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Die Ablehnung des Suizids in Platons "Phaidon". Leib-Seele-Dualismus und übermenschliche Gesetze

Titel: Die Ablehnung des Suizids in Platons "Phaidon". Leib-Seele-Dualismus und übermenschliche Gesetze

Hausarbeit , 2019 , 17 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Gabriele Bensberg (Autor:in)

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Ausgehend von unterschiedlichen Haltungen gegenüber dem Suizid von der Antike bis zur Gegenwart, wird die Sichtweise des Sophokles in Platons "Phaidon" analysiert.

Sophokles lehnt den Suizid aus drei Gründen ab. Der Mensch befindet sich in einer "Feste", er ist von Geburt an eingeschränkt durch unterschiedliche Begabungen, Ressourcen etc. Wer darunter so leidet, dass er Suizid begeht, räumt dem verachtenswerten Leib Macht über die eigene Person ein und schneidet sich damit von philosophischen Erkenntnismöglichkeiten und einem philosophischen Dasein ab. Ein zweiter Grund besteht darin, dass der Mensch den Göttern untergeordnet ist und diese allein über Leben und Tod zu bestimmen haben. Ein dritter Grund ist in der Anerkennung des weltlichen Gesetzes zu sehen, das Sophokles zum Tod verurteilt hat und dem der Einzelne Respekt schuldet. Andererseits fürchtet Sophokles als Philosoph den Tod nicht, denn Platon vertritt die Auffassung, dass Philosophen, die irdische Freuden gering schätzen, ohnehin für die Welt "tot" sind. Der Tod wird sogar ersehnt aufgrund des Glaubens, nach dem Tod werde jeder so wiedergeboren, wie er gelebt habe, so dass Sophokles davon ausgehen kann, in das Göttliche, Ewige einzugehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I Disparität der Haltungen gegenüber dem Suizid

II Der Tod als wünschenswerter Zustand in Platons Phaidon

II.1 Die Verachtung des Leibes

II.2 Die Seele als Erkenntnisorgan

II.3 Dualismus zwischen philosophischer und nichtphilosophischer Existenz

III Argumentative Verankerung der Ablehnung des Suizids

III.1 Sieg des Leibes

III.2 Rebellion gegen die Feste

III.3 Hybris gegenüber ewigen Gesetzmäßigkeiten

IV Fazit

Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophischen Begründungen Platons für die strikte Ablehnung des Suizids im Dialog Phaidon und analysiert diese im Kontext eines Leib-Seele-Dualismus sowie der Einordnung des Menschen in eine göttliche Ordnung.

  • Platons Auffassung von Leib und Seele im Phaidon
  • Die ethische Dimension des Todes als Zustand der Erkenntnis
  • Vergleichende Analyse zur christlichen und neuzeitlichen Suizid-Diskussion
  • Das Konzept des göttlichen Eigentums am menschlichen Leben
  • Sokrates' Subordination unter menschliche und göttliche Gesetze

Auszug aus dem Buch

III.2 Rebellion gegen die Feste

In einer für die Ablehnung des Suizids entscheidenden Textstelle erklärt Sokrates:16

Denn was darüber in den Geheimnissen gesagt wird, daß wir Menschen wie in einer Feste sind und man sich aus dieser nicht selbst losmachen und davongehen dürfe, das erscheint mir doch als eine gewichtige Rede und gar nicht leicht zu durchschauen.

Im Griechisch-Deutschen Handwörterbuch von W. Pape ist als Übersetzung von „phrourá“ nur „Gefangenschaft“, „Gefängnis“ (Sp. 1286b) angegeben. Schleiermacher wählt die sinngemäß übereinstimmende Übersetzung „Feste“. Das Bild der Feste besagt, dass der Mensch in gewissem Sinne ein „Begrenzter“ ist, der sich in einer Art großem Gefängnis befindet, welches das Leben des Einzelnen deutlich einschränkt. Kenneth Dorter deutet diese Textpassage als imprisonment of the soul within the body.17 Diese engrahmige Deutung geht aber nicht zwingend aus dem Text hervor, und es ist zu fragen, warum Sokrates, wäre hier die Gefangenschaft der Seele im Körper gemeint, dies nicht deutlicher zum Ausdruck gebracht hat, schließlich fallen seine Klagen über die negativen Auswirkungen des Leibes an anderer Stelle sehr drastisch aus.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung kontrastiert die moderne medizinische Sicht auf den Suizid mit dem historischen Verständnis der Thematik.

I Disparität der Haltungen gegenüber dem Suizid: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die unterschiedlichen ethischen Ansätze zum Suizid, von Thomas von Aquins Sündhaftigkeitsdogma bis hin zur modernen Befürwortung durch Denker wie David Hume oder Jean Améry.

II Der Tod als wünschenswerter Zustand in Platons Phaidon: Hier wird dargelegt, warum Sokrates den Tod als anzustrebendes Ziel begreift, welches der Philosoph aufgrund der Leibabkehr und der Seele als Erkenntnisorgan erreichen will.

