Die Entwicklung des Kommissionsplatzes Wien im 19. Jahrhundert kann nicht ohne die Betrachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen beurteilt werden, denn sie hatten einen besonderen Einfluss auf den gesamten österreichischen Buchhandel.
Österreich gilt im 19. Jahrhundert, vor allem nach dem Wiener Kongress, als das Zentrum der konservativen Restauration. Die Obrigkeit wollte einen wirtschaftlichen Strukturwandel, der immer gesellschaftliche Machtverschiebungen zur Folge hat, genauso verhindern, wie die Ausbreitung von liberalen Geisteserzeugnissen. Wie konnte sich unter so denkbar schlechten Voraussetzungen der zweitgrößte Kommissionsplatz im deutschsprachigen Raum entwickeln? Das ist die zentrale Frage in dieser Arbeit. Zuerst muss man aber den rechtlichen Rahmen für den gesamten österreichischen Buchhandel genauer betrachten. Dabei muss erwähnt werden, dass die umfangreiche Problematik des Büchernachdrucks in dieser Arbeit nicht berücksichtigt wird, obwohl diese ebenfalls vom Staat gefördert wurde. Stattdessen will sich die Untersuchung auf folgende wesentliche Fragen beschränken: Welche Auswirkungen hatte die strenge Zensurpraxis auf die Branche und wie griff der Staat in die Organisation des Buchhandels ein? Zur Beantwortung soll vor allem die Buchhändlerordnung von 1806 als Quelle herangezogen werden.
Der zweite Teil der Arbeit hat die Entwicklung des Wiener Platzes zum Thema. Zu Beginn steht hier die Frage, inwieweit der österreichische Kommissionsbuchhandel am Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt war. Welche Personen haben schließlich eine Modernisierung angeregt? Wie sahen diese Modernisierungsmaßnahmen konkret aus und wie reagierten die Behörden und das Ausland auf sie? Als Quellen werden hierzu ein Zirkular des Lemberger Buchhändlers Millikowski und das „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“ befragt. Am Schluss der Arbeit werden die Folgen der Modernisierungsarbeit dargelegt und untersucht, inwiefern sie die Bedeutung des Wiener Platzes veränderte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rechtliche Rahmenbedingungen des österreichischen Buchhandels im 19. Jahrhundert
2.1 Auswirkungen der Zensur
2.2 Organisation des Buchhandels anhand der Buchhändlerordnung von 1806
3 Entwicklung des Wiener Kommissionsplatzes
3.1 Der Kommissionsbuchhandel in Österreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts
3.2 Moritz Friedrich Jasper als Initiator der Reformen im Kommissionsbuchhandel
3.3 Weitere Modernisierungsmaßnahmen
3.4 Auswirkungen der Modernisierung
4 Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Wiener Kommissionsplatzes im 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, wie sich trotz staatlicher Repression und konservativer Restauration ein bedeutender Kommissionsplatz entwickeln konnte und welche Rolle die Reformen von Moritz Friedrich Jasper sowie die Modernisierungsbestrebungen im österreichischen Buchhandel spielten.
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Zensurpraxis im 19. Jahrhundert
- Die Buchhändlerordnung von 1806 und ihre Auswirkungen auf den Markt
- Moritz Friedrich Jasper als treibende Kraft der Modernisierung
- Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zum Leipziger Buchhandel
- Strukturelle Entwicklung des Wiener Kommissionsplatzes bis zum frühen 20. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
Moritz Friedrich Jasper als Initiator der Reformen im Kommissionsbuchhandel
In der Forschungsliteratur stößt man häufig auf den Namen Moritz Friedrich Jasper, wenn vom Wiener Kommissionsbuchhandel, die Rede ist. Keiderling, Bachleitner, Eybl, Fischer und Schiller sind sich darin einig, dass Jasper mit seinem Rundschreiben von 1843 den entscheidenden Anstoß für eine Modernisierung des Wiener Platzes gegeben habe.
