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Im 1. Kapitel kläre ich zunächst die Begriffe Klasse, Ethnie und Geschlecht. Diese drei Begriffe werden sich als Dimensionen sozialer Ungleichheit erweisen. Damit ist die inhaltliche Grundlage für die anschließende Diskussion ihrer wechselseitigen Abhängigkeiten und Interferenzen gelegt.
Nach dieser fächerunabhängigen Erörterung der konflikterzeugenden Einflussgrößen, die das Thema dieser Arbeit bestimmen, werden im 2. Kapitel die Probleme und Konflikte im Sportunterricht zunächst aus der Sicht von Lehrkräften beschrieben. Danach werden die Probleme und Konflikte aus der Sicht von Mädchen aufgezeigt, und zwar als
- Inter-Gruppen-Konflikte (Lehrkräfte-Mädchen)
- Konflikte auf der intra- personalen Ebene (innere Konflikte von Mädchen) und
- Konflikte durch das soziale Milieu.
Es wird sich zeigen, dass eine eindeutige Zuordnung zu den drei Konfliktquellen nicht immer vorgenommen werden kann. Im letzten Abschnitt des 2. Kapitels gehe ich auf die Institution Schule als Problem ein.
Im 3. Kapitel stelle ich Lösungsansätze und pädagogische Interventionen für die geschilderten Probleme und die darin enthaltenen Aufgaben vor. Zentrale Bedeutung für alle Lösungsansätze hat die interkulturelle Kompetenz. Sie wird ausführlich diskutiert und erweist sich als notwendig für Lehrerinnen und Lehrer ebenso wie für Schülerinnen und Schüler. Didaktische Lösungsansätze bietet der nachfolgende Abschnitt „Neue Unterrichtsgestaltung“.
Im 4. Kapitel schließe ich die vorliegende Arbeit mit einer zusammenfassenden Antwort auf die Frage dieses Themas, einer eigenen Stellungnahme und einer Evaluation des Seminars ab.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Begriffsklärung und Interferenzen der Ungleichheitsdimensionen Klasse, Ethnie, Geschlecht
1.1 Begriffsklärung der Ungleichheitsdimensionen
1.1.1 Klasse – soziales Milieu
1.1.2 Ethnie
1.1.3 Geschlecht
1.2 Interferenzen und wechselseitige Abhängigkeiten der drei Dimensionen sozialer Ungleichheit
2. Probleme und Konflikte im Sportunterricht
2.1 Probleme im Sportunterricht aus der Sicht von Lehrerkräften
2.2.Probleme im Sportunterricht aus der Sicht von Mädchen mit Migrationshintergrund
2.2.1 Inter-Gruppen Konflikte
2.2.2 Konflikte auf intra-personaler Ebene
2.2.3 Konflikte durch das soziale Milieu
2.3 Institution Schule als Problem
3. Lösungsansätze – pädagogische Interventionen
3.1 Interkulturelle Kompetenz
3.2 Neue Unterrichtsgestaltung im Sportunterricht
4. Fazit und eigene Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob türkische oder arabische Mädchen tatsächlich ein Problem für den Sportunterricht darstellen oder ob Konflikte primär durch andere Faktoren sozialer Ungleichheit und unzureichende interkulturelle Konzepte in der Schule verursacht werden.
- Analyse der sozialen Ungleichheitsdimensionen Klasse, Ethnie und Geschlecht.
- Untersuchung von Konfliktursachen aus der Sicht von Lehrkräften und Schülerinnen.
- Bedeutung der interkulturellen Kompetenz für die pädagogische Professionalisierung.
- Entwicklung von Strategien für eine neue Unterrichtsgestaltung im Sport.
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Konflikte durch das soziale Milieu
Folgenreicher für Probleme ist das soziale Milieu und nicht die Ethnie. Die folgenden Ausführungen beschreiben die Situation und die Folgen des sozialen Milieus für Bildung und Schule. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich die gesamte motivationale Haltung der Mädchen zum Leben und zur Schule auch auf den Sportunterricht auswirkt.
Das soziale Milieu entsteht aus einem Zusammentreffen von handelnden Personen, „...die im sozialen Raum ähnliche Positionen einnehmen, wie z.B. durch Ausbildung, Erwerbstätigkeit, Wohlstand im Sinne von Einkommen und Familiengröße. Sie weisen annähernd ähnliche Interessen, Wertvorstellungen und Präferenzen auf“ (Sobiech, 2007, S.122). Dies bedeutet, dass ein niedriger Bildungsabschluss, mit der Folge von Einschränkungen in der Berufswahl und im Einkommen, mit der sozialen Lage korreliert, wie die PISA-Studie (2003) offen legt. „Es werden eindeutig negative Effekte auf den Kompetenzerwerb von Schülerinnen und Schülern durch den Anstieg der Quote von Sozialhilfeempfängern und bei erhöhten regionalen Arbeitslosenquoten konstatiert“ (Sobiech, 2007, S. 122f).
