Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen zwei Fragen beantwortet werden: Welche Funktion kann ein historischer Spielfilm im Geschichtsunterricht zielführend und gewinnbringend einnehmen? Und welche Möglichkeiten bietet der Einsatz des Films „Der Untergang“ von Oliver Hirschbiegel um diese Funktion zu erfüllen? Der historische Spielfilm folgt als vollfiktionales Filmprodukt einer genrespezifischen unterschiedlichen Erzähllogik und präsentiert die historische Epoche nur als Umgebung der eigentlichen Handlung. Die Vergangenheit steht dabei nicht im Zentrum der Erzählabsicht sondern vollzieht nur die Funktion eines Hintergrundes für die eigentliche Erzählung, die jedes beliebige Genre beinhalten kann und sich dadurch immer neuen Erzähllogiken anpasst.
Seit den 1970er Jahren sind die Begriffe „Geschichtsbewusstsein“ und „Geschichtskultur“ die Leitkategorien der Geschichtsdidaktik. Zusätzlich wurde erkannt, dass die Bedeutung des Geschichtsunterrichts für die Prägung von historischen Vorstellungen begrenzt ist; der Einfluss von außerschulischen Geschichtsvermittlern auf das persönliche Bild von, beziehungsweise der persönlichen Einstellung zur, Vergangenheit ist unbestritten aber nicht hinreichend erforscht. Es stellt sich die Frage, ob, und wenn ja wie, solche außerschulischen Geschichtsvermittler in den Unterrichtskontext integriert werden sollen. Die vermittelten Geschichtsbilder gewinnen besonders im Medium Film an prägender Wirkung. Dies ist unter anderem seiner Anschaulichkeit und Emotionalität geschuldet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretisches Grundgerüst
2.1 Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur
2.2 Das Struktur Kompetenzen Modell der Forschergruppe FUER
3. Der historische Spielfilm im Geschichtsunterricht
3.1 Probleme beim Einsatz von historischen Spielfilmen im Unterricht
3.2 Möglichkeiten des Einsatzes von historischen Spielfilmen im Geschichtsunterricht
4. Der historische Spielfilm „Der Untergang“ im Geschichtsunterricht
4.1 Vorstellung des Films und Begründung der Auswahl
4.2 Unterrichtsmethodische Überlegungen
4.3 Prägnante Szenen
4.4 Analyse von Unterrichtsmaterial
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
7. Internet Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogischen Funktionen und didaktischen Möglichkeiten des historischen Spielfilms im Geschichtsunterricht am konkreten Beispiel des Films „Der Untergang“. Ziel ist es, auf Basis geschichtsdidaktischer Theorien zu analysieren, wie Spielfilme gewinnbringend zur Förderung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins eingesetzt werden können, ohne dabei lediglich als reine Inhaltsvermittler zu fungieren.
- Grundlagen des Geschichtsbewusstseins und der Geschichtskultur
- Kompetenzorientiertes Lernen nach der Forschergruppe FUER
- Die didaktische Ambivalenz des Mediums Spielfilm
- Methodische Ansätze zur Filmintegration im Unterricht
- Einsatzmöglichkeiten und Analyse des Films „Der Untergang“
Auszug aus dem Buch
3. Der historische Spielfilm im Geschichtsunterricht
Der Film als außerschulischer Geschichtsvermittler prägt das Selbst- und Weltbild seiner Betrachter. Seit den 1990er Jahren hat kein anderes Medium so viel Geschichte einem so großes Publikum vermittelt wie das Fernsehen oder der Film. Das kommunikative Gedächtnis der Gesellschaft aus Lebenserfahrungen und persönlichen Erzählungen wandelt sich immer mehr zu einem mediengestützten kulturellen Gedächtnis. Historische Spielfilme werden zum Leitmedium der Erinnerungskultur einer Gesellschaft.
