Die vorliegende Fallstudie geht der Frage nach, wie die soziale Netzwerkarbeit in der Praxis der Sozialen Arbeit angewandt werden kann. Die Fragestellung wird durch die Darstellung der Methode anhand eines Fallbeispiels aus der Jugendberufshilfe beantwortet. Zu Beginn der Arbeit erfolgt zunächst eine Erläuterung theoretischer Grundlagen. Im Anschluss wird der Fall geschildert. Im nächsten Kapitel wird der Praxistransfer hergestellt, indem Ansätze der Methode herausgearbeitet und auf den Fall übertragen werden. Hierbei werden grundlegende Prinzipien der sozialen Netzwerkarbeit sowie die Netzwerkkarte als eine mögliche Technik dargelegt und umgesetzt. Anschließend werden Möglichkeiten und Grenzen der Methode aufgezeigt, bevor im letzten Kapitel das Fazit formuliert wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Begriffsklärung
2.2 Netzwerktypen
2.3 Netzwerkkriterien
3 Fallrekonstruktion
4 Methodenanwendung
4.1 Grundlegende Prinzipien der Sozialen Netzwerkarbeit
4.2 Technik der Sozialen Netzwerkarbeit
5 Möglichkeiten und Grenzen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die praktische Anwendung der sozialen Netzwerkarbeit im Kontext der Jugendberufshilfe. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen dieser Methode zu explizieren und durch die rekonstruierte Fallstudie einer Jugendlichen aufzuzeigen, wie soziale Ressourcen identifiziert, visualisiert und zur Unterstützung der Klientin aktiviert werden können.
- Theoretische Fundierung sozialer Netzwerke und deren Funktionen
- Differenzierung von primären, sekundären und tertiären Netzwerktypen
- Methodik der Fallrekonstruktion in der Sozialen Arbeit
- Praktische Anwendung der Netzwerkanalyse durch das Instrument der Netzwerkkarte
- Reflexion der Möglichkeiten und Grenzen sowie ethischer Aspekte der Methode
Auszug aus dem Buch
4.2 Technik der Sozialen Netzwerkarbeit
In diesem Abschnitt wird eine Technik illustriert, mit der sich die soziale Netzwerkarbeit in der alltäglichen Praxis umsetzen lässt – die sogenannte Netzwerkkarte (Bullinger & Nowak, 1998, S. 173). Sie stellt eine elementare Vorgehensweise dar und kann als Werkzeug der sozialen Netzwerkarbeit angesehen werden.
Netzwerkkarten dienen dazu, Menschen deutlich zu machen, welche persönliche Bedeutung ein Netzwerk (nicht) haben kann, wie wichtig die soziale Unterstützung ist, die in diesen Netzwerken (nicht) zur Verfügung gestellt wird und worin die Stärken und die Schwachstellen des eigenen Netzes bestehen. [...] Es geht darum, das aktuell gegebene Netzwerk [...] sichtbar [...] zu machen (Wendt, 2021, S. 156).
Eine andere Definition lautet: „Bei der Netzwerkkarte handelt es sich um eine Vorgehensweise, durch die Umfang und Qualität von personenbezogenen Netzwerken mittels spezifischer Frage-, Darstellungs- und Auswertungsschritte erhoben wird“ (Galuske, 2013, S. 336).
