Im Rahmen dieser Hausarbeit werden die jüdischen Stereotype in Thomas Manns "Wälsungenblut" untersucht, indem zunächst eine Annäherung an den Begriff der Stereotypisierung erfolgt, um auf diese Weise den Umgang mit sozial geteilten Denk- und Handlungsweisen in der Literatur analysieren zu können. Mittels einer Figurenzeichnung, einer Untersuchung der Erzählweise und einer Motivanalyse, werden die Stereotype des Jüdischen in der Novelle herausgearbeitet und abschließend deren Funktion beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Stereotype in Literatur
2 Thomas Mann: Stereotype des Jüdischen in Wälsungenblut
2.1 Identifikation von Stereotypen des Jüdischen in der Erzählung
2.1.1 Figurenzeichnung
2.1.2 Erzählweise
2.1.3 Motiv der Wälsungen
2.2 Funktion der jüdischen Stereotype in der Erzählung
3 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion jüdischer Stereotype in Thomas Manns Novelle Wälsungenblut. Ziel der Analyse ist es, aufzuzeigen, wie der Autor durch spezifische Figurenkonzeptionen, Erzählweisen und motivische Anlehnungen antisemitische Klischees reproduziert und welche Wirkung diese auf die Charakterisierung der jüdischen Familie Aarenhold haben.
- Analyse antisemitischer Stereotype in der Literatur der Moderne
- Untersuchung der Figurenzeichnung der Familie Aarenhold
- Analyse der erzählerischen Strategien zur Stigmatisierung
- Interpretation des Motivs der Wälsungen und des Wagner-Bezugs
- Reflexion über die Funktion der Stereotype für das Identitätskonstrukt im Text
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Figurenzeichnung
Folglich werden die äußeren Merkmale und die wesentlichen Charaktereigenschaften sowie Verhaltensweisen von Herrn und Frau Aarenhold, sowie den gemeinsamen Kindern, Kunz, Märit und die Zwillinge Siegmund und Sieglind, herausgearbeitet, um einen Überblick über die bedeutsamen Eigenarten erhalten und somit eine Vorstellung vom Wesen und Sein dieser für den Erzähltext bedeutsamen Figuren gewinnen zu können.
Herr Aarenhold ist ein im „Osten an entlegener Stätte geborener“ Privatmann, der durch seine „großartigen Machenschaften“, das heißt sein strebsames Verhalten im Rahmen seiner zurückliegenden Tätigkeit als Bergwerksunternehmer und seiner gewandten Beteiligung an der Börse, zu Reichtum kam, nun mit seiner Frau und seinen vier Kindern in einer üppig ausgestatteten Villa in Berlin lebt und finanziell zu einer vornehmen Lebensweise in der Lage ist. Das Auftreten dieser Figur wird von einer „ein wenig leidenden Art“ begleitet, die besonders durch die Verachtung, die ihm die restlichen Familienmitglieder entgegenbringen, deutlich wird. Diese Geringschätzung und Herabsetzung werden besonders in gemeinsamen Gesprächen der Familie mit Sieglinds Verlobten von Beckerath, bei dem es sich um einen Ministerialbeamten von vornehmer, christlicher Familie handelt, zum Ausdruck gebracht und sind durch seine Laufbahn als „Emporkömmling“, der aus keinem würdevollen Haus stammt, sich seinen gesellschaftlichen Status erkämpfen musste, nun im Überfluss lebt und sich mit taktlosem Protzen profiliert, begründet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung bettet das Thema in den Kontext des kollektiven Geschichtsbewusstseins und der literarischen Auseinandersetzung mit Antisemitismus ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Funktion jüdischer Stereotype in der Novelle.
1.1 Stereotype in Literatur: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Stereotypisierung und deren Wirkmacht in literarischen Texten als Instrument zur gesellschaftlichen Stigmatisierung.
2 Thomas Mann: Stereotype des Jüdischen in Wälsungenblut: Das Kapitel leitet die Analyse der Novelle ein und verknüpft das Werk mit den identifizierten antisemitischen Strukturen.
2.1 Identifikation von Stereotypen des Jüdischen in der Erzählung: Hier wird die konkrete Ausprägung der Stereotype in der Erzählung durch eine detaillierte Untersuchung der Figuren, der Erzählweise und der Motivik analysiert.
2.1.1 Figurenzeichnung: Es werden die äußeren und charakterlichen Merkmale der Familienmitglieder Aarenhold detailliert analysiert, um die stereotypen Zuschreibungen aufzuzeigen.
2.1.2 Erzählweise: Dieses Kapitel untersucht, wie die allwissende Erzählinstanz durch die Beschreibung von Äußerlichkeiten und Verhalten die jüdischen Figuren ausgrenzt und dehumanisiert.
2.1.3 Motiv der Wälsungen: Es wird analysiert, wie die Identifikation der Zwillinge mit dem urgermanischen Mythos Wagners als Ausdruck eines anmaßenden, selbstverliebten Daseins dient.
2.2 Funktion der jüdischen Stereotype in der Erzählung: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt, um aufzuzeigen, wie das Scheitern der Assimilation und die Darstellung der Andersartigkeit das negative Judenbild festigen.
3 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Analyseergebnisse und bewertet die Wirkung der Novelle im Hinblick auf die Verstärkung antisemitischer Positionen.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Wälsungenblut, Judentum, Antisemitismus, Stereotype, Literaturwissenschaft, Figurenzeichnung, Assimilation, Stigmatisierung, Richard Wagner, Erzählweise, Identitätskonstruktion, Vorurteile, Diskriminierung, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Darstellung von jüdischen Stereotypen in Thomas Manns Novelle "Wälsungenblut" und analysiert deren Funktion innerhalb des Textes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse antisemitischer Klischees, der literarischen Figurenkonzeption, dem Aspekt der Assimilation sowie der Wirkung der Erzählperspektive auf die Wahrnehmung der Figuren.
Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt?
Die zentrale Frage ist, welche spezifischen Stereotype des Jüdischen sich im Werk finden lassen und welche erzählerische Funktion diese bei der Charakterisierung der Familie Aarenhold erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text auf Grundlage der Figurenzeichnung, Erzählweise und der Motivik (insbesondere der Wagner-Rezeption) untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Identifikation der Stereotype anhand der Figuren, eine Untersuchung der Erzählweise sowie eine vertiefende Analyse des Motivs der Wälsungen in Bezug auf die Wagnersche Oper.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören unter anderem Thomas Mann, Antisemitismus, Stereotype, Assimilation, Stigmatisierung und die literarische Figurenzeichnung.
Wie bewertet die Autorin die historische Bedeutung der "Jiddisch-Schlusspointe"?
Die Autorin diskutiert die Schlusspointe kritisch und stellt fest, dass spätere Entschärfungen des Textes nicht ausreichen, um die grundlegende Stereotypisierung der jüdischen Figuren im Werk zu mildern.
Inwiefern spielt der Wagner-Bezug eine Rolle für das Verhalten der Zwillinge?
Der Wagner-Bezug dient den Zwillingen als Medium der Identifikation; sie übertragen den Mythos auf ihr bürgerliches Leben, was ihre Darstellung als arrogant und selbstverliebt verstärkt.
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- Hannah Charlotte Beckert (Author), 2021, Welche Stereotype des Jüdischen finden sich in Thomas Manns Werk "Wälsungenblut" und was für eine Funktion erfüllen diese?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1196735