)
Auszug aus dem Buch
Die potentiellen „Kandidaten“
Die Funde von Tonscherben, die als Stimmsteine der Ostrakophorie des Hyperbolos zugewiesen werden konnten, haben darüber Aufschluss gegeben, dass es bei der Ostrakisierung des Hyperbolos um eine relativ große Anzahl von „Anwärtern“ für die Ostrakophorie gehandelt haben muss. Als sicher zugeschriebene „Kandidaten“ können ausgemacht werden: Hyperbolos (mit 3 gefundenen Ostraka), Alkibiades (5 Ostraka), Nikias (1 Ostrakon), Phaiax (5 Ostraka), Kleophon (8 Ostraka), Hippokles (3 Ostraka) und Philinos (1 Ostrakon).
Ins Auge fällt die relativ hohe Zahl von Ostraka für Kleophon und Phaiax, sowie die nur eine für Nikias gefundene Ostraka. Doch sollte man hieraus nicht den Schluss ziehen, den Beteiligten des Ostrakismos politische Bedeutsamkeit bzw. Unbedeutsamkeit zuzuschreiben. Die Ostraka erfüllen in dieser Hinsicht keinen Anspruch auf Repräsentativität.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt den Ostrakismos des Hyperbolos um 416 v. Chr. vor, benennt die zentralen Quellen wie Plutarch und Thukydides und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Hintergründe und Auswirkungen dieses Verfahrens zu untersuchen.
I. Ablauf und Hintergrund der Ostrakophorie des Hyperbolos: Dieses Kapitel erörtert die zeitliche Einordnung und die politische Ausgangslage, geprägt durch die Rivalität zwischen Alkibiades und Nikias, und hinterfragt die Urheberschaft der Initiative.
II. Die potentiellen „Kandidaten“: Hier werden die durch Ostraka-Funde identifizierten Kandidaten analysiert und die sozioökonomische Herkunft des Hyperbolos in den Kontext der politischen Entwicklung Athens gesetzt.
III. Die Kampagne gegen Hyperbolos: Das Kapitel untersucht die Möglichkeit organisierter politischer Kampagnen durch Hetairien und reflektiert die Plausibilität einer Manipulation der Abstimmungsergebnisse.
IV. Die letzten Scherben – Zur Bedeutung des Ostrakismos als politische Institution für die athenische Demokratie: Dieses Kapitel analysiert, warum das Verfahren nach Hyperbolos nicht mehr angewandt wurde und welche strukturellen Funktionsverluste dies für die athenische Demokratie bedeutete.
Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtungen fassen zusammen, dass der Ostrakismos des Hyperbolos als Symptom einer Krise der athenischen Demokratie zu verstehen ist, ausgelöst durch Veränderungen in der politischen Landschaft nach Perikles' Tod.
Schlüsselwörter
Ostrakismos, Hyperbolos, Athen, Demokratie, Alkibiades, Nikias, Scherbengericht, Politische Institution, Hetairien, Antike Politik, Ostraka, Phaiax, Demagogie, Funktionswandel, Antikes Griechenland
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Ereignis des Ostrakismos des Hyperbolos um 416 v. Chr. und dessen Rolle als letztem durchgeführten Scherbengericht in Athen.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die politische Situation im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr., die Rivalitäten zwischen führenden Politikern, die Bedeutung politischer Gruppierungen sowie der Funktionsverlust des Ostrakismos.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Umstände der Verbannung des Hyperbolos aufzuklären und zu ergründen, warum dieser Ostrakismos eine Zäsur darstellte und den institutionellen Niedergang des Scherbengerichts einleitete.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse, indem sie antike literarische Zeugnisse (insb. Plutarch und Thukydides) mit archäologischen Befunden (Tonscherben/Ostraka) vergleicht und in den zeitgenössischen Forschungskontext einordnet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Ablaufs, die Identifikation der politischen Akteure, die Analyse möglicher Manipulationsmethoden bei der Abstimmung sowie die Bedeutung des Ostrakismos für das athenische Selbstverständnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen den Ostrakismos, den Akteur Hyperbolos, die athenische Demokratie, politische Hetairien, Ostraka und die Transformation der politischen Landschaft nach Perikles.
Warum wird die Rolle der Hetairien als kritisch diskutiert?
Obwohl Plutarch von einer gezielten Beeinflussung durch organisierte Gruppen spricht, mangelt es an direkten Beweisen in anderen Quellen, weshalb die tatsächliche Organisiertheit dieser politischen Klubs in der Forschung debattiert wird.
Inwiefern beeinflusste die Außenpolitik den Ostrakismos?
Die Arbeit legt dar, dass die Pattsituation zwischen Alkibiades' aggressiver antispartanischer Politik und Nikias' friedensorientierter Haltung wesentlich dazu beitrug, dass ein Scherbengericht einberufen wurde, um eine Richtungsentscheidung herbeizuführen.
Warum wird der Ostrakismos des Hyperbolos als „letzter“ bezeichnet?
Nach Plutarch wurde das Verfahren wegen der „Unwürdigkeit“ des Hyperbolos, der nicht der traditionellen Elite angehörte, praktisch eingestellt, obwohl die Institution formal nicht abgeschafft wurde.
- Arbeit zitieren
- Student David Honka (Autor:in), 2006, Der Ostrakismos des Hyperbolos ca. 416 v. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/124923