Das historische Wissen in der Gesellschaft wird mehr und mehr über fiktionale Angebote, wie dem Spielfilm, strukturiert. In dieser Funktion sind historische Spielfilme mehrfach ambivalent: Als Teil, der als Außenseite des gesellschaftlichen Geschichtsbewusstseins verstandenen, Geschichtskultur verbreitet und prägen sie das kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft. Gleichzeitig beeinflussen sie durch wirkmächtige Bilder das Geschichtsbewusstsein des Einzelnen. Auf der individuellen Ebene sind sie eine Ressource für die Imagination der Vergangenheit des Einzelnen und auf der kollektiven Ebene prägen und regen sie die Diskussion über Geschichte und Gedanken in der Gesellschaft an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Relevanz des historischen Spielfilms als außerschulischem Geschichtsvermittler und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach dessen Funktion und Einsatzmöglichkeiten im Unterricht.
2. Theoretisches Grundgerüst: Dieses Kapitel erläutert die geschichtsdidaktischen Leitbegriffe Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur sowie das Kompetenz-Strukturmodell der Forschergruppe FUER als theoretischen Rahmen.
3. Der historische Spielfilm im Geschichtsunterricht: Hier werden die Ambivalenzen des Mediums Film sowie die spezifischen Probleme und didaktischen Möglichkeiten bei seiner Einbindung in den Unterricht in den Fokus gerückt.
4. Der historische Spielfilm „Der Untergang“ im Geschichtsunterricht: Das Hauptkapitel analysiert konkret den Film „Der Untergang“ hinsichtlich seiner filmischen Gestaltung, methodischen Einsatzmöglichkeiten und der Rezeption von Unterrichtsmaterial.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Spielfilmen unter der Voraussetzung einer kritischen Dekonstruktion des filmischen Narrativs.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten geschichtsdidaktischen Fachliteratur.
7. Internet Quellen: Auflistung der für die Analyse genutzten Online-Ressourcen und Filmkritiken.
Schlüsselwörter
Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur, Filmanalyse, Der Untergang, Nationalsozialismus, Geschichtsdidaktik, FUER-Modell, Historische Sinnbildung, Kompetenzorientierung, Mediengeschichte, Erinnerungskultur, Filmpädagogik, Narrativität, Mentalitätsgeschichte, Reflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie historische Spielfilme, speziell „Der Untergang“, didaktisch sinnvoll in den Geschichtsunterricht integriert werden können, um historische Lernprozesse zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Theorie des Geschichtsbewusstseins, die Kompetenzentwicklung nach dem FUER-Modell sowie die medienkritische Auseinandersetzung mit Spielfilmen im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, welche Funktion ein historischer Spielfilm zielführend einnehmen kann und wie der Film „Der Untergang“ dabei praktisch zur Erreichung dieser Ziele beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geschichtsdidaktische Analyse, die theoretische Modelle auf ein konkretes mediales Beispiel anwendet und methodische Unterrichtskonzepte entwirft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Probleme und Möglichkeiten des Filmeinsatzes erörtert, der Film „Der Untergang“ wird vorgestellt, methodische Verfahren zur Filmanalyse in der Klasse abgeleitet und begleitendes Unterrichtsmaterial kritisch bewertet.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Geschichtsbewusstsein, Dekonstruktion des Narrativs, Schülerinteresse, mediale Sinnbildung und die Förderung historischer Kompetenzen.
Warum wird gerade „Der Untergang“ als Beispiel gewählt?
Der Film eignet sich aufgrund seines Tabubruchs (Hitler als Hauptfigur), der damit verbundenen lebhaften geschichtskulturellen Debatte und der starken emotionalen Wirkung auf Schüler besonders gut für eine analytische Herangehensweise.
Wie sollte ein Spielfilm idealerweise im Unterricht behandelt werden?
Die Arbeit empfiehlt, den Film nicht nur zur Inhaltsvermittlung zu nutzen, sondern ihn am Ende einer Unterrichtsreihe intensiv zu dekonstruieren, um filmische Gestaltungsmittel und das vermittelte Geschichtsbild zu reflektieren.
- Quote paper
- Gereon Arntz (Author), 2018, „Der Untergang“ von Oliver Hirschbiegel im Geschichtsunterricht. Einsatz von historischen Spielfilmen in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1240912