Diese Hausarbeit beginnt mit einer Annäherung an den Begriff des literarischen Frauenbildes um 1200 und führt im Hauptteil zu einer Analyse der Figur Brünhild im Nibelungenlied und einer Untersuchung der Frauen von Bechelaren, wodurch abschließend eine vergleichende Darstellung dieser Frauenschicksale erfolgt.
Die dichterische Fassung des Nibelungenliedes der Zeit um 1200 zeigt verschiedene Frauenbilder auf, welche auf die Schwierigkeiten der Geschlechterrollen hinweisen und diese verschleiert thematisieren.1 Bei Brünhild und den Frauen von Bechelaren handelt es sich um weibliche Figuren, dessen Bilder vom Nibelungenlied verschieden gezeichnet
worden sind, weshalb sie eine andersartige Entwicklung durchlaufen und somit unterschiedlichen Einfluss auf die Denk- und Handlungsweisen anderer Figuren sowie den Handlungsverlauf nehmen. Aus diesem Grund erfolgt eine Untersuchung und Gegenüberstellung dieser nibelungischen Frauen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Brünhild und die Frauen von Bechelaren im Nibelungenlied
1.1 Zum Begriff des literarischen Frauenbildes um 1200
1.1.1. Die Idealvorstellung einer höfischen Frau
1.1.2. Perspektiven der Forschung
1.1.3. Begründung der Vorgehensweise
2. Hauptteil
2.1. Die Figur der Brünhild im Nibelungenlied
2.1.1. Brünhild als mächtige Kriegskönigin auf Isenstein
2.1.2. Brünhild als weibliche Bedrohung für die männliche Welt der höfischen Gesellschaft
2.1.3. Brünhilds Machtwandel
2.2. Die Frauen von Bechelaren
2.2.1. Der Familienzusammenhalt in Bechelaren
2.2.2. Die Bedeutung von Stand, Herkunft und Geschlecht
2.3 Das Schicksal der Frauen im Vergleich
2.3.1. Brünhild und die Frauen von Bechelaren
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Frauenbilder im Nibelungenlied anhand eines Vergleichs der Figuren Brünhild und der Frauen von Bechelaren. Ziel ist es aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Strukturen, Geschlechterrollen und narrative Muster die narrative Existenz, Handlungsmacht und soziale Inklusion bzw. Exklusion dieser Figuren innerhalb der mittelalterlichen Erzählwelt bestimmen.
- Konzeption des höfischen Frauenbildes um 1200
- Analyse von Macht, Autonomie und Domestizierung bei Brünhild
- Untersuchung von Abhängigkeit, Familie und Stand bei den Frauen von Bechelaren
- Vergleichende Betrachtung von Exklusionsmechanismen und Machtverhältnissen
- Diskussion der geschlechtsspezifischen Rollenverteilung im Nibelungenlied
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Figur der Brünhild im Nibelungenlied
Ez was ein küneginne gesezzen über sê, ir gelîche enheine man wesse ninder mê. diu was unmâzen schóene, vil michel was ir kraft. si schôz mit snellen degenen umbe mínné den schaft. (326)
In dieser Strophe der sechsten Aventiure des Nibelungenliedes kommt es zur Vorstellung der weiblich mythologischen Hauptfigur Brünhild. Sie wird als eine einzigartige, unbeschreiblich schöne und mächtige Königin von Isenstein vorgestellt, welche über eine ungewöhnliche Kraft verfügt. Diese nutzt sie, um sich in sportlichen Wettkämpfen mit kampfschnellen Männern, die ihre Liebe gewinnen wollen, zu messen. Schon aus dieser ersten Strophe lässt sich ableiten, dass es sich bei der weiblichen Alleinherrscherin Brünhild um eine zweidimensionale Figur handelt, die sowohl höfische Schönheit, als auch heroische Stärke besitzt und somit dem stereotypen Frauenbild der Zeit um 1200 trotzt. Das Bild der Figur ist demnach durch kontrastierende Elemente geprägt, welche ein für das Nibelungenlied typisches Zusammentreffen von Spannungsverhältnissen darstellen. Aus diesem Grund erfolgt nun eine tiefergehende Untersuchung der Figur, um die Widersprüchlichkeiten hypothetisch angemessen aufzulösen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Brünhild und die Frauen von Bechelaren im Nibelungenlied: Diese Einleitung führt in die Thematik der literarischen Frauenbilder im Nibelungenlied ein und erläutert die methodische Herangehensweise zur Untersuchung der Figurenkonzeptionen.
1.1 Zum Begriff des literarischen Frauenbildes um 1200: Hier wird das Konzept des höfischen Ideals und die Bedeutung des höfischen Wertekonsens für das Verhalten von Frauen definiert.
1.1.1. Die Idealvorstellung einer höfischen Frau: Dieser Abschnitt beschreibt die Anforderungen an die äußere Erscheinung und das tugendhafte Auftreten einer höfischen Dame.
1.1.2. Perspektiven der Forschung: Es wird ein Überblick über den Stand der Forschung zu den Frauenfiguren im Nibelungenlied gegeben und deren Relevanz für diese Arbeit dargelegt.
