In dieser Proseminararbeit dreht sich die Problemstellung um die „Nation der Bosniaken“. Diese Nation wird im 20. Jhd. und zu Beginn des 21. Jhd. immer noch falsch verstanden bzw. dargestellt. Darum ist es umso wichtiger unter anderem auch im Rahmen dieses Proseminars und der dazugehörigen Proseminararbeit zu versuchen diese Thematik aufzuarbeiten und für die Nachwelt fest zu halten.
Wird dieses Thema auf dem Balkan in den vergangenen 100 Jahren betrachtet, wird es deut-lich, dass die Nation der Bosniaken ihre Aktualität nicht verloren hat. In den vergangenen 100 Jahren fand ein erbittertet Kampf dieser Nation um die erneute Akzeptanz in der internationa-len Gemeinschaft statt. Eine Aufopferung und starker Patriotismus für die Anerkennung. Von 1991 bis 1996 fand diese Aufopferung neue Dimensionen. Seit der Ausrufung der unabhängi-gen Republik Bosnien und Herzegowina (Republika Bosna i Hercegovina) 1992 und deren internationale Anerkennung, am 6. April des selben Jahres, haben sich die Bosniaken, nicht nur in Bosnien und Herzegowina oder Europa, sondern Weltweit an ihre Wurzeln besinnt, versuchen ihre Identität weiter zu festigen und ihre ursprüngliche Heimat auf allen Gebieten voran zu bringen. Für Europa, speziell für die Europäische Union, ist die Erhaltung des Frie-dens in Bosnien und Herzegowina ein wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche und politi-sche Stabilität des Balkans. Die Bosniaken an sich sind ein konstitutives Volk in der Regie-rungsbildung Bosnien und Herzegowinas und nehmen an der Europäischen und Weltweiten Politik teil.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ZENTRALE ARBEITSBEGRIFFE
2.1 BOSNIER UND BOSNIAKEN
2.2 NATION
2.3 STAAT
3. DIE BOSNIAKEN IN BOSNIEN UND HERZEGOWINA IM SPÄTEN 20. UND FRÜHEN 21. JHD.
4. DER HISTORISCHE STAAT BOSNIEN UND DIE BOSNIAKEN IN DER GESCHICHTE
4.1. DAS HEUTIGE BOSNIEN IN DER RÖMISCHEN ÄRA
4.2. BOSNIEN IM MACHTBEREICH ZWISCHEN DEM KÖNIGREICH UNGARN UND DEM BYZANTINISCHEN WELTREICH
4.3. DER WEG ZUR BEZEICHNUNG DER BOSNIER ALS BÜRGER DES BANATS BOSNIEN UND SPÄTEREN KÖNIGREICHS BOSNIEN
4.4. BOSNIEN UND DIE BOSNIER BZW. BOSNIAKEN IM OSMANISCHEN REICH
4.5. DAS 20. JHD. ALS „DAS LETZE JAHRHUNDERT DER UNTERDRÜCKUNG“
5. CONCLUSIO
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Identität der Bosniaken und widerlegt die These, dass diese Nation erst eine moderne Erscheinung des späten 20. Jahrhunderts sei. Ziel ist es, den Ursprung des bosniakischen Bewusstseins in der Geschichte des Westbalkans zu verorten und zu verdeutlichen, dass sich diese Identität nicht durch Ausgrenzung, sondern durch eine gemeinsame staatliche und kulturelle Erfahrung über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat.
- Historische Entstehung und Bedeutung der Begriffe Bosnier und Bosniaken
- Vergleichende Analyse der Nationenbildung bei Bosniaken, Serben und Kroaten
- Die Rolle des historischen Staates Bosnien als Identitätsanker
- Kritische Aufarbeitung der Auswirkungen von Fremdherrschaften und Kriegen
- Untersuchung des „bosniakischen Programms“ im Kontext eines multiethnischen Staates
Auszug aus dem Buch
4.4. BOSNIEN UND DIE BOSNIER BZW. BOSNIAKEN IM OSMANISCHEN REICH
Nach dem Fall des bis dato jungen Königreichs Bosnien kommt es zu einer dominanten osmanischen Herrschaft auf dem Balkan und der Ansiedlung sephardischer Juden in Bosnien. Diese wurden Ende des 15. Jhd. durch die „Heilige Inquisition“ des Vatikans in Andalusien vor die Wahl gestellt zu fliehen oder sich Taufen zu lassen. Diese neue Epoche ist für die heutigen Bosniaken von großer Bedeutung, weil erst mit der Herrschaft der Osmanen in Bosnien die Bezeichnung der Bevölkerung des Landes als Bosniaken den Weg in die Geschichte findet. Dieser Name entstammt, wie schon erwähnt, aus dem Wort „Bošnjani“, dem Namen jener Bewohner, sowohl des Banats Bosnien als auch des Königreichs Bosnien, welche dieselbe Sprache hatten und verschiedenen Glaubensrichtungen angehörten (der Kirche Bosniens und der katholische und orthodoxe Kirche). Diese neue Bezeichnung für die einstige Bevölkerung Bosniens stand für alle Menschen die in Bosnien lebten. Katholiken, Muslime und orthodoxe Christen. Voraussetzung war dafür, dass diese ihren Wohnsitz in Bosnien hatten und sich nicht nur gelegentlich dort aufhielten.
