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Grundfragen des tschechischen Bildungswesens zwischen Subsidiarität und Fremdbestimmung

Titel: Grundfragen des tschechischen Bildungswesens zwischen Subsidiarität und Fremdbestimmung

Magisterarbeit , 2008 , 146 Seiten , Note: sehr gut

Autor:in: Johanna Fürmann (Autor:in)

Pädagogik - Geschichte der Pädagogik

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Grundfragen des tschechischen Bildungswesens im Spannungsfeld zwischen Subsidiarität und Fremdbestimmung. Da sich dieses Spannungsfeld historisch gesehen Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts besonders stark auszuformen begann, liegt der zeitliche Fokus der ersten Kapitel zu den historischen Betrachtungen des Bildungswesens zwischen 1848 und 1939.

Das tschechische Bildungswesen bietet aufgrund der besonderen geschichtlichen Entwicklung der Tschechischen Republik, beziehungsweise der ehemaligen Böhmischen Länder, einen spannenden, lehrreichen und zukunftsweisenden Forschungsgegenstand, der im Folgenden näher erklärt werden soll.
Aufgrund der historischen Erfahrung der langen Fremdbestimmung im Vielvölkerstaat der Habsburger Monarchie, stellt die Tschechische Republik geradezu ein Studienobjekt für gesamteuropäische Entwicklungen und politisch-gesellschaftliche Integrationsversuche dar.
Friedrich Prinz schreibt hierzu:
„Mit dem Nationalismus sind wir ... bei jenem Themenkomplex angelangt, für den Böhmen im allerweitesten Sinne ein Paradebeispiel gesamteuropäischer Entwicklung, ja mondialer Tendenzen geworden ist;“ (Friedrich Prinz, 2003, S. 29/30)

Des Weiteren beschreibt Prinz die Geschichte Europas als eine Geschichte von Emigrationsbewegungen und konstatiert darin eine Art innerer Einheit des Kontinents, die auf ganz natürliche Weise hilft, die nationalstaatlichen Beschränkungen zu überwinden, die lange Zeit in Europa herrschten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Problemdarstellung Spannungsfeld zwischen Subsidiarität und Fremdbestimmung

2. Grundfragen des tschechischen Bildungswesens

2.1. Historische Betrachtung

2.1.1.Das Bildungswesen der Böhmischen Länder zwischen 1620-1848

2.1.2.Das Bildungswesen von der Zeit der nationalen Wiedergeburt bis zur 1. Tschechoslowakischen Republik (1848-1918)

2.1.3.Bildung in der 1. Tschechoslowakischen Republik (1918-1939)

2.1.4.Das Sozialistische Bildungswesen (1848-1989)

2.2. Aktuelle Trends und Entwicklungen

2.2.1.Phase des Umbruchs - Transformation im Bildungswesen nach 1989

2.2.2.Entwicklungen seit dem EU-Beitritt am 1. Mai 2004

3. Das allgemeine Bildungswesen im Kompetenzbereich der EU - zwischen Subsidiarität und Kohäsion

3.1. Maastricht, Lissabon, Bologna - Einflüsse der Wirtschaft auf die Strukturen des Bildungswesens

3.2. Entwicklung eines europäischen Bildungswesens - Grünbuch zur Europäischen Dimension im Bildungswesen

3.3. Grundlagen/ Kernideen des europäischen Bildungswesens

3.4. Richtlinien der EU für die europäische Dimension im Bildungswesen der nationalen Bildungssysteme

4. Umsetzung des europäischen Bildungsauftrages in den aktuellen Bildungsprogrammen der Tschechischen Republik

4.1. Die aktuellen Bildungsprogramme der Tschechischen Republik

4.1.1.Bílá kniha („Weißbuch“ zur Entwicklung der Bildung in der Tschechischen Republik)

4.1.2.Bildungsrahmenprogramm der Grundbildung

4.2. Nationale Besonderheiten/ Ideen/ Innovationen

5. Schlussfolgerungen und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Grundfragen des tschechischen Bildungswesens im historischen Spannungsfeld zwischen nationaler Selbstbestimmung und dem Einfluss supranationaler Instanzen. Dabei wird untersucht, wie sich die Tschechische Republik im Kontext europäischer Bildungsvorgaben und der Transformation nach 1989 positioniert und ob nationale Innovationen oder eine starke Orientierung an externen Vorgaben dominieren.

  • Historische Entwicklung des tschechischen Bildungssystems (1848–1989)
  • Einfluss der Europäischen Union und ihrer Verträge auf nationale Strukturen
  • Transformation und Modernisierung tschechischer Bildungsprogramme nach 1989
  • Bürgererziehung und europäische Identität in Lehrplänen
  • Spannungsfeld zwischen nationaler Souveränität und europäischer Integration

Auszug aus dem Buch

2.1.2 Das Bildungswesen von der Zeit der nationalen Wiedergeburt bis zur 1. Tschechoslowakischen Republik (1848-1918)

Das Schulwesen der böhmischen Länder zeichnete sich, laut Friedrich Prinz, im 19. Jahrhundert vor allem durch zwei Tatbestände aus. Erstens durch das dichteste Schulnetz der Habsburger Monarchie, mit den differenziertesten Schulformen, und zweitens durch den Schulausbau von 1869, der nicht nur durch die Industrialisierung, sondern auch durch die nationale Ideologie und die erstarkende nationale Wiedergeburt, getragen wurde.