II.1 Die Verachtung des Leibes: Analysiert wird die Leibfeindlichkeit im Text, in der menschliche Bedürfnisse und Affekte als störend für die philosophische Erkenntnis abgewertet werden.

II.2 Die Seele als Erkenntnisorgan: Dieses Kapitel erläutert, warum die Seele als einzige Instanz zur Erfassung wahrer Erkenntnis gilt und die Sinnesorgane als unzuverlässige Vermittler verworfen werden.

II.3 Dualismus zwischen philosophischer und nichtphilosophischer Existenz: Beleuchtet wird die strikte Trennung zwischen einer an Erkenntnis orientierten Lebensführung und dem Alltag der Menschen, die unter der Herrschaft des Leibes stehen.

III Argumentative Verankerung der Ablehnung des Suizids: Untersuchung der Gründe, warum Sokrates trotz seiner Todessehnsucht den Suizid ablehnt.

III.1 Sieg des Leibes: Behandelt die Auffassung, dass die Flucht aus dem Leben aus verletztem Stolz oder Schmerz ein Akt der Unterwerfung unter das irrationale Begehren des Leibes ist.

III.2 Rebellion gegen die Feste: Erörtert das Bild des Menschen als Gefangener in einer „Feste“, der sich seiner Bestimmung durch göttliche Gesetze unterordnen muss.

III.3 Hybris gegenüber ewigen Gesetzmäßigkeiten: Argumentiert, dass der Suizid ein Akt der Hochmütigkeit gegenüber den Göttern darstellt, da ihnen allein die Verfügungsgewalt über das Leben des Menschen zusteht.

IV Fazit: Das Fazit stellt die Bedeutung des antiken Textes für die spätere Rezeption in der Theologie gegenüber.

Schlüsselwörter

Platon, Phaidon, Suizid, Philosophie, Sokrates, Leib-Seele-Dualismus, Erkenntnistheorie, Feste, Metaphysik, Unsterblichkeit, Ethik, Gott, Erkenntnisorgan, Antike, Menschenbild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die philosophische Argumentation Platons im Dialog Phaidon, in der er den Suizid trotz einer allgemeinen Todessehnsucht des Philosophen strikt ablehnt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten gehören der antike Leib-Seele-Dualismus, die Bewertung der Sinneswahrnehmung, das Verhältnis des Menschen zu göttlichen Gesetzen sowie der Vergleich mit christlich-mittelalterlichen und modernen Positionen.

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?

Die Arbeit fragt danach, wie sich der Widerspruch zwischen der philosophischen Sehnsucht nach Abkehr vom Leib und der religiös-ethischen Ablehnung der Selbsttötung bei Platon/Sokrates auflösen lässt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine textanalytische philosophische Untersuchung, die den Dialog Phaidon quellenkritisch auswertet und verschiedene Übersetzungsansätze sowie philosophische Kommentare vergleicht.

Welche wesentlichen Aspekte umfasst der Hauptteil?

Der Hauptteil behandelt die Verachtung des Leibes, die Seele als Erkenntnisinstanz, die Begriffe „Feste“ und „Herde der Götter“ sowie die daraus resultierende Einbettung des Menschen in eine kosmische Ordnung.

Warum ist das Thema Suizid im 21. Jahrhundert weiterhin relevant?

Die Arbeit verweist darauf, dass etwa 10 Prozent der Suizide als „Bilanzsuizide“ ohne Anzeichen einer psychischen Erkrankung begangen werden, was eine philosophische Reflexion über die Autonomie und die Grenze des eigenen Handelns weiterhin notwendig macht.

Wie unterscheidet sich Platons Auffassung von der späteren christlichen Haltung?

Die Arbeit betont, dass Platon den Leib als Hindernis zur Erkenntnis sieht, während die christliche Theologie (z.B. Augustinus) später eine „vierpolige Liebe“ postuliert, die den eigenen Leib ausdrücklich als Gottesgabe einschließt.

Was bedeutet das Bild von der „Feste“ in Bezug auf den Suizid?

Die „Feste“ symbolisiert eine prinzipielle Begrenztheit der menschlichen Existenz, in der jeder Mensch einen zugewiesenen Platz hat; aus dieser Feste eigenmächtig auszubrechen, wird als unerlaubte Rebellion gegen eine ordnende Instanz gewertet.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Ablehnung des Suizids in Platons "Phaidon". Leib-Seele-Dualismus und übermenschliche Gesetze
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Gabriele Bensberg (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V1234821
ISBN (eBook)
9783346658517
ISBN (Buch)
9783346658524
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suizid Phaidon Sokrates
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Gabriele Bensberg (Autor:in), 2019, Die Ablehnung des Suizids in Platons "Phaidon". Leib-Seele-Dualismus und übermenschliche Gesetze, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1234821
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Leseprobe aus  17  Seiten
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