Die vorliegende Hausarbeit widmet sich der Fragestellung, worum es bei der Verschmelzungspolitik Alexanders des Großen ging. Darüber hinaus findet eine Abgrenzung der Handlungen gegenüber charakteristischen Merkmalen einer Eroberung statt. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der genaueren Auseinandersetzung mit der Massenhochzeit von Susa und ihrem Stellenwert in der Politik Alexanders. Darüber hinaus wird versucht, die Frage zu klären, ob es sich bei der Massenhochzeit von Susa um ein Element der Verschmelzungspolitik Alexanders des Großen handelt oder diese nur eine simple Maßnahme der Solidarisierung zwischen makedonischer und persischer Oberschicht darstellte.
Um den Begriff der Verschmelzungspolitik genauer zu erläutern, wird im ersten Abschnitt eine Begriffserklärung versucht. Darauf aufbauend erfolgt eine Einordnung der spezifischen Merkmale, solch einer Politik unter Zuhilfenahme des Definitionsansatzes von Helmut Berve. Darüber hinaus wird in diesem eine Abgrenzung zu bekannten Eroberungspolitiken unternommen. Der folgende Abschnitt setzt sich mit den Abläufen sowie Gründen der Massenhochzeitauseinander. Wofür zunächst der grobe Ablauf geschildert wird sowie weitere grundlegende Ereignisse, welche im unmittelbaren Zusammenhang mit dieser stehen, angeführt werden. Ebenfalls werden die Ereignisse kurz nach dem Tod Alexanders mit Hinsicht auf die dort geschlossenen Ehen angeschnitten. Daraufhin folgt im Abschnitt 3.1. eine genauere Auseinandersetzung mit den Überlieferungen der Hochzeit aus den Primärquellen. Dabei werden Unterschiede in den Quellen genauer herausgestellt, um einen kurzen Vergleich dieser anzustreben. Abschnitt 3.2. schließt an den vorherigen an und analysiert die verschiedenen Frauen, die Alexander laut den Primärquellen in Susa geehelicht haben soll. Darauffolgend werden zunächst verschiedene Elemente der Massenhochzeit von Susa mit Hinsicht auf die Verschmelzungspolitik herausgearbeitet. Darüber hinaus werden zwei mögliche Ansichten begründet und ausgeführt. Abschließend werden im Schlusswort noch einmal einige Aspekte der Arbeit herausgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Verschmelzungspolitik nach Helmut Berve
3. Die Massenhochzeit von Susa – Ablauf und Gründe
3.1. Unterschiede in den Überlieferungen der Massenhochzeit von Susa – Vergleich der Primärquellen
3.2. Wer waren die in den antiken Quellen angeführten Ehefrauen Alexanders – welche Schicksale ereilten sie
3.3. Die Massenhochzeit von Susa – Höhepunkt der Verschmelzungspolitik oder nur eine reine Solidarisierungsmaßnahme?
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die als "Verschmelzungspolitik" bezeichneten Bestrebungen Alexander des Großen, mit besonderem Fokus auf die Massenhochzeit von Susa, um zu klären, ob es sich dabei um eine strukturierte politische Strategie oder eine rein pragmatische Solidarisierungsmaßnahme handelte.
- Analyse des Begriffs der Verschmelzungspolitik nach Helmut Berve
- Vergleichende Untersuchung antiker Primärquellen zur Massenhochzeit von Susa
- Historische Einordnung der Ehefrauen Alexanders und deren Schicksale
- Diskussion der Massenhochzeit als Instrument kultureller Integration oder politischer Absicherung
Auszug aus dem Buch
3.3. Die Massenhochzeit von Susa – Höhepunkt der Verschmelzungspolitik oder nur eine reine Solidarisierungsmaßnahme?
„When men hunt wild animals, they put on the skin of deer, and when they go to catch birds, they dress in tunics adorned with plumnes and feathers […].”
Diesen Vergleich zog Plutarch zu Alexanders strategischen Umgang mit den persischen Barbaren. Alexander passte sich ihnen an, stieß ihnen nicht vor den Kopf, sondern arbeitete in ihrer Art und Weise auf sein Ziel hinaus, die Zusammenführung beider Elemente. Eine weitere Versinnbildlichung finde sich auf dem angeblichen Alexandersarkophag (Abb. 2. Alexandersarkophag Langseite B – Löwenjagd). Die dort abgebildeten Jäger lassen sich als Makedonen, Griechen und Perser ausmachen, welche gemeinsam die Löwenjagd begehen. Die verschiedenen Elemente aus persischer „barbarität“ und makedonisch - griechischer Art vereinen sich dort zu einem Team, welches ohne Abstufungen zusammen gegen die Könige der Tiere agiert. Es ist kein Unterschied zwischen Besiegten oder Siegern zu erahnen, alle jagen gemeinsam. Zusammen erheben sie sich selbst über die „Könige“ der Tiere und versinnbildlichen so ihre gemeinsame Herrscherposition.
