Als wesentliches Bindeglied der wechselvollen Epoche zwischen Antike und Mittelalter gilt der katholische Heilige und Philosoph Augustinus von Hippo. Nicht nur als lateinischer Kirchenvater, sondern auch als literarischer Avantgardist beeinflusste er die aufstrebende Kirche und die christliche Gesellschaft des Abendlandes über Jahrhunderte hinweg. Augustinus Zeit war eine gefährliche und unsichere Ära, die es anhand des neuen religiösen Zeitgeistes erst zu analysieren galt. In einem seiner ersten Hauptwerke, den "Confessiones" stellte er sich deshalb die Frage, weshalb es all das Übel und das Böse um ihn herum überhaupt gibt, woher es rührt und wie es in die Welt kam. Dies ist eines der Leitmotive der augustinischen Philosophie und auch der Untersuchungsaspekt dieser Arbeit.
Im Folgenden soll zunächst erläutert werden, wie Augustinus das Übel in seinen "Confessiones" definiert und anschließend, wie er sich den Ursprung des Bösen und des bösen Willens erklärt und sie dadurch letztendlich rechtfertigt. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf einem Vergleich mit den Ansichten der spätantiken, gnostischen Sekte des Manichäismus. Dieser Strömung gehörte Augustinus fast ein Jahrzehnt an und obgleich er sie später oft kritisierte und zu widerlegen versuchte, ist ihr Einfluss auf seine Werke und damit auf einen Pfeiler der christlich-mittelalterlichen Lehrmeinung der katholischen Kirche nicht endgültig geklärt. Deshalb werden in dieser Arbeit auch Beeinflussungen von Augustinus christlichen Lehren durch den Neuplatonismus außer Acht gelassen. Eine Zusammenfassung und ein Fazit schließen die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Übel bei Augustinus und im Manichäismus
2.1 Definition und Herkunft des Bösen
2.2 Der böse Wille
3. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das philosophische Verständnis des Übels und des Bösen bei Augustinus von Hippo, wobei ein besonderer Fokus auf der Abgrenzung zu seiner früheren manichäischen Weltanschauung liegt.
- Analyse des augustinischen Begriffs des Übels als Privation
- Vergleich mit dem dualistischen Weltbild des Manichäismus
- Untersuchung der Rolle des freien Willens und der Erbsünde
- Darstellung des Wandels von einer metaphysischen Masse zu einem moralischen Defizit
- Reflektion über die Bedeutung der Confessiones für das christliche Denken
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition und Herkunft des Bösen
Augustinus „Confessiones“ sind in erster Linie zwar eine Autobiographie, die neben vielen weiteren Interpretationen und Deutungsansätzen aber auch deutlich Aspekte seiner christlichen, metaphysischen Weltsicht offenbaren. Damit verbunden ist auch seine harsche Kritik an der gnostischen Sekte der Manichäer.
Im fünften Buch der „Confessiones“ beispielsweise erzählt Augustinus von seinem Aufenthalt in Rom, den dort herrschenden Missständen und seiner anschließenden Reise nach Mailand, wo er als Rhetoriklehrer Anstellung findet und auf Bischof Ambrosius trifft. Dieser Lebensabschnitt entfernt ihn vom Manichäismus und bringt ihm dem Christentum näher. Immer wieder legt er dabei jedoch auch die Sichtweisen des Manichäismus dar, dem er in dieser Zeit noch folgte, und dementiert diese gleichzeitig.
So erklärt er in Conf. V 10,18-13,23, dass er jahrelang gesündigt habe und zwar aus dem einfachen Grunde, dass es seiner damaligen, manichäischen Ansicht nach gar nicht möglich sei, überhaupt einer Schuld und Sünde teilhaft zu sein. Diese liegen außerhalb, bei etwas Unbekanntem. Dieses reine Böse definiert Augustinus nicht zwingend als ein aktives Etwas, aber zumindest als ein selbstständiges Sein und „eine häßliche und ungestalte Masse“. Gott sei ebenfalls eine Masse. Augustinus glaubte damit „Gottes würdiger zu denken“, da ein guter Gott seiner Ansicht nach niemals etwas Schlechtes erschaffen oder dafür verantwortlich sein könnte. Eine eigenständige und dem Guten und damit Gott entgegengesetzte Entität erschien ihm logisch und gottgefällig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet Augustinus historisch als Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter und führt in die Fragestellung nach dem Ursprung des Bösen ein.
2. Das Übel bei Augustinus und im Manichäismus: Hier wird der theoretische Kern der Arbeit behandelt, indem Augustinus’ Kritik am manichäischen Dualismus und seine eigene Definition des Bösen als Abwesenheit des Guten erläutert werden.
2.1 Definition und Herkunft des Bösen: Dieser Unterpunkt untersucht die metaphysische Herleitung des Bösen und die Überwindung des manichäischen Substanzdenkens durch das christliche Konzept des Seins als Gutsein.
2.2 Der böse Wille: Dieser Abschnitt thematisiert die menschliche Willensschwäche, die Erbsünde und die Unentschlossenheit des Menschen zwischen dem Streben nach dem Guten und der Hinwendung zum Bösen.
3. Zusammenfassung und Fazit: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung und ordnet die Bedeutung von Augustinus für die christliche Lehrmeinung ein.
Schlüsselwörter
Augustinus, Confessiones, Manichäismus, das Böse, Übel, Privation, Willensfreiheit, Erbsünde, Sündenfall, Metaphysik, Ontologie, Christentum, Spätantike, Dualismus, Theodizee.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Augustinus von Hippo in seinen „Confessiones“ das Phänomen des Bösen definiert und welche Rolle dabei sein Bruch mit dem Manichäismus spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die metaphysische Deutung des Bösen, das Verhältnis von Sein und Gutsein, die Lehre vom freien Willen sowie die historische Entwicklung des christlichen Gottesbildes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den augustinischen Begriff des Übels als „Privation“ (Mangel an Gutem) zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie Augustinus sich von seiner früheren dualistischen Anschauung distanzierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer interpretativen Analyse der „Confessiones“ unter Einbeziehung relevanter fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zu Augustinus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition des Bösen sowie die psychologisch-philosophische Dimension des „bösen Willens“ und die damit verbundene Problematik der menschlichen Unentschlossenheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Augustinus, Manichäismus, Privation, Sündenfall, Erbsünde, Willensfreiheit und die Unterscheidung zwischen Sein und Materie.
Wie unterscheidet sich Augustinus’ Auffassung des Bösen vom Manichäismus?
Während der Manichäismus das Böse als eine eigene, materielle Substanz sieht, begreift Augustinus das Böse als ein bloßes „Nichtsein“ oder eine Korruption des Guten.
Was bedeutet der „zerrissene Wille“ in der Philosophie des Augustinus?
Augustinus beschreibt damit die Unfähigkeit des Menschen, sich vollständig zum Guten zu bekennen, da der Wille durch die Erbsünde gespalten ist und zwischen göttlichem Streben und irdischer Gewohnheit schwankt.
Warum spielt die Erbsünde eine zentrale Rolle in der Argumentation?
Die Erbsünde dient bei Augustinus als Erklärung für die moralische Unvollkommenheit des Menschen und für das menschliche Leid, das trotz eines guten Gottes in der Welt existiert.
- Arbeit zitieren
- Christian Schaller (Autor:in), 2016, "Unde malum?" – Das Übel bei Augustinus und im Manichäismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1215487