Moritz Friedrich Jasper wurde am 10. November 1805 in Bergen geboren und absolvierte seine Lehrausbildung in der Weygandschen Buchhandlung in Leipzig. Er übernahm 1843 von seinem Onkel Georg Friedrich Jasper, die Geschäftsleitung eines neu gegründeten Kommissionsgeschäftes in Wien. Das ging nicht ohne Probleme vonstatten, da es, wie schon erwähnt, nach der Gewerbeordnung von 1806, ausländischen Buchhändlern nicht gestattet war, in Österreich mit Büchern zu handeln. Das Wiener Buchhändlergremium, das natürlich keine weitere Konkurrenz am Ort wollte, protestierte gegen die Geschäftseröffnung bei der obersten Polizei- und Zensur-Hofstelle. Laut Keiderling gelang es Georg Friedrich Jasper durch „überzeugende Argumentation, Hartnäckigkeit und Lobbyarbeit“ doch noch, die Geschäftseröffnung durchzusetzen. Als Moritz Friedrich Jasper 1845/46 das Bürgerrecht erwarb, konnte ihm nach dem Tod des Onkels 1846 die Buchhandlung überschrieben werden.
Jasper hatte allerdings schon am 1. April 1843 in dem bereits erwähntem Zirkular vorgeschlagen, dass alle österreichischen Buchhändler in Wien Auslieferungslager anlegen und ihren Verlag franko Wien senden sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz der Untersuchung des Wiener Kommissionsplatzes und definiert die zentralen Forschungsfragen sowie die methodische Vorgehensweise.
2 Rechtliche Rahmenbedingungen des österreichischen Buchhandels im 19. Jahrhundert: Hier werden die restriktive Zensurpolitik sowie die strengen Regelungen der Buchhändlerordnung von 1806 analysiert, die als Hindernisse für eine freie Marktentwicklung fungierten.
3 Entwicklung des Wiener Kommissionsplatzes: Dieses Hauptkapitel beleuchtet den Modernisierungsprozess des Wiener Buchhandels, insbesondere die Rolle von Moritz Friedrich Jasper, die Einführung technischer Neuerungen und die wachsende Bedeutung Wiens als Kommissionsplatz.
4 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei die Wechselwirkung zwischen staatlicher Kontrolle und wirtschaftlicher Modernisierung erneut hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Wien, Kommissionsbuchhandel, 19. Jahrhundert, Buchhändlerordnung, Moritz Friedrich Jasper, Zensur, Modernisierung, Österreichischer Buchhandel, Handelsgeschichte, Verlagsbuchhandel, Konzessionspflicht, Börsenverein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wirtschaftlichen und rechtlichen Geschichte des Wiener Kommissionsbuchhandels im 19. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Mittelpunkt stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen wie Zensur und Konzessionswesen sowie die darauffolgenden Modernisierungsschritte des Handelsplatzes Wien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Transformationsprozess des Wiener Kommissionsplatzes nachzuvollziehen, der Wien zu einem bedeutenden Zentrum im deutschsprachigen Raum machte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, wobei zeitgenössische Dokumente wie Zirkulare und Fachzeitschriften herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Auswirkungen der Zensur und der Buchhändlerordnung von 1806 sowie die spezifischen Modernisierungsmaßnahmen, die maßgeblich von Moritz Friedrich Jasper initiiert wurden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wien, Kommissionsbuchhandel, Zensur, Modernisierung, Buchhändlerordnung und Marktstruktur.
Welche Rolle spielte Moritz Friedrich Jasper für Wien?
Jasper war der entscheidende Initiator, der durch Rundschreiben und hartnäckige Lobbyarbeit die Errichtung von Auslieferungslagern und eine Professionalisierung des Wiener Buchhandels vorantrieb.
Warum war der Start für Jasper in Wien schwierig?
Aufgrund der strengen Buchhändlerordnung von 1806 war es ausländischen Buchhändlern untersagt, in Österreich Handel zu treiben, was auf den Widerstand des lokalen Gremiums stieß.
- Quote paper
- Maja Hetmank (Author), 2007, Wien als Kommissionsplatz im 19. Jahrhundert unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/123278