Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Erzählungen im Kontext professioneller Konfliktbearbeitung eingesetzt werden können.
Dazu wird zunächst erläutert, welche grundlegenden Funktionen das Erzählen für Menschen erfüllt, um anschließend die Wirkungen zu untersuchen, die Erzählungen auf Menschen haben. Auf dieser Grundlage werden die möglichen Wirkungen im Feld der Konfliktbearbeitung, besonders in der Mediation, vorgestellt, um abschließend Hinweise für den Einsatz in der Praxis zu geben.
In der Sozialen Arbeit haben wir es immer wieder mit Konflikten zu tun. Innere Konflikte, Konflikte unter Kolleg:innen, unter Klient:innen, zwischen Sozialarbeitenden, Konflikte mit Behörden – all das gehört zum Alltag in den meisten sozialarbeiterischen Kontexten.
Überall dort, wo wir als Sozialarbeitende professionell in Konflikte Anderer eingreifen müssen, hat sich Mediation als Methode bewährt, weil sie durch die Grundprinzipien der Freiwilligkeit und der Eigenverantwortung besonders gut modernen sozialarbeiterischen Konzepten entspricht.
Herzstück der Mediation ist die Idee, dass die Klient:innen beziehungsweise Konfliktparteien grundsätzlich selbst in der Lage sind, ihren Konflikt zu lösen, und dass sie den Weg, der aus diesem Konflikt herausführt, selbst finden müssen. Der*die Mediator:in hilft lediglich, diesen Weg zu entdecken. In Konflikten, die ohne Hilfe von außen nicht oder nur sehr beschwerlich gelöst werden können, sind oft die Positionen und Perspektiven der Parteien sehr verfestigt, ihre bewährten Lösungsstrategien offenbar bisher nicht geeignet gewesen, die Fronten verhärtet.
Es müssen ganz neue Wege gegangen werden, die die Beteiligten zuerst finden, beziehungsweise entwickeln müssen. Hier setzt die Mediation an, indem sie die Konfliktparteien anregt, die Perspektive der anderen Seite zu verstehen oder auch, den Konflikt aus einer völlig anderen Perspektive zu sehen. Dabei können Geschichten helfen, weil sie zum Beispiel eine Problematik vereinfachen und in einen anderen Kontext setzen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
1. Der erzählende Mensch
1.1. Konflikte als Erzählungen
2. Erzählungen in der Konfliktlösung
2.1. Wie Erzählen wirken kann
Eine positive Atmosphäre schaffen
Mut machen
Die Bewertung ändern
Mit anderen Augen sehen
Die Dinge einfacher machen
Distanz schaffen
Eine gemeinsame Sprache finden
Eine gemeinsame Geschichte erzählen
2.2 Erzählen in der Praxis
3. Fazit
4. Wissenschaftliche Selbstreflexion
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Erzählungen als methodisches Werkzeug innerhalb der professionellen Konfliktlösung, insbesondere im Kontext der Mediation, um festgefahrene Perspektiven zu lockern und konstruktive Lösungswege zu ermöglichen.
- Wirkungsweisen von Erzählungen auf die menschliche Kognition und soziale Bindungen.
- Einsatz von Storytelling zur Schaffung einer kooperativen Konfliktatmosphäre.
- Techniken wie Reframing und Distanzierung durch narrative Ansätze.
- Anwendung von Metaphern und Geschichten in praktischen Mediationsphasen.
- Reflexion des narrativen Ansatzes im Vergleich zur klassischen Mediationspraxis.
Auszug aus dem Buch
Die Bewertung ändern
Eine Methode, die in sozialarbeiterischen Beratung ebenso angewandt wird, wie in der Mediation, ist das Reframing. Hierbei wird das Gesagte einer Partei aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, sodass es eine andere Bewertung erhält. Ereignisse, die negativ bewertet wurden, können durch die neue Betrachtungsweise jetzt positiv gesehen werden. Wenn z.B. eine der Konfliktparteien (A) während eines Streits plötzlich den Raum verlassen hat, so ist das von der anderen Partei (B) vielleicht derart gedeutet worden, dass A sich der Auseinandersetzung entzieht. Eine andere Betrachtungsweise wäre, dass A gegangen ist, um sich selbst und die Situation zu beruhigen, damit der Streit nicht weiter eskaliert. Aus einer Verhaltensweise, die die Auseinandersetzung und somit auch eine Lösung verhindert, ist eine geworden, die deutlich konstruktiv ist – ohne, dass die Situation (A verlässt währende Streits mit B plötzlich den Raum) eine andere wäre.
