Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit den philosophisch-anthropologischen Konzeptionen von Friedrich Nietzsche und Albert Camus. Um diese besser darstellen zu können, werden sie im Kontext weiterer Thesen der nietzscheanischen und camusschen Philosophie betrachtet und diskutiert.
Das Ziel der Arbeit ist, die philosophischen Entwürfe zu erläutern und Analogien bzw. Unterschiede der beiden Denker zu zeigen und herauszustellen. Aus diesem Grund wurde ebenso auf biographisches Material wert gelegt. Dieses vervollständigt die Thematik dieser Diplomarbeit.
Inhaltsverzeichnis
1) Der Jünger des Dionysos: Friedrich Nietzsche
2) Auf Prometheus´ Spuren: Albert Camus
1) Friedrich Nietzsche: Gottes Tod oder Die Versuchung durch das Nichts
2) Das Absurde und die schweigende Welt in Camus´ Philosophie
1) Nietzsche: Vom „freien Geist“ zum „Übermenschen“
1a) Über den Mut zur intellektuellen Redlichkeit
1b) Der Mensch als Glied zwischen Tier und Übermensch
2) Camus: Sisyphos und Prometheus – Zwei Helden
2a) Sisyphos` Lächeln oder Der Mensch im Angesicht des Absurden
2b) Die Darstellung des „absurden Menschen“ als philosophisches Projekt
2c) Prometheus´ Erben: Über Verantwortung und Solidarität
1) Analogien und Gemeinsamkeiten im Denken von Nietzsche und Camus
2) Missverständnisse, Fehldeutungen und Interpretationen von Nietzsches und Camus´ Denken
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Diplomarbeit untersucht die anthropologischen Konzeptionen von Friedrich Nietzsche und Albert Camus mit dem Ziel, deren Vorstellungen vom Menschsein in einer als sinnlos und gottlos erfahrenen Welt darzulegen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie das Individuum nach dem „Tod Gottes“ und angesichts des „Absurden“ zu einer neuen Sinnstiftung, Freiheit und moralischen Verantwortung gelangen kann.
- Vergleich der philosophischen Ansätze von Nietzsche und Camus zu Nihilismus und Atheismus.
- Analyse der Ideale des „freien Geistes“ und des „Übermenschen“ bei Nietzsche.
- Untersuchung der heroischen Figuren Sisyphos und Prometheus bei Camus.
- Aufarbeitung von Analogien sowie historischen Missverständnissen in der Rezeption beider Denker.
Auszug aus dem Buch
1) Der Jünger des Dionysos: Friedrich Wilhelm Nietzsche
Wir befinden uns im Jahre 1844 inmitten des kleinen Dorfes Röcken, genauer gesagt im von der Kirche überschatteten Pfarrhaus, in dem am 15. Oktober Friedrich Wilhelm Nietzsche als Sohn des protestantischen Pastors Carl Ludwig Nietzsche und dessen Frau Franziska Nietzsche (vormals Oehler) das Licht der Welt erblickt. Noch ahnt keiner welch herausragende Wirkung der Pastorensohn für das Geistesleben der folgenden Jahrzehnte haben wird, wie visionär und radikal er seiner Zeit gegenübertreten wird und – wie sehr er in Misskredit gebracht werden wird.
Nietzsche bleibt nicht das einzige Kind des Paares, eine Schwester, Elisabeth Nietzsche, folgt 1846. Man sollte nun meinen, dass der kleine Friedrich in einer familiären Idylle aufwächst, in der Religion, Fleiß und Musikalität gelebt werden. Nun passiert der Familie ein Schicksalsschlag, den vor allem Nietzsche zeitlebens nicht verwinden wird: Carl Ludwig Nietzsche erliegt 1848 einer schweren Gehirnerkrankung. Die junge Witwe zieht darauf mit den beiden Geschwistern, zwei Tanten und der Großmutter väterlicherseits nach Naumburg und ist darauf bedacht, ihre beiden Kinder fromm zu erziehen, ihnen einen gesunden Körper zu bewahren und das alltägliche Leben wieder aufzunehmen. Sie versucht ihren „Fritz“ davor zu bewahren, „´anders als die andern` zu sein, sich ausschließlich dem Lesen, Dichten und der Musik zu widmen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1) Der Jünger des Dionysos: Friedrich Nietzsche: Dieses Kapitel bietet einen biographischen Überblick über das Leben, das Wirken und die zentralen Lebensstationen von Friedrich Nietzsche.