Wie Friedrich Prinz in seiner Analyse des Schulwesens der Böhmischen Länder feststellte, so wurde in der älteren Forschung der Fokus zu sehr auf den nationalen Aspekt der Schulfrage gelenkt und der seiner Meinung nach viel wichtigere Zusammenhang zwischen Industrialisierung und Ausbau, beziehungsweise Umstrukturierung des Schulwesens vernachlässigt. So verbreitete und differenzierte sich das Schulwesen der Böhmischen Länder vor allem im Zuge der neuen Erfordernisse einer arbeitsteiligen Industriegesellschaft und dies zunächst gleichermaßen bei Tschechen und Deutschen.

Prinz betont in seinen Ausführungen immer wieder, dass Struktur, Qualität und Umfang des Bildungswesens nicht ausschließlich Ergebnis des Nationalitätenkampfes waren, sondern verstärkt durch die neuen Anforderungen, in Zusammenhang mit der Industrialisierung, begünstigt wurden. So stehen seiner Meinung nach Schul- und Industrialisierungskarte Böhmens und Mährens in einem engen Zusammenhang.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Spannungsfeldes zwischen Subsidiarität und Fremdbestimmung ein und begründet den zeitlichen Fokus der Arbeit.

2. Grundfragen des tschechischen Bildungswesens: Dieses Kapitel arbeitet die historische Entwicklung des tschechischen Schulwesens von der Habsburger Zeit bis zum Ende des Sozialismus auf.

3. Das allgemeine Bildungswesen im Kompetenzbereich der EU - zwischen Subsidiarität und Kohäsion: Hier wird der Einfluss der EU-Verträge auf nationale Bildungssysteme und die Entwicklung einer europäischen Dimension im Bildungswesen diskutiert.

4. Umsetzung des europäischen Bildungsauftrages in den aktuellen Bildungsprogrammen der Tschechischen Republik: Das Kapitel analysiert die praktische Anwendung der aktuellen Bildungsprogramme, wie das "Weißbuch", und untersucht nationale Besonderheiten.

5. Schlussfolgerungen und Ausblick: Das Fazit fasst das Verhältnis zwischen tschechischer Souveränität und europäischer Integration zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Tschechien, Bildungswesen, Subsidiarität, Fremdbestimmung, Europäische Integration, Bildungsrahmenprogramm, nationale Identität, Industrialisierung, Schulreformen, Bürgererziehung, Transformation, EU-Beitritt, Weißbuch, Curriculum, Habsburger Monarchie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Entwicklung und die aktuellen Grundfragen des tschechischen Bildungswesens im Spannungsfeld zwischen dem Anspruch auf nationale Selbstbestimmung und dem Einfluss supranationaler Akteure wie der EU.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung seit 1848, der Einfluss der industriellen Modernisierung, der Transformationsprozess nach 1989 sowie die Anpassung an europäische Bildungsstandards.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu analysieren, wie Tschechien den Spagat zwischen der Bewahrung der eigenen nationalen Identität im Bildungswesen und der notwendigen Integration in das europäische Bildungssystem bewältigt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse historischer und aktueller Dokumente, Bildungsberichte sowie pädagogische Theorien namhafter Experten wie Friedrich Prinz und Jan Průcha.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der tschechischen Bildungsgeschichte, die Untersuchung der EU-Bildungspolitik und eine kritische Betrachtung der aktuellen tschechischen Lehrplanreformen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind tschechisches Bildungswesen, Subsidiarität, Europäische Integration, nationale Identität, Bildungstransformation und Bildungsrahmenprogramm.

Inwiefern beeinflussen historische Erfahrungen das tschechische Bildungssystem?

Das System ist stark von der Erfahrung der Fremdbestimmung während der Habsburger Monarchie und der kommunistischen Ära geprägt, was zu einem Bedürfnis nach schneller Modernisierung führt.

Warum ist die Rolle der Bürgererziehung in Tschechien besonders?

Tschechien gilt als Vorreiter, da es die Bürgererziehung als ein explizites, separates Fach in den Lehrplan integriert hat, anstatt sie nur fächerübergreifend zu behandeln.

Ende der Leseprobe aus 146 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Grundfragen des tschechischen Bildungswesens zwischen Subsidiarität und Fremdbestimmung
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Note
sehr gut
Autor
Johanna Fürmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
146
Katalognummer
V121426
ISBN (Buch)
9783640250752
ISBN (eBook)
9783640250844
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundfragen Bildungswesens Subsidiarität Fremdbestimmung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johanna Fürmann (Autor:in), 2008, Grundfragen des tschechischen Bildungswesens zwischen Subsidiarität und Fremdbestimmung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/121426
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