Reframing kann konkret vom Medierenden vorgenommen werden, indem die andere Deutung der Geschehnisse zur Verfügung gestellt wird. Es kann aber auch durch eine Geschichte angeregt werden, in der z.B. ein ähnliches Verhalten/Erlebnis durch den anderen Kontext eine völlig andere Bewertung erhält (vgl. Duss 2016, S. 32–35).
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Die Autorin beschreibt ihre persönliche Motivation und die Erkenntnis, dass Erzählen eine tief verwurzelte menschliche Methode zur Stärkung sozialer Bindungen ist.
Einleitung: Es wird die Forschungsfrage dargelegt, wie Erzählungen in der Sozialen Arbeit und Mediation dazu beitragen können, festgefahrene Konfliktmuster zu lösen.
1. Der erzählende Mensch: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen und biologischen Grundlagen der Sprache und zeigt, warum Geschichten für die Identitätsbildung und das Verständnis der Welt essentiell sind.
1.1. Konflikte als Erzählungen: Hier wird der Konflikt selbst als eine Form der Erzählung betrachtet, die auf unterschiedlichen subjektiven Deutungen beruht.
2. Erzählungen in der Konfliktlösung: Die theoretischen Wirkungsmechanismen von Geschichten bei der Bearbeitung interpersoneller Konflikte werden im Detail analysiert.
2.1. Wie Erzählen wirken kann: Eine detaillierte Untersuchung der verschiedenen Effekte, wie etwa der Stimmungsverbesserung oder der Distanzierung durch Metaphern.
2.2 Erzählen in der Praxis: Die Autorin erörtert die praktische Anwendung, die Auswahl geeigneter Geschichten und die Rolle der Intuition bei der Arbeit mit Klienten.
3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Storytelling als mächtiges, wenn auch übungsintensives Instrument in der kompetenzorientierten Konfliktarbeit.
4. Wissenschaftliche Selbstreflexion: Kritische Auseinandersetzung mit der Literaturlage und der eigenen methodischen Vorgehensweise während der Erstellung der Arbeit.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Fachliteratur zur Untermauerung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Mediation, Konfliktlösung, Storytelling, Erzählungen, Reframing, Soziale Arbeit, Kommunikation, Perspektivwechsel, narrativer Ansatz, Metaphern, Konfliktklärung, Beziehungsaufbau, Sinnstiftung, Gruppenprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die methodische Einsetzbarkeit von Erzählungen („Storytelling“) als Mittel zur konstruktiven Konfliktlösung in der professionellen Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die psychologische Bedeutung des Erzählens, dessen Rolle bei der Identitätsbildung sowie die konkrete Anwendung narrativer Techniken in der Mediation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch den Einsatz von Geschichten die starren Perspektiven von Konfliktparteien gelockert und neue konstruktive Lösungswege eröffnet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der theoretischen Herleitung narrativer Interventionsmethoden aus der Psychologie und der Mediationspraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (der erzählende Mensch), die Wirkweisen von Erzählungen im Konflikt sowie praktische Hinweise zur Anwendung in der Mediation.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Schlüsselbegriffen gehören Mediation, Reframing, narrative Intervention, Perspektivwechsel und Konfliktlösung.
Warum ist das Erzählen von Geschichten in der Mediation sinnvoll?
Geschichten können helfen, Emotionen sichtbar zu machen, Distanz zum Konfliktobjekt zu schaffen und eine gemeinsame Sprache zwischen den Parteien zu entwickeln.
Gibt es eine „richtige“ Geschichte für jeden Konfliktfall?
Nein, die Auswahl hängt stark vom Einzelfall, der Phase der Mediation und der Persönlichkeit des Mediators ab; Authentizität steht bei der Erzählwahl stets an erster Stelle.
Wie unterscheidet sich diese Arbeit von typischer Fachliteratur zum Thema?
Die Arbeit verknüpft Erkenntnisse aus der allgemeinen Neurobiologie und Psychologie mit der spezifischen Anwendung in mediationsorientierten Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit.
- Arbeit zitieren
- Anke Binder (Autor:in), 2019, Mediation. Storytelling als Methode in der Konfliktlösung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1243255