2) Auf Prometheus´ Spuren: Albert Camus: Dieser Abschnitt zeichnet den Lebensweg von Albert Camus nach, von seiner Kindheit in Algerien bis zu seinen literarischen und philosophischen Erfolgen.
1) Friedrich Nietzsche: Gottes Tod oder Die Versuchung durch das Nichts: Hier wird Nietzsches Diagnose des Nihilismus und der Tod Gottes als Ausgangspunkt für die philosophische Umwertung aller Werte analysiert.
2) Das Absurde und die schweigende Welt in Camus´ Philosophie: Der Abschnitt klärt das camussche Konzept des Absurden und das Verhältnis des Menschen zu einer Welt, die auf seine Sinnfragen schweigt.
1) Nietzsche: Vom „freien Geist“ zum „Übermenschen“: Die Entwicklung vom Ideal des „freien Geistes“ hin zum „Übermenschen“ wird als anthropologischer Prozess der Selbstüberwindung dargestellt.
2) Camus: Sisyphos und Prometheus – Zwei Helden: Dieses Kapitel behandelt die mythologischen Figuren Sisyphos und Prometheus als Modelle für den Umgang mit dem Absurden und die Begründung einer säkularen Moral.
1) Analogien und Gemeinsamkeiten im Denken von Nietzsche und Camus: Die Arbeit vergleicht das Denken beider Philosophen, insbesondere ihre Ablehnung von Transzendenz und ihre Verankerung im „naturhaften“ Denken.
2) Missverständnisse, Fehldeutungen und Interpretationen von Nietzsches und Camus´ Denken: Abschließend werden die Gründe für die oft problematische Rezeption beider Denker, insbesondere den Missbrauch durch totalitäre Ideologien, kritisch beleuchtet.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Albert Camus, Nihilismus, Gottes Tod, Das Absurde, Übermensch, Sisyphos, Prometheus, Wille zur Macht, Ewige Wiederkehr, Existentialismus, Moral, Anthropologie, Solidarität, Revolte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den philosophisch-anthropologischen Konzeptionen von Friedrich Nietzsche und Albert Camus und ihrem Umgang mit einer Welt ohne Sinn und Gott.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Nihilismus, die Auseinandersetzung mit dem Christentum, das Konzept der Freiheit und die Frage nach der ethischen Verantwortung des Individuums.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Konzepte beider Philosophen zum Thema „Menschsein“ zu erläutern und ihre jeweiligen Lösungsansätze für das Leiden am sinnlosen Dasein aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Arbeit, die primär textanalytisch und komparativ vorgeht, indem sie die Schriften der beiden Denker in Bezug zueinander setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die biographischen Hintergründe, die philosophische Begründung des Absurden/Nihilismus sowie die anthropologischen Ideale wie Übermensch, Sisyphos und Prometheus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Nihilismus, Gott ist tot, Absurdität, Übermensch, Wille zur Macht, Revolte und Solidarität.
Warum wird Camus oft kritisch gegenüber Nietzsches „Herrenmoral“?
Camus befürchtet, dass Nietzsches Ideen – obwohl sie von ihm nicht so gemeint waren – den Mord legitimieren könnten, und fordert stattdessen eine Moral der Solidarität und des Maßes.
Wie unterscheidet sich Sisyphos von Caligula bei Camus?
Während Sisyphos das Absurde akzeptiert und als „glücklicher Mensch“ in Solidarität lebt, verfällt Caligula in eine destruktive Maßlosigkeit und verweigert die Revolte.
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- Dr. phil. Lisz Hirn (Author), 2006, Über das Menschsein in einer Welt ohne Sinn und ohne Gott, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/121225