Das niedrige soziale Milieu der Migranten muslimischen Glaubens [n=21] wird bei Betrachtung der Sozialdaten deutlich. Die Gruppe der Migranten aus der Türkei oder arabischen Länder hat eine Erwerbslosenquote von insgesamt 52,3% zu verzeichnen, woraus schlechte materielle Lebensbedingungen resultieren, die sich in der Wohnlage widerspiegeln (vgl. Sobiech, 2008, S.123). Die räumliche Segregation der Wohnorte an Randbezirke der Aufnahmegesellschaft führt dazu, dass freizeitliche und sportliche Aktivitäten vorrangig im Kontext der eigenen Ethnie oder Familie stattfinden (vgl. Boos – Nünning & Karakasoglu, 2003, S.278). Aus dem Projekt (Sobiech 2005/2006) geht hervor, dass muslimische Migranten die beengtesten Wohnverhältnisse haben. Bei diesen Verhältnissen ist es schwer vorstellbar, dass ein Kind eine Privatsphäre erhält, wie es sich das befragte Mädchen (s.o.) wünscht.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Stigmatisierung von Migrantinnen im Sportunterricht ein und formuliert das Ziel, die Ursachen für Konflikte auf ihre tatsächlichen Dimensionen zu prüfen.
1. Begriffsklärung und Interferenzen der Ungleichheitsdimensionen Klasse, Ethnie, Geschlecht: Dieses Kapitel definiert theoretische Grundlagen der sozialen Ungleichheit und verdeutlicht deren wechselseitige Abhängigkeit, die einen komplexen "Ungleichheitsraum" schafft.
2. Probleme und Konflikte im Sportunterricht: Es werden Konflikte aus der Perspektive von Lehrkräften sowie betroffenen Mädchen beleuchtet und die Institution Schule als mitverantwortlicher Faktor für exkludierende Prozesse identifiziert.
3. Lösungsansätze – pädagogische Interventionen: Dieses Kapitel stellt interkulturelle Kompetenz und eine schülerorientierte, demokratische Unterrichtsgestaltung als notwendige Instrumente für Sportlehrkräfte vor.
4. Fazit und eigene Stellungnahme: Die Autorin schließt mit dem Ergebnis, dass die Probleme primär nicht ethnisch bedingt sind, und reflektiert ihren eigenen Lernprozess durch die Auseinandersetzung mit dem Thema.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, Migrationshintergrund, Interkulturelle Kompetenz, Soziale Ungleichheit, Ethnische Konflikte, Geschlecht, Diskriminierung, Schulsport, Pädagogische Intervention, Integration, Assimilation, Lehrerhabitus, Sozialer Raum, Bildungsbenachteiligung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kritische Frage, ob muslimische Mädchen mit Migrationshintergrund tatsächlich ein „Problem“ im Sportunterricht darstellen oder ob hier ein Vorurteil vorliegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind soziale Ungleichheit, das Verhältnis von Lehrkräften zu Schülerinnen, die Rolle der Institution Schule und die Möglichkeiten interkultureller Pädagogik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Ursprung von Konflikten im Sportunterricht zu ergründen und zu zeigen, dass diese oft geschlechtsspezifisch oder strukturell bedingt sind, statt rein ethnisch.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung der Ungleichheitsforschung sowie auf der Auswertung empirischer Daten aus verschiedenen Studien von Gabriele Sobiech und anderen Autoren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Sichtweisen von Lehrkräften und Mädchen, thematisiert intra-personale Konflikte, die Rolle des sozialen Milieus und die institutionellen Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Sportunterricht, Migrationshintergrund, interkulturelle Kompetenz, soziale Ungleichheit und Diskriminierung.
Warum wird laut der Arbeit so oft von Lehrern das „Problem“ bei muslimischen Mädchen gesehen?
Die Autorin argumentiert, dass Lehrkräfte dazu neigen, komplexe Probleme auf den ethnischen Aspekt zu verkürzen, da dies eine einfache Erklärung für Konflikte bietet.
Welche Rolle spielt das soziale Milieu für die Sportteilnahme?
Das soziale Milieu, etwa durch beengte Wohnverhältnisse oder schlechte materielle Bedingungen, beeinflusst die Motivation und die Freizeitmöglichkeiten der Mädchen maßgeblich.
Wie kann interkulturelle Kompetenz bei Lehrkräften gefördert werden?
Durch gezielte Fortbildungen, eine stärkere Verankerung im Lehramtsstudium und die Förderung der Selbstreflexion bezüglich eigener Vorurteile und kultureller Prägungen.
- Quote paper
- Theresa Kruse (Author), 2008, Mädchen mit türkischem oder arabischem Mirgationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/122445