Solch symbolträchtige Handlungen finden auch in Susa ihren Platz. Abermals wendete Alexander bei der Massenhochzeit seine Strategie der vorsichtigen Umgewöhnung an. Wie der Jäger passte er sich durch verschiedene persische Elemente den Ansprüchen der Bevölkerung an. Im Gegensatz zu herkömmlichen Vorgehensweisen der Besetzungspolitik überfiel der Großkönig das Volk nicht direkt mit seinen makedonischen Gepflogenheiten, sondern führte eine Verschmelzung der orientalischen Art durch. Beispielhaft für dieses Vorgehen war Alexanders religiöse Akzeptanz sowie Bereitwilligkeit, die Hochzeitszeremonie nach persischem Ritus zu begehen, unter der Bereitschaft, in einen schweren Konflikt mit seinem eigenen Volk zu geraten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Verschmelzungspolitik Alexander des Großen ein, stellt die Forschungsfrage zum Stellenwert der Massenhochzeit von Susa und erläutert die methodische Herangehensweise.
2. Der Begriff Verschmelzungspolitik nach Helmut Berve: Dieses Kapitel definiert Verschmelzungspolitik anhand der Ansätze von Helmut Berve und grenzt Alexanders Handeln von konventionellen Eroberungsmethoden ab.
3. Die Massenhochzeit von Susa – Ablauf und Gründe: Das Hauptkapitel behandelt den Ablauf des Festes, die Motivationen Alexanders und analysiert die verschiedenen Aspekte der Integration.
3.1. Unterschiede in den Überlieferungen der Massenhochzeit von Susa – Vergleich der Primärquellen: Dieser Abschnitt vergleicht kritisch die Berichte antiker Autoren wie Arrian, Plutarch und Justin im Hinblick auf die Massenhochzeit.
3.2. Wer waren die in den antiken Quellen angeführten Ehefrauen Alexanders – welche Schicksale ereilten sie: Eine Analyse der in den Quellen genannten Frauen Alexanders, sowie der historischen Kontroversen um deren Identität und Schicksal.
3.3. Die Massenhochzeit von Susa – Höhepunkt der Verschmelzungspolitik oder nur eine reine Solidarisierungsmaßnahme?: Eine Diskussion darüber, ob die Massenhochzeit gezielter Ausdruck einer Verschmelzungspolitik war oder eine rein pragmatische politische Maßnahme zur Stabilisierung darstellte.
4. Schlusswort: Das Schlusswort führt die Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass die Verschmelzungspolitik kein fertiger Plan war, sondern eine sich entwickelnde Strategie, deren Erfolg durch Alexanders frühen Tod limitiert wurde.
Schlüsselwörter
Alexander der Große, Massenhochzeit von Susa, Verschmelzungspolitik, Helmut Berve, Antike Quellen, Arrian, Plutarch, Integration, Makedonen, Perser, Hephaistion, Barsine, Stateira, Herrschaftselite, Kulturtransfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Politik Alexander des Großen gegenüber den eroberten Gebieten, explizit die sogenannte Verschmelzungspolitik, am konkreten Beispiel der Massenhochzeit von Susa.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Definition der Verschmelzungspolitik, der historische Vergleich antiker Quellenberichte, die Analyse der Hochzeitsereignisse sowie die Rolle der beteiligten Akteure und deren Schicksale.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Charakter der Verschmelzungspolitik zu ergründen und zu klären, ob die Massenhochzeit von Susa ein strategischer Höhepunkt dieser Politik oder lediglich eine pragmatische Solidarisierungsmaßnahme war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse und vergleicht antike Berichte (darunter Arrian, Plutarch und Justin), um die Ereignisse und Hintergründe der Politik Alexanders zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, eine detaillierte Aufarbeitung der Überlieferungsunterschiede zu Susa, die biographische und schicksalshafte Betrachtung der beteiligten Frauen sowie eine Diskussion der Intentionen hinter dem Fest.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Alexander der Große, Verschmelzungspolitik, Massenhochzeit, Integration, antike Historiographie und Machtpolitik.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Hephaistion im Kontext der Massenhochzeit?
Hephaistion wird als eine Schlüsselperson hervorgehoben, der durch die Heirat mit einer Tochter Dareios III. eine besondere Verbindung zum Großkönig aufbaute und sich somit als zweiter Mann im Reich etablierte.
Welcher Stellenwert wird dem Alexandersarkophag in der Beweisführung beigemessen?
Der Sarkophag (insbesondere die Löwenjagdszene) dient als visuelle Quelle für die symbolische Darstellung der Zusammenarbeit und Verschmelzung von Makedonen, Griechen und Persern als gemeinsame Elite.
Warum bleibt die Identität der Ehefrauen laut Autorin so umstritten?
Die Kontroverse entsteht durch widersprüchliche oder unpräzise Angaben bei antiken Quellen wie Arrian, Justin und Plutarch, was zu einer schwierigen Faktenlage führt, die keine abschließende Identifizierung erlaubt.
- Quote paper
- Jolie-Rahel Wadephul (Author), 2021, Die Verschmelzungspolitik Alexanders des Großen am Beispiel der Massenhochzeit von Susa, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1245780