Signifikant für die Netzwerkkarte ist, dass diese von der betroffenen Person selbst erstellt wird (Bullinger & Nowak, 1998, S. 174). In Bezug auf das Fallbeispiel bedeutet das, dass Tanja von Anfang an aktiv in den Prozess integriert ist und diesen mitbestimmt. Die Sozialpädagogin Anne Schmitz leitet sie durch die Erstellung. Im ersten Schritt werden alle Kontaktpersonen der ratsuchenden Person auf einem Blatt Papier aufgelistet und in Bereichen zusammengefasst (Bullinger & Nowak, 1998, S. 176). Diese Bereiche umfassen üblicherweise die vier folgenden Sektoren: Familie, Freunde/Bekannte, Kollegen:innen bzw. Schule sowie professionelle Beziehungen (Wendt, 2021, S. 156 – 157). Im nächsten Schritt werden die benannten Personen eigenständig durch Tanja in eine vorgegebene Netzwerkkarte eingetragen (Bullinger & Nowak, 1998, S. 176). Hierbei werden weibliche Personen durch Kreise illustriert, während männliche Personen durch Rechtecke und Gruppen durch Dreiecke repräsentiert werden. Personen, die in Beziehung zueinanderstehen, werden durch eine Linie miteinander verbunden. Im Zentrum der Netzwerkkarte wird Tanja abgebildet. „Die Beziehungsqualität (Nähe, Distanz, Bindung und deren Intensität) wird durch das Maß der Entfernung der relevanten Personen von [ihr] im Zentrum ausgedrückt“ (Wendt, 2021, S. 159). Schließlich wird im letzten Schritt die fertige Netzwerkkarte gemeinsam durch Tanja und Anne Schmitz auf besondere Auffälligkeiten analysiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Netzwerkperspektive in der Sozialen Arbeit ein und legt die methodische Vorgehensweise der Fallstudie fest.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert zentrale Fachbegriffe wie Jugendberufshilfe sowie soziale Netzwerke und klassifiziert verschiedene Netzwerktypen und deren Kriterien.
3 Fallrekonstruktion: Hier wird das Fallbeispiel einer 16-jährigen Jugendlichen im Kontext der Jugendberufshilfe vorgestellt, die unter schulischer Verweigerung und familiären Spannungen leidet.
4 Methodenanwendung: In diesem Kapitel werden fünf handlungsleitende Prinzipien der Netzwerkarbeit auf den Fall übertragen und die konkrete Technik der Netzwerkkarte erläutert.
5 Möglichkeiten und Grenzen: Dieser Teil reflektiert den Nutzen der Methode zur Aktivierung sozialer Ressourcen und thematisiert kritisch die Hilfe/Kontroll-Problematik sowie subjektive Verzerrungen.
6 Fazit: Das Fazit resümiert die Eignung der Netzwerkarbeit als unterstützendes Instrument und betont die Notwendigkeit einer reflexiven Anwendung der Methode.
Schlüsselwörter
Soziale Netzwerkarbeit, Jugendberufshilfe, Netzwerkkarte, Sozialpädagogik, Fallstudie, soziale Unterstützung, Netzwerkforschung, Ressourcenorientierung, Fallrekonstruktion, Hilfeprozess, Sozialraum, Beziehungsqualität, Interventionsmethode, Partizipation, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Methode der sozialen Netzwerkarbeit in der Praxis der Sozialen Arbeit und veranschaulicht diese anhand eines praktischen Fallbeispiels aus der Jugendberufshilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen sozialer Netzwerke, die Unterscheidung von Netzwerktypen, die methodische Anwendung bei der Arbeit mit Jugendlichen sowie die kritische Reflexion von Chancen und Risiken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die Methode der sozialen Netzwerkarbeit die Beziehungsstrukturen von Klienten sichtbar gemacht und deren soziale Unterstützungspotenziale gezielt aktiviert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Fallstudie, die einen dokumentierten Praxisprozess (Fallrekonstruktion) nutzt, um die Anwendung der Netzwerkarbeit und die Erstellung einer Netzwerkkarte theoriegeleitet darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der Begriffe, die Vorstellung eines konkreten Falls, die Anwendung der fünf handlungsleitenden Prinzipien auf diesen Fall und die detaillierte Beschreibung des Werkzeugs „Netzwerkkarte“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie soziale Netzwerkarbeit, Ressourcenorientierung, Jugendberufshilfe und Fallrekonstruktion definiert.
Welche Bedeutung hat das Fallbeispiel für die Arbeit?
Das Fallbeispiel dient dazu, die theoretischen Methoden der Netzwerkanalyse praxisnah zu demonstrieren, insbesondere indem es zeigt, wie die Erstellung einer Netzwerkkarte die Reflexion der Klientin fördert.
Welche Grenze der sozialen Netzwerkarbeit wird explizit genannt?
Eine zentrale Grenze ist die sogenannte „Hilfe/Kontroll-Problematik“, da die Fachkraft durch die detaillierte Erhebung persönlicher Beziehungsgeflechte sehr nah in das Privatleben der Klientel rückt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Soziale Netzwerkarbeit. Darstellung der Methode anhand eines Fallbeispiels aus der Jugendberufshilfe, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1222889