Im osmanischen Weltreich erlebte Bosnien im 16. und 17. Jhd. eine Blütezeit. Den Bewohnern wurden neue Absatzmärkte innerhalb des Reiches zugänglich. Dadurch entstanden neue Wirtschaftszweige im Handwerk und im Handel. Bereits in den ersten Jahrzenten der osmanischen Herrschaft wurde Bosnien in die orientalische Struktur integriert. Es entstanden in den wichtigen Orten Moscheen (muslimische Gebetshäuser), Medresen (Koranschulen), Badehäuser, Basare (Marktplätze) usw. Sarajevo, die heutige Hauptstadt Bosnien und Herzegowinas, dass erstmals 1415 schriftlich erwähnt wird, wurde erst unter der osmanischen Herrschaft zu einer bedeutenden Stadt ausgebaut.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die Problemstellung der Identität der Nation der Bosniaken und definiert die Forschungsfragen sowie die zentrale These zur historischen Verwurzelung der bosniakischen Nation.
2. ZENTRALE ARBEITSBEGRIFFE: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen erarbeitet, indem die Begriffe „Bosnier und Bosniaken“, „Nation“ und „Staat“ wissenschaftlich definiert und in den Kontext der Arbeit gesetzt werden.
3. DIE BOSNIAKEN IN BOSNIEN UND HERZEGOWINA IM SPÄTEN 20. UND FRÜHEN 21. JHD.: Das Kapitel analysiert den Überlebenskampf der bosniakischen Nation während der jugoslawischen Zerfallskriege und setzt diesen in Bezug zu den nationalen Programmen der Nachbarstaaten.
4. DER HISTORISCHE STAAT BOSNIEN UND DIE BOSNIAKEN IN DER GESCHICHTE: Dies ist das Hauptteilkapitel, welches chronologisch von der römischen Ära bis zum 20. Jahrhundert aufzeigt, wie sich das bosnische Staatsbewusstsein und der Begriff „Bosniaken“ historisch entwickelt haben.
5. CONCLUSIO: Die Conclusio fasst zusammen, dass die bosniakische Identität auf einer tausendjährigen Geschichte basiert und Bosnien als Staat für alle darin lebenden Menschen verankert ist.
Schlüsselwörter
Bosniaken, Bosnier, Nation, Staat, Geschichte, Identität, Bosnien und Herzegowina, Osmanisches Reich, Balkan, Nationalismus, Kultur, Multilateralismus, Religion, Tradition, Unabhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und der historischen Entwicklung der Nation der Bosniaken und dem damit verbundenen Staatsverständnis von Bosnien und Herzegowina.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die historische Entwicklung der Begriffe Bosnier und Bosniaken, die Nationenbildung am Balkan sowie der Einfluss politischer Ideologien und Kriege auf die Identitätsfindung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, wissenschaftlich zu belegen, dass die bosniakische Nation keine moderne Erfindung des 20. Jahrhunderts ist, sondern ihre Wurzeln tief in der Geschichte des Mittelalters hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor nutzt primär eine historische und politikwissenschaftliche Analyse, um den Wandel von Staats- und Identitätskonzepten über verschiedene Epochen hinweg aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, die Analyse der Situation im späten 20. Jahrhundert sowie eine ausführliche historische Herleitung von der römischen Zeit über das Osmanische Reich bis ins 20. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Bosniaken, Identität, Staatsgeschichte, Nation, Multilateralismus und das historische Erbe Bosniens.
Wie unterscheidet sich die bosniakische Nationenbildung von der serbischen oder kroatischen?
Im Gegensatz zu den benachbarten Nationen, deren Identität oft auf Abgrenzung durch Religion und Sprache basiert, definiert sich die bosniakische Nation laut Arbeit über eine gemeinschaftliche staatliche Identität und Erfahrung.
Welche Rolle spielt die Religion in der bosniakischen Identität?
Obwohl die Mehrheit der Bosniaken muslimisch geprägt ist, betont die Arbeit, dass Religion für die historische Identität der Bosniaken kein ausschließliches oder notwendiges Merkmal darstellt.
Warum wird der Begriff „Bošnjani“ im 14. Jahrhundert als wichtig erachtet?
Er markiert die früheste Identifikation der Bevölkerung als Bürger des bosnischen Staates und dient als historisches Fundament für die spätere Bezeichnung als Bosniaken.
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- Alen Velagic (Author), 2008, Die Nation der Bosniaken, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/123661