1.1.3. Begründung der Vorgehensweise: Die methodische Struktur der Untersuchung wird erläutert, beginnend mit der Einzelfallanalyse bis hin zum finalen Vergleich.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Brünhilds heroischer Charakteristik und der Analyse der Frauen von Bechelaren sowie deren abschließendem Vergleich.
2.1. Die Figur der Brünhild im Nibelungenlied: Eine Analyse von Brünhilds Charakter als kriegerische Königin und ihrer Entwicklung im Verlauf der Erzählung.
2.1.1. Brünhild als mächtige Kriegskönigin auf Isenstein: Dieser Teil beleuchtet die archaischen und heroischen Aspekte von Brünhilds Figur im Kontrast zum höfischen Ideal.
2.1.2. Brünhild als weibliche Bedrohung für die männliche Welt der höfischen Gesellschaft: Eine Untersuchung, warum Brünhilds Macht und Unabhängigkeit als Gefahr für die männliche Hierarchie wahrgenommen werden.
2.1.3. Brünhilds Machtwandel: Hier wird die Täuschung Brünhilds durch die Männer und ihre darauffolgende Domestizierung beschrieben.
2.2. Die Frauen von Bechelaren: Dieses Kapitel widmet sich der Markgräfin Gotelind und ihrer Tochter als Repräsentantinnen höfischer Gastfreundschaft.
2.2.1. Der Familienzusammenhalt in Bechelaren: Die Analyse konzentriert sich auf die familiäre Harmonie und die Ambivalenz in den Gefühlen gegenüber gesellschaftlichen Verpflichtungen.
2.2.2. Die Bedeutung von Stand, Herkunft und Geschlecht: Dieser Abschnitt zeigt auf, wie der soziale Status und die Abhängigkeit von Rüdiger das Schicksal der Frauen von Bechelaren bestimmen.
2.3 Das Schicksal der Frauen im Vergleich: Eine vergleichende Gegenüberstellung der Schicksale von Brünhild und den Frauen von Bechelaren unter Berücksichtigung von Inklusions- und Exklusionsprozessen.
2.3.1. Brünhild und die Frauen von Bechelaren: Synthese der Erkenntnisse über die Abhängigkeit weiblicher Schicksale von der patriarchalischen Gesellschaftsordnung.
3. Schluss: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und Fazit zur Unterdrückung der Frau im Nibelungenlied.
Schlüsselwörter
Nibelungenlied, Brünhild, Frauen von Bechelaren, höfisches Frauenbild, Geschlechterrollen, Patriarchat, Domestizierung, Macht, Abhängigkeit, Exklusion, Inklusion, Mittelalter, Heldenepik, Intersektionalitätsforschung, soziale Hierarchie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Konzeptionen weiblicher Figuren im Nibelungenlied, insbesondere den Vergleich zwischen der mächtigen Brünhild und den Frauen von Bechelaren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die höfische Idealvorstellung um 1200, die Konstruktion von Geschlechterrollen, Mechanismen der gesellschaftlichen Ein- und Ausgrenzung sowie Machtverhältnisse innerhalb der mittelalterlichen Erzählwelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie das Nibelungenlied als narrativer Text Frauen in bestimmte Geschlechterrollen drängt und welche Auswirkungen diese Rollenzuweisungen auf deren Handlungsmacht und soziale Sichtbarkeit haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung erfolgt auf der Grundlage der Literaturanalyse unter Einbeziehung der Frauen- und Geschlechterforschung sowie Ansätzen der Intersektionalitätsforschung, um die Figuren in ihren gesellschaftlichen Kontext einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Figurenkonzeption von Brünhild, eine Analyse der Frauen von Bechelaren und eine abschließende vergleichende Gegenüberstellung, die das Phänomen von Macht und Ohnmacht beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Nibelungenlied, Brünhild, Geschlechterrollen, Patriarchat, Domestizierung und soziale Hierarchie.
Warum wird Brünhild als "Bedrohung" für die höfische Männerwelt bezeichnet?
Ihre heroische Stärke, ihre Unabhängigkeit als Herrscherin und die Tatsache, dass sie Männer in sportlichen Wettkämpfen besiegt, widersprechen den gängigen höfischen Konventionen und stellen die männliche Vorherrschaft in Frage.
Wie unterscheidet sich das Schicksal der Frauen von Bechelaren von dem Brünhilds?
Während Brünhild trotz ihrer Domestizierung ihre Position als Ehefrau innerhalb der Hierarchie bewahrt, führt das Schicksal der Frauen von Bechelaren nach dem Tod ihres Vormunds Rüdiger zum völligen Verlust ihres gesellschaftlichen Status und ihrer "Sichtbarkeit".
Welche Rolle spielt die Tarnkappe im Kontext von Brünhilds Machtwandel?
Die Tarnkappe ist das Werkzeug der Täuschung, mit dem Siegfried die übernatürliche Kraft Brünhilds bricht und sie in die für die mittelalterliche Gesellschaft vorgesehene Rolle der untergeordneten Ehefrau zwingt.
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- Hannah Charlotte Beckert (Author), 2021, Die Figur der Brünhild im Vergleich mit dem vom Nibelungenlied gezeichneten Bild der Frauen von Bechelaren, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1203758